VAP: Neues Trassenpreissystem verschlechtert Wettbewerbsposition des Bahngüterverkehrs

Höhere Preise, teure Administration, keine Lenkungswirkung – die Akteure des Schweizer Güterverkehrs lassen kaum ein gutes Haar an der geplanten Revision des Trassenpreissystems. Auch das neue System sieht keine angemessene Kompensation für die minderwertige Qualität der Gütertrassen vor. Der geplante Hauptverkehrszuschlag hat keine Lenkungswirkung für den Güterverkehr, verteuert jedoch massiv die Preise. Der vorgesehene Gefahrgutzuschlag ist systemfremd und nicht verursachergerecht. Positiv dagegen wird der Lärmbonus als Anreiz für eine zügige Lärmsanierung der Wagenflotten aufgenommen.

erstellt am 13. Juni 2011 @ 11:40 Uhr
Verband der verladenden Wirtschaft VAP
Höhere Preise, teure Administration, keine Lenkungswirkung – die Akteure des Schweizer Güterverkehrs lassen kaum ein gutes Haar an der geplanten Revision des Trassenpreissystems. Auch das neue System sieht keine angemessene Kompensation für die minderwertige Qualität der Gütertrassen vor. Der geplante Hauptverkehrszuschlag hat keine Lenkungswirkung für den Güterverkehr, verteuert jedoch massiv die Preise. Der vorgesehene Gefahrgutzuschlag ist systemfremd und nicht verursachergerecht. Positiv dagegen wird der Lärmbonus als Anreiz für eine zügige Lärmsanierung der Wagenflotten aufgenommen.

Grundsätzlich begrüsst der Verband der verladenden Wirtschaft VAP die Stossrichtung der Trassenpreisrevision, welche im Mai 2011 vom Bundesamt für Verkehr in die Anhörung geschickt wurde: Künftig sollen kapazitäts-, verursacher- und qualitätsorientierte Preiselemente höher gewichtet werden. Positiv seien die Einführung des Faktors Trassenqualität und die Abschwächung des Gewichtsfaktors. Ihre Wirkung sei aber marginal, nicht zuletzt wegen der insgesamt sehr starken Erhöhung der Kosten für den Substanzerhalt der Infrastruktur. Damit werde die Wettbewerbsfähigkeit des Bahngüterverkehrs gegenüber der Strasse verschlechtert. Im Vergleich mit dem Ausland blieben die Schweizer Trassenpreise für den Güterverkehr trotz entsprechender parlamentarischer Aufträge an den Bundesrat überhöht.

Nach wie vor wird der Personenverkehr durch bessere Trassen, prioritäre Beförderung und höhere Ausbaustandards privilegiert, so der VAP. Der Güterverkehr trage die damit verbundenen negativen Folgen wie schlechte Gütertrassen mit unproduktiven Wartezeiten und hohe Infrastrukturfolgekosten. Der nun geplante „Qualitätsfaktor“ sei nicht ausreichend, um auch nur annähernd eine Gleichstellung von Güter- und Personenverkehr zu erreichen.

Mit dem neuen Preiselement „Nachfragefaktor“ soll eine Lenkung der Nachfrage auf verkehrsschwache Zeiten und damit eine Optimierung der Kapazitätsauslastung erreicht werden. Da aber im Takt verkehrende Güterzüge auf gewissen Netzabschnitten zu gewissen Zeiten ohne Alternativen verkehren müssten und zudem 50% aller Güterzüge im internationalen Verkehr unterwegs seien, versage dieser Faktor seine Wirkung und führe lediglich zu einer markanten Preiserhöhung.

Keinerlei Anreize seien vorgesehen, um die begrenzten Netzkapazitäten optimal durch den Güterverkehr auszulasten. Beispielsweise könnten Umwegfahrten mit höherem Zeit- und Streckenaufwand über schwach ausgelastete Strecken unter entsprechender Preisreduktion zu einer besseren Netzauslastung führen. Denkbar wären ebenfalls Anreizelemente, die schwere, lange Züge begünstigen; dadurch würden die knappen Netzkapazitäten besser genutzt und die Effizienz des Gesamtsystems erhöht.

Kritisiert wird auch der Gefahrgutzuschlag, da Rettungsdienste mehrheitlich bei Ereignissen des Personenverkehrs und des normalen Güterverkehrs zum Einsatz gelangten und da diese spezifische Verteuerung des Gefahrguttransports zur Verlagerung bestehender Bahnverkehre auf die Strasse führen werde.

Vermisst werden auch Elemente, die die Netzbetreiber zu mehr Effizienz und Kostensenkungen antreiben. Mit weiteren Kostenanstiegen sei daher zu rechnen. Die verladende Wirtschaft sei jedoch auf ein marktfähiges, güterverkehrsfreundliches Bahnsystem angewiesen, um weiter in das System Schiene (Anschlussgleise, Umschlagseinrichtungen, Traktionsmittel und Güterwagen) investieren zu können. Der Güterverkehr müsse endlich als vollwertiger Partner anerkannt und auch in den Ausbaukonzepten für die Infrastruktur berücksichtigt werden. Trassenpreiserhöhungen bei unvermindert schlechter Qualität seien definitiv nicht der richtige Weg, um die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene voranzutreiben.

Siehe auch

  • BAV – Anhörungsunterlagen
  • Update VAP Stellungnahme (PDF-File)
  • Update Weitere Stellungnahmen zum geplanten Trassenpreissystem: HUPAC | BLS (PDF-File) | CROSSRAIL (PDF-File) | RAlpin (PDF-File) | Cargo Forum Schweiz (PDF-File) | ASTAG(PDF-File) | economiesuisse (PDF-File)
  • Autor: Redaktion

    Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

    Schreibe einen Kommentar