Schon Tradition: DVZO-Themenwochenenden aus Anlass der Ausstellung „Plattform der Kleinserie“

Das Motto des Jahres 2008 war die Seetalbahn – von fast den Anfängen des elektrischen Betriebes bis zu den schon bald historischen SBB-Triebwagen RBe 4/4 mit den markant leuchtend farbigen Fronten und Spezialscheinwerfern waren 4 Seetalbahn-Triebfahrzeuge an der Nebenveranstaltung zur Modellbahnausstellung „Plattform der Kleinserie“ vertreten.

Von: Erik Schneider (Text/Foto) / Sandro Hartmeier (Text)
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Das Motto des Jahres 2008 war die Seetalbahn – von fast den Anfängen des elektrischen Betriebes bis zu den schon bald historischen SBB-Triebwagen RBe 4/4 mit den markant leuchtend farbigen Fronten und Spezialscheinwerfern waren 4 Seetalbahn-Triebfahrzeuge an der Nebenveranstaltung zur Modellbahnausstellung „Plattform der Kleinserie“ vertreten.

Am Samstagmorgen 11.10.08 fanden die Überführungen und Anfahrten der Gastfahrzeuge statt. Aus Rorschach mit dem schönen F3 18275 am Haken reiste der SBB Historic De 4/4 1679 an, von Balsthal-Oensingen her kamen auf unterschiedlichen Routen der BDe 4/4 1632 in Solofahrt via Zürich-Rapperswil und das Seetalkrokodil De 6/6 15301 mit einem stilechten Seetal-Bi Plattformwagen ebenfalls von der OeBB – diese Komposition kam via Wetzikon-Hinwil und die DVZO-Dampfbahnstrecke über Bäretswil nach Bauma. Via Winterthur schliesslich reiste der mittlerweile auch schon historische RBe 4/4 1405 (einzig überlebender der Vorserie) und noch im grünen Farbkleid, roten Fronten und herkömmlichen Türen an – dieser Triebwagen gehört der Draisinen-Sammlung Fricktal aus Koblenz. Im Schlepp hatte er die beiden unlängst bereits in bahnONLINE.ch vorgestellten, frisch restaurierten Flachwagen mit Bierbehältern der bekanntesten Schweizer Brauerei!

Neben 2 Zugpaaren mit Dampf zwischen Bauma und Hinwil mit der E 3/3 10 (ex SBB 8476) und der ex SOB-Lok „Schwyz“, gab es Bachtelrundfahrten Bauma-Bauma und Pendelfahrten Bauma – Rüti. Der De 4/4 Triebwagen und De 6/6 Seetal-Krokodil tauschten bei jeder Route ihre Kompositionen, denen teils noch unterschiedlichen Güterwagen mitgegeben wurden. Der Triebwagen RBe 1405 war stets solo unterwegs, der BDe 1632 war mit dem C 6075 oder dem F3 18275 anzutreffen.

Lassen wir uns überraschen, womit uns der DVZO-Initiant im Jahre 2009 begeistern wird. Jedenfalls ein herzliches Dankeschön an Jürg Hauswirth und seine zahlreichen Helfer vom DVZO, allen Betreuern der Gastfahrzeuge und den spontanen Helfern auf dem De 4/4 1679!!

Aus dem offiziellen Programm-Flyer:

Die Seetalbahn
In den Jahren zwischen 1883 und 1906 entstand im luzernischaargauischen Seetal ein rund 60 km langes Netz von normalspurigen Neben- und Strassenbahnstrecken, die bis 1922 von der privaten „Seethalbahn“ betrieben wurden. Endpunkte der Bahn waren Wildegg an der Hauptlinie Zürich-Olten, Emmenbrücke vor den Toren Luzerns, sowie Beromünster, das ab 1930 durch den gleichnamigen Radiosender landesweit bekannt wurde. Die Gleise waren zumeist in die damals noch schwach befahrene Hauptstrasse verlegt, was sehr günstige Baukosten erlaubte. Die Seetalbahn-Gesellschaft war deshalb bis in die 1920er-Jahre recht wohlhabend und konnte sich unter anderem vierachsige Wagen, einen Buffetbetrieb und eine frühe Elektrifikation leisten. Auch nachdem die Bahn 1922 in die SBB eingegliedert worden war, blieb sie stets ein betrieblicher Sonderfall. Starke Steigungen, extrem viele Niveauübergänge und eine augenfällige technische Rückständigkeit verliehen ihr bis Ende des 20. Jahrhunderts einen besonderen Charakter, der sich erst mit der kürzlich erfolgten Totalsanierung spürbar geändert hat. Das Ziel unseres Anlasses besteht darin, diese verschwundene Atmosphäre wieder ein wenig aufleben zu lassen – wenn auch fernab des ursprünglichen Ortes. Im Seetal selber wurden in der Zwischenzeit zwei Streckenabschnitte stillgelegt und abgebrochen, und auf der verbliebenen Linie Lenzburg-Emmenbrücke ist ein Extrazugbetrieb mit historischen Fahrzeugen in nur noch sehr begrenztem Umfang möglich.

Dampfzüge
Dreimal täglich fährt ein Zugpaar zwischen Bauma und Hinwil. Zwei verschiedene Dampfloks wechseln sich in der Bespannung ab.

Elektrische Züge
Mit zwei originalen Seetalbahn-Zügen in wechselnder Zusammensetzung unternehmen wir insgesamt viermal pro Tag eine „Bachtelrundfahrt“ Bauma-Hinwil-Wetzikon-Rüti-Wald-Bauma oder umgekehrt. Dabei kommt es regelmässig zu Parallelfahrten der beiden Züge in Bauma und zu Begegnungen im Bahnhof Wetzikon.

Zug „1920″
Der DVZO besitzt noch zwei original erhaltene Vierachswagen der früheren „Seethalbahn“: den Drittklasswagen C4 152 (Baujahr 1896) und den heute als Buffetwagen eingesetzten ehemaligen Zweit-/Drittklasswagen WR4 151 (Baujahr 1894). Diese beiden Fahrzeuge repräsentieren die bis 1921 dauernde Privatbahn-Epoche.

Zug „1950″
Nach der 1922 zwangsweise angeordneten Verstaatlichung der erfolgreich geschäftenden Seethalbahn interessierte sich die SBB nicht mehr im selben Mass für die Entwicklung der Linie. Als bedeutendste Innovation baute man in den Jahren 1947-1950 neue Wagen aus Leichtmetall, die für die damalige Zeit recht modern erschienen. Die immer seltener werdenden offenen Plattformen jedoch führten bald zum augenfälligen Image der Seetalstrecke als technisch und kundendienstlich rückständigste SBB-Linie – höchstens Eisenbahn-Nostalgiker hatten noch ihre Freude daran. Die beiden „Seetaler“-Wagen der OeBB und des VDM erinnern an diese Zeit.

De 4/4 1679
Mit fortschreitender Elektrifizierung beschaffte die SBB in den 1920er-Jahren Gepäcktriebwagen für leichte Personenzüge im Pendelzugbetrieb. Das Triebfahrzeug erlaubte den Wegfall des unwirtschaftlichen Gepäckwagens. Bald einmal fanden diese Triebwagen einen festen Platz im Seetal; ein Teil von ihnen erhielt in den 1960er-Jahren sogar einen neuen Stahlkasten. Ein original erhaltenes Exemplar der Stiftung SBB Historic ist für des Seetaltreffen bei uns im Einsatz.

De 6/6 15301
Nach der Verstaatlichung sah die SBB vorerst einzig bei den Triebfahrzeugen einen gewissen Investitionsbedarf. Sie beschaffte deshalb 1926 für den schweren Güterzugsdienst im Seetal drei Maschinen, deren Konstruktion eigentlich einer doppelten Rangierlok entsprach. Ihre charakteristische, an die berühmten Gotthard-Krokodile erinnernde Form machen den Anblick zum Genuss. Glücklicherweise hat ein Exemplar die 1983 erfolgte Ausrangierung überlebt; es wird heute von der Oensingen-Balsthal Bahn betrieben und hat soeben eine mehrjährige Totalrevision hinter sich.

Elektrische Triebwagen
Neben den klassischen De4/4-Gepäcktriebwagen waren auf der Seetalbahn auch RBe 4/4- und BDe 4/4-Triebwagen zu sehen. Erstere erhielten zur Vorbeugung gegen die häufigen Kollisionen mit Autos einen auffälligen Warnanstrich an der Stirnfront sowie zwei besonders starke Scheinwerfer. Die Draisinen Sammlung Fricktal hat ihren RBe 4/4 1405 extra für unserem Anlass noch einmal mit dieser auffälligen Farbgebung ausgerüstet. Die kombinierten Personen- und Gepäcktriebwagen BDe 4/4 waren mehrheitlich auf dem heute verschwundenen Seitenast Beinwil-Beromünster im Einsatz. Beide Triebwagen führen Pendelfahrten zwischen Bauma und Hinwil sowie zwischen Bauma und Rüti durch; zeitweise wird dem BDe 4/4 der zweiachsige SBB-Drittklasswagen C 6075 mitgegeben.

Weitere Aktualitäten der DVZO:

GmP mit der MThB Ec 3/5 3
Am 28. September verkehrte die Ec 3/5 3 der Historischen MThB mit einem GmP von Bauma nach Hinwil und von dort weiter nach Dietikon. Grund der Fahrt war eine private Familienfeier eines Lokführers.

UeBB Dampftriebwagen an der Chilbi Hinwil
Am gleichen Tag machte der SBB Historic Dampftriebwagen CZm 1/2 31 Pendelfahrten an der Chilbi in Hinwil. Er fuhr auf der ehemaligen UeBB Strecke von Hinwil (Bahnhof Museum) nach Bäretswil. Die Zuführung von Zürich nach Hinwil erfolgte via Wädenswil – Pfäffikon SZ – Wetzikon nach Hinwil.

SGEG Exkursion Dienstzüge „mit Dampf und Gloria“
Die SGEG organisierte am 27. September eine Foto-Sonderfahrten mit Dienstzügen auf der Strecke des DVZO.


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Autor: Redaktion

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