Preissystem der Zukunft: SBB will Billettpreise stabilisieren

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Die SBB gestaltet zusammen mit der öV-Branche das Preissystem um. Ziel ist es, ein noch besseres Angebot für mehr Kunden anbieten zu können. Dazu muss die Auslastung des öffentlichen Verkehrs in den Nebenverkehrszeiten markant gesteigert werden. Die SBB unternimmt selber alles, damit die Preise möglichst moderat oder gar nicht mehr steigen. Mit dem Programm „Rail Fit20/30“ senkt die SBB die Kosten und steigert die Effizienz.

In Reaktionen auf ein Interview von SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, das Preis-Leistungsverhältnis beim GA soll markant verschlechtert werden. Langfristiges Ziel der SBB hingegen ist es, einen GA-Komfort für alle anzubieten. Reisende sollen überall ein- und aussteigen können, ohne sich um ein Ticket kümmern zu müssen. Nach der Fahrt soll automatisch der günstigste Preis verrechnet werden. Bis in rund zehn Jahren soll das Preissystem weiter entwickelt werden.

„Die SBB unternimmt alles, damit die Preise möglichst moderat oder gar nicht steigen“

, sagt SBB Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi.

Das neue Preissystem soll auch dazu führen, dass die Auslastung der Züge von heute 20 bis 30 Prozent steigt. Erstmals ist es der SBB im vergangenen Jahr auch dank Sparbilletten gelungen, die Auslastung in der Nebenverkehrszeit überdurchschnittlich zu steigen. Heute verkauft die SBB bis zu 8000 Sparbillette täglich.

Andererseits dürfen die Kosten des Bahnsystems nicht weiter ansteigen. Die SBB will mit dem Programm „Rail Fit20/30“ bis 2020 mindestens 550 Mio. und bis 2030 1,75 Mrd. Franken an Gesamtsystemkosten einsparen. Ziel ist ein gutes Preis-Leistungsverhältnis: Kurz- und mittelfristig geht es darum, das heutige Bahnsystem kostengünstiger zu betreiben und die Effizienz zu steigern.

„Im zunehmenden intermodalen Wettbewerb müssen wir einerseits preislich attraktiv bleiben, die Systemkosten senken und die Auslastung erhöhen. Ebenso wichtig sind aber auch die Stärken der Bahn wie Pünktlichkeit, Sicherheit und Innovationen in die Zukunft“

, sagt die designierte SBB Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar.

Dies entspricht der Strategie SBB 2020, welche die SBB im Januar 2016 nach eingehender Befassung mit den Herausforderungen des Mobilitätsmarktes und der Positionierung der SBB beschlossen hat. Die Strategie bestätigte viele bereits laufende Umsetzungsprojekte. Die SBB tätigt jährlich Investitionen von 3,8 Mrd. Franken, beispielsweise in komfortable Züge, sowie rund 30 Mio. für Innovationsprojekte.

Pro Bahn: Prügelknabe Generalabonnement
Die Generalabonnemente (GA) haben sich bei den Bahnen zu einem wahren Renner entwickelt. Für Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs helfen gerade diese Fahrausweise mit, die Strasse massiv zu entlasten. Sie tragen zu einem umweltbewussten Verkehrsverhalten bei, auch wenn der Zeitaufwand in aller Regel doppelt so hoch wie mit dem Auto ist.

Nach Dr. U. Gygi, VR Präsident der SBB, soll bei den Preisen der Generalabonnemente eingegriffen und der Ansatz für Pendler überdurchschnittlich angehoben werden. Tatsächlich zahlt ein GA-Kunde pro Reise fünf Mal weniger als ein normaler Kunde. Diese Differenz ist tatsächlich sehr hoch. Pro Bahn Schweiz warnt gleichwohl vor zu massiven Preiserhöhungen. Sobald sich nämlich ein GA nicht mehr lohnt, wird aufs eigene Auto ausgewichen und vor jeder Fahrt abgewogen, ob der eigene Wagen nicht doch günstiger und schneller wäre. Im Zweifelsfall fällt der Entscheid zu Gunsten des Privatwagen und die Züge werde sich leeren, was wieder weniger Einnahmen mit sich bringt.

Generalabonnement à la carte
Pro Bahn Schweiz hat diese Möglichkeit vor drei Jahren vorgeschlagen mit einem GA light, das im lokalen Bereich während des ganzen Jahres gültig und im einem Bereich von mehr als ca. 30 km an maximal hundert Tagen pro Jahr gültig ist. Diese Lösung ist unkompliziert. Der lokale Bereich könnte auf die Swiss Pass Karte geladen werden und für den Fernverkehr Kartenblöcke zu 6 Fahrten abgegeben werden, wie das bei den heutigen Mehrfahrtenkarten der Fall ist. Dies zu einem Preis, welcher ca. 25 % unter demjenigen des normalen Generalabonnements liegt. Anstatt teure und zeitraubende Lösungen zu suchen, könnte auch einmal pragmatisch vorgegangen werden.

Pro Service Public Initiative hilft nicht weiter
Generell sind die Billetpreise in der Schweiz viel zu hoch. Ohne Vergünstigung kostet eine Fahrt Zürich – Bern retour 100 Franken in der 2. und 176 Franken in der ersten Klasse. Wäre – wie von dieser Initiative gefordert – nämlich der letztjährige SBB-Gewinn zur Fahrpreisreduktion eingesetzt worden, würde dies ca. 6 % ausmachen. Zürich – Bern retour für 94 anstatt 100 Franken. Dies wird keinen Menschen auf die Bahn locken. Vielmehr müssen die Preise generell um mindestens einen Drittel gesenkt werden. Dies ergäbe auch wieder ein vernünftigeres Verhältnis zu den GA-Preisen und würde noch mehr zum freiwilligen Ein- und Umsteigen aufs öffentliche Verkehrsmittel einladen.

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Erstellt: 16. Mai 2016 @ 16:30

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