Sernftaler treffen «Sernftaler» – Herzlicher Empfang in Oberösterreich

Am Wochenende vom 24. bis 26. Mai 2013 machten sich 40 Mitglieder des Vereins Sernftalbahn auf den Weg nach Oberösterreich, um am Attersee die beiden vierachsigen Originaltriebfahrzeuge der ehemaligen Sernftalbahn zu besuchen. Die beiden roten «Sernftaler» mit Baujahr 1949 sind die letzten Triebfahrzeuge der Sernftalbahn, die im regelmässigen Fahrplanverkehr noch eingesetzt werden.

Von: Dieter Enz, Verein Sernftalbahn
_COM3164_2_A5 Sernftaler 61967_01Am Wochenende vom 24. bis 26. Mai 2013 machten sich 40 Mitglieder des Vereins Sernftalbahn auf den Weg nach Oberösterreich, um am Attersee die beiden vierachsigen Originaltriebfahrzeuge der ehemaligen Sernftalbahn zu besuchen. Die beiden roten «Sernftaler» mit Baujahr 1949 sind die letzten Triebfahrzeuge der Sernftalbahn, die im regelmässigen Fahrplanverkehr noch eingesetzt werden.

_COM3146_2_A5 Sernftaler 61967_02Die beiden Sernftaler Vierachser stehen täglich im Fahrplanverkehr auf der Strecke Attersee–Vöcklamarkt in der Nähe von Salzburg im Einsatz. Die Betreibergesellschaft Stern & Hafferl hat die Absicht, die Triebfahrzeuge der ehemaligen Sernftalbahn in den nächsten Jahren ausser Betrieb zu nehmen und durch neue Fahrzeuge zu ersetzen. Der Verein Sernftalbahn schmiedet seit Längerem Pläne, mindestens eines der beiden Fahrzeuge zurück in die Schweiz nach Engi-Vorderdorf zu holen. Aus diesem Grund organisierte der Verein eine Reise in die Umgebung von Salzburg, um den Verantwortlichen bei Stern & Hafferl das Interesse des gesamten Vereins an diesem Rollmaterial zu bekunden und den Mitgliedern die Möglichkeit zu geben nochmals mit den ehemaligen «Senftalern» zu fahren. Knapp 40 Vereinsmitglieder nutzten die Gelegenheit und fuhren am Freitagmorgen, 24. Mai 2013 im modernsten Reisecar der Autobetrieb Sernftal AG (Nachfolgegesellschaft der Sernftalbahn) los nach Österreich. Der dreitägige Ausflug wurde von Kurt Kull und Walter Gähler perfekt organisiert und an allen drei Tagen folgte ein Höhepunkt dem anderen. Walter Gähler war zuständig für die Reise im Car und die Übernachtungen in der Umgebung von Salzburg. Kurt Kull konnte sein unermessliches Netzwerk nutzen, das er sich bei der Organisation von früheren Bahnreisen erarbeitet hat und stellte für den Verein Sernftalbahn ein grossartiges und abwechslungsreiches Programm zusammen. Alle Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer waren begeistert, wie herzlich sie bei den verschiedenen Vereinen, Institutionen und Firmen in Oberösterreich empfangen wurden.

Reisebericht Freitag, 24. Mai 2013
Dunkel ist es noch in Engi-Vorderdorf. Chauffeur Max Bernet bereitet den grossen weissen Reisecar in der Busgarage der Autobetrieb Sernftal AG für die lange Fahrt nach Österreich vor. Kurz vor halb sieben Uhr steigen die ersten Vereinsmitglieder ein und pünktlich geht die Reise los. An den verschiedenen Haltepunkten im Glarnerland füllt sich der Car mehr und mehr bis in Buchs SG die letzten Reisenden an Bord sind. In zügiger Fahrt geht es durch den Arlbergtunnel nach Innsbruck und weiter zum Zielort Attersee bei Salzburg. Nebst der geplanten Kaffee- und Mittagspause gibt es noch einen unvorhergesehen Halt. Der Car wird von einem Fahrzeug der österreichischen Zollbehörde auf der Autobahn gestoppt und auf dem nächsten Parkplatz werden alle Papiere überprüft. Natürlich ist alles in bester Ordnung.

_COM3130_A5 Sernftaler 61967_03Minutengenau trifft die Reisegruppe um 15 Uhr beim Bahnhof von Attersee ein. Diplomingenieur Laurenz Neumann, Assistent der Betriebsleitung, und Josef Haberl, Bahnhofvorstand in Attersee, begrüssen die Schweizer im Namen der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H. Die Freude der Vereinsmitgleider ist gross, als sie realisieren, dass der fahrplanmässige «Sernftaler» nach Vöcklamarkt mit dem zweiten noch existierenden «Sernftaler» verstärkt wird. Die Fahrt in Doppeltraktion ist ein Genuss für alle – die Älteren schwelgen in Erinnerungen und die Jüngeren erleben ihre erste Fahrt in den «Sernftalern» mit Baujahr 1949. Laurenz Neumann – er gehört bereits der fünften Generation im Familienunternehmen an – begleitet den Verein auf der stündigen Ausfahrt und informiert über den Familienbetrieb Stern & Hafferl mit seinen 700 Mitarbeitenden. Unzählige Fragen von wissbegierigen Vereinsmitgleidern zu den Sernftaler Triebwagen beantwortet Laurenz Neumann geduldig und mit hoher Kompetenz. Das gegenseitige Interesse für die Heimkehr mindestens eines Triebwagens ins Glarnerland nach dessen Ausmusterung ist deutlich zu spüren. Nach dem Eintreffen in Attersee bleibt noch genügend Zeit für ausgiebige Fotosessions mit den «Sernftalern».

Am Abend bringt der Car die glückliche Reisegruppe ins Hotel nach Vöcklabruck und es folgt ein wunderbares Nachtessen mit einem ausgedehnten «Absackerl».

Reisebericht Samstag, 25. Mai 2013
_COM3194_A5 Sernftaler 61967_06Heute ist eine Rundreise per Bahn angesagt. Nach dem Frühstück im Hotel geht es ab Vöcklabruck mit einem Regionalzug der OeBB nach Lambach. Von hier aus fährt die Reisegruppe in einem Triebwagen der Vorchdorferbahn nach Vorchdorf zur Hauptwerkstätte von Stern & Hafferl. Laurenz Neumann lässt es sich nicht nehmen, auch heute die Schweizer Besucher zu begleiten. Nach der Besichtigung der Bahnanlagen zwischen den beiden Vorchdorfer Bahnhöfen – aus geschichtlichen Gründen hatten die Normalspur- und Schmalspurbahn separate Bahnhofsgebäude – führt Laurenz Neumann die Interessierten durch das Depot und die Werkstätten. Manche spazieren noch in die Ortsmitte von Vorchdorf und wärmen sich bei einem Kaffee auf.

_COM3208_2_A5 Sernftaler 61967_07Kurz vor Mittag steht die Weiterfahrt in einem modernen Bombardier-Triebwagen der Traunseebahn auf dem Programm. Die Bahn schlängelt sich durch wunderschöne Landschaften – Felder und Wiesen – Richtung Kurstadt Gmunden. Der älteste Bahnhof von Österreich steht in Engelhof an der Strecke Gmunden–Vorchdorf. Von hier aus folgt die Traunseebahn auf dem alten Trasse der Pferdeeisenbahn an den Seebahnhof am Traunsee. Die stündige Schifffahrt mit dem MS Rudolf Ippisch, Baujahr 1928, auf dem «Lacus Felix – glücklicher See» ist den Temperaturen entsprechend sehr erfrischend, einige Vereinsmitglieder ziehen sich in Wolldecken gehüllt ins Unterdeck zurück. Der «Wächter des Salzkammerguts», der 1691 Meter hohe Traunstein, ist leider die ganze Zeit mit Wolken verhangen. Nach der Landung im Zentrum von Gmunden gibt es im Seehotel Schwan das Mittagessen.

_COM3329_A5 Sernftaler 61967_11Den Nachmittag verbringen die Gäste aus der Schweiz bei der kleinsten und einer der steilsten adhäsionsbetriebenen Strassenbahnen der Welt – bei der Gmundner Strassenbahn. Mit einem historischen Zweiachser wird die Gruppe vom Zentrum hoch ins Depot der Strassenbahn geführt. Stern & Hafferl plant das Depot zu einem Museum für die «Elektrische», wie die Strassenbahn liebevoll genannt wird, umzubauen. Laurenz Neumann scheut keine Mühen und stellt mit seinen Leuten eine eindrucksvolle Parade mit allen verfügbaren historischen Fahrzeugen vor dem Depot zusammen. Nochmals darf die Reisegruppe in ein historisches Fahrzeug einsteigen und wird zum Hauptbahnhof von Gmunden gefahren.

Über Attnang-Puchheim geht es mit der OeBB zurück nach Vöcklabruck ins Hotel. Nach dem erlebnisreichen und anstrengenden Tag lichtet sich der Speisesaal nach dem Nachtessen schneller als am Vorabend.

Reisebericht Sonntag, 26. Mai 2013
_COM3400_2_A5 Sernftaler 61967_14Bereits bricht der dritte und letzte Tag der Vereinsreise an. Nach dem Frühstück wird das Gepäck wieder im Reisebus verstaut und die Fahrt nach Mondsee ins Salzkammergut-Lokalbahn-Museum kann losgehen. Die schmalspurige und 65 Kilometer lange Salzkammergut-Lokalbahn wurde 1894 eröffnet und verband bis 1957 Salzburg mit Bad Ischgl. In St. Lorenz zweigte die 3,5 Kilometer lange Flügelbahn nach Mondsee ab. Der Verein Sernftalbahn wird von August Zopf, Initiant des SKGLB-Museums, begrüsst und durchs Museum geführt. Im ehemaligen Heizerhaus wird die Geschichte der stillgelegten Lokalbahn anhand von Bildern, Plänen, Gegenständen und Modellen eindrücklich und professionell aufgezeigt. In der neu erstellten Remise direkt neben dem erhalten gebliebenen Heizerhaus wird originalrestauriertes Rollmaterial der SKGLB präsentiert.

_COM3450_2_A5 Sernftaler 61967_17Nach einer kurzen Carfahrt nach Bergheim bei Salzburg dürfen die Reiseteilnehmerinnen und -teilnehmer nochmals auf die Schiene umsteigen. Der historische elektrische Triebwagen ET3 der Salzburger Lokalbahnen bringt die Gruppe ins Depot der SLB. Dort begrüsst Direktor und Kommerzialrat Gunter Mackinger vor der Kulisse von sechs historischen Schienenfahrzeugen die Schweizer bei den Salzburger Lokalbahnen. Die SLB sind u.a. auch die Betreiber der Berchtesgadener Land Bahn, der Pinzgauer Lokalbahn, der SchafbergBahn und der FestungsBahn zur Festung Hohensalzburg. Mit einer Führung durch Depot, Werkstätten und Betriebsleitzentrale kann Gunter Mackinger die Vielschichtigkeit «seines» Unternehmens eindrücklich vorstellen. Viel zu schnell vergeht auch bei diesem Besuch die Zeit und schon bald naht der Abschied. «Historisch» wird die Reisegruppe wieder zurück nach Bergheim zum AS-Car gefahren.

Voll beladen mit grossartigen Eindrücken von den spannenden Tagen in Oberösterreich nehmen die Vereinsmitglieder ihre Plätze im Bus ein. Chauffeur Max Bernet bringt alle Reisenden wieder heil zurück ins Glarnerland – nur einer fehlt noch! Ein vierachsiger Triebwagen der ehemaligen Sernftalbahn.

Rückholaktion Triebwagen
Für die Rückholaktion mindestens eines Triebwagens aus Österreich nach Engi-Vorderdorf und die originalgetreue Restaurierung ist der Verein Sernftalbahn auf Spenden angewiesen.

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Spenden an den Verein Sernftalbahn können auf folgende Bankkonti gemacht werden:

Glarner Regionalbank, CH-8765 Engi
IBAN: CH22 0680 7042 0456 4180 9

Glarner Kantonalbank, CH-8750 Glarus
IBAN: CH20 0077 3000 5287 0514 6

Spenden an den Verein Sernftalbahn sind steuerbefreit.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

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