ÖV zwischen Ramsei und Huttwil: Vier Varianten stehen zur Diskussion

Ist Zustand mit der S4 bis Affoltern-Weier / Grafik: Kanton Bernaid. Die Zukunft des öffentlichen Verkehrs zwischen Ramsei und Huttwil steht im Mittelpunkt einer Studie, die den Gemeinden und Interessenverbänden in der Region zur Mitwirkung vorgelegt wird. Vier Varianten stehen zur Diskussion: Soll die S-Bahn wie heute bis Affoltern-Weier fahren oder wie früher bis nach Huttwil? Oder soll sie schon in Sumiswald oder sogar in Ramsei enden? Definitiv über die künftige Betriebsart entscheiden wird der Grosse Rat im Frühjahr 2009.

Seit Ende 2004 endet die S-Bahn-Linie 4 in Affoltern-Weier. Der Streckenabschnitt bis Huttwil wird durch einen Bus bedient. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren die verhältnismässig geringe Anzahl Fahrgäste und die hohen Kosten. Mit dem Beschluss über das Angebot im öffentlichen Verkehr 2005-2008 hat der Grosse Rat dem Regierungsrat den Auftrag erteilt, die Frage des Verkehrsmittels zwischen Ramsei und Huttwil vertieft zu überprüfen. Die Studie wurde von einem externen Planungsbüro durchgeführt, mit Unterstützung einer Begleitgruppe aus der Region. Untersucht wurden folgende vier Varianten:

  • Bahn bis Affoltern-Weier (heutiger Zustand),
  • Bahn bis Huttwil,
  • Bahn bis Sumiswald und
  • Busbetrieb zwischen Ramsei-Huttwil (Bahn bis Langnau bzw. nur bis Lützelflüh-Goldbach).

Bewertet wurden die Aspekte Angebotsqualität, Wirtschaftlichkeit, Umwelt und Sicherheit sowie die Auswirkungen auf die Standortqualität. Als Vergleichsbasis diente dabei das heutige Angebot, also die Variante mit Bahn bis Affoltern-Weier.

Je nach Gewichtung der verschiedenen Aspekte, fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Gewichtet man die Wirtschaftlichkeit sehr hoch, schneidet die reine Busvariante (kein Bahnbetrieb zwischen Ramsei und Huttwil) günstiger ab als das heutige Angebot. Diese Variante lässt allerdings die qualitativen Faktoren wie Angebotsqualität und Standortgunst ausser acht.

Bezüglich Qualität weisen die neu entwickelten Bahnvarianten Vorteile gegenüber heute auf, wobei die Variante „Bahn bis Sumiswald“ am besten abschneidet. Sie bringt Verbesserungen bei vergleichbarem Aufwand mit halbstündlichen Bahnverbindungen ab Sumiswald nach Bern (alternierend direkt und mit Umsteigen in Ramsei) und direkten Busverbindungen zwischen Sumiswald und Huttwil. Der Bahnhof Weier verliert allerdings die Direktverbindung nach Burgdorf-Bern; die Fahrgäste müssten in Sumiswald oder Hasle-Rüegsau umsteigen.

Das Kosten-Nutzenverhältnis der Variante „Bahn bis Huttwil“ ist auch bei einer hohen Gewichtung der Angebotsqualität und Standtortattraktivität vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ungünstig.

Die Regionalen Verkehrskonferenzen, die betroffenen Gemeinden, die Transportunternehmen und Interessenverbände haben nun Zeit, die Studie zu beurteilen und eine Stellungnahme einzureichen. Die Ergebnisse der Studie dienen den beiden Regionalen Verkehrskonferenzen und dem kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr als Grundlage zur Entwicklung des Angebotskonzeptes 2010-2013. Den definitiven Entscheid über Bahn oder Bus wird der Grosse Rat voraussichtlich um Frühjahr 2009 treffen. Das neue Angebotskonzept könnte demnach frühestens ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 zum Tragen kommen.


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Medienmitteilung Kanton Bern

Autor: Redaktion

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Ein Gedanke zu „ÖV zwischen Ramsei und Huttwil: Vier Varianten stehen zur Diskussion“

  1. Gerade in der jetzigen Zeit, in der der Erdölpreis wöchentlich steigt und auch Skeptiker den Beginn des Endes vom Erdöl nicht mehr lange verneinen können, sollte man keine Bahnstrecken mehr schliessen. Solange diese in Betrieb sind, werden sie auch unterhalten (so hoffe ich) und bleiben betriebsbereit.

    Denn wahrscheinlich in 5 Jahren schon wird ein grösserer Teil der Leute sich ein Auto mit dem dauernd steigenden Benzinpreis nicht mehr leisten können. Die Benutzung des öffentlichen Verkehrs wird zunehmen und man kann dann froh sein, intakte Bahninfrastrukturen zur Verfügung zu haben.

    Der ÖV für den Berufsverkehr, wie auch für den Freizeitverkehr wird häufiger benutzt werden. Denn Tiefkosten-Flüge wird es nicht mehr geben. Die Leute werden also vermehrt ihr Wochenende in der Region statt in London, Mailand, Südfrankreich oder im Tessin verbringen.

    Also, noch ein wenig durchhalten und lieber Geld im (sowieso bald hinfälligen) Strassenbau sparen!

    Jonas Baier

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