Schwere Unwetter in Rumänien – Wassertalbahn grösstenteils zerstört – Kampagne zum Wiederaufbau

Nachdem in der Maramures schon in der vergangenen Woche überwiegend regnerisches Wetter herrschte, erzeugten die sintflutartigen Niederschläge (Gewitter) ab Samstamittag 26.07.2008 ein verheerendes Hochwasser im Valea Vaser.
Davon überrascht wurde auch ein mit Dampflok geführter Touristenzug der Wassertalbahn auf seiner Rückfahrt von Faina nach Viseu de Sus. Kurz vor der Station Bardau blieb die Komposition im Geröll eines Seitenbaches stecken. Die ca. 160 Fahrgäste (darunter auch viele Ausländer) wurden – begleitet vom Zugpersonal – in die nächstgelegenen Cabanas (Bardau, Cozia, Faina) geleitet, wo sie übernachten mussten.

erstellt am 08. September 2008

Nachdem in der Maramures schon in der vergangenen Woche überwiegend regnerisches Wetter herrschte, erzeugten die sintflutartigen Niederschläge (Gewitter) ab Samstamittag 26.07.2008 ein verheerendes Hochwasser im Valea Vaser.
Davon überrascht wurde auch ein mit Dampflok geführter Touristenzug der Wassertalbahn auf seiner Rückfahrt von Faina nach Viseu de Sus. Kurz vor der Station Bardau blieb die Komposition im Geröll eines Seitenbaches stecken. Die ca. 160 Fahrgäste (darunter auch viele Ausländer) wurden – begleitet vom Zugpersonal – in die nächstgelegenen Cabanas (Bardau, Cozia, Faina) geleitet, wo sie übernachten mussten.

Ein aus Grenzpolizei, Feuerwehr, Armee, Sanitätspolizei (wer noch?) zusammengesetzter Krisenstab begann unverzüglich, die Hilfe zu organisieren. Prioritär war die Versorgung der Eingeschlossenen mit Lebensmittel und Medikamente; gleichzeitig lief die Evakuierung (Hubschrauber, Feurwehr etc.) insbesondere von Kindern und älteren Menschen an.
Bis Montag 28. Juli konnten alle Touristen evakuiert werden, niemand kam zu Schaden. Die Organisation der Hilfe, auch für die lokale Bevölkerung, funktionierte gut. Viele Touristen haben sich persönlich für die Rettung und die gute Betreuung bedankt.

Die Naturkatastrophe war NICHT vorhersehbar. Bis Samstag Mittag gab es keine Anzeichen, dass der Wasserfluss dramatisch ansteigt. Die sintflutartigen Gewitterregen – sie dauerten mehrere Stunden an! – waren ein Jahrhundertereignis. Im Unterschied zu den vergangenen Hochwasserkatastrophen im Wassertal (2001, 1970) hinterliess die Flut diesmal kapitale Schäden an Brückenfundamenten und Schutzmauern. Dies geschah insbesondere durch gewaltige Mengen an gelagertem Rundholz, welche, vom Hochwasser mitgerissen, auf ihrem Weg zu Tal auch solideste Beton- und Steinverbauungen zertrümmerten.

Die Schäden an der Bahnstrecke sind ausserordentlich gross, der Bahnbetrieb vollständig eingestellt. Zahlreiche Brücken sind zerstört, viele Gleisabschnitte unterspült oder weggerissen. Drei Züge (darunter der Dampfzug mit der Lok „Elvetia“) sind unterwegs eingeschlossen worden und verbleiben wegen der zahlreichen Streckenterbrüchen bis auf weiteres in den Bergen. Der gestrandete Touristenzug (inklusive der Lok „Elvetia“) konnte mittels Forsttraktor zurück zum Bahnhof Bardau geschleppt werden. Die Dampflok 764.421 wird vom Lokpersonal so gut wie möglich konserviert. Betroffen ist auch die Strasse von Viseu de Sus nach Valea Scradei und Valea Pestilor, welche an mehreren Stellen durch die Wassermassen weggerissen wurde.
Aufräumarbeiten und Wiederaufbau der Waldbahn werden viel Zeit beanspruchen; die Kosten werden nach ersten Schätzungen auf mindestens 10 Millionen Euro veranschlagt.

Von Seiten der Bahngesellschaft, des Naturparks „Muntii Maramuresului“ und der lokalen Behörden besteht der Wille, die Waldbahn von Viseu de sus (die letzte Waldbahn Rumäniens!), nicht zuletzt wegen ihrer touristischen Bedeutung, wieder aufzubauen. Für diese schwere, mit sehr hohen Kosten verbundenen Arbeit hofft man auch auf Hilfe aus dem Ausland. Bereits ist Unterstützung aus der Schweiz und Deutschland zugesagt worden. Die Organisation des internationales Hilfsprojekt zum Wiederaufbau der Waldbahn Viseu de Sus ist angelaufen.

Krauss 763.193 fährt – Wiederaufbau begonnen!
Obwohl hinter den Kulissen immer noch politisch verhandelt wird, Wer Wieviel und Wann für den Wiederaufbau bezahlt, ist der Bann gebrochen:

Jetzt geht’s richtig los!
Nach der vom Verein initiierten (und bezahlten!) Instandsetzung des unterspülten Gleisabschnittes bei „Fabrica 3“, welche die „fremde“ Brigade der CFI Brad als „Sturmtrupp“ innert 5 Tagen bravourös abschloss, wollten die lokalen Verantwortlichen sich nicht länger blamieren: Die RGHolz begann endlich auch mit dem Wiederaufbau, die Ehre der Maramures war herausgefordert. Fieberhaft wird an der bös zerstörten Kurve oberhalb von Valea Scradei gearbeitet.

Zur Freude der Touristen wird freitags und samstags die „Krauss“ 763.193 eingesetzt – wenn sich genügend Dampf Interessierte anmelden, auch an anderen Wochentagen.

Schweizer Fernsehen im Wassertal
Historische Momente erwischten Regisseur Roland Huber und Kameramann Laurent Stoop während ihrer Dreharbeiten auf der Wassertalbahn: Neben dem temporären, äusserst abenteuerliche Holztransport im isolierten oberen Streckenteil filmte das „Reporter“-Team auch den Wiederaufbau der zerstörten Brücke beim Gleisdreieck in Novat, inklusive Segnung dieser Baustelle durch orthodoxe Geistliche! Der Dokumentarfilm wird frühestens im Januar 2009 ausgestrahlt; sobald der Sendetermin feststeht, informiert der Verein auf seiner Webseite.


Mehr zum Thema:

Verein Hilfe für die Wassertalbahn/Rumänien (Text) / Michael Schneeberger (Text/Foto)

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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