Jubiläum „100 Jahre Lötschbergbahn“: 18’000 Besucher am grossen BLS-Eisenbahnfest

Grosser Bahnhof für die BLS und ihre Partner am kommenden Wochenende in Frutigen: Das «Grosse BLS-Eisenbahnfest» unter dem Motto «BLS erfahren und erleben» zeigt Höhepunkte sowie Pionierleistungen von gestern und heute und stellt die unterschiedlichen Menschen und Berufe vor, die dahinter stehen. Das Volksfest wird ergänzt durch eine Ausflugs- und Kinderwelt. Erwartet werden neben Besucherinnen und Besuchern aus dem In- und Ausland am Samstag zum Festakt auch Bundesrätin Doris Leuthard sowie die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer und der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina.

Rede von Bundesrätin Doris Leuthard zum Jubiläum „100 Jahre Lötschbergbahn“ Frutigen, 29.06.2013

100 Jahre Lötschbergbahn

Je suis très honorée d’être ici aujourd’hui pour vous adresser les salutations et les félicitations du Conseil fédéral à l’occasion des 100 ans du Chemin de fer du Lötschberg.

 Inhalt
>> Tag 1 am Nordrampenfest in Frutigen [mit Fotos] | Update Impressionen [Fotos] | Artikel Seite 1

Il s’agissait pour l’époque d’un travail d’une envergure exceptionnelle.

Il a été réalisé par des hommes remarquables et dans des conditions extrêmement difficiles.

Il y a 100 ans, ces hommes ont tracé l’avenir de la Suisse. Non seulement leur avenir, mais également le nôtre et celui de nos enfants.

La politique suisse des transports a été largement marquée par le Chemin de fer du Lötschberg.

La décision du Grand Conseil bernois, le 24 janvier 1866, de ne pas miser uniquement sur le Chemin de fer du Grimsel mais de construire de manière presque plus visionnaire au Lötschberg s’est révélée être un véritable coup de maître.

Dank dem Tunnel durch den Lötschberg haben wir …

  • erstens eine staatspolitisch wichtige Verbindung durch die Alpen, die wichtige Tourismusregionen miteinander verbindet,
  • zweitens eine unverzichtbare Bahnverbindung im helvetischen Netz, die uns nötige Kapazitäten auch im Güterverkehr sichert und
  • drittens zusammen mit dem Gotthard – einen starken Trumpf im europäischen Bahnnetz in der Hand.

Den Bernern sei Dank, dass sie vor über 100 Jahren im Interesse des Landes entschieden.

Gleichzeitig haben sie eine wichtige internationale Verbindung geschaffen von Paris nach Italien.

Die Lötschberg-Simplonstrecke war damals wie heute eine wichtige Transitroute für Menschen und Güter durch die Alpen.

Der Bau des Lötschbergtunnels wurde erst möglich, als 1907 per dringlichem Bundesbeschluss eine Bundessubvention von 6 Millionen Franken gesprochen wurden.

Dies bei damaligen Jahresausgaben von 59.5 Mio. des Post- und Eisenbahndepartementes.

Die Berner Stimmbürger sicherten 1902 schon 17,5 Millionen zu.

Die Lötschbergbahn ist aber auch Symbol für den damaligen Glauben an die technische Machbarkeit.

Erstmals wurde – mit kürzester Entwicklungszeit – eine Bergstrecke elektrifiziert und mit den weltweit stärksten in Serie gebauten Elektroloks betrieben.

Damit steht die Lötschbergbahn auch am Beginn der Maschinenindustrie der Schweiz.

Und – das dürfte die BLS-Verantwortlichen heute noch freuen: Die SBB übernahm einige Jahre später die technische Lösung der BLS.

Damit hatten die Lötschberg-Pioniere zusammen mit anderen Bahnbauern die Grundlage für die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Schweiz gelegt.

Davon profitieren wir noch heute.

Die hervorragenden Bahninfrastrukturen und die Leistungen der Ingenieure haben massgeblich zum Erfolg des Wirtschaftsstandortes Schweiz beigetragen.

Auch dank diesen – wie eine Schweizer Uhr – perfekt funktionierenden Bahnen sind wir das wettbewerbsfähigste Land der Welt – und das erst noch in Folge.

Von dieser Position wollen wir uns nicht vertreiben lassen – auch von harter Konkurrenz nicht.

Dafür haben wir in der letzten Jahren viel getan.

  • Im Mittelland wurde mit der Bahn 2000 die Verbindung zwischen den grossen Zentren verbessert.
  • Der Auf- und Ausbau der S-Bahn-Systeme und der Regionallinien war wichtig, um die Bedürfnisse der vielen Bahnpendler zu erfüllen, die sich vornehmlich in den Agglomerationen niederlassen.
  • Der ausgebaute Lötschberg-Basistunnel und die bevorstehende Eröffnung des Gotthard-Basistunnel tragen massgeblich zur Verlagerung des Gütertransitverkehrs auf die Schiene bei – auch wenn das ehrgeizige Verlagerungsziel nicht erreicht werden konnte.

Damit die Schweiz auch in Zukunft und bei steigender Mobilität ein attraktiver Platz für Passagiere und Wirtschaft bleibt, müssen wir in den nächsten Jahren weiter in die Infrastruktur investieren:

  • Betrieb und Substanzerhalt muss sichergestellt sein,
  • Engpässe müssen abgebaut, Kapazitäten erhöht werden.

Wir müssen das Schienennetz modernisieren.

Damit dies möglich ist, sind verschiedene Faktoren zu beachten:

  • Erstens: Das Bahnnetz ist nur so gut, wie seine einzelnen Teile. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht nur auf die hochfrequentierten Strecken konzentrieren. Deshalb müssen wir auch die regionalen Strecken so ausgestalten, dass sie den Bedürfnissen von Passagieren und Wirtschaft entsprechen und die Grunderschliessung des Landes sichern. Das ist auch für die Kohäsion wichtig.
  • Zweitens: Die schweizerische Bahnlandschaft funktioniert als Netz nur dann, wenn alle Bahn-Player zusammenarbeiten. Keiner kann für sich allein die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung und die Transportansprüche der Wirtschaft abdecken. Und keiner ist von sich aus perfekt. Wettbewerb belebt – wie der aktuellste Auftrag an die BLS aus den Niederlanden zeigt. Die Qualität der Schweizer Bahnen beruht auch darauf, dass wir eine Konkurrenz der Ideen haben. Die BLS hat mit mutigen technischen Pioniertaten viel für die Entwicklung des Bahnsystems Schweiz als Ganzes getan.
  • Drittens: Mobilität ist längst grenzüberschreitend. Wir müssen in Korridoren denken, planen und bauen. Das setzt voraus, dass wir gerade im grenzüberschreitenden Gütertransitverkehr einen massiven Modernisierungsschub brauchen und interoperabel werden. Das setzt ebenso voraus, dass die unterschriebenen Verträge für die Anschlüsse an unsere Alpentunnels ennet den Grenzen eingehalten werden.
  • Viertens: Weil mehr Projekte an der Finanzierung gescheitert sind als an den geologischen und technischen Herausforderungen, müssen wir für eine saubere und nachhaltige Finanzierung sorgen. Unterhalt, Betrieb und nach klaren Prioritäten ausgerichtete Erweiterungen wollen wir daher neu aus einem Bahninfrastruktur-Fonds steuern. Deshalb brauchen wir die Vorlage FABI – damit auch in Zukunft das Angebot stimmt.
  • Fünftens: Wir können mit einem modernen, vorbildlichen öV-System in der Schweiz die Voraussetzungen schaffen, dass die Schweizer Industrie ihre innovativen Produkte und ihr Knowhow im Bahnbereich weiterhin in die ganze Welt verkaufen kann.

Aber weder Geld noch Baumaschinen reichen aus, um als Wirtschaftsstandort und als Lebensmittelpunkt attraktiv zu bleiben.

Weder ein Bahnsystem, auf Hochglanz poliert wie eine Märklin-Eisenbahn, noch ein perfektioniertes Strassennetz sind dafür dienlich.

Viel wichtiger ist, dass wir zu einer anderen Einstellung zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern in der Schweiz finden.

Hier die Strassenbrille, dort die Schienenbrille – so sieht man nicht klarer.

Die Grabenkämpfe, die jetzt wieder so offensichtlich hochgespielt werden, müssen passé sein.

Die mobile Generation will zwischen Zug und Auto switchen – oder nimmt auch mal das E-Bike.

Die Schweiz als Land der Regionen braucht beide Verkehrsträger, erst recht im Lichte der Bevölkerungsentwicklung.

Heute – und erst recht in Zukunft – müssen sich Strasse und Schiene sinnvoll ergänzen.

Sie sind gleichwertig – beim Ausbau, beim Unterhalt und bei der Finanzierung – auch in der Verfassung.

Deshalb brauchen wir ein übergreifendes Verkehrssystem – pflegeleicht, funktional und finanzierbar.

Die vielen regionalen Ausbauwünsche – so schön sie aus der kantonalen Perspektive auch sein mögen – sollten zu Gunsten der Schweiz hintenangestellt werden.

Die Berner haben vor über 100 Jahren ihre Interessen klug mit jenen der Schweiz und der Nachbarstaaten Frankreich und Italien verbunden.

Sie haben für den Kanton, die Schweiz und darüber hinaus gedacht.

Und heute profitiert die ganze Schweiz von dieser Weitsicht.

Ihnen, liebe BLS, verehrte Kantonsvertreterinnen und -vertreter, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wünsche ich ein schönes Geburtstagsfest und eine profitable Bahnzukunft.

Der Schweiz wünsche ich das „feu sacré“ jener, die vor 100 Jahren trotz widrigen Umständen mit wenigen Zentimetern Abweichung den Lötschberg mit den damals revolutionären Elektroloks realisierten.

Die Schweiz darf stolz sein auf ihr Verkehrsnetz, auf ihr Bahnnetz.

Wir investieren nach dem Grossprojekt NEAT nun in eine weitere Etappe eines zukunftsfähigen Verkehrssystems.

Dazu gehört auch eine gewisse Vielfalt in der Bahnlandschaft Schweiz.

Der Bundesrat hat wiederholt bestätigt, dass er neben der SBB auch starke Privatbahnen will.

Die BLS ist das Kernstück dieser Strategie.

Herzliche Gratulation!

Bundesrätin Doris Leuthard besucht BLS Cargo
Im Rahmen der Feierlichkeiten der BLS zu ihrem 100-jährigen Jubiläum besuchte Bundesrätin Doris Leuthard (Verkehrsministerium) BLS Cargo. Sie liess sich dabei von CEO Dirk Stahl und Mitglieder der Bombardier Geschäftsleitung die Lastmile Lok zeigen und war beeindruckt von den neuen Möglichkeiten, die sich BLS Cargo durch diese innovative Lok (Elektrolok mit Zusatzdiesel zur Erschliessung nicht elektrifizierter Gleisanlagen) erschliessen.

In ihrer Rede zum Jubiläum würdigte die Bundesrätin die Pioniertaten der BLS. „Die BLS hat mit mutigen technischen Pioniertaten viel für die Entwicklung des Bahnsystems Schweiz als Ganzes getan.“ Sie nahm weiter Bezug auf die wichtige Stellung der BLS in der Bahnlandschaft der Schweiz. „Der Bundesrat hat wiederholt bestätigt, dass er neben der SBB auch starke Privatbahnen will. Die BLS ist das Kernstück dieser Strategie.“ Die schweizerische Bahnlandschaft funktioniere als Netz nur dann, wenn alle Bahn-Player zusammenarbeiten würden. Alleine könne keiner die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung und die Transportansprüche der Wirtschaft abdecken. „Und keiner ist von sich aus perfekt. Wettbewerb belebt – wie der aktuellste Auftrag an die BLS aus den Niederlanden zeigt. Die Qualität der Schweizer Bahnen beruht auch darauf, dass wir eine Konkurrenz der Ideen haben.“

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

Schreibe einen Kommentar