SBB verbessert Ergebnis – Verkehrsnachfrage stagniert

In schwierigem Umfeld gut behauptet – Verschuldung stabilisiert

erstellt am 26. März 2013 @ 11:28 Uhr
SBB CFF FFS / SEV / Sandro Hartmeier / VCS Verkehrs-Club der Schweiz / Pro Bahn Schweiz / Der Bundesrat / Generalsekretariat UVEK
SBB Zahlen 2012 58598_01In schwierigem Umfeld gut behauptet – Verschuldung stabilisiert

In einem anspruchsvollen Marktumfeld hat die SBB im 2012 ein gutes Ergebnis erzielt. Jeden Tag brachte sie 967 000 Reisende und rund 175 000 Tonnen Güter sicher und pünktlich an ihr Ziel. Diese Leistung erbringt das Unternehmen für mehr als 5 Mio. Kundinnen und Kunden auf dem meistgenutzten Bahnnetz der Welt und in stark beanspruchten Bahnhöfen. Das Betriebsergebnis ging wegen sinkender Nachfrage im Personenverkehr und höheren Trassepreisen zurück. Das Konzernergebnis hingegen stieg infolge von einmaligen Effekten auf CHF 422,5 Mio. (+ 83,8 Mio.). Die verzinslichen Schulden konnten gesenkt werden, sind aber weiterhin hoch. Das gute Konzernergebnis hilft, die weiter stark steigenden Belastungen durch Trasse- und Energiepreise zu bewältigen [SBB Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2012].

Nicht wörtliche Auszüge aus den Reden an der Bilanzmedienkonferenz:
Ulrich Gygi, SBB Verwaltungsratspräsident sagte:

  • Die EU möchte die Trassen in Zukunft bahnunabhängig betreiben, die SBB warten hier Erfahrungen in EU-Ländern ab, stehen der Idee aber kritisch gegenüber. Die SBB ist vom bisher in der Schweiz angewandten System, Betrieb und Infrastruktur aus einer Hand anzubieten, überzeugt. Der freie Netzzugang ist heute schon gewährt.
  • Im Regionalverkehr hat die SBB ein Interesse materieller und finanzieller Zusammenarbeit mit Privatbahnen. Rollmaterialbestellungen und Wartungen könnten gemeinsam erfolgen. Dies auch, weil es aktuell zu viele Werkstätten gibt.
  • Die SBB kann sich vorstellen, auch die Infrastruktur von Privatbahnen zu übernehmen.
  • Generell strebt man eine engere Zusammenarbeit mit den anderen ÖV-Unternehmen in der Schweiz an.
  • Die Tarife sollen in Zukunft mit Mass und nur mit guter Begründung erhöht werden.
  • Im internationalen Verkehr besteht noch grosser Aufholbedarf, was Qualität und Service angeht.

Andreas Meyer, SBB CEO sagte:

  • Der Personenverkehr werde 2013 ein Ergebnis deutlich unter 100 Mio. erwirtschaften, insbesondere wegen der höheren Trassenpreise.
  • Im Güterverkehr ist für 2013 eine schwarze 0 geplant, man ist derzeit optimistisch dies zu erreichen.
  • „Die Schiene muss dort zum Zug kommen, wo sie ihre Stärke hat“.

Georg Radon, SBB CFO sagte:

  • In den nächsten Jahren wird jährlich über 1 Mia. Franken für Rollmaterial und Ausbauten an Bahnhöfen investiert.

SBB Zahlen 2012 58598_04Das Jahr 2012 war gekennzeichnet durch ein anspruchsvolles Umfeld mit schwächerer Konjunktur, hohem Frankenkurs, Abbau von Industriekapazitäten und rückläufiger Nachfrage im Tourismussektor. Daraus resultierte bei der SBB eine stagnierende Verkehrsnachfrage. Insgesamt beförderte die SBB 967 000 Kundinnen und Kunden pro Tag, etwas weniger als im 2011 (977 000). Diese reisten um 1,2 Prozent weniger weit als im Vorjahr: Die Zahl der gefahrenen Personenkilometer (Pkm) verminderte sich damit von 17 749 auf 17 545 Mio. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass 2012 keine signifikanten Angebotsausbauten realisiert wurden.

Der abgeltungsberechtigte Regionalverkehr wuchs weiter, nämlich um 1,6 Prozent auf 4620 Mio. Pkm. Im eigenwirtschaftlichen nationalen Fernverkehr hingegen verminderte sich die Verkehrsleistung um 2,1 Prozent auf 12 925 Mio. Pkm. Vor allem der Freizeit- und Tourismusverkehr büsste ein; der Pendler- und Geschäftsreiseverkehr ist weiter gewachsen, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. Der internationale Personenverkehr wuchs um rund 6 Prozent bei den Personenkilometern, insbesondere auf den Strecken Zürich–Paris sowie der «Rheinschiene» nach Frankfurt und weiteren Zielen in Deutschland.

SBB Immobilien partizipierte an den hohen Reisendenfrequenzen und der damit verbundenen Nachfrage nach attraktiven Objekten in Zentrumslage mit hervorragender Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Ein Beispiel dafür ist die Überbauung Zürich Europaallee; im September konnte die SBB das erste Baufeld eröffnen.

Der Güterverkehr war mit der europaweiten Konjunkturschwäche konfrontiert sowie mit dem Abbau von Industriekapazitäten in der Schweiz, namentlich in der Papier- und Metallindustrie. Erschwerend hinzu kam die dreimalige Sperre der Gotthard-Bergstrecke wegen Felsabbrüchen bei Gurtnellen. Entsprechend resultierte im Güterverkehr ein Betriebsverlust. Die Verkehrsleistung von SBB Cargo lag 2012 mit 12 132 Millionen Nettotonnenkilometern -1,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die SBB begegnete diesen Herausforderungen mit der konsequenten Ausrichtung des Angebotes im Güterverkehr auf die Stärken der Eisenbahn.

Das Netz von SBB Infrastruktur ist 2012 nochmals etwas intensiver genutzt worden. Die Zahl der zurückgelegten Trassenkilometer ist erneut leicht gestiegen, nämlich um 0,3 Prozent auf 165,6 Millionen. Den Unterhalt des Schienennetzes hat SBB Infrastruktur intensiviert. Der Nachholbedarf hat sich plangemäss stabilisiert und beträgt CHF 1,815 Mia. (+ 35 Mio.). Im Berichtsjahr wurden insgesamt 160 Kilometer Fahrbahn erneuert (2011: 150 Kilometer) und die Produktivität durch verlängerte fixe Unterhaltsintervalle gesteigert. Die SBB rüstete zudem den ersten von rund 11 000 Standorten auf das zukunftsweisende europäische Zugsicherungssystem ETCS um.

Ertragskraft leicht gesteigert
Trotz der insgesamt stagnierenden Verkehrsnachfrage schliesst die SBB gegenüber dem Vorjahr besser ab: Das Konzernergebnis 2012 beträgt CHF 422,5 Mio. (2011: CHF 338,7 Mio.). Einmaleffekte und Rückstellungsauflösungen im Umfang von CHF 93 Mio. haben das Ergebnis gestützt. Bereinigt um diese einmaligen Effekte hat sich die Ertragskraft im Vergleich zum Vorjahr jedoch nur leicht verbessert. Das Konzernergebnis wurde durch das Finanzergebnis gestützt: Dank der tieferen verzinslichen Nettoverschuldung resultierte ein geringerer Finanzierungsbedarf.

Das positive Konzernergebnis bildet für die SBB die Basis, um die zukünftig weiter stark steigenden finanziellen Belastungen zu bewältigen. 2013 und in den Folgejahren werden die Trassepreise weiter ansteigen, womit die Kosten für die SBB um rund CHF 250 Mio. erhöht werden. Hinzu kommen steigende Produktionskosten für erneuerbare Energie sowie steigende Zinsaufwände. Die steigenden Trassenpreise sind notwendig, um den Nachholbedarf und erhöhten Unterhalt der Bahninfrastruktur aufzufangen.

Investitionen für die Kunden
SBB Rollmaterial neu 2012 58598_03Im vergangenen Jahr hat die SBB die Investitionen mit Verbesserungen für ihre Kunden gegenüber dem Vorjahr stark auf CHF 3206,6 Mio. erhöht ( 2011: 2490,9 Mio. / + 28,7%). Dies ist einerseits zurückzuführen auf sonderfinanzierte Investitionen der öffentlichen Hand wie die Durchmesserlinie oder die schweizerisch-französische Verbindung zwischen Genf und Annemasse (CEVA), andererseits auf hohe Investitionen in Rollmaterial.

Der Free Cash Flow betrug nach Finanzierung durch die öffentliche Hand CHF 905,8 Mio. (2011: CHF –5,2 Mio.). Gründe dafür sind in erster Linie der Verkauf von Finanzanlagen und Immobilien sowie weiter verbessertes Cash Management. Verspätete Lieferungen von Rollmaterial und Verzögerungen bei einzelnen Immobilienprojekten bewirkten zudem eine vorübergehende Entlastung. Dank des verbesserten Free Cash Flows konnten die verzinslichen Nettoschulden reduziert werden. Mit CHF 6841,9 Mio. (2011: CHF 7494,4 Mio.) waren sie Ende 2012 allerdings weiterhin auf einem hohen Stand.

Ausbau für Sicherheit der Bahnreisenden
Der Wert für die Sicherheit war gut, erreichte allerdings die sehr guten Vorjahreswerte nicht ganz. Es wurde getrübt durch mehrere Unfälle, bei denen zwei Mitarbeitende der SBB und vier von Drittfirmen ums Leben kamen. Die SBB engagierte sich in den vergangenen Jahren stark dafür, dass die bestehenden, gut funktionierenden Sicherungssysteme an den kritischen Stellen zusätzlich mit einer Geschwindigkeitsüberwachung ergänzt werden. Ein entsprechendes Programm läuft: Von den 11 000 Hauptsignalen des Netzes sind 3200 bereits damit ausgestattet, 1700 werden in den kommenden Jahren folgen.

Zunehmend gefordert ist die SBB beim Schutz von Reisenden und Mitarbeitenden vor Aggressionen. Die Gewaltbereitschaft steigt; gesellschaftliche Entwicklungen machen nicht Halt vor Zugtüren und Bahnhöfen. Um dieser Entwicklung zu begegnen, sind in Fernverkehrszügen konsequent zwei SBB Zugbegleiter im Einsatz. Die Transportpolizei ist gut ausgerüstet und in Bahnhöfen und Zügen sichtbar präsent. Auch sind die Präventionsmassnahmen verstärkt worden.

Bei der Pünktlichkeit konnte 2012 die Rate der vermittelten Anschlüsse weiter erhöht werden, und zwar von 97,7 auf 98,3 Prozent. Die Kundenpünktlichkeit – der Anteil der Reisenden, die pünktlich oder mit weniger als drei Minuten Verspätung am Ziel ankommen – erreichte den absoluten Rekordwert von 89,8 Prozent im Jahr 2011 nicht und ging leicht auf 88,0 Prozent zurück.

Die SBB hat 2012 ihr Engagement im Energiesparen und im Klimaschutz weiter verstärkt. Die Wirkung der umgesetzten Energiesparmassnahmen stieg von 145 Gigawattstunden (GWh) auf 183 GWh pro Jahr. Die Verbesserung entspricht dem Jahresverbrauch von 9500 Haushalten. Dank der guten Verfügbarkeit von Wasser stammten 2012 bereits 83,5 Prozent des Bahnstroms aus Wasserkraft. Der CO2 Ausstoss konnte gegenüber dem Referenzjahr 2009 um rund 12 000 Tonnen gesenkt werden, was dem CO2-Ausstoss von über 1800 Haushalten entspricht. Zudem unternimmt die SBB grosse Anstrengungen für die Biodiversität bei der Pflege von Böschungen und Wäldern.

Weiterer Angebotsausbau bis 2016
Bis 2016 stellt die SBB wichtige Weichen, um für den Zeitraum danach bereit zu sein. Die Kundinnen und Kunden profitieren in den kommenden Jahren von einem schrittweise verbesserten Angebot. Infrastrukturbauten und neue Züge sind die Grundlage dafür. Im Regional- und Fernverkehr wird die SBB neue Doppelstockzüge einsetzen, für den Verkehr mit Italien zeitgemässe ETR-610-Züge anstelle der in die Jahre gekommenen ETR 470 und schliesslich neue Züge für weitere internationale Verbindungen in Betrieb nehmen.

Die SBB vollendet zudem grosse Immobilienprojekte wie Zürich Europaallee, den Basler Südpark, La Praille oder den Umbau des Genfer Hauptbahnhofs Cornavin. 2014 geht eine erste Etappe der regional und national bedeutenden Zürcher Durchmesserlinie in Betrieb sowie im Süden die Bahnverbindung zwischen Mendrisio im Tessin und Varese in der Lombardei. 2017 folgt die grenzüberschreitende Verbindung zwischen Genf und Annemasse (CEVA).

Die Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels wird weltweite Aufmerksamkeit auf die Schweiz lenken. Für die SBB bildet die Eröffnung des Tunnels einen Meilenstein auf der Fahrt in die Zukunft. Der Gotthardbasistunnel verkürzt den Weg zwischen dem Norden und dem Süden der Schweiz und ermöglicht es, Verkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. International ist das Ereignis eine einmalige Chance für die Schweiz, den öffentlichen Verkehr als Verkörperung der Schweizer Werte Zuverlässigkeit und Innovation zu präsentieren.

Zielvorgaben 2012 des Bundesrats wurden insgesamt erreicht – SBB mit rückläufigem Personenverkehr
Die SBB hat die Erwartungen des Bundesrats insgesamt erfüllt. Der Konzerngewinn von 423 Mio. Franken wurde wesentlich von den positiven Ergebnissen im Personenfernverkehr und bei den Immobilien getragen. Die Investitionen konnten aus den eigenen Mitteln erwirtschaftet und die hohe verzinsliche Verschuldung auf rund 7,7 Mia. Fr. abgebaut werden. Da bei den Betriebsmitteln (vor allem Rollmaterial) sowie beim Energiebereich der Infrastruktur weitere Investitionen anstehen, werden jedoch weitere finanzielle Mittel erforderlich sein. Das seit Jahren anhaltende Wachstum im Personenverkehr ist erstmals rückläufig (-1,2%). Dabei sind unterschiedliche Entwicklungen festzustellen. Während der Regionalverkehr um weitere 1,6% wuchs, sank die Verkehrsleistung im Fernverkehr um 2,1%. Vor allem der Freizeit- und Tourismusverkehr büsste ein, der Pendler- und Geschäftsreiseverkehr ist hingegen weiter leicht gewachsen. Die Pünktlichkeit der Züge ist gut, die Kunden sind insgesamt zufrieden. In einem schwierigem Umfeld erzielte SBB Cargo mit 51 Mio. Franken erneut ein Defizit (Vorjahr: 46 Mio. Fr.). Gegenmassnahmen wurden ergriffen und befinden sich in der Umsetzung, um die geforderte Gewinnschwelle im Jahr 2013 zu erreichen. Die Ziele im Infrastrukturbereich hat die SBB nur teilweise erreicht. Betrieb und Erhalt der stark belasteten Infrastruktur haben auch 2012 hohe Mittel beansprucht. Dies führte zu einem negativen Jahresergebnis sowie zu einem Rückgang der Produktivität. Die personellen Ziele wurden erreicht. Die Trendwende bei der Personalzufriedenheit hat sich bestätigt: Die Zufriedenheit des Personals stieg zum zweiten Mal in Folge.

Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
Licht und Schatten beim SBB Ergebnis 2012

Mit Befriedigung hat Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs vom Resultat 2013 der SBB Kenntnis genommen. Nicht zuletzt die Preissteigerung aus dem Jahr 2011 hat dieses Resultat ermöglicht. Das mag zwar positiv erscheinen, hat aber bei manchen Menschen die persönlichen Ausgaben geschmälert und ihn überlegen lassen, ob er nun doch nicht lieber das Auto für diese oder jene Reise nutzen will. Die rückläufigen Passagierzahlen belegen dies.

Die Botschaft hör‘ ich wohl, doch es fehlt der Glaube
Der Frequenzrückgang sei auf andere Faktoren als auf überhöhte Preise oder schlechte Erfahrungen zurückzuführen. Diese Botschaft wird von Pro Bahn Schweiz entgegengenommen, vorderhand fehlt aber der Glaube. Höhere Preise und negative Erlebnisse in Zusammenhang mit der Billetpflicht vergraulen die Kundschaft. Bahn Schweiz hält deshalb an ihren diesbezüglichen Standpunkt fest, aber gerne Aussagen aufgenommen, dass die Kulanzfrage erneut aufgegriffen werden soll. Sollte dies tatsächlich zutreffen, nimmt Pro Bahn Schweiz – je nach Resultat – die Aussage gerne zurück und bietet diesbezüglich auch Mitarbeit an.

Schaler Nachgeschmack bei den Immobilien
Dass nun Wohnungen neuerdings versteigert werden, um ein Maximum an Erlösen herauszuschlagen, ist einerseits verständlich, andererseits hinterlässt dieses Vorgehen einen schalen Nachgeschmack. Selbstverständlich gönnt Pro Bahn Schweiz den SBB marktgerechte Preise beim Verkauf von Liegenschaften, hier soll aber der Markt und nicht eine Versteigerung spielen. Die SBB sind in diesem Zusammenhang in einer Doppelfunktion: Einerseits sollen sie dem Bund zusätzliche Einnahmen generieren, was recht gut gelingt. Auf der andern Seite sollen sie aber auch ihre Verantwortung als nachhaltiger und sozial eingestellter Vermieter wahrnehmen und nicht Mietzinserhöhungen auslösen, welche als Folge von Liegenschaftsverkäufen einzelne Familien aus einem langjährigen Umfeld herausreissen.

Stellungnahme SEV:
SEV kommentiert den Jahresabschluss der SBB – SBB setzt die falschen Prioritäten

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist erstaunt über den riesigen Jahresgewinn der SBB. Angesichts sinkender Sicherheit und Pünktlichkeit, vor allem aber anhaltend tiefer Personalzufriedenheit muss festgestellt werden, dass die SBB die Prioritäten einseitig auf das wirtschaftliche Ergebnis ausgerichtet hat.

Trotz sinkenden Verkehrszahlen sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr weist die SBB für 2012 einen weiter gesteigerten Gewinn aus. Und selbst wenn man der wiederkehrenden Leier von einmaligen Effekten Glauben schenken will, verbleibt ein Gewinn in Vorjahreshöhe.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich SBB Cargo einmal mehr mit Restrukturierungskosten selbst tief in die roten Zahlen gesteuert hat. Die kumulierten Verlustzahlen, die als Begründung für Restrukturierungen vorgebracht werden, sind vor allem genau auf diese Restrukturierungen zurückzuführen. Anders herum: Würde sich SBB Cargo endlich darum kümmern, vermehrt Güter auf die Schiene zu holen, statt sich dauernd mit dem eigenen Abbau zu beschäftigen, wären schwarze Zahlen längst denkbar.

Äusserst bedenklich ist das Zusammenspiel von Finanzresultat und betrieblichen Werten: Sowohl die Pünktlichkeit als auch die Sicherheit haben letztes Jahr einen Rückgang verzeichnet. Für SEV-Vizepräsident Manuel Avallone lässt sich daraus nur ein Schluss ziehen: «Die SBB-Kader setzen die Prioritäten einseitig auf das wirtschaftliche Ergebnis, was sich negativ auf den Betrieb auswirkt, aber positiv auf ihre Boni. Hier wurden falsche Anreize geschaffen.»

Aktuellste Beispiele sind die temporär beigezogenen Lokführer, die eine praktisch fabrikneue Cargo-Lok in einem Fluss versenken, oder der Abbruch von Verhandlungen, bei denen es darum ging, das unbestritten überlastete Verkaufspersonal leicht zu entlasten. Faktisch hat das Verkaufspersonal im Alltag keine Zeit, um sich über die andauernd neuen Produkte und Angebote zu informieren. Mehrkosten von leicht über einer Million jährlich liegen bei der SBB aber anscheinend nicht drin, um ihre Aushängeschilder am Schalter auf ein vernünftiges Niveau zu entlasten.

Der SEV erwartet, dass die SBB ihre Prioritätenordnung revidiert. Als öffentlich finanziertes Unternehmen hat sich die SBB nicht am Gewinn zu orientieren, sondern an der Qualität der Leistung. «Dazu gehören für uns neben der Sicherheit und der Pünktlichkeit auch die Personalzufriedenheit, die nach wie vor äusserst tief ist und zeigt, dass die Unternehmensführung nicht das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat», betont Manuel Avallone.

Stellungnahme VCS Verkehrs-Club der Schweiz:
Passagierzahlen der SBB rückläufig – Höhere Billettpreise zeitigen Folgen

Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz nimmt mit Sorge zur Kenntnis, dass die Passagierzahlen der SBB erstmals seit langem rückläufig sind. Verwunderlich ist dies nicht: Die einseitige und übermässige Verteuerung des Bahnfahrens zeitigt Folgen. Der VCS appelliert an die SBB und den Bundesrat, Augenmass und Verantwortungsbewusstsein zu beweisen.

An ihrer Bilanzmedienkonferenz vom Dienstag gab die SBB in Zürich bekannt, dass die Passagierzahlen 2012 erstmals seit langen Jahren rückläufig waren. Die Zahl der zurückgelegten Personenkilometer wie auch die Passagierzahl sanken gegenüber dem Vorjahr leicht. Betroffen war vor allem der Freizeitverkehr.

Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang sind die Billettpreiserhöhungen der letzten Jahre: Durchschnittlich stiegen die Tarife in den letzten drei Jahren kumuliert um fast 10 Prozent. Diese Preissteigerungen wirkten sich umso stärker aus, als andere Faktoren wie überfüllte Züge, dreckige Toiletten oder Vandalismus das Zugfahren ebenfalls weniger attraktiv machen.

Nun wollen die SBB und auch der Bundesrat das Bahnfahren in den nächsten Jahren weiter verteuern. In einer derartigen Situation ist jedoch Augenmass und Verantwortungsbewusstsein gefragt, will man nicht noch mehr Reisende dazu bringen, wieder aufs Auto umzusteigen.

Die SBB und die übrigen Betriebe des öffentlichen Verkehrs müssen ihre Tarife massvoll erhöhen und ihren Service verbessern. Der VCS appelliert zudem an den Bundesrat, auf die geplante zweite Tranche der Erhöhung der Trassenpreise um 100 Millionen Franken zu verzichten und die Bahnpreise nicht weiter anzuheizen.

Es ist Unsinn, ausgerechnet das auf langen Distanzen umweltgerechteste Verkehrsmittel einseitig zu verteuern. Während die Bahnpreise in den nächsten Jahren weiter drastisch zu steigen drohen, wurden die Mineralölsteuer und der Mineralölsteuerzuschlag seit 1993 respektive 1974 nicht mehr erhöht.

Siehe auch

 

Weblinks

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

Schreibe einen Kommentar