Verwaltungsratspräsident Lalive d’Epinay kündigt per Ende 2008 seinen Rücktritt an – 10 Jahre an der Spitze der SBB

Der Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, Thierry Lalive d’Epinay, hat dem Bundesrat mitgeteilt, er werde Ende 2008 von seinem Amt zurücktreten. Mit der frühzeitigen Ankündigung seines Rücktritts nach zehn Jahren an der Spitze der SBB stellt Lalive d’Epinay sicher, dass dem Bundesrat genügend Zeit zur Verfügung steht für die Nachfolgeregelung. Bis Ende Jahr will Lalive d’Epinay zwei grosse Anliegen des Unternehmens einer Lösung zuführen: die nach wie vor offene Finanzierung der Pensionskasse SBB und die Sanierung von SBB Cargo.

Der Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, Thierry Lalive d’Epinay, hat dem Bundesrat mitgeteilt, er werde Ende 2008 von seinem Amt zurücktreten. Mit der frühzeitigen Ankündigung seines Rücktritts nach zehn Jahren an der Spitze der SBB stellt Lalive d’Epinay sicher, dass dem Bundesrat genügend Zeit zur Verfügung steht für die Nachfolgeregelung. Bis Ende Jahr will Lalive d’Epinay zwei grosse Anliegen des Unternehmens einer Lösung zuführen: die nach wie vor offene Finanzierung der Pensionskasse SBB und die Sanierung von SBB Cargo.

Thierry Lalive d’Epinay gab dem Schweizer Bundesrat in den letzten Tagen bekannt, er werde sein Amt als Verwaltungsratspräsident der SBB AG per Ende 2008 zur Verfügung stellen. «Mit meiner frühzeitigen Rücktrittserklärung will ich den nötigen Raum schaffen, damit in Ruhe ein geeigneter Nachfolger gefunden werden kann, der das grossartige Unternehmen in die Zukunft führt», sagte Lalive d’Epinay. Wenn der 64-jährige Lalive d’Epinay im Dezember 2008 sein Amt abgibt, wird er auf eine zehnjährige Tätigkeit als Präsident des Verwaltungsrates SBB zurückblicken.

Lalive d’Epinay ist der erste Verwaltungsratspräsident der SBB AG, die im Rahmen der Bahnreform 1999 als spezialrechtliche Aktiengesellschaft geschaffen wurde. In seiner Amtszeit entwickelte sich die SBB vom ehemaligen Regiebetrieb des Bundes in ein modernes Unternehmen mit klarer Struktur und Ausrichtung auf die verschiedenen Geschäftsfelder. Damit half er wesentlich mit, die SBB im Hinblick auf Marktöffnung und Wettbewerb zu entwickeln und zu stärken.

Effizienz und Leistungsfähigkeit des Unternehmens wurden kontinuierlich gesteigert. Die SBB erhöhte ihre Leistungen im Personen- und im Güterverkehr seit 1999 markant. Gleichzeitig ging die Zahl der Mitarbeitenden in den letzten Jahren kontinuierlich zurück. Der Verwaltungsratspräsident trug wesentlich dazu bei, dass diese Entwicklung und der Personalabbau sozialverträglich und im engen Kontakt mit den Sozialpartnern erfolgreich gestaltet werden konnte.

Einer der Höhepunkte in der Amtszeit Lalive d’Epinays war zweifellos die Realisierung von Bahn 2000, die am 12. Dezember 2004 im grossen Fahrplanwechsel gipfelte. Damit wurde die Basis gelegt für den weiteren Erfolg der SBB der letzten Jahre. Auch die erfolgreiche Einführung von ETCS in der Schweiz als einem der ersten Länder Europas, die beschleunigte Modernisierung des Rollmaterials zur Steigerung der Kapazitäten auf dem Schweizer Bahnnetz und die Planung und der Ausbau der S-Bahn-Netze fielen in die Wirkungsperiode Lalive d’Epinays. Eine entscheidende Rolle kam Thierry Lalive d’Epinay 2006 bei der Neubesetzung der operativen SBB Führung nach dem Rücktritt des langjährigen CEOs Benedikt Weibel durch Andreas Meyer auf den 1. Januar 2007 zu.

Zu den aktuellen Herausforderungen zählt Lalive d’Epinay die dringende Sanierung der Pensionskasse SBB und den Turnaround von SBB Cargo. Diese beiden Problembereiche, welche die SBB Rechnung massiv belasten, will der Verwaltungsratspräsident im laufenden Jahr zügig voranbringen und einer guten Lösung zuführen.

Bei der Pensionskasse besteht akuter Handlungsbedarf; für Mitarbeitende und für das ganze Unternehmen ist es von zentraler Bedeutung, dass der Bund so rasch als möglich das Vernehmlassungsverfahren zur Sanierung eröffnet und der Bundesrat die entsprechende Botschaft noch dieses Jahr verabschiedet.

Im defizitären Cargo-Geschäft war es Lalive d’Epinay, der Ende 2006, nachdem SBB Cargo die strategisch wichtige Positionierung im Langstreckengeschäft erfolgreich abgeschlossen hatte, eine Untersuchung der Rentabilität und Kostentransparenz veranlasste. Aus dieser Untersuchung, deren Resultate im Frühsommer 2007 vorlagen, wurden in der Zwischenzeit die Konsequenzen gezogen, und der Verwaltungsrat und der neue CEO haben die Sanierung von SBB Cargo und die Verbesserung der finanziellen Transparenz als zentrale Ziele definiert.

Thierry Lalive d’Epinay hat dem Bundesrat versichert, dass er sich persönlich bis zum letzten Tag im Dezember für die SBB engagieren und die operativen Kräfte in ihren Bemühungen unterstützen werde. Die Regelung der Nachfolge für Thierry Lalive d’Epinay ist eingeleitet.

Thierry Lalive d’Epinay
Dipl. Ing. ETH, Dr. sc. Techn., ist neben seiner Tätigkeit für die SBB geschäftsführender Partner der Unternehmensberatungsfirma HPO AG, Freienbach und Mitglied zweier Verwaltungsräte und eines Stiftungsrates. Lalive d’Epinay ist 1944 geboren und lebt in der Nähe von Zürich. Er wurde vom Bundesrat auf den 1.1.1999 zum Präsidenten des Verwaltungsrates SBB gewählt und 2003 und 2007 für je vier weitere Jahre bestätigt.

SEV nimmt Rücktritt von Thierry Lalive d’Epinay ohne Bedauern zur Kenntnis – Später Wechsel an der SBB-Spitze

Dieser Rücktritt wäre längst fällig gewesen: Der Abgang des SBB-Verwaltungsratspräsidenten Thierry Lalive d’Epinay löst bei der Transportgewerkschaft SEV kein Bedauern aus. Der SEV kritisiert seit langem dessen Cargo-Strategie als Abbau in Raten.

Bemerkenswert ist allerdings der Zeitpunkt, zu dem der Rücktritt von Thierry Lalive d’Epinay bekannt gegeben wird: Wenige Tage, bevor die Resultate der Cargo-Task-Force und damit voraussichtlich weitere Abbauschritte veröffentlicht werden, kündigt der Verwaltungsratspräsident seinen Abgang an – nicht, als das Debakel erkannt wurde, nicht nachdem es behoben ist, sondern so, dass er weder für das eine noch das andere direkt Verantwortung übernimmt. Diese Haltung der Art «Nach mir die Sintflut» ist ein Merkmal von Lalives SBB-Führung.

Damit ist der Wechsel an der SBB-Spitze komplett: Nordmann, Weibel und Lalive haben es nicht geschafft, das Unternehmen im umstrittenen Gütermarkt so zu positionieren, dass eine dauerhafte Entwicklung möglich gewesen wäre. Den Preis für diese Schwächen zahlt seit Jahren das Personal, das von einer Restrukturierung zur nächsten geschoben und Schritt für Schritt reduziert wird.

Für die Nachfolge an der Spitze des SBB-Verwaltungsrats erwartet der SEV vom Bundesrat ein klares Bekenntnis zur SBB als Trägerin des Service public; sowohl im Personen- als im Güterverkehr und auch als Infrastrukturbetreiberin. Es braucht eine Persönlichkeit, die die Branche kennt und in der Lage ist, endlich eine stabile Situation bei SBB Cargo zu erreichen. Aufgabe des Verwaltungsrat ist es, klare Strategievorgaben für die gesamte SBB festzulegen, die dem Personal sichere Arbeitsplätze ohne die heutige «Kultur der permanenten Restrukturierung» ermöglichen.

Der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV) distanziert sich im übrigen von den gegenwärtigen Medienspekulationen um die Zukunft von SBB Cargo, die die bereits sehr hohe Verunsicherung des Personals noch steigern. Er verlangt von der SBB eine baldige, umfassende Information und nachvollziehbare Entscheide, die auch den sozialen Aspekt berücksichtigen.

Zukunft von SBB Cargo: Transporteure erarbeiten Eckpunkte für Schweizer Lösung

(ots) Die Aussagen des scheidenden SBB-Verwaltungsratspräsidenten Thierry Lalive d’Epinay, ein Verkauf des Cargobereichs stehe momentan nicht zur Diskussion, haben bei den Schweizer Transportunternehmen und beim Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG kaum zur Beruhigung beigetragen. Für das auch im Bahnbereich tätige Transportgewerbe ist es von zentraler Bedeutung, dass jetzt endlich eine tragfähige Lösung für die Zukunft von SBB Cargo gefunden wird. Die ASTAG hat deshalb eine Task Force eingesetzt, die bis Montag die Eckpunkte für eine allfällige Beteiligung der privaten Transportunternehmen an SBB Cargo ausarbeiten wird.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt geworden war, dass SBB Cargo auch für das vergangene Jahr ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe schreiben wird, haben Gerüchte über einen möglichen Verkauf von SBB Cargo an die Fret SNCF oder an die Deutsche Bahn/Railion die Runde gemacht. Beim Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG hat dies Befürchtungen ausgelöst, die von SBB-Seite selbst angekündigte Lösung für das Cargogeschäft der SBB könnte in ein Monopol in ausländischen Händen münden.

Obwohl der abtretende SBB-Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d’Epinay mittlerweile betont hat, ein derartiger Verkauf stehe momentan nicht zur Diskussion, bleibt die Gefahr latent vorhanden, dass der Cargobereich der SBB zu einem zweiten Fall „Swissair“ werden könnte.

Die ASTAG hat deshalb dieser Tage eine Task Force ins Leben gerufen. Diese Gruppe von ASTAG-Mitgliedern, der nebst Zentralpräsident Carlo Schmid-Sutter vor allem die im Bahnbereich führenden schweizerischen Transportunternehmen angehören, wird bis Montag die Eckpunkte ausarbeiten, wie es mit SBB Cargo weiter gehen könnte. Die Eckpunkte der Lösungsvorschläge werden am Montag der Öffentlichkeit präsentiert.


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Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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