Rollmaterial-Beschaffung Nord-Süd-Verkehr: SBB vergibt Auftrag für 29 neue Züge an Stadler Rail

Die SBB kauft bei Stadler Rail 29 neue, international einsetzbare Triebzüge für den Nord-Süd-Verkehr. Ausschlaggebend für den Entscheid war die beste Bewertung von Stadler Rail bei der Gesamtwirtschaftlichkeit und den Kundenanforderungen. Das Auftragsvolumen beträgt knapp 1 Mia. Franken. Mit den neuen Zügen kann die SBB ihren Kundinnen und Kunden im Hinblick auf das prognostizierte Nachfragewachstum nach der Inbetriebnahme des Gotthard- und Ceneri-Basistunnels genügend Sitzplätze, mehr Komfort und ein verlässliches Angebot zur Verfügung stellen. Die Züge sollen gemäss vertraglicher Vereinbarung mit Stadler Rail ab Ende 2019 schrittweise zum Einsatz kommen.

erstellt am 09. Mai 2014 @ 11:14 Uhr
SBB CFF FFS / Stadler Rail Group / NOSE Design / Pro Bahn Schweiz / Sandro Hartmeier
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie SBB kauft bei Stadler Rail 29 neue, international einsetzbare Triebzüge für den Nord-Süd-Verkehr. Ausschlaggebend für den Entscheid war die beste Bewertung von Stadler Rail bei der Gesamtwirtschaftlichkeit und den Kundenanforderungen. Das Auftragsvolumen beträgt knapp 1 Mia. Franken. Mit den neuen Zügen kann die SBB ihren Kundinnen und Kunden im Hinblick auf das prognostizierte Nachfragewachstum nach der Inbetriebnahme des Gotthard- und Ceneri-Basistunnels genügend Sitzplätze, mehr Komfort und ein verlässliches Angebot zur Verfügung stellen. Die Züge sollen gemäss vertraglicher Vereinbarung mit Stadler Rail ab Ende 2019 schrittweise zum Einsatz kommen.

Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailRollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler Rail

Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie SBB beauftragt Stadler Rail mit dem Bau von 29 neuen, international einsetzbaren Triebzügen für den Nord-Süd-Verkehr. Das Auftragsvolumen beträgt knapp 1 Mia. Franken. Die SBB hat im April 2012 das Ausschreibungsverfahren für 29 neue Züge gestartet, am 9. Mai 2014 hat die SBB den Zuschlag erteilt. «Der Entscheid fiel klar aus, Stadler Rail hat die Vergabekriterien mit deutlichem Vorsprung am besten erfüllt und uns einen sehr kundenfreundlichen Zug offeriert», sagt SBB CEO Andreas Meyer. Stadler Rail schnitt bei den zwei am stärksten gewichteten Hauptkriterien am besten ab und überzeugte insbesondere durch eine hohe Gesamtwirtschaftlichkeit (40%) und Innovation (25%), insbesondere bei den Kundenanforderungen wie der Gestaltung oder der Fahrgastsicherheit. Bei den anderen beiden Kriterien Technik (20%) und Vertragserfüllung (15%) war das Angebot von Stadler Rail vergleichbar mit demjenigen der anderen Anbieter. «Wir wollen den besten Zug für unsere Kundinnen und Kunden. Bei der Gestaltung stand die Kundenorientierung im Vordergrund, zum Ein-satz kommt bewährte Technik», sagt Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie drei Rollmaterial-Hersteller Alstom, Stadler Rail und Talgo haben eine Offerte für den Grossauftrag eingereicht. Dem Entscheid ging ein aufwändiges Verfahren gemäss Bundesgesetz und Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB/VöB) voraus. Die für die Evaluation berücksichtigten Kriterien wurden im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung auf simap.ch publiziert. Gemäss den gesetzlichen Vorgaben war der Wertschöpfungsanteil in der Schweiz kein Kriterium. Stadler Rail wird die neuen Züge nach eigenen Aussagen in Bussnang fertigen lassen. Neben dem jetzt erfolgten Zuschlag von 29 Zügen sichert sich die SBB vertraglich Optionen für bis zu 92 weitere Züge. Der Vergabeentscheid wurde am 10. Mai 2014 auf simap.ch publiziert; ab dann lief eine20-tägige Beschwerdefrist. Am letzten möglichen Tag hat Alstom eine Beschwerde gegen den Vergabeentscheid eingereicht. Die Vertragsunterzeichnung findet voraussichtlich Anfang Juni 2014 statt.
Neue Züge bieten mehr Sitzplätze und Komfort
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie neuen Triebzüge fahren bis zu 249 km/h und bieten mit bis zu 400 Metern Länge in Doppeltraktion gut 800 Sitzplätze. Das sind rund 40 Prozent mehr als die heutigen, 230 Meter langen ETR-470-Kompositionen. Die SBB hat sich gemäss den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes entschieden, Tiefeinstiege anzubieten, da diese einem Kundenbedürfnis, zum Beispiel auch von älteren Personen und Personen mit Gepäck oder Kinderwagen, entsprechen. Jede Zugskomposition weist je zwei rollstuhlgängige Toiletten sowie Durchgänge zwischen der 1. und 2. Klasse und dem Speisewagen auf. Es stehen geschlechtergetrennte Toiletten, grosse Gepäckablagen und ein Fahrgastinformationssystem mit elektronischen Anzeigen zur Verfügung. Das Fahrgastinformationssystem wird erstmalig auch die Auslastung innerhalb des Zuges anzeigen. Weiter gibt es Ruhe-, Familien- und Businesszonen, Steckdosen an allen Sitzplätzen sowie neue Signalverstärker für guten Mobilfunkempfang unterwegs.
Spürbare Verbesserung des Angebotes am Gotthard
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailMit den neuen Zügen kann die SBB ihren Kundinnen und Kunden im Hinblick auf das prognostizierte Nachfragewachstum nach der Inbetriebnahme des Gotthard- und Ceneri-Basistunnels genügend Sitzplätze, mehr Komfort und ein verlässliches Angebot zur Verfügung stellen. Heute fahren täglich rund 9000 Personen mit der SBB durch den Gotthard. Bis 2025 dürfte sich die Zahl der Reisenden dank der Verdichtung und Beschleunigung des Angebotes mehr als verdoppeln, bereits 2020 rechnet die SBB mit mindestens 15 000 Reisenden pro Tag.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie neuen Züge sollen gemäss vertraglicher Vereinbarung mit Stadler Rail schrittweise ab Ende 2019 eingesetzt werden. Sie sollen in der Schweiz, in Deutschland und Italien zugelassen werden. Die Züge verkehren zuerst zwischen Basel/Zürich und Mailand und können später auch auf andern, insbesondere internationalen Strecken eingesetzt werden. Die Züge ersetzen am Gotthard langfristig die Neigezüge des Typs ICN und ETR 610. Für die Übergangszeit bis Ende 2019 hat die SBB acht zusätzliche Neigezüge des Typs ETR 610 bestellt. Die zusätzlichen ETR 610 kommen bereits ab 2014 zum Einsatz und ersetzen die Züge des Typs ETR 470, die ausrangiert werden.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailWenn die neuen Triebzüge Nord-Süd von Stadler Rail in den Verkehr kommen, fahren die ETR 610 neu am Simplon und die ICN auf kurvigen Strecken wie dem Jura-Südfuss. Die SBB hat dank der neuen Züge nicht nur kurz- sondern auch langfristig genügend modernes, kundenfreundliches Rollmaterial für den Nord-Süd-Verkehr. Insgesamt investiert die SBB in den nächsten Jahren durchschnittlich rund eine Milliarde Franken pro Jahr in Rollmaterial.


Medienmitteilung Stadler Rail Group (ergänzt) vom 9.5.2014:
Stadler Rail gewinnt Ausschreibung für NEAT-Züge
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie SBB haben am 9 Mai 2014 den Auftrag für die künftigen internationalen NEAT-Züge an Stadler Rail vergeben. Nach einer hart umkämpften Ausschreibung gewann der Schweizer Anbieter das Rennen um 29 Eurocity-Züge. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für Stadler Rail. Das Unternehmen stösst mit diesem Auftrag ins Highspeed-Segment bis 250 km/h vor. Die Mehrsystemzüge werden Zulassungen für die Schweiz, Italien, Deutschland und Österreich erhalten. Es handelt sich weltweit um den ersten einstöckigen Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug. Damit wird das Behindertengleichstellungsgesetz vollumfänglich erfüllt. Das Auftragsvolumen beträgt rund CHF 980 Mio.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie Freude bei Peter Spuhler, Inhaber und CEO der Stadler Rail Group ist gross: „Wir sind sehr stolz, dass wir die hohen Anforderungen des Fahrzeugpflichtenheftes mit unserem Konzept optimal erfüllen konnten. Ich danke an dieser Stelle den SBB für das Vertrauen, das sie uns entgegenbringen. Sicher haben auch die Referenzen unserer Kunden bezüglich Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit sowie insbesondere auch beim Bau und der Zulassung von grenzüberschreitenden Mehrsystemzügen für Italien, Österreich und Deutschland einen positiven Einfluss gehabt.“
Bewährte Züge und Innovation
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDer neu entwickelte EC250 ist ein 200m langer 11-teiliger Gliederzug. Die Wagen sind mit sogenannten Jakobsdrehgestellen verbunden. Stadler Rail konnte bei der Entwicklung des Zuges auf viele bewährte Komponenten der bisherigen Fahrzeugfamilien zurückgreifen [Anmerkung: FLIRT – NSB Norwegen]. Die Traktionsausrüstung wird ABB Schweiz liefern. Das Design des Zuges wurde vom renommierten Schweizer Unternehmen NOSE Design entwickelt. Grundsätzlich wird das Erscheinungsbild aussen und innen dem aktuellen SBB Corporate-Design entsprechen. Stadler bringt auch viel Erfahrung mit Zügen für den grenzüberschreitenden Verkehr Schweiz – Italien mit, bereits 40 Züge haben sich seit mehreren Jahren bestens bewährt. Weitere 18 Mehrsystem-Züge haben eine Zulassung für Italien und Österreich. Stadler Rail verfügt grundsätzlich über sehr viel Erfahrung mit Zügen für Italien. So sind bereits über 100 Stadler-Züge erfolgreich in Italien im Einsatz.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailDie Produktinnovation zählt zu den besonderen Stärken von Stadler Rail. In den vergangenen Jahren ist es dem Schweizer Schienenfahrzeughersteller immer wieder gelungen, neue Produkte in sehr kurzer Zeit zu entwickeln, zu bauen und erfolgreich in Betrieb zu nehmen. So gingen beispielsweise die damals komplett neuentwickelten Doppelstocktriebzüge KISS für die S-Bahn Zürich Ende 2011 nur drei Jahre nach Auftragserteilung in den Fahrgastbetrieb. Auch mit der Weiterentwicklung bestehender Fahrzeugfamilien konnte Stadler Rail seine Leistungsfähigkeit immer wieder unter Beweis stellen, sei dies mit dem FLIRT für die harten klimatischen Bedingungen in Skandinavien oder mit den ersten FLIRT und KISS für 200 km/h in Norwegen und Österreich. Alle diese Fahrzeuge erreichten innert kürzester Zeit höchste Verfügbarkeitswerte.
Auslastung in der Schweiz
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailStadler Rail wurde seit 2011 besonders stark von der Eurokrise und dem starken Franken getroffen. Wegen der Währungsverwerfungen wurden in der Schweiz gefertigte Fahrzeuge im Vergleich zur Konkurrenz im Euroraum innert weniger Monate um 20% teurer. Gleichzeitig ist aufgrund der Verschuldung vieler Euroländer die Anzahl der Ausschreibungen massiv zurückgegangen. 2012 brach der Auftragseingang vom mehrjährigen Durchschnitt von rund CHF 2 Mrd. auf nur noch CHF 720 Mio. ein.
Rollmaterial-Beschaffung Nord-Sued-Verkehr SBB 29 Zuege Stadler RailStadler Rail reagierte umgehend auf die Krise mit einer Anpassung der Strategie: Neue Märkte und neue Segmente mussten angepeilt werden. Es war das Ziel, in die Segmente „Fernverkehr bis 250 km/h“ und „U-Bahn“ vorzustossen. Beides ist inzwischen gelungen: Vor zwei Jahren gewann Stadler Rail den ersten U-Bahn Auftrag für Berlin und nun den ersten Auftrag im Fernverkehr bis 250 km/h. Peter Spuhler betont: „Wir sind überzeugt, dass wir diesen Zug mit gewissen Anpassungen auch erfolgreich in anderen Märkten verkaufen können.“ Der Auftrag der SBB trägt positiv zur besseren Auslastung des grössten Stadler-Werkes in Bussnang ab Mitte 2015 bei. Der Zug wird komplett in Bussnang gebaut, die Drehgestelle kommen aus dem Stadler-Werk in Winterthur. Viele Schweizer Zulieferbetriebe werden wichtige Komponenten liefern, so dass die Schweizer Wertschöpfung rund 80 % erreicht.


Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
Was lange währt…
Endlich ist die Entscheidung gefallen. Stadler Rail wird 29 11-teilige Triebzüge mit Speisewagen für den Nord-Süd-Verkehr ab 2019 abliefern. Ab 2019 soll der Gotthard-Verkehr wieder den Standard erhalten, auf den sich die Reisenden bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts verlassen konnten. Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs nimmt mit Befriedigung von diesem Entscheid Kenntnis. Auf diese Weise ist eine schweizerische Unternehmung berücksichtigt worden, welche in der Vergangenheit bewiesen hat, dass sie in der Lage ist, zuverlässiges Rollmaterial zu bauen. Damit wird auch dem Slogan „ehret einheimisches Schaffen“ – dieses Mal für die Ostschweiz – nachgelebt.
Trieb- oder Lokzug
Die Entscheidung ist einmal mehr zu Gunsten von Triebzügen anstatt von normalen Zügen mit Lokomotiven getroffen worden. Wohl lässt sich damit der Rangieraufwand wegen dem Beistellen von Verstärkungswagen reduzieren, auf der andern Seite kann weniger flexibel auf Frequenzveränderungen reagiert werden. Der Entscheid kann wohl nachvollzogen werden. Pro Bahn Schweiz erwartet aber, dass im Zweifelsfalle das Sitzplatzangebot mit einem zweiten Triebzug sichergestellt wird, damit Stehplätze vermieden werden.
Akzeptable Zwischenlösung
Wichtig ist, dass die unbeliebten ETR 470 Triebzüge endlich einmal vom schweizerischen Schienennetz verschwinden. Sie sollen durch die ETR 610 Triebzüge ersetzt werden, welche jetzt vor allem am Simplon im Einsatz sind. Dank zusätzlich bestellter Einheiten kommt dann endlich einmal Rollmaterial in die Deutschschweiz, das für Reisen nach Mailand normalen Komfortansprüchen genügt. Das Zulassungsverfahren der zusätzlich bestellten Züge soll rasch und unbürokratisch erfolgen und nicht durch Amtsstellen behindert werden.
Reisen in den Süden wieder chic und fein
Die neuen Züge erreichen zwar „nur“ eine Höchstgeschwindigkeit von 249 km/h. Gleichwohl fordert Pro Bahn Schweiz dass die Paradeverbindungen der 90er Jahre ohne Umsteigen nach Rom, Genua oder Venedig wieder angeboten werden. Erst auf diese Weise wird das Reisen in den Süden wieder chic und fein – so wie das vor 1990 der Fall war.

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Autor: Redaktion

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2 Gedanken zu „Rollmaterial-Beschaffung Nord-Süd-Verkehr: SBB vergibt Auftrag für 29 neue Züge an Stadler Rail“

  1. Heißt das mit den Worten von Alstom etwa, die
    Einheimischen Beschaffungsinstanzen sind nicht kompetent genug, um regulär zu
    entscheiden was für die SBB der einzig richtige, neu zu beschaffende Zug ist,
    welcher zudem ohne Französische Unterstützung ausschließlich nur mit Schweizer
    Geldern finanziert wird.?

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