Lohnverhandlungen abgebrochen: Vorerst keine Einigung bei den SBB-Löhnen

Die SBB und die Verhandlungsdelegation der Gewerkschaften haben sich in den bisherigen Verhandlungen nicht auf die Lohnmassnahmen für das Jahr 2010 einigen können. Die Gewerkschaften, die auf Lohnerhöhungen von 1,9% beharrten, brachen gestern die Verhandlungen ab. Die SBB sieht keinen Grund für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen und hatte Lohnmassnahmen im Umfang von 0,8% angeboten. Nun muss ein Schiedsgericht entscheiden.

SBB CFF FFS / SEV, transfair, VSLF, KVöV
Die SBB und die Verhandlungsdelegation der Gewerkschaften haben sich in den bisherigen Verhandlungen nicht auf die Lohnmassnahmen für das Jahr 2010 einigen können. Die Gewerkschaften, die auf Lohnerhöhungen von 1,9% beharrten, brachen gestern die Verhandlungen ab. Die SBB sieht keinen Grund für überdurchschnittliche Lohnerhöhungen und hatte Lohnmassnahmen im Umfang von 0,8% angeboten. Nun muss ein Schiedsgericht entscheiden.

«Wir bedauern sehr, dass die Gewerkschaften die Verhandlungen abgebrochen haben und eine Lösung auf dem Verhandlungsweg nicht mehr möglich ist» erklärte SBB-Personalchef Markus Jordi nach den Verhandlungen. Die SBB hatte 0,8% der Lohnsumme für Lohnmassnahmen angeboten, was einem Betrag von insgesamt 17 Millionen Franken entspricht. Damit wären einerseits individuelle Lohnerhöhungen (0,4%) finanziert worden und andererseits für alle Mitarbeitenden eine Prämie von 300 Franken (ebenfalls 0,4%). Die Gewerkschaften beharrten indes auf vergleichsweise hohen Forderungen von zuletzt 1,9% der Lohnsumme und brachen gestern die Verhandlungen ab. Nun wollen sie ein Schiedsgericht anrufen.

«Angesichts der wirtschaftlichen und finanziellen Lage hat die SBB ein gutes Angebot vorgelegt», sagte SBB-Personalchef Jordi; «generelle Lohnerhöhungen sind bei einer Nullteuerung nicht angezeigt.» Für die SBB ist jeweils der Teuerungsstand Ende November massgebend. Auch bei den Sanierungsbeiträgen an die Pensionskasse sieht die SBB keinen Spielraum für ein weiteres Entgegenkommen an die Gewerkschaften zulasten der SBB. Bereits jetzt muss die SBB durchschnittlich neun Prozent der Lohnsumme für die Sanierung der Pensionskasse aufwenden. Mit dem in diesem Herbst verabschiedeten paritätischen Sanierungskonzept leisten alle Seiten einen grossen Beitrag zur Gesundung der Kasse. «Mehr kann die SBB nicht übernehmen», sagt Jordi. Er ist überzeugt: «Das wäre auch politisch ein falsches Signal.»

Die diesjährigen Lohnverhandlungen standen von Beginn weg unter schwierigen Vorzeichen, nachdem die Gewerkschaften im September ihre hohe Forderung nach Lohnerhöhungen von insgesamt 4,5% erhoben hatten. Bei den Lohnverhandlungen bestätigte sich, dass die Gewerkschaften die wirtschaftliche Lage wie auch die finanziellen Möglichkeiten der SBB unrealistisch beurteilten. «Wir wissen, dass unsere Mitarbeitenden jeden Tag viel leisten. Doch wir müssen zu einem Lohnabschluss kommen, den wir verantworten können», hält Jordi fest.

Die SBB ist gespannt auf die Entscheidung des Schiedsgerichts, das jetzt die Lohnmassnahmen 2010 festlegen muss. Das Schiedsgericht setzt sich zusammen aus Vertretern von SBB und Gewerkschaften sowie einem von den beiden Parteien zu benennenden Präsidenten. Bei seinem Entscheid berücksichtigt das Schiedsgericht unter anderem die allgemeine wirtschaftliche Lage und die des Unternehmens, aber auch die Entwicklung der Lebenshaltungskosten und der Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Stellungnahme SEV, transfair, VSLF, KVöV:
Lohnverhandlungen mit SBB gescheitert: Schiedsgericht muss über SBB-Löhne entscheiden

Bei den Lohnverhandlungen mit der SBB ist keine Einigung zustande gekommen. Die Gewerkschaften rufen nun das Schiedsgericht an, wie es im Gesamtarbeitsvertrag vorgesehen ist.

In der dritten und letzten Verhandlungsrunde hat die Verhandlungsgemeinschaft der Personalverbände (SEV, transfair, VSLF und KVöV) nochmals einen grossen Schritt gemacht und ihre Forderung weiter reduziert: Sie verlangte lediglich noch die Gleichbehandlung mit dem Bundespersonal; dieses erhält 0,6 Prozent Lohnerhöhung für alle sowie die Mittel für die systembedingten Lohnerhöhungen. Das hätte bei der SBB insgesamt rund 1,9 Prozent der Lohnsumme ausgemacht. Über die konkrete Verteilung zeigten sich die Personalvertreter verhandlungsbereit.

Die SBB ihrerseits bewegte sich praktisch nicht vom Fleck. Sie erhöhte lediglich die angebotene Einmalzahlung von 200 auf 300 Franken pro Person zulasten des Jah-resergebnisses 2009, welches rekordverdächtig hoch sein dürfte – dank der guten Arbeit des Personals! Für 2010 bot die SBB lediglich 0,4 Prozent der Lohnsumme für systembedingte Erhöhungen, was nur gerade einen Drittel der Systemanstiege abgedeckt hätte. «Das hätte für die allermeisten Angestellten eine Nullrunde bedeutet», betont SEV-Vizepräsident Manuel Avallone, der die Verhandlungsdelegation der Personalverbände angeführt hat.

Angesichts dieser eklatanten Differenzen der Positionen kam keine Einigung zustande. Die Gewerkschaften werden nun das im Gesamtarbeitsvertrag für diese Situation vorgesehene Schiedsgericht anrufen. Es dürfte März werden, bis ein Entscheid vorliegt.

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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