Bundesrat hält an Einsparungen im Regionalverkehr fest: VCS und Verbündete setzen ihren Kampf fort – Bereits rund 24’000 Unterschriften gesammelt

Gegen den Widerstand des VCS Verkehrs-Club der Schweiz, der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, von Pro Bahn Schweiz und der Schweizerischen Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV), aber auch gegen den Willen der Kantone hält der Bundesrat an den geplanten Einsparungen im
Regionalverkehr fest. Doch der Widerstand wächst: Bereits 24’000 Personen haben die vom VCS und seinen Partnern lancierte Petition «Hände weg vom Sparen beim öffentlichen Verkehr!» unterschrieben.

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Bundesrätliches Sparprogramm: VCS, SEV, IGöV und Pro Bahn setzen ihren Kampf für die Regionalverkehrslinien fort

VCS Verkehrs-Club der Schweiz / SEV / Pro Bahn Schweiz / Schweizerische Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV)
Der Bundesrat hält an seinen Sparmassnahmen im Regionalverkehr fest. Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz, die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Pro Bahn Schweiz und der Schweizerischen Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr (IGöV) setzen deshalb ihren Kampf für den Erhalt der bedrohten Linien fort. Die online lancierte Petition zur Erhaltung der bedrohten Regionalverkehrslinien kann nun auch auf Papier unterschrieben werden.

Nicht unerwartet besteht der Bundesrat weiter darauf, die Abgeltungen für Regionallinien des öffentlichen Verkehrs zu kürzen. Künftig sollen nur noch Linien mit einer Mindestnachfrage von 100 Personen pro Tag Abgeltungen erhalten. Heute liegt diese Limite bei 32 Fahrgästen pro Tag. Würde diese Massnahme umgesetzt, könnte dies zu einem Kahlschlag im Regionalverkehr führen.

Derzeit beziehen rund 1300 Regionalverkehrslinien Abgeltungen des Bundes. Ein Siebtel von ihnen – rund 160 Linien – sind im Zuge des bundesrätlichen Sparprogramms gefährdet. Würde die geplante Massnahme umgesetzt, müssten die Kantone in die Bresche springen. Das wird vielerorts unmöglich sein. Bei den betroffenen Linien handelt es sich vornehmlich um Bus- und Postautolinien. Vor allem im ländlichen Raum würden ganze Regionen und Dörfer vom Netz des öffentlichen Verkehrs abgehängt.

Der VCS, der SEV, Pro Bahn Schweiz und die IGöV werden deshalb weiter für den Erhalt der bedrohten Linien kämpfen. Denn nicht nur regionalpolitische Gründe sprechen dagegen. Müssen Linien des öffentlichen Verkehrs eingestellt werden, wird vermehrt das Auto benutzt und der CO2-Ausstoss steigt. Zudem würden Linien in touristische Gebiete gestrichen, was volkswirtschaftlich fragwürdig ist.

Weniger Ausgaben sind unrealistisch
Darüber hinaus ist es für den VCS unverständlich, wie der Bundesrat postulieren kann, mit dem Sparprogramm werde das Ausgabenwachstum im Verkehr von 2 auf 1,6 Prozent sinken. Dem stehen die Prognosen der Bundesämter diametral entgegen, die auch künftig von einem Wachstum des Verkehrs ausgehen. Unter diesen Umständen muss nicht weniger, sondern mehr Geld für die Lösung der Verkehrsprobleme aufgewendet werden.

Sparmassnahmen im Regionalverkehr: VCS publiziert Liste der gefährdeten Linien – Rund 160 Verbindungen könnten verschwinden

VCS Verkehrs-Club der Schweiz
Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz hat am Dienstag (2.3.2010) auf seiner Homepage eine Liste jener rund 160 Regionalverkehrslinien publiziert, die im Zuge des bundesrätlichen Sparprogramms von der Einstellung bedroht sind. Dabei macht der Bundesrat auch nicht vor der Rigibahn oder anderen Bahnen in touristischen Gebieten Halt.

Bekanntlich will der Bundesrat im Rahmen seines neuesten Sparprogramms nur noch Regionalverkehrslinien mit einer Mindestnachfrage von 100 Personen pro Tag Abgeltungen zahlen. Heute liegt diese Limite bei 32 Fahrgästen pro Tag. Würde diese Massnahme umgesetzt, könnte dies zu einem veritablen Kahlschlag im Regionalverkehr führen.

Heute beziehen rund 1300 Regionalverkehrslinien Abgeltungen des Bundes. Ein Siebtel von ihnen – rund 160 Linien – wären im Zuge des bundesrätlichen Sparprogramms gefährdet. Dabei handelt es sich vornehmlich um Bus- und Postautolinien. Vor allem im Berggebiet würden ganze Regionen und Dörfer vom Netz des öffentlichen Verkehrs abgehängt. Dies steht in keinem Verhältnis zur Einsparung von bloss 15 Millionen Franken, die damit jährlich erzielt würde. Am stärksten betroffen wären die Kantone Bern (28 Linien), Waadt (26), Graubünden (21), Wallis (18), Tessin (14), Luzern und Freiburg (je 12).

Auf der Liste befinden sich aber auch die Bergbahnen Vitznau-Rigi Staffelhöhe-Rigi Kulm sowie Weggis- Rigi Kaltbad. Postautolinien in Skigebiete wie die Flumserberge im Kanton St. Gallen oder Thyon 2000 im Wallis sollen ebenfalls keine Abgeltungen mehr bekommen. Und selbst die Bahnverbindung Yverdonles- Bains-Neuenburg ist bedroht.

VCS wird Sparmassnahmen bekämpfen
Der VCS wird solche Sparmassnahmen entschieden bekämpfen: Nicht nur regionalpolitische Gründe sprechen nämlich dagegen. Müssen Linien des öffentlichen Verkehrs eingestellt werden, wird vermehrt das Auto benutzt und der CO2-Ausstoss steigt. Darüber hinaus ist es volkswirtschaftlich fragwürdig, Regionalverkehrslinien in touristische Gebiete in Frage zu stellen.

Die vollständige Liste ist im Internet unter www.verkehrsclub.ch/fileadmin/user_upload/rpvlinien.pdf einsehbar. Bund und Kantone werden diese noch bereinigen. Zu beachten ist ausserdem, dass Linien, die Kantonsgrenzen überqueren doppelt oder dreifach auftauchen. Insgesamt wären also nicht 182 Linien von den Sparmassnahmen betroffen, wie es in der Zusammenstellung heisst, sondern rund 160 Linien.

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