Bilanzmedienkonferenz SBB 2007: Trotz SBB Cargo schliesst die SBB 2007 mit Gewinn

Insgesamt war die SBB im Geschäftsjahr 2007 gut unterwegs. Personenverkehr und Gütergeschäft profitierten von einer positiven Nachfrageentwicklung. Die Zahl der Reisenden und die Menge der transportierten Güter erreichten Rekordwerte. Das Konzernergebnis von CHF 80,4 Mio. wurde wesentlich getragen durch positive Ergebnisse im Personenverkehr und bei den Immobilien. Belastet wurde das Ergebnis durch die massiven Verluste im Güterverkehr, der nachhaltig saniert werden muss. In den kommenden Jahren dürfte die Nachfrage nach SBB-Leistungen weiter wachsen. Dies stellt alle Teile des Konzerns vor grosse Herausforderungen.

Bilanzmedienkonferenz SBB 2007: Trotz SBB Cargo schliesst die SBB 2007 mit Gewinn. / Foto: SBB Geschäftsbericht 2007Insgesamt war die SBB im Geschäftsjahr 2007 gut unterwegs. Personenverkehr und Gütergeschäft profitierten von einer positiven Nachfrageentwicklung. Die Zahl der Reisenden und die Menge der transportierten Güter erreichten Rekordwerte. Das Konzernergebnis von CHF 80,4 Mio. wurde wesentlich getragen durch positive Ergebnisse im Personenverkehr und bei den Immobilien. Belastet wurde das Ergebnis durch die massiven Verluste im Güterverkehr, der nachhaltig saniert werden muss. In den kommenden Jahren dürfte die Nachfrage nach SBB-Leistungen weiter wachsen. Dies stellt alle Teile des Konzerns vor grosse Herausforderungen.

Die SBB verdankt ihren Kundinnen und Kunden im Geschäftsjahr 2007 neue Rekordwerte. Nie reisten mehr Menschen mit der SBB (306,7 Mio.), und nie transportierte SBB Cargo mehr Güter als im Berichtsjahr (13,37 Mia. Tonnenkilometer). Ein positives wirtschaftliches Umfeld und der kontinuierliche Angebotsausbau im Personenverkehr ermöglichten die Leistungssteigerungen. Trotz Mehrleistungen erlitt die SBB im Güterverkehr einen herben Rückschlag.

Die SBB schloss das Geschäftsjahr 2007 mit einem Konzerngewinn von CHF 80,4 Mio. ab. Im Vorjahr hatte der Gewinn CHF 259,4 Mio. betragen. Einerseits leisteten die Segmentergebnisse des Personenverkehrs (CHF 193,0 Mio.) und von Immobilien (CHF 32,6 Mio. nach Ausgleichszahlungen an Infrastruktur SBB sowie Zins- und Amortisationsleistungen für die Pensionskasse SBB von insgesamt CHF 148,1 Mio.) wesentliche Beiträge an das positive Resultat. Andererseits schmälerten der massiv höhere operative Verlust im Güterverkehr von CHF -87,9 Mio. (2006: CHF -37,3 Mio.) sowie Rückstellungen und Wertberichtigungen auf Sachanlagen in der Höhe von CHF 102, 5 Mio. zur Sanierung von SBB Cargo den Konzernerfolg deutlich. Diese belasten das Konzernergebnis mit insgesamt CHF 96,0 Mio.

Leistungen der öffentlichen Hand
2007 bezahlte die öffentliche Hand CHF 2094,3 Mio. (2006: CHF 2046,3 Mio.) an die SBB. Die Beiträge an die Infrastruktur beliefen sich auf CHF 1284,4 Mio. (CHF 1211,4 Mio.). Die Abgeltungen im regionalen Personenverkehr betrugen CHF 591,8 Mio. (CHF 552,1 Mio.), die Abgeltungen im Güterverkehrsbereich CHF 76,9 Mio. (CHF 79,2 Mio.). Der Bundesbeitrag zur Finanzierung jener Infrastrukturinvestitionen, die über die Substanzerhaltzungen hinausgehen, betrug CHF 141,2 Mio. (CHF 203,6 Mio.).

Gleichzeitig erbrachte die SBB im Personenverkehr und bei den Gütern höhere Leistungen. Die Ausweitung des Angebots und Qualitätssteigerungen namentlich auf Wunsch der Besteller in den Kantonen beim Rollmaterial im Regionalverkehr führten dazu, dass sich das Abgeltungs/Leistungs-Verhältnis leicht verschlechterte von 7,8 (2006) auf 8,0 im Berichtsjahr. Im Jahr 2000 hatte das Abgeltungs-/Leistungs-Verhältnis noch bei 10,62 gelegen. Die SBB erbringt heute für die Abgeltungen der öffentlichen Hand deutlich mehr Leistung als noch vor sieben Jahren.

Resultate der Segmente
Der Personenverkehr erreichte 2007 ein Betriebsergebnis von CHF 249,5 Mio. (2006: CHF 250,0 Mio.). Das Jahresergebnis lag bei CHF 193,0 Mio. (CHF 193,7 Mio.). Sondereffekte hatten das Vorjahresergebnis stark positiv beeinflusst. Die Verkehrserträge nahmen um 7,1% auf CHF 2,47 Mia. zu. Die Zahl der Reisenden erhöhte sich um 7,6% auf 306,7 Mio., die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer um 6,1% auf 15,134 Mia. Personenkilometer.

Der Güterverkehr schloss 2007 mit einem hohen Verlust. Das Betriebsergebnis belief sich auf CHF -180,0 Mio. (2006: CHF -29,2 Mio.). Das Jahresergebnis fiel mit CHF -190,4 Mio. deutlich schlechter aus als im Vorjahr (CHF -37,3 Mio.). Für die Sanierung und Repositionierung von SBB Cargo mussten Rückstellungen und Wertberichtigungen auf Sachanlagen in der Höhe von insgesamt CHF 102,5 Mio. vorgenommen werden. Die Verkehrserträge lagen mit CHF 1,06 Mia. um 5,6% über dem Vorjahr. SBB Cargo steigerte die Verkehrsleistung um 8,3% auf 13,37 Mia. Nettotonnenkilometer.

Die Infrastruktur weist 2007 ein Betriebsergebnis von CHF -107,5 Mio. (2006: CHF -91,1 Mio.) aus. Das Jahresergebnis belief sich auf CHF 32,2 Mio. (2006: CHF 91,8 Mio.). Der Verkehrsertrag lag bei CHF 723,2 Mio. (CHF 710,6 Mio.). Die Auslastung des Schienennetzes erhöhte sich um 1,8% auf 154,7 Mio. Trassenkilometer.

Im Immobilienbereich konnten die guten Ergebnisse der Vorjahre gehalten werden. Das Betriebsergebnis belief sich auf CHF 270,9 Mio. (2006: CHF 229,8 Mio.). Trotz Ausgleichszahlungen an die Infrastruktur und – erstmalig – Zins- und Amortisationsleistungen an die Sanierung der Pensionskasse SBB steigerte Immobilien das Segmentsergebnis auf CHF 32,6 Mio. (2006: CHF 27,8 Mio.).

Weiteres Nachfragewachstum erwartet
Die positive Nachfrageentwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Die SBB ist gefordert, diese Nachfrage frühzeitig einzuschätzen und rechtzeitig das Notwendige vorzukehren, um den Ansprüchen der Kundinnen und Kunden auch in der Zukunft zu entsprechen. Planung und Finanzierung von Eisenbahnvorhaben sind überaus langfristige Geschäfte. Vorlaufzeiten für Rollmaterial von drei bis vier Jahren und für Infrastruktur und Bahnhöfe von acht bis zwölf Jahren verlangen entsprechenden Weitblick. Das Unternehmen muss in den nächsten Jahren mit weiteren Milliardeninvestitionen in das Rollmaterial die Leistungsfähigkeit der Bahn erhöhen. Gleichzeitig braucht es Investitionen der öffentlichen Hand in den Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur. Ohne diese Aufwendungen ist die Leistungsfähigkeit der Bahn als wichtiger Verkehrsträger der Schweiz und der Schweizer Volkswirtschaft langfristig in Frage gestellt.

Nachhaltige Sanierung von SBB Cargo
Die SBB startete 2007 mehrere Massnahmenprogramme mit dem Ziel, das Unternehmensergebnis nachhaltig zu verbessern. Sofortmassnahmen wurden bereits umgesetzt, weitere Massnahmen sind eingeleitet. Ziel ist es, den Güterbereich zu sanieren und zu repositionieren, um möglichst bald und nachhaltig ein zumindest ausgeglichenes Resultat zu erreichen. Allerdings dürfte SBB Cargo auch das laufende Geschäftsjahr mit Verlust abschliessen. Die Kosten für die Sanierung und der Wegfall der Subventionsleistungen für den Wagenladungsverkehr in der Höhe von zuletzt CHF 16,9 Mio. werden das Ergebnis 2008 belasten. Die geplanten Massnahmen werden ihre volle Wirkung ab 2009 entfalten. Das integrierte Angebot auf der Nord-Süd-Achse von SBB Cargo hat sich bewährt. Die internationale Strategie von SBB Cargo wird weiter entwickelt.

Der Verwaltungsrat verabschiedete am 6. März 2008 ein Massnahmenpaket zur Sanierung und Repositionierung von SBB Cargo. Die Umsetzung der Massnahmen wird zurzeit mit der Personalkommission und den Gewerkschaften diskutiert.

Sanierung der Pensionskasse SBB ungelöst
Noch immer ungelöst ist das Problem der Unterdeckung bei der Pensionskasse SBB. Nachdem die SBB auf den 1. Januar 2007 einen Sanierungsbeitrag von CHF 1’493 Mio. zugunsten der aktiven Versicherten leistete, lag der Deckungsgrad der PK SBB zu Beginn des Berichtsjahres bei 94,5%. Per 31.12.2007 sank dieser Wert aufgrund der Entwicklungen an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten auf 92,4%. Der Fehlbetrag belief sich auf CHF 1’099,8 Mio. Im Berichtsjahr wurden die Gespräche mit dem Bund über einen nachhaltigen Sanierungsbeitrag an die PK SBB weiter geführt. Der Bund gab die Ausarbeitung einer Vernehmlassungsvorlage in Varianten in Auftrag.

Es besteht akuter Handlungsbedarf. Ohne Aussicht auf eine Sanierungslösung müsste der Stiftungsrat der PK SBB aufgrund der geltenden Gesetzesbestimmungen noch im laufenden Jahr zwingend weitere einschneidende Sanierungsmassnahmen beschliessen. Die könnte bedeuten, dass SBB und Mitarbeitende einen Einschuss in der Höhe von CHF 1,5 bis 2 Mia. verteilt auf zehn Jahre leisten müssten, was für die Mitarbeitenden de facto einer Lohnkürzung zwischen 4,5% bis 6% gleichkäme. Bis zur Erreichung des Sanierungsziels müsste die bestehende Mindestverzinsung aufrechterhalten werden, was einer erheblichen Reduktion der Rentenerwartung entspräche. Für SBB und Versicherte – darunter auch 30 000 Rentenbezüger, deren Renten letztmals 2004 an die Teuerung angepasst wurden – ist eine rasch Durchführung des Vernehmlassungsverfahrens und die Verabschiedung einer entsprechenden Botschaft durch den Bundesrat noch im Herbst von fundamentaler Bedeutung.

Dank an die Mitarbeitenden
2007 arbeiteten durchschnittlich 27 438 Mitarbeitende (Vollzeitstellen) für die SBB und die Tochtergesellschaften. Das sind 495 Mitarbeitende weniger als vor Jahresfrist. Der Rückgang erklärt sich aus der überdurchschnittlich grossen Zahl von Mitarbeitenden, die 2006 in den freiwilligen vorzeitigen Ruhestand wechselten (768). Sie profitierten von den günstigeren Konditionen einer Pensionierung noch unter dem damals geltenden Leistungsprimat.

Die allgemein gute Wirtschaftslage führte 2007 zu einer Verschärfung der Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die SBB konnte die geplanten Neurekrutierungen nicht in vollem Umfang realisieren. Insbesondere für hoch qualifizierte Stellen zeigte sich der Arbeitsmarkt ausgetrocknet. Entsprechend aufwändig waren Stellenbesetzungen in diesem Bereich. Zusätzlich erschwert wurde die Suche nach hoch qualifiziertem Fachpersonal durch die ungelösten Probleme der Pensionskasse SBB.

Nie erbrachten die Mitarbeitenden der SBB mehr Leistung als im Berichtsjahr. Die Leistungen der SBB sind die Leistungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie prägten auch 2007 mit grossem Engagement und hoher Kompetenz das Gesicht des Unternehmens und machten Wachstum und Gewinn möglich. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der SBB danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die gute Arbeit, die sie 2007 leisteten für das Unternehmen und seine Kundinnen und Kunden.

Mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die SBB auf gutem Gleis, um den Kundenbedürfnissen mit qualitativ hochwertigen Leistung zu entsprechen und das Angebot der SBB weiterzuentwickeln und langfristig auszurichten auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden.

SBB Konzern in Zahlen.Transportgewerkschaft SEV zur Jahresrechnung der SBB: Managementfehler drücken aufs Resultat der SBB

Mitten in der Cargokrise präsentiert die SBB einen Jahresabschluss, der von den gleichen Managementfehlern geprägt ist wie der untaugliche Versuch zur Sanierung der Cargo-Sparte. Grosse Sorgen macht dem SEV zudem der Zustand der Pensionskasse, wo neben der SBB auch die Politik zu dringendem Handeln aufgefordert ist. Mit grossem Einsatz hat das SBB-Personal letztes Jahr wiederum steigende Verkehrsmengen bewältigt. Schade, dass der wirtschaftliche Erfolg dabei ausgeblieben ist, weil die SBB-Führung die Mittel für ihre Cargo-Experimente verschwendet. Einige Zahlen sind bemerkenswert: So erreicht die SBB nach wie vor den vom Bund verlangten «angemessenen» Gewinn, obwohl sie gegen 80 Millionen Franken in die Pensionskasse steckt, da der Bund nichts tut, und obwohl weitere 100 Millionen Franken schon im Voraus für die Cargo-Restrukturierung abgezogen sind.

Die gute Arbeit des Personals, das erneut eine Produktivitätssteigerung ermöglicht hat, zeigt sich immerhin in den Resultaten von Personenverkehr, Infrastruktur und Immobilien. Die Schwächen bei Cargo sind nicht dem Personal anzulasten; die Fehler bei Rechnungsführung und -stellung, die Doppelspurigkeiten in der Produktion und das Scheitern gross angekündigter Lösungen im Rollmaterialunterhalt sind allesamt auf oberster Ebene verschuldet. Umso schändlicher, dass nun die Leute an der Basis den Preis dafür zahlen sollen.

Der SBB-Geschäftsbericht liefert keine zusätzlichen Fakten zur Situation bei SBB Cargo. Die Öffentlichkeit wird nach wie vor im Dunkeln gelassen über die Erkenntnisse, die die SBB zu ihrem Abbaupaket getrieben haben. Dieses bleibt damit unverständlich und nicht umsetzbar. Es ist weder auf Analysen abgestützt, noch lässt es eine Perspektive erkennen, die dem Personal eine Zukunft sichert und den Auftrag des Schweizervolks abdeckt, die Güter von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.

Es ist offensichtlich, dass die SBB-Führung ihre Ziele 2007 bei weitem nicht erreicht hat: Das Jahresresultat weist gar einen kleinen Gewinnrückgang beim Personenverkehr aus, zeigt das Debakel bei Cargo und bringt keine Lösung in Sichtweite für die Pensionskasse. Umso erstaunlicher ist es, dass der Chef den vollen Bonus einstreichen kann.

Es ist höchste Zeit, dass sich die SBB-Spitze dafür einsetzt, den Ruf des Unternehmens wieder herzustellen. Vordringlich ist eine Lösung des Konflikts mit dem Personal von SBB Cargo; das Festhalten an nicht verständlichen Abbaumassnahmen führt nicht zum Ziel. Eine Einigung ist vordringlich, da bald die Euro 08 beginnt, an der sich der öffentliche Verkehr der Schweiz mit vielen freiwilligen Leistungen des Personals von seiner allerbesten Seite zeigen will. Dies wird mit einem ungelösten Personalkonflikt kaum möglich sein. Und die grösste Herausforderung steht erst noch bevor: Es gilt auf politischer Ebene die Mittel zur Sanierung der Pensionskasse einzufordern. Auch dies wird eine SBB mit angeschlagenem Ruf schwerlich schaffen – selbst wenn ihr hier der SEV mit allen seinen Mitteln zur Seite steht!

Lautstarker Empfang
Die Journalistinnen und Journalisten an der Bilanz-Medienkonferenz der SBB erlebten einen lauten und bunten Empfang: Gegen 200 streikende Arbeiter des Industriewerks Bellinzona waren extra nach Oerlikon gereist, um den Protest gegen den Abbau ihrer Stellen auszudrücken. Mit Trillerpfeifen und Fahnen machten sie auf sich aufmerksam und zeigten damit einmal mehr in der Deutschschweiz, dass der Widerstand im Tessin auch nach vier Wochen ungebrochen andauert. Während in der Deutschschweiz die Stimmen zunehmen, die einen Abbruch des Streiks fordern, ungeachtet dessen, was auf dem Spiel steht, erleben die Streikenden im Tessin die anhaltende Solidarität des gesamten Kantons. Trotz der Fürsprache von Marco Solari lehnte es die SBB ab, eine kleine Delegation an der Medienkonferenz teilnehmen zu lassen.

Nach der Medienkonferenz besuchten die Tessiner die streikenden Bauarbeiter auf der Baustelle beim Zürcher Hauptbahnhof und drückten ihnen ihre Solidarität aus, bevor sie ins Tessin zurückreisten, an die grosse Demonstration des Gewerkschaftsbundes.


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Medienmitteilung SBB CFF FFS / Medienmitteilung SEV

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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