European Train Control System (ETCS): Zukunftsweisende Schritte bei der Zugsicherung

Bis Ende 2017 wird die bestehende Zugsicherung auf dem Schweizer Schienennetz mit der zukunftsweisenden und europäisch standardisierten ETCS-Technologie ersetzt. Dafür investiert die SBB gut 300 Millionen Franken. Die Vorteile sind vielseitig: Neben einer Vereinfachung im Netzzugang und im grenzüberschreitenden Verkehr mit Europa legt die SBB mit diesem Schritt die Basis für eine künftige Steigerung der Sicherheit, Kapazität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr – davon profitiert die gesamte Schweiz.

erstellt am 09. September 2011 @ 10:32 Uhr
SBB CFF FFS (Text/Foto) / Siemens Schweiz (Text)
ETCS Die Zugsicherung der Zukunft 37491_02Bis Ende 2017 wird die bestehende Zugsicherung auf dem Schweizer Schienennetz mit der zukunftsweisenden und europäisch standardisierten ETCS-Technologie ersetzt. Dafür investiert die SBB gut 300 Millionen Franken. Die Vorteile sind vielseitig: Neben einer Vereinfachung im Netzzugang und im grenzüberschreitenden Verkehr mit Europa legt die SBB mit diesem Schritt die Basis für eine künftige Steigerung der Sicherheit, Kapazität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr – davon profitiert die gesamte Schweiz.

Die ETCS-Technologie wird heute bereits auf den Hochleistungsstrecken Mattstetten – Rothrist und im Lötschberg-Basistunnel eingesetzt. Das System ermöglicht, dass die Züge auf diesen Strecken alle zwei Minuten mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h verkehren. Ab 2025 stattet die SBB das ganze Schweizer Normalspurnetz Schritt für Schritt mit dieser so genannten ETCS Level 2 Technologie aus. Für die zukünftige Entwicklung im Schweizer Schienenverkehr ist dies von grosser Bedeutung. Die SBB erreicht damit die Steigerung der Sicherheit, der Kapazität und der Zuverlässigkeit im Bahnverkehr, die sie zur Bewältigung des prognostizierten Mehrverkehrs benötigt.

In einem ersten Schritt ersetzt die SBB bis Ende 2017 sämtliche streckenseitigen Zugsicherungssysteme der alten Generation mit der modernen ETCS-Technologie (ETCS Level 1 Limited Supervision). Das gesamte Investitionsvolumen beträgt gut 300 Millionen Franken. Zusammen mit den Industriepartnern Siemens und Thales wird die Zugsicherung in den nächsten sechs Jahren an rund 11 000 Signalpunkten ausgewechselt. Die Arbeiten sind so geplant, dass der Bahnkunde keine Beeinträchtigungen erfährt. Die SBB haben das Projekt drei Jahre lang vorbereitet. «Mit der Umrüstung der bestehenden Zugsicherung auf ETCS Level 1 Limited Supervision machen wir den ersten wichtigen Schritt in der Schweizer ETCS-Strategie, welche das Bahnnetz nachhaltig optimieren wird», betont Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur.

Der Ersatz der älteren Zugsicherungssysteme bringt viele Vorteile. Ab Ende 2017 profitieren die Eisenbahnverkehrsunternehmen von einem vereinfachten Netzzugang in der Schweiz. Werden heute auf den Fahrzeugen in der Schweiz bis zu vier Systeme zum Interpretieren der Zugsicherungsinformationen benötigt, reduziert sich die künftige Anzahl auf das ETCS-System. Die heute bestehenden Fahrzeugausrüstungen können jedoch weiterhin uneingeschränkt verwendet werden und müssen nicht vorzeitig ersetzt werden. Da ETCS dem europaweit harmonisierten Standard in der Zugsicherung entspricht, erleichtert der netzweite Wechsel auf die ETCS-Technologie zudem den grenzüberschreitenden Verkehr mit Europa. Die europäische Verkehrspolitik verpflichtet ihre Mitglieder bereits heute, die ETCS-Technologie bei Neubaustrecken anzuwenden. Ebenfalls ist vorgesehen, die europäischen Güterkorridore mit ETCS auszurüsten, um die Verlagerung der Güter auf die Schiene zu fördern.

Bei der Migration zu ETCS rüstet Siemens einen Grossteil des Streckennetzes der Schweizerischen Bundesbahnen mit dem europäisch standardisierten System aus
Update Siemens rüstet über 9’000 der vergebenen 11’000 Zugsbeeinflusssungspunkte des Streckennetzes der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem (ETCS) vom Typ Trainguard 100 aus. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 125 Mio. EUR. Der Vertrag umfasst die Umrüstung der bestehenden Zugsicherung auf ETCS Level 1 Limited Supervision sowie die Wartung der installierten Signaltechnik für 25 Jahre. Die Lieferung des Systems erfolgt in acht geografisch definierten Umsetzungsphasen von 2012 bis 2017.

Die Siemens-Division Mobility wird grosse Teile des rund 3.000 Kilometer umfassende Streckennetzes der Schweizerischen Bundesbahnen bis 2017 mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem Trainguard 100 ausrüsten. Der Auftrag umfasst alle notwendigen Anpassungsarbeiten an den bestehenden, etwa 430 Stellwerken unterschiedlicher Bauart. Dazu gehören mechanische, elektromechanische und elektronische Stellwerke. Als Basiselemente des ETCS übertragen 5.300 Signalschalteinheiten (Lineside Electronic Units, LEU) vom Typ MiniLEU S11 Informationen von den Streckensignalen auf die Schienenfahrzeuge (punktförmige Datenübertragung). Die MiniLEU S11 verfügen über Solarzellen, wodurch sie rund 90 Prozent weniger Energie verbrauchen als konventionelle, kabelgebundene Einheiten. So spart die SBB jährlich zirka 876.000 Kilowattstunden Strom ein. Geliefert werden darüber hinaus 1.200 Signalschalteinheiten vom Typ LEU S21 MS, die überall da zum Einsatz kommen, wo eine linienförmige, also andauernde Datenübertragung erforderlich ist.

1.400 Signalstellteile vom Typ MSTT werden die Außensignale mit den Stellwerken verbinden. Für die Datenübertragung zwischen Strecke und Fahrzeug installiert Siemens Mobility mehr als 20.000 kontaktlos arbeitende Funkbaken, so genannte Eurobalisen. Insgesamt rund 80 Kilometer in der Schienenkehle verlegte koaxiale Strahlungskabel (Euroloops) erweitern den Kontaktbereich dieser Eurobalisen auf bis zu 800 Meter, so dass der aktuelle Signalbegriff noch vor der Vorbeifahrt am Signal wirksam wird (Infill). Dadurch erhöhen die Euroloops die Streckenkapazität und die Sicherheit, da sie als linienförmige Ergänzung zur punktförmigen Übertragung mit Eurobalisen arbeiten.

„Wir haben gemeinsam mit der SBB zwei Musterstationen mit den einzusetzenden Systemen entwickelt, getestet und optimiert. Diese bewährte Zusammenarbeit zwischen SBB und Siemens hilft uns, das Streckennetz mit seinen derzeit rund 10.000 Zugbeeinflussungspunkten in dem eng gesteckten Zeitrahmen umrüsten zu können“, sagte Jochen Eickholt, CEO der Siemens Business Unit Rail Automation. An der Pressekonferenz anlässlich der Suissetraffic vom 9. September 2011 betonte Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastruktur und Mitglied der Konzernleitung SBB: „Mit der Umrüstung der bestehenden Zugsicherung auf ETCS Level 1 Limited Supervision machen wir den ersten wichtigen Schritt in der Schweizer ETCS-Strategie, welche das Bahnnetz nachhaltig optimieren wird.“

Die solarstrombetriebene Signalschalteinheit MiniLEU S11 gehört zum Siemens-Umweltportfolio, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro erzielte. Das macht Siemens zum weltweit größten Anbieter von umweltfreundlicher Technologie. Siemens-Kunden haben mit entsprechenden Produkten und Lösungen des Unternehmens im selben Zeitraum 270 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart, das ist so viel wie Delhi, Hongkong, London, New York, Singapur und Tokio in Summe jährlich an CO2 ausstossen.

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Autor: Redaktion

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