Lohnverhandlungen erfolgreich abgeschlossen – SBB Löhne steigen 2009 um insgesamt 2,5 Prozent

Die SBB und die Verhandlungsdelegation der Gewerkschaften haben am Freitag ihre Lohnverhandlungen erfolgreich abgeschlossen: Sie einigten sich nach schwierigen Gesprächen auf Lohnmassnahmen von insgesamt 2,5 Prozent. Stimmen die jeweiligen Gremien der Vereinbarung zu, stellt die SBB für generelle Lohnerhöhungen 1,5 Prozent und für individuelle Massnahmen zusätzlich 0,9 Prozent der Lohnsumme bereit; weitere 0,1 Prozent setzt die SBB für eine Einmalzahlung an Mitarbeitende mit unteren Einkommen ein. Geprägt waren die Verhandlungen durch die wirtschaftliche Entwicklung, die rückläufige Teuerung und die nach wie vor ungelöste Sanierung der Pensionskasse.

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Lohnverhandlungen unterbrochen – Vorerst keine Einigung bei den SBB Löhnen

Die SBB und die Verhandlungsdelegation der Gewerkschaften konnten sich heute (5.12.08) nicht auf die Lohnmassnahmen für das Jahr 2009 einigen. Wegen der wirtschaftlichen Entwicklung und der nach wie vor ungelösten Sanierung der Pensionskasse sieht die SBB keinen Spielraum für eine überdurchschnittliche Lohnerhöhung. Sie bot zuletzt an, die Lohnsumme um 1,9 Prozent zu erhöhen, die Gewerkschaften beharren auf Forderungen von 3,6%. Die SBB brach daraufhin die Verhandlungen ab, ist aber zu weiteren Gesprächen bereit.

«Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung haben wir ein angemessenes Angebot vorgelegt», kommentiert SBB Personalchef Markus Jordi die Lohnverhandlungen. «Bei einer Teuerung von 1,5% sind wir bereit, die Lohnsumme um 1,9% zu erhöhen.» Für die SBB ist jeweils der Teuerungsstand Ende November massgebend. Der Spielraum für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen ist gering, denn die Finanzkrise wirkt sich auch auf die SBB aus: SBB Cargo ist von der einbrechenden Nachfrage im internationalen Güterverkehr betroffen und die Gefahr besteht, dass die öffentliche Hand die Mittel verknappt. Gleichzeitig ist die Sanierung der Pensionskasse weiterhin ungelöst. Sie kann zu massiven Belastungen für das Unternehmen führen. Bereits hat die SBB einen selektiven Einstellungsstopp verhängt, baut Zeitguthaben ab und kürzt Beiträge für Weiterbildungen.

Überdurchschnittliche Lohnerhöhungen nicht verantwortlich
Die Gewerkschaften forderten im September Lohnerhöhungen von umgerechnet 5,1%. Während der bisher drei Verhandlungen sind sie nur wenig von ihren Positionen abgerückt und fordern heute generelle Lohnerhöhungen von 2%, mindestens aber 1950 Franken pro Jahr, und für individuelle Lohnmassnahmen weitere 1,3%. Dafür müsste die SBB 76 Millionen Franken einsetzen, was 3,6% der Lohnsumme entspricht.

Die SBB bot heute Lohnmassnahmen im Umfang von knapp 40 Millionen Franken an. Das entspricht umgerechnet 1,9% der Lohnsumme. Für generelle Massnahmen hätte sie 1%, für individuelle Massnahmen 0,5% eingesetzt. Hinzu kommen 0,4%, um unterjährige Lohnerhöhungen zu finanzieren, die durch Neu- und Höhereinstufungen während des Jahres anfallen. «Die SBB hätte mit den Lohnmassnahmen individuelle Reallohnerhöhungen ermöglicht», stellt Markus Jordi klar. «Weiter gehende Lohnmassnahmen sind mit Blick auf die Teuerung und die wirtschaftliche Situation nur schwer zu verantworten.»

Bei den Lohnverhandlungen hat sich gezeigt, dass beide Parteien sowohl die konjunkturelle Entwicklung als auch die finanziellen Konsequenzen einer Sanierung der Pensionskasse unterschiedlich einschätzen. Während die SBB deutliche Einbrüche im Geschäft prognostiziere, beharren die Gewerkschaften auf hohen Forderungen. «Wir wissen, dass unsere Mitarbeitenden jeden Tag viel leisten, doch müssen wir zu einem verantwortlichen Lohnabschluss kommen», hält Jordi fest. Die SBB ist daher auch zu weiteren Gesprächen bereit. Auf Wunsch der Gewerkschaften haben die Partien die Frist zur Anrufung eines Schiedsgerichts bis 15. Januar 2009 verlängert. Dieses ist mit Vertretern der SBB und der Gewerkschaften besetzt und legt die Lohnmassnahmen für 2009 fest. Dabei beurteilt es die wirtschaftliche Entwicklung, die Lebenshaltungskosten und die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Mitteilung der Gewerkschaften
Lohnverhandlungen bei SBB gescheitert – SBB verweigert Lohn-Diskussion mit Sozialpartnern

Obwohl die Gewerkschaften heute grosses Entgegengekommen gezeigt haben, ist die SBB nicht zu weitern Gesprächen über das Lohnabkommen bereit. Die SBB ist nicht auf das gewerkschaftliche Angebot eingegangen und hat die Verhandlungen abgebrochen.

Die Verhandlungsgemeinschaft von SEV, transfair, VSLF und KVöV ist heute angesichts der neusten Teuerungszahlen und der aktuellen Wirtschaftslage der SBB erneut einen grossen Schritt entgegengekommen. Überraschenderweise ging die SBB jedoch nicht auf dieses Angebot ein, sondern bezeichnete dieses als untaugliche Basis für weitere Verhandlungen.

Nach diesem Abbruch seitens SBB überlegt sich die Verhandlungsgemeinschaft das weitere Vorgehen. Sie hält fest, dass ihr heutiges Angebot weiter besteht, hält sich aber auch den Gang ans Schiedsgericht offen.

Die ursprüngliche Forderung der Verhandlungsgemeinschaft umfasste den vollen Teuerungsausgleich, den vollen Vollzug des Lohnsystems sowie eine Reallohnerhöhung von einem Prozent. Inzwischen hat sie die Forderung der unerwartet tiefen Novemberteuerung angepasst und die Reallohnforderung halbiert. Umso erstaunlicher ist es, dass die SBB auf dieser Ebene nicht zu einer Verhandlung bereit ist.

Die angepasste Forderung der Personalverbände liegt im Bereich der bisherigen Lohnabschlüsse der Branche. Sie ist angemessen, zumal die SBB weiterhin sehr erfolgreich arbeitet und von einer erneuten Produktivitätssteigerung im Bereich von über 5 Prozent profitiert. Die SBB brachte die Finanzkrise ins Spiel, was aber mit Blick auf die aktuelle Situation in der Schweizer Verkehrsbranche nicht gerechtfertigt ist.

 


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SBB CFF FFS / SEV

Gemeinsame Lohnforderung der Personalverbände bei der SBB – SBB-Personal fordert 1 Prozent Reallohnerhöhung

Massiv steigende Lebenskosten und eine anhaltend tiefe Personalzufriedenheit: Eine substanzielle Lohnerhöhung bei der SBB ist zwingend nötig. Die Gewerkschaften haben sich auf eine Forderung geeinigt, die den vollen Teuerungsausgleich, die systembedingten Lohnmassnahmen sowie eine einprozentige Reallohnerhöhung umfasst.

Die Lohnforderung der Verhandlungsgemeinschaft der SBB-Personalverbände ist geprägt durch den massiven Anstieg der Teuerung. Damit erleiden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufend Kaufkraftverluste, die vollständig auszugleichen sind. Die Verhandlungsgemeinschaft weist in ihrer Eingabe an die SBB zudem darauf hin, dass sich fürs neue Jahr überdurchschnittliche Steigerungen bei den Krankenkassenprämien und den Strompreisen abzeichnen.

Andererseits befindet sich die gesamte Schweizer Wirtschaft nach wie vor in einer guten Verfassung. Dies gilt auch für die SBB, die weiterhin steigende Umsatz- und Ertragszahlen präsentiert. Daran steuert das Personal nicht nur seine Leistung bei, sondern es trägt Jahr für Jahr zu einer Produktivitätssteigerung bei.

Vor diesem Hintergrund haben die Gewerkschaften eine dreiteilige Forderung aufgestellt: Sie verlangen

  • den vollen Teuerungsausgleich per November, mindestens aber 170 Franken monatlich pro Person. Mit diesem Sockelbeitrag können die tieferen Lohnklassen gestützt werden.
  • die vollständige Umsetzung der systembedingten Lohnerhöhungen
  • eine zusätzliche, generelle Lohnerhöhung von 1%

Die Lohnverhandlungen werden in den Monaten November und Dezember stattfinden. Sollte dabei keine Einigung erzielt werden, müsste anschliessend ein Schiedsgericht über die Lohnmassnahmen entscheiden.

Die Personalverbände SEV, transfair, VSLF und KVöV bilden gegenüber der SBB eine Verhandlungsgemeinschaft, die auch bei den jährlichen Lohnverhandlungen aktiv ist.

SEV

Autor: Redaktion

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