Medienhintergrundgespräch mit Philippe Gauderon, Leiter Infrastruktur: Die Herausforderungen von SBB Infrastruktur

SBB Infrastruktur steht vor grossen Herausforderungen: Die Mobilitätsnachfrage wächst, die Netzauslastung nimmt weiterhin zu, die Unterhaltskosten steigen, das bestehende Netz kann erst in einigen Jahren deutlich ausgebaut werden, wobei sich hier die Frage der Folgekosten stellt. Und trotzdem muss die Infrastruktur hoch verfügbar sein, um einen nachfragegerechten, sicheren und pünktlichen Bahnbetrieb zu gewährleisten. Mit einer Neuausrichtung der Division will der neue Leiter Infrastruktur diese Herausforderungen angehen.

SBB CFF FFS
Massnahmen zur Substanzerhaltung.SBB Infrastruktur steht vor grossen Herausforderungen: Die Mobilitätsnachfrage wächst, die Netzauslastung nimmt weiterhin zu, die Unterhaltskosten steigen, das bestehende Netz kann erst in einigen Jahren deutlich ausgebaut werden, wobei sich hier die Frage der Folgekosten stellt. Und trotzdem muss die Infrastruktur hoch verfügbar sein, um einen nachfragegerechten, sicheren und pünktlichen Bahnbetrieb zu gewährleisten. Mit einer Neuausrichtung der Division will der neue Leiter Infrastruktur diese Herausforderungen angehen.

Nach gut 100 Tagen als neuer Chef Infrastruktur hat Philippe Gauderon an einem Medienhintergrundgespräch eine Auslegeordnung zur Situation der Infrastruktur gemacht. Er strich dabei die grosse Leistung hervor, welche die Infrastruktur mit ihren rund 9000 Mitarbeitenden tagtäglich erbringt: Im weltweit am stärksten genutzten und belasteten Schienennnetz werden Tag für Tag rund 7000 Reise- und 2000 Güterzüge bewegt.

Störungen/Verfügbarkeit.Gauderon wies aber auch darauf hin, dass SBB Infrastruktur vor grossen Herausforderungen steht. Zentrales Element dabei ist die weiter zunehmende Netzauslastung: Sie hat überproportional steigende Unterhaltskosten zur Folge. Interne Untersuchungen zeigen, dass sich hier ein Nachholbedarf aufgebaut hat, der einen zusätzlichen Bedarf an Finanzmitteln nach sich zieht. Hinzu kommen die Folgekosten von Investitionen, die mit zunehmender Belastung der Anlagen stärker als geplant steigen. Ein externer Netzaudit wird bis Ende Jahr die Infrastrukturanlagen wie Fahrbahn, Fahrleitungen, Brücken, Tunnel, usw. unter die Lupe nehmen und aufzeigen, für welche Anlagen welche Mittel nötig sind, um auch in Zukunft ein robustes und hoch verfügbares Eisenbahnnetz zur Verfügung zu stellen.

Kritische Strecken, Entstehung von Verspätungen und Gegenmassnahmen.Weitere Herausforderungen der Infrastruktur sind der Netzausbau im Rahmen von ZEB und Bahn2030, dessen Finanzierung und eine anhaltend stabile Pünktlichkeit bei hoher Verkehrsdichte. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, ist für Gauderon eine Neuausrichtung der SBB Division Infrastruktur nötig. Kunden und Partner der Infrastruktur – also die Bahnen einerseits, BAV und Kantone andererseits – sollen dabei im Fokus stehen, die gesamte Organisation konsequent auf die Erfüllung der Kundenbedürfnisse ausgerichtet werden. Die Arbeitsorganisation wird künftig entsprechend dieser so genannten Wertschöpfungskette gestaltet, was auch eine neue Aufbauorganisation zur Folge haben wird. Das entsprechende Projekt «Infrastruktur 2014» soll bis Mitte Jahr erarbeitet und dem Verwaltungsrat SBB vorgelegt werden. Weiter ist für Gauderon klar, dass die Infrastruktur ihre Effizienz künftig deutlich steigern muss: Einerseits im Bereich Verwaltungsstellen, die bis im Herbst überprüft werden, andererseits auch durch standardisierte Abläufe und industrielle Fertigung. «Es geht darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um das fundierte Know-how unserer Mitarbeitenden künftig noch besser nutzen zu können für die Weiterentwicklung des Unternehmens und die Befriedigung der Kundenbedürfnisse», sagte Gauderon.

Philippe Gauderon: Leiter Infrastruktur und Mitglied der Konzernleitung SBB

  • Philippe Gauderon, 53 Jahre, verheiratet, Vater von drei Kindern, wohnhaft im Kanton Freiburg.
  • Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg; 1983 mit Rechtsanwaltpatent abgeschlossen.
  • 1983 bis 1985: Rechtsanwalt in Freiburg.
  • 1985 bis 1995: Verschiedene leitende Aufgaben im Bundesamt für Verkehr (BAV), darunter von 1990 bis 1995 als Vizedirektor des BAV.
  • 1.1.1996 Wechsel zur SBB als Direktor des damaligen Kreises 1 in Lausanne.
  • 1999 (Bahnreform): Übernahme der Leitung des Regionalverkehr beim Personenver-kehr SBB; Mitglied der Divisionsleitung Personenverkehr.
  • Oktober 2003: Leiter Operating und Stellvertreter des Leiters Division Personenver-kehr. Der Geschäftsbereich Operating des Personenverkehrs mit 6200 Mitarbeiten-den und einem Jahresbudget von über CHF 1,3 Mia. ist verantwortlich für die 5500 Züge, die SBB Personenverkehr täglich führt.

Einblick in die Werkstatt

Netzauslastungen verschiedener Bahnen.Wechselwirkung zwischen Netzkapazität und Fahrplanstabilität
Die Kapazitäten des Netzes sind ausgereizt – die nachgefragten Trassen stiegen auf dem am dichtesten genutzten Bahnnetz der Welt zwischen 1999 und 2007 um 26%. Bis zur nächsten Netzerweiterung in Form von Infrastrukturbauten, d.h. bis ca. 2018, sind nur punktuelle Angebotsverbesserungen realisierbar. Denn: Jeder weitere Zug hat unweigerlich Einfluss auf die Stabilität des Fahrplans und die Pünktlichkeit der Züge für unsere Kunden.
Und die SBB ist auf einen Netzausbau und mehr Kapazität angewiesen, wird doch bis 2030 ein weiterer Anstieg der Nachfrage um mehr als 50% prognostiziert; in den grossen Agglomerationen ist gar ein Nachfragewachstum von über 100% zu erwar-ten.

Steigende Unterhaltskosten
Mehr, schnellere und schwerere Züge erhöhen den Unterhaltsaufwand. Studien gehen davon aus, dass der Unterhaltsaufwand mit zunehmender Verkehrsdichte überproportional steigt. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich aufgrund der stark steigenden Netzbelastung der letzten Jahre ein Nachholbedarf ab, um die Substanz der Infrastruktur-Anlagen erhalten zu können. Hierzu sind zusätzliche Finanzmittel notwendig.

Erkenntnisse und Massnahmen Taskforce Romandie.Erkenntnisse und Massnahmen Taskforce Romandie
Im zweiten Halbjahr 2008 häuften sich die Störungen in der Romandie und beeinträchtigten die Pünktlichkeit des Zugverkehrs und die Zufriedenheit der Kundschaft in der Westschweiz beträchtlich. Aus diesem Grund wurde eine Taskforce Romandie ins Leben gerufen, die sich schwerpunktmässig der Störungen annahm, diese eingehend analysierte und Massnahmenvorschläge erarbeitete. 15 Sofortmassnahmen stehen derzeit in der Umsetzung, ein zweites Massnahmenpaket ist in Arbeit.
Nebst der Taskforce Romandie gibt es noch je eine Taskforce in Zürich (seit 2003/2004) und in der Nordwestschweiz (seit 2009).

Siehe auch

  • Erkenntnisse und Massnahmen Taskforce Romandie (PPT-File)
  • Autor: Redaktion

    Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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