Eröffnung des GBT am 1. Juni 2016: Die historische Bergstrecke am Gotthard, ein UNESCO-Welterbe

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Die alpine Gebirgslandschaft Gotthard mit der historischen Verkehrslandschaft ist wohl eine der stärksten helvetischen Identifikationsorte. Die bevorstehende Eröffnung des längsten Bahntunnels der Welt stärkt diesen Mythos. Sie stellt aber auch den Betrieb der historischen Bahn mit ihren überraschenden Kehrtunnels, einzigartigen Viadukten und dem spektakulären Naturerlebnis infrage. Der Schweizer Heimatschutz fordert deshalb, dass eine Kandidatur der historischen Bergstrecke für das UNESCO-Welterbe jetzt angestrebt wird.

Zum Mythos Gotthard hat massgeblich auch der während Jahrhunderten erfolgte Ausbau der Verkehrsbeziehungen vom Urner Reusstal ins Tessin beigetragen. Der Bau der Teufelsbrücke über die damals noch wilde und ungestüme Reuss in der Schöllenenschlucht und die Öffnung der Piottinoschlucht im Tessin gelten als Handschlag zwischen Norden und Süden. Und somit als Symbol der wirtschaftlichen Offenheit gegenüber Europa. Das gilt auch für die bevorstehende Eröffnung des weltweit längsten Bahntunnels, einer technischen Meisterleistung. Die schnelle Basisverbindung stellt jedoch auch den Betrieb der historischen Bahn mit ihrer heute noch bestehenden, mehr als 130-jährigen Linienführung – dem damals längsten Tunnel der Welt, der überraschenden Kehrtunnels, den einzigartigen Viadukten und den beiden Kraftwerken, sowie dem spektakulären Naturerlebnis – in Frage. Wie fast kein anderes Bauwerk prägte die historische Bergstrecke das Selbstverständnis der Schweiz und deren Beziehung zu Europa.

Im Fokus des Heimatschutzes
Der Gotthard stand deshalb für den Schweizer Heimatschutz seit seiner Gründung im Jahr 1905 immer wieder im Fokus. Vor rund 40 Jahren riefen die Verantwortlichen des Heimatschutzes zur Gründung der Stiftung Pro St. Gotthard auf und sammelten 1,2 Millionen Franken, um das Hospiz und die Passlandschaft des Gotthards zu retten. Während der gesamten Bauzeit der NEAT begleitete der Geograf und Biologe Martin Furter im Auftrag des Schweizer Heimatschutzes und sechs weiteren Umwelt- und Naturschutzorganisationen die Arbeiten. Unter Wahrung des Verbandsbeschwerderechts und im konstruktiven Gespräch ist es zum Beispiel gelungen, die Stahlfachwerk-Brücke bei Erstfeld, ein militärhistorisches Denkmal, oder in Sedrun den Oberalpsaumweg, einen historischen Verkehrsweg, zu sichern. Dem Ortsbildschutz in Plauns wurde mit einer temporären Containersiedlung Rechnung getragen. Auf eine Deponie in der Piottinoschlucht wurde verzichtet, um die Relikte des alten Gotthardverkehrswegs zu erhalten. Für die Villa Negroni in Vezia wurden Schutzvorkehrungen getroffen, um das Baudenkmal zu sichern.

Wie auch immer man zum Mythos Gotthard steht, die historische Bergstrecke mit ihren spektakulären Bauten ist einzigartig. Sie verdient unseren Schutz als UNESCO-Welterbe. Wegweisende Entscheide dazu dürfen nicht erst 2025 fallen, wie der Bundesrat 2014 in einem Bericht auf ein Postulat des Urner Ständerats Isidor Baumann festhielt. Der Schweizer Heimatschutz und der Verband Industriekultur und Technikgeschichte Vintes fordern deshalb, dass eine Kandidatur der historischen Bergstrecke für das UNESCO-Welterbe jetzt angestrebt wird.

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