ASTAG fordert „Masterplan Güterverkehr und Logistik“

Der Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG hat Leitlinien für einen «Masterplan Güterverkehr und Logistik» vorgelegt. Damit soll der Güterverkehr in der Schweiz verstärkt auf die Bedürfnisse von Wirtschaft und Konsumenten ausgerichtet werden. Kernforderungen sind eine rasche bedarfsgerechte Engpassbeseitigung bei der Strasse, eine konsequente Trennung von Netz und Betrieb bei der Schiene sowie der diskriminierungsfreie Zugang zu Terminals. Für neue Gross-Terminalstandorte möchte die ASTAG bei bestehenden Anlagen sowie beim Projekt «Basel-Nord» anknüpfen. Das «Gateway Limmattal» wird unter den aktuellen Voraussetzungen nicht als prioritär eingestuft.

erstellt am 29. Juli 2013 @ 12:50 Uhr
ASTAG / Alpen-Initiative
Kombiverkehr Terminal Giezendanner 63568_01Der Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG hat Leitlinien für einen «Masterplan Güterverkehr und Logistik» vorgelegt. Damit soll der Güterverkehr in der Schweiz verstärkt auf die Bedürfnisse von Wirtschaft und Konsumenten ausgerichtet werden. Kernforderungen sind eine rasche bedarfsgerechte Engpassbeseitigung bei der Strasse, eine konsequente Trennung von Netz und Betrieb bei der Schiene sowie der diskriminierungsfreie Zugang zu Terminals. Für neue Gross-Terminalstandorte möchte die ASTAG bei bestehenden Anlagen sowie beim Projekt «Basel-Nord» anknüpfen. Das «Gateway Limmattal» wird unter den aktuellen Voraussetzungen nicht als prioritär eingestuft.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG engagiert sich für eine koordinierte und rasche Aufwertung des Güterverkehrs in der Fläche – und damit für die Zukunft der Schweiz. In den letzten Jahren lag der Fokus der Verkehrspolitik fast ausschliesslich auf der nie funktionierenden Verlagerung des alpenquerenden Transitverkehrs von Grenze zu Grenze und generell dem Personenverkehr auf der Schiene.

Auf der Strecke blieben der volkswirtschaftlich relevante Güterverkehr für die Schweiz und hier vor allem der Strassentransport. «Bundesrat und Politik haben zu einseitig auf die Schiene gesetzt», kommentierte ASTAG-Zentralpräsident Adrian Amstutz die Ausgangslage. In einem Thesenpapier hat die ASTAG deshalb jetzt Leitlinien für einen «Masterplan Güterverkehr und Logistik» vorgestellt. Die aktuell vorliegenden Vorlagen und Projekte des Bundes würden «an den effektiven Bedürfnissen der Wirtschaft» vorbeizielen, betonte ASTAG-Direktor Michael Gehrken.

Echte «Ko-Modalität» statt Fragmente und Mogelpackungen
Hauptziel eines Masterplans muss es sein, die Position des Güterverkehrs als Ganzes im Sinne der Logistik zu stärken. Insbesondere soll auf die Bedürfnisse von Wirtschaft und Konsumenten eingegangen werden. Absolut zentral ist der wesensgerechte Einsatz der Verkehrsmittel (Ko-Modalität) gemäss ihren jeweiligen Stärken. Nur so kann die notwendige Qualität bei den Transportdienstleistungen erreicht werden.

Die ASTAG übte dabei auch Kritik an den aktuell vorliegenden Projekten und Vorlagen zum Schienengüterverkehr in der Fläche und zu einer Terminalstrategie: Die Vorlagen, so ASTAG-Vizepräsident Jean-Daniel Faucherre entpuppten sich als «Fragment, wenn nicht gar als Mogelpackung», wobei eine «versteckte Agenda» zur Sanierung von SBB Cargo vermutet wird.

Vor diesem Hintergrund hat die ASTAG drei Kernforderungen aufgestellt:

  1. Ausbau Strasseninfrastruktur: Für einen leistungsfähigen Güterverkehr muss die Strasseninfrastruktur umgehend den wachsenden Bedürfnissen angepasst werden. Zu lange wurden Sanierung, Modernisierung und Ausbau (Engpassbeseitigung) vernachlässigt. Massiver Handlungsbedarf besteht auf den Hauptachsen und in den Agglomerationen in allen Landesteilen, vorab auch in der Romandie.
  2. Trennung Eisenbahnnetz / Betrieb: Die «Milliarden-Subventionitis» im Schienenverkehr ist gescheitert. Stattdessen braucht es eine strukturelle Neuorganisation der Bahnlandschaft mit einer klaren Trennung von Netz und Betrieb. Damit sollen Anreize für die Beteiligung von privatem Kapital und Know-How geschaffen werden.
  3. Diskriminierungsfreier Terminalzugang: Ko-Modalität zwischen Schiene und Strasse ist nur mit geeigneten Umschlagsmöglichkeiten möglich. Umso wichtiger sind Terminals an den richtigen Orten mit genügend Kapazitäten und vor allem diskrimierungsfreiem Zugang – ohne Monopol für SBB Cargo. Für neue Gross-Terminalstandorte möchte die ASTAG bei bestehenden Anlagen sowie beim Projekt «Basel-Nord» anknüpfen. Das «Gateway Limmattal» wird unter den aktuellen Voraussetzungen nicht als prioritär eingestuft.

Für die ASTAG ist klar: Die Verkehrspolitik muss neue Wege gehen. Dazu braucht es einen umfassenden «Masterplan Güterverkehr und Logistik». Die vorliegende «Gesamtkonzeption» des Bundes verdient ihren Namen demgegenüber noch nicht.

Update Stellungnahme Alpen-Initiative:
Güterverkehr der Zukunft: Die Verlagerung ist vom Volk gewollt

Für die Alpen-Initiative liegt es am fehlenden politischen Willen, dass die Transitgüter noch nicht wie von den Stimmberechtigen gewünscht von der Strasse auf die Schiene verlagert worden sind. Die Strategie der ASTAG, einfach mehr Strassen zu bauen, führt nicht zum Ziel und sabotiert den Volkswillen.

Für den alpenquerenden Güterverkehr liegt seit 1994 ein „Masterplan“ vor: die Gütertransporte von Grenze von Grenze erfolgen auf der Schiene. Das steht so in der Verfassung. „Auf den Strassen wäre viel mehr Platz, wenn der Bundesrat den Volksauftrag zur Verlagerung wirklich umgesetzt hätte“, sagt Fabio Pedrina, Präsident der Alpen-Initiative. Auch auf der Ost-West-Achse, der Strassenhauptachse durch die Schweiz, wäre der Verkehr weniger dicht, wenn es einen echten Verlagerungsauftrag für die Fläche gäbe. Von solchen Strategien ist beim Nutzfahrzeugverband ASTAG nichts zu hören.

Die Kernbotschaft der ASTAG besteht darin, mehr Strassen zu fordern, dazu gehört auch die zweite Gotthardröhre. Dies soll laut ASTAG im Dienste der Wirtschaft und der Konsumenten sein. Bis heute aber hat das Schweizer Stimmvolk – bestehend aus Konsumierenden und Steuerzahlenden – immer für eine kohärente und umweltschonende Verkehrspolitik gestimmt, welche die Güter vornehmlich auf der Schiene befördert sehen will. So hat das Volk beispielsweise der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe für Lastwagen (LSVA) deutlich zugestimmt.

„Den Schweizerinnen und Schweizern ist es offenbar lieber, ein paar Rappen mehr für ein Joghurt zahlen zu müssen, dafür aber weniger Lastwagen auf der Strasse, mehr Sicherheit und eine bessere Atemluft zu haben“, sagt Fabio Pedrina. Gerade für Transitgüter, aber auch für Güter, die eine mittlere Strecke im Schweizer Flachland zurücklegen müssen, ist die Bahn das geeignetere Verkehrsmittel als die Strasse. Ein Abbau von Leistungen der Bahn in der Fläche hätte letztlich auch zur Folge, dass noch mehr Güter aus dem Ausland auf Lastwagen in die Schweiz gefahren würden. „Das kann nicht das Ziel einer zukunftsgerichteten Verkehrspolitik sein“, sagt Fabio Pedrina.

Es fehlt am politischen Willen, den alpenquerenden Güterverkehr auf die Bahn zu verlagern, nicht an Masterplänen oder Kapazitäten auf der Schiene. 2016 wird der Gotthard-Basistunnel eröffnet – ein Quantensprung im Bahnverkehr zwischen Norden und Süden. „Diesen Tunnel müssen wir für die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene nutzen. Die Milliardeninvestition dürfen wir nicht durch eine neue Strassenröhre am Gotthard entwerten“, so Pedrina.

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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