SBB Fahrplanwechsel 2016: Eine halbe Stunde früher im Süden

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Der diesjährige Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 wird ganz im Zeichen des Gotthards stehen. Mit der Eröffnung des neuen Gotthardtunnels verkürzt sich die Reisezeit auf der Nord-Süd-Achse. Auf der Bergstrecke wird ein neues, touristisches Angebot gefahren. In den einzelnen Regionen kommt es zu kleineren Veränderungen und Verbesserungen. Im Güterverkehr erneuert SBB Cargo das Angebots- und Produktionskonzept.

Grafik Fahrplan 2017_SBB CFF FFS_30 5 16

Ab Ende 2016 verkürzen sich die Reisezeiten von Norden nach Süden dank des neuen Gotthardtunnels in einem ersten Schritt um rund 30 Minuten. Nach der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels kommen weitere Fahrzeitverkürzungen dazu. Voraussichtlich Ende 2020 profitieren somit die Kundinnen und Kunden zwischen der Deutschschweiz und Italien vom vollen Reisezeitgewinn von rund 60 Minuten, ins Südtessin reist man rund 45 Minuten schneller als heute. Ab Ende 2020 fahren die Züge zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin halbstündlich statt stündlich und zwischen Zürich und Mailand stündlich statt zweistündlich.

Touristisches Angebot auf der Bergstrecke
Neben der neuen Strecke durch den Gotthard-Basistunnel wird die SBB auch künftig die bisherige Bergstrecke betreiben und einen Beitrag zur Stärkung und Entwicklung des Tourismus in der Region St. Gotthard leisten. Geplant ist ein stündliches Angebot mit Regioexpress-Zügen von TILO mit Anschlüssen an den Fernverkehr in Erstfeld, Bellinzona und Lugano. Die Interregio-Züge ab Basel und Zürich sollen künftig bis Erstfeld fahren. Neu ergeben sich Direktverbindungen aus der Gotthard-Region und der Leventina bis Lugano, Mendrisio und Chiasso, zudem hält der Regioexpress neu in Lavorgo und Ambrì Piotta. An Wochenenden, an denen die touristische Nachfrage hoch ist, sollen einzelne Interregio-Züge bis Göschenen verlängert werden, mit Anschlüssen an die Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Andermatt. Von April bis Oktober verkehrt an Wochenenden und Feiertagen ein Interregio von Zürich nach Bellinzona über die Bergstrecke und zurück. Diese Direktverbindung bietet sehr attraktive Fahrzeiten für Velofahrer und Wanderer. Als weiteres Angebot gibt es den „Gotthard Panorama Express„: darin erleben die Reisenden von Frühling bis Herbst Inszenierungen zu Sehenswürdigkeiten, zur Geschichte der Region und zum Mythos Gotthard.

SBB Cargo modernisiert Angebot
Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnel bedeutet nebst den Verbesserungen im Personenverkehr auch mehr Trassen für den Güterverkehr. Heute können täglich 160 Güterzüge auf der Nord-Süd-Achse Gotthard verkehren, ab 11. Dezember 2016 liegt die Kapazität bei täglich 210 Zügen.

Gleichzeitig modernisiert SBB Cargo im Wagenladungsverkehr gemeinsam mit den Kunden ihr Angebots- und Produktionskonzept. Die Unternehmung leistet mit einem Anteil von 25 Prozent an der gesamten Transportleistung Strasse/Schiene einen hohen Beitrag für die Logistikkette der Schweizer Unternehmen. Der Wagenladungsverkehr ist und bleibt ein strategisches Kerngeschäft, der mittels zwei Bausteinen nachhaltig gestärkt wird: Durch neu drei Verarbeitungsphasen in den Rangierbahnhöfen verteilen sich die heutigen Kapazitäten auf 24 Stunden statt auf wenige Spitzen. Ausserdem kann die Bahninfrastruktur besser genutzt werden. Gleichzeitig führt SBB Cargo per Fahrplanwechsel ein Buchungssystem für die Kunden ein, mit dem konkrete Abhol- und Zustellzeiten gebucht und verbindlich zugesagt werden können.

Weitere Änderungen

  • Fernverkehr
    • Die Interregio-Züge der Strecke Lausanne–Sion–Brig halten häufiger in Bex und Leuk.
    • Auf der Linie Biel/Bienne–Delémont–Basel SBB wird der Zug mit Abfahrt in Basel SBB um 06:03 Uhr neu mit zwei Intercity-Neigezügen geführt. Dadurch stehen den Reisenden doppelt so viele Sitzplätze zur Verfügung.
    • Der Interregio mit Abfahrt um 04:21 Uhr in Bern hält neu auch in Zürich HB statt nur in Zürich Flughafen. Dadurch erhalten Bern, Olten und Aarau ein neue Frühverbindung nach Zürich HB.
  • Regionalverkehr
    • Einführung der S25 Muri–Brugg im Stundentakt, Fahrplananpassungen der S23 Lenzburg–Brugg.
    • S20 wird neu von Castione bis Biasca verlängert, zur Hauptverkehrszeit bis Airolo.
    • Neuer Regioexpress Erstfeld–Bellinzona im Stundentakt, einzelne Züge werden bis Lugano und Milano Centrale weitergeführt.
    • Angebotserweiterung mit drei zusätzlichen Zügen abends auf der S99 Luzern–Hochdorf.
    • Auf der Linie Neuchâtel–Buttes wird der Bahnhof Champ-du-Moulin neu im Halbstundentakt unter der Woche bedient.

Weitere Anpassungen sind vorbehalten, aktuell laufen noch Gespräche mit den Bestellern.

Weiterhin viele Baustellen
Gesamtschweizerisch unterhält die SBB ihr Netz laufend und vorausschauend und baut es wo nötig aus. Dies hat Auswirkungen auf die Reisenden. Zu erwähnen sind insbesondere die folgenden Baustellen:

  • Léman 2030
    Die umfangreichen Bauarbeiten im Rahmen des Projekts „Léman 2030“ zwischen Renens VD und Lausanne werden weitergeführt. (www.sbb.ch/leman2030)
  • Knoten Winterthur
    Im Rahmen der Leistungssteigerung des Bahnhofs Winterthur realisiert die SBB diverse Bauprojekte. Die Kunden profitieren ab Ende 2018 von mehr Verbindungen und längeren Zügen. (www.sbb.ch/zuerich-winterthur)
  • Dreieck Bern Aarau Basel
    Die Bauarbeiten für „Zukunft Bahnhof Bern (ZBB)“ beginnen Anfang 2017 und dauern bis ins Jahr 2025. (www.sbb.ch/zbb). Mit dem Vierspurausbau Olten–Aarau (Eppenbergtunnel) beheben Bund und SBB eines der grössten Nadelöhre im Mittelland. Das Projekt umfasst den neuen, drei Kilometer langen Eppenbergtunnel sowie umfangreiche Massnahmen zu dessen Anbindung zwischen Olten und Aarau. (www.sbb.ch/eppenberg)
  • Nord–Süd, insbesondere Tessin
    Damit die Gotthardachse ihren vollen Kundennutzen entfalten kann, baut die SBB die Zulaufstrecken zu den Basistunneln aus und realisiert bis 2020 einen durchgehenden 4-Meter-Korridor von Basel an die italienische Grenze. Dafür müssen rund 20 Tunnel ausgebaut und 80 Anpassungen an Perrons, Fahrstrom- und Signalanlagen sowie Überführungen bis 2020 gemacht werden. (www.sbb.ch/4mk)

Fahrplan 2017 auf www.fahrplanentwurf.ch
Seit 30. Mai 2016 ist die Seite www.fahrplanentwurf.ch online. Allfällige Unstimmigkeiten in den Fahrplanentwürfen können bis 19. Juni 2016 gemeldet werden. Im Fahrplanverfahren geht es darum, eventuelle fahrplantechnische Unstimmigkeiten zu verbessern. Konzeptionelle Anliegen wurden bereits früher im Rahmen des Angebotskonzepts behandelt. Stellungnahmen sind mit dem vorbereiteten Online-Formular direkt an die für den öffentlichen Verkehr zuständigen Stellen der Kantone zu richten. Diese werden die Eingaben prüfen und wenn möglich berücksichtigen oder als Planungsgrundlage für die kommenden Fahrplanjahre vormerken.

Pro Bahn zum Fahrplanwechsel 2016: Schnell oder kompliziert in den Süden
Richtung Süden wird die Reise durch den Gotthard-Basistunnel um 30 Minuten verkürzt, so die Mitteilung der SBB zum Fahrplanangebot ab 11. Dezember 2016. Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs freut sich über diese Verbesserung – allerdings bleiben in Bezug auf Gotthard dicke Wermutstropfen.

Zum einen hat sich dort der Betrieb immer noch nicht stabilisiert, dies trotz millionenschweren Investitionen ins Rollmaterial. Wenn die SBB wollen, dass die Bevölkerung den Zug in den Süden benutzt, muss dieser Mangel endlich einmal behoben werden. Pro Bahn Schweiz hofft nicht nur darauf, sondern fordert endlich einmal griffige Massnahmen.

Zum andern kann das für die Gotthard-Bergstrecke sogenannte touristische Angebot einmal mehr nicht anders als lieblos bezeichnet werden. Mit Touristik hat dies nichts zu tun, denn es wird nur eine S-Bahn Linie von Bellinzona nach Erstfeld verlängert, wobei Vorortstriebzüge eingesetzt werden, zwar mit grossen Fenstern, dafür mit einer einzigen Toilette (keine wenn defekt), ohne Zugsbegleitung und Minibar, dafür mit vermindertem Komfort in der ersten Klasse und dies notabene zum gleichen Preis. Für die Benutzung dieser Züge ist in jedem Fall Umsteigen in Erstfeld angesagt, was für die Deutschschweizer Bevölkerung eine weitere Verschlechterung und Fahrzeitverlängerung darstellt. Die angebotenen Zusatzzüge kaschieren dies zwar ein wenig – die Verschlechterung aber bleibt. Es ist unerklärlich, weshalb die Aufsichtsbehörden ein Konzept zugelassen haben, das klar den Vorgaben von Bahn 2000 widerspricht, welches unter anderem auch direkte Verbindungen vorsah. Hier werden sie gekappt.

Mit Genugtuung darf aber vermerkt werden, dass in den anderen Landesteilen doch auf Kundenbedürfnisse reagiert wird und Verbesserungen realisiert werden. Das sei an dieser Stelle ausdrücklich anerkannt. So wird auf der Linie Basel – Biel ein Zug frühmorgens verstärkt. Auch hier sei aber die Frage nach der Einhaltung des Konzepts Bahn 2000 gestellt. Früher fuhren diese Züge nach Lausanne weiter und ermöglichten auch der Bevölkerung des Kantons Jura schnelle und umsteigefreie Fahrten in die Romandie. Heute ist dies nur mit Umsteigen möglich.

Trotz der Anerkennung der Verbesserung des neuen Fahrplans findet es Pro Bahn Schweiz bedenklich, wenn bewusst ein bewährtes Konzept verlassen wird und einzelne Landesteile nur noch mit Umsteigen erreicht werden können.

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Erstellt: 30. Mai 2016 @ 11:30

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