Service-Zentrum der Südostbahn renovierte 90 Gepäckwagen für die Post – Aus stumpfem Grün wurde leuchtendes Gelb

Die Gepäckwagen der Schweizerischen Post sind verschiedenen harten Belastungen ausgesetzt: Witterungseinflüssen von aussen und Ladegut (Briefpostrollis) im Inneren. Alle 90 Bahnwagen, welche die Fachleute des Service-Zentrums Rollmaterial Samstagern der Südostbahn (SOB) zwischen Juni 2006 und Januar 2009 auffrischten, wurden termingemäss und zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers und des Endkunden abgeliefert.

Schweizerische Südostbahn (Text) / Peter Donatsch (Foto)
Service-Zentrum der Südostbahn renovierte 90 Gepäckwagen für die Post - Aus stumpfem Grün wurde leuchtendes Gelb. / Foto: Peter DonatschDie Gepäckwagen der Schweizerischen Post sind verschiedenen harten Belastungen ausgesetzt: Witterungseinflüssen von aussen und Ladegut (Briefpostrollis) im Inneren. Alle 90 Bahnwagen, welche die Fachleute des Service-Zentrums Rollmaterial Samstagern der Südostbahn (SOB) zwischen Juni 2006 und Januar 2009 auffrischten, wurden termingemäss und zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers und des Endkunden abgeliefert.

Livio Jolli, Sachbearbeiter im Service-Zentrum Rollmaterial der Südostbahn in Samstagern erinnert sich: „Der Auftrag von Alstom, umfasste die Sanierung von total 90 Gepäckwagen der Post. Als Null-Serie für die Tests von Materialien und Arbeitsabläufen, standen uns 3 Wagen zur Verfügung, die wir in zwei Monaten erneuern mussten. Dann ging es ernsthaft los.“ Die Wagen, 60 2-Achser, 20 Jumbos und 10 Wagen der französischen Staatsbahn SNCF waren innerhalb von zweieinhalb Jahren – das bedeutete pro Monat 2 – 3 Wagen – zu renovieren. Im Servicezentrum der Südostbahn waren rund 10 Mitarbeiter beschäftigt: Neben Kalkulation, Arbeitsvorbereitung, Termin- und Qualitätskontrolle waren Maler, Schlosser, Schreiner, Elektriker involviert.

Die Arbeiten umfassten neben allgemeinen bahntechnischen Sicherheits- und Reparaturarbeiten den Einbau eines neuen Verladesystems mit Zurrschienen an den Wänden für das Festmachen der Briefpostrollis mit Sicherheitsstangen und Gurten, ein neuer Farbanstrich mit verschiedenen Werbeaufschriften.

Ein herausfordernder Auftrag
Obwohl die SOB-Fachleute über ein grosses Wissen und Können im Bereich Schienenfahrzeuge verfügen, hiess es immer wieder mal improvisieren und neue Ideen entwickeln. Werkstattleiter Beat Suter verspürt im Rückblick noch Herzklopfen, wenn er an die Anfänge denkt: „Die grösste Herausforderung bot der Neuanstrich: Für den Farbaufbau verwendeten wir eine 2–Komponenten Wasser verdünnbare Farbe. Gleich zu Beginn bemerkten wir, dass Farbe nicht gleich Farbe ist und gelbe Farbe nicht gleich rote Farbe: jede Farb-Nuance und jeder Anwendungstyp der Farbe enthält andere Pigmente, Eigenschaften und Anforderungen. Zu Beginn befand sich die Farbe nach dem Mischen im richtigen Zustand, aber während der Verarbeitung änderte sie ihre Konsistenz, so dass sie plötzlich zu dünn war. Dann wieder traten Schwierigkeiten mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum auf. Dann wollten wir das „Post-Gelb“ in derselben Zusammensetzung verwenden, wie unser „SOB-Rot“ – aber diese Farbe war nicht mehr lieferbar… Es gab eine Menge Überraschungen, und wir vergossen manchen Schweisstropfen, bis wir zusammen mit dem Lieferanten eine Lösung erarbeitet hatten. Nachdem die richtigen Hilfsmittel herausgefunden und beigemischt wurden, liess sich die Farbe wunderbar auftragen und sie hält auch bestens. Um eine konstante Lackierung zu erreichen, musste die Farbe bei exakt 8 Grad Celsius gelagert werden, somit benötigten wir einen Kühlschrank.“

Mehr als eine „Pinsel-Renovation“
Auch mit der Sanierung der Türen verlief nicht alles, wie anfänglich geplant: Die schweren, genieteten Alutore wurden zunächst abgeschliffen und neu gestrichen. Als man sie dann zu Versuchszwecken einige Male etwas heftig schloss, splitterte die Farbe über den Nieten ab und hinterliess hässliche Flecken. Was tun? Alle Flecken in mühevoller Kleinarbeit mühsam ausspachteln? Bei Tausenden von Nieten? So entschloss man sich kurzerhand, neue elektrolytisch-verzinkte Eisenbleche mit Spezialkleber auf die alten Türen zu kleben und mit Nieten zu sichern. Diese Massnahme behob nicht nur das Problem der absplitternden Farbe, sondern verjüngte die 20- bis 30-jährigen Wagen auf sanfte Weise.

Von der ersten bis zur letzten Abnahme in Ordnung
So standen die letzten 4 Postwagen in leuchtendem Gelb bereit, als Werner Bachmann, Leiter Rollmaterial Nationale Transporte bei der Post zur letzten Abnahme schritt. „Der Auftrag ist zu unserer vollen Zufriedenheit gelaufen“, lautet seine Bilanz. Dem schliesst sich Arbeitsvorbereiter Livio Jolli an: „Die Termine waren eng und die Qualitätsvorgaben hoch, somit waren die benötigten Stunden knapp kalkuliert. Doch unsere Mitarbeiter haben diese Vorgaben geschafft! Und wir pflegten stets ein sehr gutes Verhältnis zu den Vertretern der Post und von Alstom. Und wir hoffen natürlich, dass wir uns mit diesem erfolgreich abgeschlossenen Auftrag für weitere Kundenarbeiten dieser Art empfohlen haben.“ Bei „weiteren Aufträgen“ denkt man auch an den Unterflur-Drehbank im Servicezentrum von Herisau, einer Anlage, die der Instandhaltung der Räder von Eisenbahnfahrzeugen dient und von denen es in der Schweiz bis heute nur 5 gibt. Diese Arbeiten müssen regelmässig durchgeführt werden, sie verbessern die Laufruhe der Züge verlängern die Lebensdauer der Räder und verbessern sowie den Komfort von Bahnpassagieren und Anwohnern der Bahn (weniger Lärm).

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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