SBB erteilt Bombardier den Grossauftrag zum Bau von 59 Doppelstockzügen für den Fernverkehr

Die SBB löst die grösste Rollmaterialbestellung ihrer Geschichte aus. Ziel ist es, das Bahnangebot für die Kunden weiter zu verbessern. Die SBB beauftragt Bombardier Transportation Switzerland AG mit dem Bau von 59 neuen Doppelstockzügen für den Fernverkehr – Bombardier nennt den Doppelstocktriebzug „Twindexx Swiss Express“. Das Auftragsvolumen beträgt rund 1,9 Milliarden Franken. Dem Entscheid ging ein aufwändiges Ausschreibungsverfahren nach internationalen Verträgen und Schweizer Gesetzgebung voraus. Der Entscheid fiel klar aus: Sowohl beim Komfort für die Kunden wie auch bezüglich der Gesamtwirtschaftlichkeit schnitt Bombardier am besten ab. Die neuen Züge sollen schrittweise ab Dezember 2013 zum Einsatz kommen: zuerst im InterCity-Verkehr auf den Strecken St. Gallen–Zürich–Bern–Genf, Romanshorn–Zürich–Bern–Brig sowie als InterRegio zwischen Zürich und Luzern, später auf weiteren Strecken in der ganzen Schweiz. Die SBB beschafft 436 vollklimatisierte Wagen mit über 36’000 Sitzplätzen und erhöht damit die Qualität des Angebots für die Kundinnen und Kunden.

erstellt am 12. Mai 2010 @ 14:03 Uhr
SBB CFF FFS (Text) Visulisierung) / Stadler Rail (Text) / Sandro Hartmeier (Text) / BOMBARDIER (Text) / Marcel Manhart (Text/Foto)
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SBB Bombardier FV Dosto 9824_00Die SBB löst die grösste Rollmaterialbestellung ihrer Geschichte aus. Ziel ist es, das Bahnangebot für die Kunden weiter zu verbessern. Die SBB beauftragt Bombardier Transportation Switzerland AG mit dem Bau von 59 neuen Doppelstockzügen für den Fernverkehr – Bombardier nennt den Doppelstocktriebzug „Twindexx Swiss Express“. Das Auftragsvolumen beträgt rund 1,9 Milliarden Franken. Dem Entscheid ging ein aufwändiges Ausschreibungsverfahren nach internationalen Verträgen und Schweizer Gesetzgebung voraus. Der Entscheid fiel klar aus: Sowohl beim Komfort für die Kunden wie auch bezüglich der Gesamtwirtschaftlichkeit schnitt Bombardier am besten ab. Die neuen Züge sollen schrittweise ab Dezember 2013 zum Einsatz kommen: zuerst im InterCity-Verkehr auf den Strecken St. Gallen–Zürich–Bern–Genf, Romanshorn–Zürich–Bern–Brig sowie als InterRegio zwischen Zürich und Luzern, später auf weiteren Strecken in der ganzen Schweiz. Die SBB beschafft 436 vollklimatisierte Wagen mit über 36’000 Sitzplätzen und erhöht damit die Qualität des Angebots für die Kundinnen und Kunden.

Die Konzernleitung der SBB hat in Absprache mit dem Verwaltungsrat entschieden: Der Auftrag für die 59 neuen Doppelstockzüge für den Fernverkehr geht an Bombardier Transportation Switzerland AG.

Drei Rollmaterial-Hersteller bewarben sich um den Grossauftrag: Bombardier Transportation Switzerland AG, Siemens Schweiz AG und Stadler Bussnang AG. Das Siegerprojekt schnitt bei allen vier Hauptkriterien am besten ab und überzeugte insbesondere durch einen hohen Komfort für die Reisenden und allgemein mit einem hohen Innovationspotenzial. Der Abstand zwischen dem Siegerprojekt und den anderen beiden Projekten fiel deutlich aus.

Das Angebot von Bombardier überzeugt mit folgenden Vorteilen:

  • Die Fahrzeuge von Bombardier verfügen über den breitesten Innenraum und bieten gleichzeitig eine maximale Anzahl Sitzplätze, wobei die Sitzplatz- Abstände denjenigen des IC2000 entsprechen.
  • Die neuen Fahrzeuge verfügen über energieeffiziente Motoren, die Energieeinsparungen von rund 10% erlauben.
  • Schnelle Fahrgastwechselzeiten sind möglich dank eines optimalen Fahrzeugkonzeptes mit gleichmässig angeordneten Türen.
  • Bombardier offerierte bezüglich Anschaffungs- und Lebenszykluskosten der neuen Fahrzeuge insgesamt die günstigsten Bedingungen.

Die neuen Züge bieten weitere Vorteile:

  • Die Intercity-Züge verfügen über ein grosses Restaurant und über einen geräumigen Familienwagen.
  • Die Standard-Toiletten sind geräumiger und bieten pro Zug mindestens einen Wickeltisch.
  • An allen Sitzplätzen sowohl in der 1. wie in der 2. Klasse sind Steckdosen und kabelloses Internet verfügbar.
  • Zudem werden die Züge mit einem Businessabteil ausgerüstet, das geschäftliche Besprechungen und ungestörtes Arbeiten ermöglicht.
  • In den Zügen steht ein modernes Kundeninformationssystem zur Verfügung.
  • Auch verfügen die Fahrzeuge über elektronische Sitzplatzreservationsanzeigen.
  • Zur Sicherheit der Reisenden sind die Züge mit Videoüberwachung und einem Notrufsystem ausgerüstet.
  • Die neuen Fahrzeuge sind druckertüchtigt: In langen Tunnels und beim Kreuzen von Zügen entstehen für die Kundinnen und Kunden spürbar geringere Druckwellen und weniger Ohrendruck.

„Bombardier hat die Vergabekriterien objektiv am besten erfüllt und uns einen sehr kundenfreundlichen Zug offeriert“, sagte SBB-CEO Andreas Meyer vor den Medien. Auch wirtschaftlich sei das Angebot von Bombardier attraktiv. „Die modernen Züge und ein weiter verbessertes Angebot bieten für unsere Kundinnen und Kunden zahlreiche spürbare Vorteile. Zudem werden wir dank der Wankkompensation netzweit zusätzliche Fahrzeitreserven schaffen können. Dadurch erhöht sich die Pünktlichkeit und es kommt zu weniger Anschlussbrüchen. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer weiteren Verbesserung unseres Angebotes“, sagte Meyer.

Das Investitionsvolumen inklusive Eigenleistungen der SBB und Entwicklungskosten beläuft sich auf 1,86 Milliarden Franken. Dank des Wettbewerbs in der Ausschreibung und dank der grossen Beschaffungsmenge konnte der ursprüngliche Kreditrahmen von 2,1 Milliarden Franken deutlich unterschritten werden.

Bombardier wird die neuen Doppelstockzüge nach eigenen Aussagen an zwei Standorten fertigen: Im schweizerischen Villeneuve und in Görlitz (D).

Neben dem jetzt erfolgten Zuschlag von 59 Zügen sichert sich die SBB vertraglich Optionen für über 100 weitere Züge.

Der Vergabeentscheid wurde am 14. Mai 2010 auf www.simap.ch publiziert; ab dann lief eine 20-tägige Beschwerdefrist. Die Vertragsunterzeichnung fand im Juni statt.

120’000 neue Sitzplätze bis 2030
Im Fernverkehr benötigt die SBB in den nächsten zwanzig Jahren 120‘000 neue Sitzplätze: Einerseits muss altes und unklimatisiertes Rollmaterial ersetzt werden. Andererseits erhöht die SBB die Sitzplatzkapazität in den Fernverkehrszügen um 60’000 Sitzplätze und trägt so dem erwarteten Nachfragewachstum Rechnung. Die SBB verfügt heute im Fernverkehr über eine gemischte Flotte von Doppelstockzügen, Neigezügen und einstöckigen Zügen. Die ältesten einstöckigen Fahrzeuge sind bereits über 40 Jahre alt. Bis 2030 investiert die SBB insgesamt rund 20 Milliarden Franken in neues und modernisiertes Rollmaterial. Die nötigen Mittel muss die SBB aus dem operativen Geschäft generieren.

Im April 2009 schrieb die SBB die grösste Rollmaterial-Bestellung ihrer Geschichte aus: Den Auftrag für 59 Doppelstockzüge für den Fernverkehr, davon 50 Kompositionen
à 200 Meter und 9 Kompositionen à 100 Meter Länge. Die eingegangenen Offerten wurden einem umfangreichen Evaluationsverfahren unterzogen, das konsequent den internationalen Bestimmungen für solche Ausschreibungsverfahren und dem entsprechenden Bundesgesetz und der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen BöB/VöB folgte. Die für die Evaluation berücksichtigten Kriterien wurden in der öffentlichen Ausschreibung publiziert.

Bewertet wurden

  • Erfüllung des Projekt-Anforderungskataloges (30%): Bester Erfüllungsgrad aller rund 2’600 kundenrelevanten und technischen Anforderungen
  • Gesamtwirtschaftlichkeit und Termineinhaltung (30%): Anschaffungs- (28%) und Lebenszykluskosten (42%), Termineinhaltung (30%)
  • Vertragserfüllung (20%): Bester Erfüllungsgrad der vertraglichen Anforderungen
  • Bewährung (20%): Verwendung bereits vorhandener SBB-Standardteile (20%), Weiterentwicklung des Zusammenarbeitsprozesses (20%), Design (20%), Innovation (20%) und Projektgestaltung des Lieferanten (20%).

Kein Kriterium darf gemäss den gesetzlichen Bestimmungen der Wertschöpfungsanteil in der Schweiz sein. Trotz dieser strengen Auflagen kommt der SBB aber eine wichtige Rolle als Treiber und Motor für die schweizerische Volkswirtschaft zu: Einerseits ist die SBB viertgrösste Arbeitgeberin in der Schweiz und Arbeitsort von 28’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Andererseits ist die SBB aber auch eine grosse und wichtige Auftraggeberin und Bestellerin für die Schweizer Wirtschaft: Die SBB vergab 2009 Aufträge in der Höhe von 3,5 Milliarden Schweizer Franken. 87% des Auftragsvolumens wurde im Rahmen der öffentlichen Vergaberegeln an Unternehmen in der Schweiz vergeben. Damit sicherte die SBB 2009 zusätzlich Arbeit für gegen 16’000 Vollzeitstellen in Schweizer Unternehmen.

Wankkompensation erspart weit über eine Milliarde Infrastrukturkosten
Damit die Kundinnen und Kunden künftig noch rascher und einfacher reisen, müssen Lausanne und St. Gallen als sogenannte „Vollknoten“ mit Anschlüssen jeweils zur vollen und halben Stunde in den Fahrplan integriert werden können. Dafür muss die Fahrzeit zwischen Lausanne und Bern sowie zwischen Zürich und St. Gallen auf je unter eine Stunde reduziert werden. Die angestrebte Fahrzeitreduktion soll einerseits mit Infrastrukturmassnahmen und andererseits mit neuem Rollmaterial erreicht werden.

Die für die neuen Doppelstockzüge vorgesehene Technologie erlaubt es, dank einer Kompensation um bis zu zwei Grad (bei der herkömmlichen Neigetechnik beträgt der Neigungswinkel maximal acht Grad) die Kurven mit erhöhter Geschwindigkeit zu durchfahren. Die Wankkompensation ermöglicht erhöhte Kurvengeschwindigkeiten und damit einen Fahrzeitgewinn von gegen 10% ohne Beeinträchtigung des Kundenkomforts.

Das offerierte System der Wankkompensation kostet für die bestellten 59 Züge insgesamt weniger als 100 Millionen Franken. Dank der neuen Technologie kann zudem
auf Infrastrukturausbauten im Umfang von weit über einer Milliarde Franken verzichtet werden. Hinzu kommen Kapazitäts- und Stabilitätsgewinne auf dem ganzen Netz dank der erwähnten zusätzlichen Fahrzeitreserven.

Die Idee der Wankkompensation ist übrigens nicht neu: Ähnliche Systeme sind bereits bei den Zügen Talgo (Spanien) oder Shinkansen (Japan) im Einsatz. Auch die SBB verfügt über eine breite Erfahrung mit Wankkompensation: Die Lokomotiven des Typs Re 460 („Lok 2000“) verfügen ebenfalls über eine ähnliche Technik.

Die SBB rüstete zusammen mit Bombardier noch 2010 einen Doppelstockwagen der bestehenden Flotte mit Wankkompensation aus und testete diesen ab 2011. Ab 2012/2013 stehen die beiden ersten neuen Züge mit Wankkomposition zur Verfügung für eine ca. einjährige Typenprüfung. Ab Ende 2013 werden die beiden Züge im fahrplanmässigen Einsatz einem zweijährigen Betriebstauglichkeitstest unterzogen. Der definitive Entscheid zur Wankkompensation fällt voraussichtlich Mitte 2016. Ab 2016 soll die Wankkompensation dann in alle neuen Züge eingebaut werden. Die SBB wird das Bundesamt für Verkehr BAV in die Evaluationsarbeiten mit einbeziehen.
Falls die Erprobung wider Erwarten nicht erfolgreich sein sollte, werden die Züge konventionell verkehren können. Der Hersteller wäre in diesem Fall verpflichtet, der SBB eine Pönale in der Höhe von bis zu hundert Millionen Franken zu bezahlen.

Vorbereitung der Zulassung für Deutschland und Österreich
Zu reden gab im Vorfeld auch die von der SBB verlangte Anforderung, dass die neuen Züge für einen möglichen Einsatz in Deutschland und Österreich vorbereitet werden. Damit sichert sich die SBB eine maximale Einsatzflexibilität. Die Zusatzkosten zur Vorbereitung einer Zulassung in den beiden Nachbarländern belaufen sich insgesamt auf zwei bis drei Millionen Franken (Wagenkasten, Einstiegshöhe). Die SBB sieht vor, vorerst drei Züge – eine 200-Meter-IC-Komposition, eine 200-Meter-IR-Komposition und eine 100-Meter-IR-Komposition – für den internationalen Einsatz in Deutschland und Österreich zuzulassen. Die Kosten dafür betragen insgesamt rund 10 Mio. Franken. Bei Bedarf könnten danach alle Kompositionen nachgerüstet werden.

Ab 2013 schrittweise in der ganzen Schweiz im Einsatz
Die Auslieferung der neuen Doppelstockzüge erfolgt ab 2012 bis Ende 2019. Die ersten Fahrzeuge werden nach dem kommerziellen Vorbetrieb voraussichtlich ab Fahrplanwechsel 2013 schrittweise als InterCity zwischen St. Gallen–Zürich–Bern–Genf, Romanshorn–Zürich–Bern–Brig und als InterRegio zwischen Zürich–Luzern eingesetzt. Später kommen weitere Kompositionen in der ganzen Schweiz zum Einsatz.

Damit künftig im Fernverkehr mit den neuen Doppelstockzügen genügend Sitzplätze geschaffen werden können, braucht es auch Investitionen in die Bahninfrastruktur:
So müssen zum Teil Perrons auf 400 Meter verlängert werden. Zudem sind auf gewissen Strecken Erweiterungen der Profile für den Einsatz von Doppelstockzügen unabdingbar.

Testfahrten mit Wankkompensation FLEXX Tronic WAKO 9824_18Testfahrten mit Wankkompensation FLEXX Tronic WAKO
Derzeit finden zahlreiche Testfahrten mit dem neuen System Wankkompensation „FLEXX Tronic WAKO“ statt, dafür wurde ein IC 2000-Wagen entsprechend umgerüstet. Der Testzug im Detail:

  • Bt4 50 85 28-94 942-5
  • Bpm61 (LBT) 61 85 20-90 296- 5
  • IC 2000 A (DoSto) 50 85 16-94 055-0
  • Bpm61 (LBT) 61 85 20-90 285-8
  • X (Messwagen) 60 85 99-90 108-9
  • Bpm61(LBT) 61 85 20-90 350-0
  • Lok Re 460 460 072-2
Testzug mit Wankkompensation erfolgreich unterwegs – Dank neuer Technologie schneller und komfortabler reisen
Um den Fahrgästen einen Sitzplatz zu bieten und sie dereinst schneller und komfortabler von A nach B zu bringen, testet die SBB eine neue Technologie namens Wankkompensation. Dank der Wankkompensation können die neu bestellten Doppelstockzüge für den Fernverkehr schneller durch die Kurven fahren, ohne dass der Reisekomfort beeinträchtigt wird. Versuche mit dem Testzug zeigen: Das System funktioniert, erste Reaktionen von Versuchspersonen sind positiv.Kundinnen und Kunden der SBB sollen in den neu bestellten Doppelstockzügen für den Fernverkehr noch rascher und komfortabler reisen. Aus diesem Grund hat die SBB mit dem Fahrzeughersteller Bombardier eine innovative neue Technologie namens Wankkompensation (Wako)* entwickelt. Sie erlaubt einen Fahrzeitgewinn von nahezu 10 Prozent gegenüber konventionellen Zügen, ohne den Kundenkomfort zu beeinträchtigen. Mit der Wako wird die Neigung des Wagenkastens nach aussen und somit die auf die Fahrgäste einwirkende Seitenbeschleunigung reduziert. Dadurch kann der Zug bei gleichem Fahrgefühl schneller durch die Kurven fahren.Zehn Monate nach der Vertragsunterzeichnung über 59 neue Doppelstockzüge für den Fernverkehr ist das Projekt Fernverkehrs-Doppelstockzug auf Kurs. SBB und Bombardier haben den Wako-Testzug am 28. April 2011 anlässlich einer Probefahrt gemeinsam den Medien vorgestellt. Beim Testzug handelt es sich um den Doppelstockwagen 50 85 16-94 055-0 des Typs Intercity 2000, bei dem Prototypendrehgestelle der neuen Wako-Technologie eingebaut wurden. Das Neigungsverhalten und das gefahrene Tempo können so realistisch simuliert werden. Seit Januar 2011 laufen die Tests mit dem Erprobungsträger auf den Strecken Lausanne–Yverdon, Lausanne–Fribourg, Winterthur–Etzwilen, Bern–Thun sowie der Neubaustrecke Bern–Zofingen. Getestet wird noch bis Sommer 2011. «Der Wako-Betrieb während der ersten 10‘000 Kilometer hat technisch zuverlässig funktioniert», so Philipp Mäder, Leiter Flottenmanagement des Fernverkehrs. Der Komfort im Ober- und Unterdeck wurde im Rahmen einer Marktforschung mit 450 Versuchspersonen untersucht. Die Testfahrten verliefen reibungslos, die ersten Reaktionen sind positiv: Momentan werden die Daten erfasst und bis Ende Mai 2011 ausgewertet.

Die SBB erprobt neue, innovative Technologien vor dem kommerziellen Einsatz. Ab Ende 2012 stehen die beiden ersten neuen Züge mit Wako für eine rund einjährige Typenprüfung zur Verfügung. Anschliessend werden die beiden Züge ab Ende 2013 einem zweijährigen Betriebstauglichkeitstest unterzogen. Der definitive Entscheid zur Wako fällt voraussichtlich Mitte 2016. Ab dann soll die Technologie dann in alle neuen Doppelstockzüge des Fernverkehrs eingebaut werden.

Infrastruktur und Technik Hand in Hand
Dank der Neigetechnik lassen sich seitens des Fahrzeugs schnellere Fahrzeiten erzielen – die Technik ist aber heute auf einstöckige Züge beschränkt. Angesichts der stets steigenden Nachfrage setzt die SBB jedoch auf doppelstöckige Fahrzeuge, da diese rund 40 Prozent mehr Sitzplätze bieten. Um dennoch Reisezeit zu gewinnen, plant die SBB erstmals den Einsatz der Wako. Nach den Zielen von Bahn 2030 entstehen in Lausanne und St. Gallen sogenannte «Vollknoten» mit Anschlüssen jeweils zur vollen und halben Stunde. Dafür muss die Fahrzeit zwischen Lausanne und Bern sowie zwischen Zürich und St. Gallen auf beiden Strecken unter einer Stunde liegen. «Die angestrebte Fahrzeitreduktion für unsere Kunden soll einerseits mit Infrastrukturmassnahmen und andererseits mit Wako erreicht werden. Wir setzen nicht nur auf Beton, sondern auch auf innovative, erprobte Technik», sagt Philipp Mäder. Das System der Wako kostet für die bestellten 59 Züge insgesamt weniger als 100 Millionen Franken. Dank der neuen Technologie sind die trotzdem erforderlichen Infrastrukturausbauten weniger aufwändig. Hinzu kommen Kapazitäts- und Stabilitätsgewinne auf dem ganzen Netz dank zusätzlich gewonnener Fahrzeitreserven.

Um Lausanne–Bern unter einer Stunde zu befahren, ist ein Fahrzeitgewinn von sieben Minuten nötig. Wako alleine genügt nicht, eine Ertüchtigung der Strecke in der Höhe von 300 Mio. und ein Ausbau der Strecke in der Höhe von 900 Mio Franken sind erforderlich. Die Finanzierung dieser Ausbauten ist momentan in Diskussion.

Stellungnahme BOMBARDIER:
Bombardier erhält Auftrag der SBB über 59 TWINDEXX-Doppelstockzüge für den Fernverkehr in der Schweiz

Innovatives Zugkonzept mit Wankkompensation auf Basis bewährter Technologien. Drei Schweizer Bombardier-Standorte maßgeblich am größten Auftrag der SBB-Geschichte beteiligt.

Bombardier Transportation hat die Ausschreibung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) für die Lieferung neuer Doppelstockzüge für den Fernverkehr gewonnen. Der Vertrag für 59 Züge vom Typ TWINDEXX beläuft sich auf einen Gesamtwert von rund 1,8 Mrd. Schweizer Franken (1,3 Mrd. Euro, 1,6 Mrd. US-Dollar). Damit ist das TWINDEXX-Projekt die größte Fahrzeugbestellung in der Geschichte der SBB. Der Vertrag beinhaltet außerdem Optionen für mehr als 100 weitere TWINDEXX-Züge.

André Navarri, Präsident von Bombardier Transportation, sagte zu dem Abschluss: „Wir bedanken uns bei der SBB für das Vertrauen und freuen uns sehr darauf, die erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen. Die Schweiz spielt für Bombardier seit jeher eine wichtige Rolle – als Markt und als Standort. Die drei eidgenössischen Standorte mit 900 Mitarbeitern sind nicht nur fester Bestandteil der traditionellen Schweizer Eisenbahnindustrie, sondern auch wichtige Elemente unseres internationalen Innovations- und Produktionsnetzwerkes. Mit dem TWINDEXX-Zug schlagen wir ein neues Kapitel dieser Erfolgsgeschichte auf.“

Stéphane Wettstein, Chief Country Representative von Bombardier Transportation in der Schweiz, sagte: „Der TWINDEXX-Doppelstockzug mit der innovativen Wankkompensation ist ein zukunftsgerichtetes Konzept, bei dem wir zugleich auf bewährte Technologiekomponenten zurückgreifen. Die TWINDEXX-Züge bieten nicht nur viel Komfort, sondern dank niedriger Betriebskosten auch langfristig einen wirtschaftlichen Mehrwert. Auch für den Werkplatz Schweiz ist die Entscheidung eine exzellente Nachricht. Unsere Standorte in Villeneuve, Zürich und Winterthur werden erheblich profitieren. Sie übernehmen eine führende Rolle in dem Projekt, gemeinsam mit unserem Kompetenzzentrum für Doppelstock-Technologie in Görlitz.“

Andreas Meyer, Vorstandsvorsitzender der SBB, sagte anlässlich der Auftragsunterzeichnung: „Bombardier hat die umfangreichen Vergabekriterien objektiv am besten erfüllt. Die modernen und fahrgastfreundlichen Züge und ein weiter verbessertes Angebot bieten für unsere Kundinnen und Kunden zahlreiche spürbare Vorteile. Außerdem können wir dank der Wankkompensation netzweit zusätzliche Fahrzeitreserven schaffen. Dadurch erhöht sich die Pünktlichkeit und es kommt zu weniger Anschlussbrüchen. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer weiteren Verbesserung unseres Angebotes.“

Die 59 Züge bestehen aus insgesamt 436 vollklimatisierten Wagen und verfügen über mehr als 36.000 Sitzplätze. Verantwortlich für das technische Konzept des Zuges ist das Bombardier Transportation Kompetenzzentrum für Doppelstock-Technologie in Görlitz. Das Werk Görlitz hat seit den neunziger Jahren mehr als 2.500 Doppelstockwagen gefertigt und sie dabei maßgerecht auf die Anforderungen unterschiedlicher Märkte ausgelegt.

Für einen erhöhten Komfort der Fahrgäste sorgen unter anderem ein geräumiger Innenraum, große Türen für den Ein- und Ausstieg, drahtloser Internet-Zugang und Business-Abteile. Die Züge sind ausgerüstet mit elektronischen Kundeninformations- und Notrufsystemen sowie mit Videoüberwachungsanlagen.

Zu den wichtigsten technischen Merkmalen der TWINDEXX-Züge gehört die Wankkompensation BOMBARDIER FLEXX Tronic WAKO, die am Bombardier Kompetenzzentrum für Drehgestelle in Winterthur entwickelt wurde. Diese mechatronische Technologie verbindet erprobte technische Komponenten zu einem innovativen System. FLEXX Tronic WAKO gleicht die natürliche Rollbewegung des Wagenkastens aus. Das System maximiert dabei den Komfort für den Fahrgast und ermöglicht gleichzeitig besonders schnelle Kurvenfahrten. Mit dieser Technologie erreichen Doppelstock-Fernverkehrszüge eine um 15 Prozent höhere Kurvengeschwindigkeit, was zu deutlich verkürzten Fahrzeiten führt. Im Vergleich zu anderen Systemen, bei denen einige Fahrgäste unter Reisekrankheit leiden, neigen sich die Wagenkästen nur sehr gering.

Ein um zehn Prozent reduzierter Energieverbrauch wird dank verschiedener Produkte aus dem BOMBARDIER ECO4-Portfolio erreicht. Wesentlicher Faktor ist der BOMBARDIER MITRAC Permanentmagnetmotor. In Kombination mit dem ThermoEfficient Klimatisierungssystem und dem Energiemanagement-Kontrollsystem ergeben sich günstige Kosten über die gesamte Lebensdauer des Zuges sowie eine geringe Umweltbelastung und eine sehr gute Fahrzeugleistung.

Sowohl der Bombardier-Standort Zürich als auch das Werk Villeneuve werden zur Umsetzung des Projektes ihre Kapazität verstärken. Zürich übernimmt die Projektleitung für den TWINDEXX-Auftrag. Villeneuve – das einzige Produktionswerk der Eisenbahnindustrie in der Westschweiz – ist gemeinsam mit dem deutschen Standort Görlitz für die Produktion der Fahrzeuge zuständig. In Görlitz ist auch das Engineering angesiedelt. Die Konstruktion der Drehgestelle übernimmt der Standort Winterthur, die Produktion erfolgt in Siegen in Deutschland. Für den Antrieb mit den besonders effizienten Permanentmagnetmotoren zeichnet das schwedische Werk in Västeras verantwortlich.

Die Auslieferung der TWINDEXX-Züge beginnt 2012. Ab Dezember 2013 gehen die ersten Fahrzeuge in den regulären Fahrplanbetrieb. Die Auslieferung der 59 Züge wird bis Ende 2019 laufen.

Zu Bombardier Transportation Schweiz
Bombardier Transportation ist in der Schweiz mit den drei Standorten Zürich, Villeneuve und Winterthur vertreten und beschäftigt 900 Mitarbeiter. Sechs Unternehmen der traditionellen Schweizer Eisenbahnindustrie sind zur heutigen Bombardier Transportation in der Schweiz zusammengewachsen. Diese blicken zum Teil auf eine über 150-jährige Eisenbahngeschichte zurück. Bombardier entwickelt und fertigt in der Schweiz Nah- und Regionalverkehrszüge sowie Stadt- und Straßenbahnen. In Zürich ist der weltweite Konzernhauptsitz für Entwicklung, Engineering und Projektleitung für den Bereich elektrische Lokomotiven angesiedelt. Zürich ist auch konzernweites Kompetenzzentrum für die Antriebs- und Steuerungstechnik für Lokomotiven und Hochgeschwindigkeitszüge. Der Standort Winterthur ist konzernweites Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Drehgestellen. Mit dem Werk in Villeneuve verfügt Bombardier über den einzigen Produktionsstandort der Eisenbahnindustrie in der Westschweiz. Zu den Fahrzeugprojekten von Bombardier Transportation Switzerland gehören u.a. die Fernverkehrsflotten ICN und IC-2000 der SBB, die Nahverkehrszüge NINA, Regional Express und die Jumbo-Wagen der BLS, die Niederflurzwischenwagen INOVA der SBB, die Straßenbahnen Cobra der Verkehrsbetriebe Zürich und BOMBARDIER FLEXITY Cityrunner der Genfer Transports Publics Genevois sowie die BOMBARDIER TRAXX-Lokomotiven der SBB Cargo und BLS Cargo. Das Portfolio umfasst außerdem vielfältige Service- und Instandhaltungsleistungen für verschiedene Bahnbetreiber.

Stellungnahme Stadler Rail:
Stadler Rail enttäuscht

Stadler Rail hat zur Kenntnis genommen, dass die SBB den Doppelstock-Auftrag für den Fern-verkehr an Bombardier vergeben hat. Stadler Rail ist sehr enttäuscht über diesen Entscheid. „Der negative Entscheid der SBB hat kurzfristig keine Auswirkungen auf die Beschäftigung bei Stadler Rail. Die Auftragslage garantiert eine befriedigende Auslastung unserer Schweizer Werke während der nächsten 18 bis 24 Monaten. Der Doppelstock-Auftrag der SBB würde erst ab 2013 voll in der Produktion wirksam. Wie sich die Auslastung ab diesem Zeitpunkt entwickeln wird, ist äusserst schwierig vorauszusagen. Ob es Stadler Rail bei einem aktuellen Schweizer Exportanteil von zwei Dritteln gelingen wird, den verlorenen SBB-Auftrag zu kompensieren, ist fraglich. Hinzu kommt erschwerend die markante EURO-Schwäche, die uns zusätzlich unter Druck setzt.“ sagt Peter Spuhler, CEO und Mehrheitsaktionär von Stadler Rail.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  • * WAKO™ ist der eingetragene Markenname von Bombardier für die Wankkompensation.
  •  

    Siehe auch

  • Fotogalerie
  • Warum Wankkompensation? (PDF-File) Tipp
  • Beschreibung Prototypdrehgestelle (PDF-File) Tipp
  • FLEXX Tronic WAKO (PDF-File) Tipp
  • Typenskizze IR-Version, 100 Meter
  • Typenskizze IR-Version, 200 Meter, Teil 1
  • Typenskizze IR-Version, 200 Meter, Teil 2
  • Typenskizze IC-Version, 200 Meter, Teil 1
  • Typenskizze IC-Version, 200 Meter, Teil 2
  • FLEXX Tronic WAKO (PDF-File)
  • Bombardier Villeneuve (PDF-File)
  • bahnONLINE.ch – Mehr Fahrkomfort bei höherer Geschwindigkeit: Bombardier Transportation lancierte neueste Drehgestell-Technik FLEXX Tronic WAKO
  •  

    Weblinks

  • WAKO-Testfahrten mit einem IC 2000-Wagen mit den neuen Drehgestellen:
  • Update Bahnbilder.ch – Im Land der Triebwagen, Testfahrten und Thurbinen
  • SF einstein – «Einstein» im Superzug Tipp
  • facebook – WAKO 97357 am 23. März 2011
  • info24 – SBB / Bombardier – Testfahrten mit Wankkompensation
  • www.eisenbahnfotos.ch – Doppelstockwagen mit Spezialkupplungen Tipp
  • www.eisenbahnfotos.ch – Versuchszug WAKO
  • Seegerweb – WAKO Messfahrten
  • RailPictures.Net – 460 072 SBB Re 460 at Thalheim-Altikon
  • RailPictures.Net – 460 072 SBB Re 460 at Winterthur
  • RailPictures.Net – 460 072 SBB Re 460 at Ossingen
  • Bahnbilder.ch – Wankende Pünktchen im Fribougerland
  • Bahnpics.com – 10.02.11 WAKO Messfahrten im Weinland
  • Bahnbilder.ch – WAKO bei Essert-Pittet
  • Bahnbilder.ch
  • Bahnbilder.ch 
  • Bahnbilder.ch Tipp
  • Bahnbilder.ch
  • Schienenverkehr-Schweiz.ch – Wankkompensations-Testzug mit EW IV Bt, Bpm 61, EW IV B, Apm 61, IC 2000 A (mit WAKO) und Re 460 072
  • Bahnbilder.ch – Von DOSTOs, WAKOs und kleinen roten Pünktchen Tipp
  • sguggiari.ch – Dosto-FV – Twindexx Bombardier
  • 20 Minuten Online – Praxistest: SBB testen neue Sitze
  • Handelszeitung – SBB-Auftrag: Schweizer Lieferanten auf Abstellgleis
  • NZZ Online – Die erste Etappe hin zum neuen SBB-Intercity – Statische Simulation des neuen Systems für höhere Kurvengeschwindigkeiten [mit Grafik des neuen Drehgestells]
  • SF TAGESSCHAU – SBB testet neuste Wankkompensation
  • NZZ Online – SBB wollen die neuen Züge für die Online-Zukunft fit machen – Bundesbahnen treffen Abklärungen bezüglich der elektronischen Ausstattung
  • Tages Anzeiger – Energie sparen bei Expresszügen
  • SEV – «Wissenschaftliche Forschung dient direkt der Berufswelt»
  • ProBahn Schweiz – Bahnrollmaterial der Zukunft: Kundenbedürfnisse sollen einfliessen
  • SF TAGESSCHAU – Bombardier: Freie Fahrt für die Doppelstockzüge
  • Tages Anzeiger – Lösen die neuen SBB-Züge das Velo- und Kinderwagenproblem?
  • Tages Anzeiger – Bombardier siegte dank Tiefpreis-Angebot
  • a-z.ch – Stadler Rail offerierte 100 Millionen günstiger als Bombardier
  • Thurgauer Zeitung – SBB verhindern Monopolstellung von Stadler Rail
  • NZZ Online – Auch Siemens enttäuscht über SBB-Entscheid – Grossauftrag geht an Bombardier
  • 20 Minuten Online – «Wir werden pünktlicher unterwegs sein»
  • BERNER ZEITUNG BZ – Langenthaler Firma will Polster liefern
  • a-z.ch – SBB fahren Extrazügli
  • SF 10VOR10 – SBB hat Milliarden-Auftrag vergeben
  • SF TAGESSCHAU – Bombardier baut neue Züge für die SBB Tipp
  • Autor: Redaktion

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