öV-Branche einigt sich mit dem Preisüberwacher: Tariferhöhung um durchschnittlich 2,3 Prozent

Gut drei Monate nach der Bekanntgabe der Tariferhöhungen im öffentlichen Verkehr der Schweiz per Dezember 2014 hat der Preisüberwacher die neuen Preise zu einem grossen Teil gutgeheissen. Die heutigen Preise der Halbtax-Abonnemente sowie der 9-Uhr-Karte zum Halbtax-Abo bleiben bestehen, womit die Tariferhöhung über alle Billette und Abonnemente durchschnittlich 2,3 Prozent beträgt. Zudem werden auf 50 beliebten Bahnstrecken zusätzlich zu den bestehenden Sparbilletten weitere rabattierte Fahrausweise angeboten. Schliesslich wird die öV-Branche neue attraktive Angebote für die schwächer frequentierten Tageszeiten testen, darunter ein Generalabonnement für den Abend.

Verband öffentlicher Verkehr / Pro Bahn Schweiz
VoeV-SwissPassGut drei Monate nach der Bekanntgabe der Tariferhöhungen im öffentlichen Verkehr der Schweiz per Dezember 2014 hat der Preisüberwacher die neuen Preise zu einem grossen Teil gutgeheissen. Die heutigen Preise der Halbtax-Abonnemente sowie der 9-Uhr-Karte zum Halbtax-Abo bleiben bestehen, womit die Tariferhöhung über alle Billette und Abonnemente durchschnittlich 2,3 Prozent beträgt. Zudem werden auf 50 beliebten Bahnstrecken zusätzlich zu den bestehenden Sparbilletten weitere rabattierte Fahrausweise angeboten. Schliesslich wird die öV-Branche neue attraktive Angebote für die schwächer frequentierten Tageszeiten testen, darunter ein Generalabonnement für den Abend.

Die Tarife im öffentlichen Verkehr werden per 14. Dezember 2014 definitiv um durchschnittlich2,3 Prozent erhöht. Halbtax und 9-Uhr-Karte zum Halbtax-Abo bleiben auf dem heutigen Preis­niveau. Dies haben die Verhandlungen zwischen der öV-Branche unter der Federführung des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) und dem eidgenössischen Preisüberwacher Stefan Meier­hans ergeben, die mit einer einvernehmlichen Regelung abgeschlossen wurden. Der VöV hatte Anfang Mai lineare Tariferhöhungen von 2,9 Prozent über das gesamte Sortiment bekannt­gegeben, um die vom Bundesamt für Verkehr (BAV) für 2015 prognostizierte Deckungslücke im regionalen Personenverkehr von 90 Millionen Franken zumindest teilweise zu decken sowie notwendige Investitionen im Fernverkehr zu finanzieren. VöV-Direktor Ueli Stückelberger: «Ich bin sehr froh, dass der Preisüberwacher den Bedarf für Preisanpassungen grundsätzlich anerkennt.»

Test für ein Abend-GA plus weitere Sparbillette
Gemeinsames Ziel von Preisüberwacher und VöV ist eine weiter verbesserte Auslastung der Züge und Busse in der Nebenverkehrszeit sowie die Gewinnung von neuen Kundinnen und Kunden im Freizeitverkehr. Aus diesem Grund haben die beiden Seiten in der Anfang Woche unterzeichneten einvernehmlichen Regelung festgehalten, 2015 im Rahmen eines Pilotprojekts ein Generalabonnement für den Abend zu testen. Der genaue Preis und der Zeitpunkt des Pilotversuchs werden von der öV-Branche festgelegt. Das Abend-GA (Arbeitstitel) soll von Montag bis Sonntag ab 19.00 Uhr bis Betriebsschluss wie ein normales GA gültig sein. Ausserdem wird neu für 50 Relationen zwischen vielen Städten ein grosses Kontingent von stark vergünstigten Billetten angeboten.

Die Vereinbarung zwischen dem Preisüberwacher und dem VöV regelt auch den Rahmen allfälliger Tarifmassnahmen für die Jahre 2015 und 2016. Um den ausgewiesenen Mehrbedarf beim Netzunterhalt zu decken, hatte der Bundesrat beschlossen, die Trassengebühren für die Benützung der Schienen schrittweise zu erhöhen.

Ende 2016 erfolgt voraussichtlich die nächste Erhöhung der Trassengebühren um 100 Millionen Franken. Dies wird eine Erhöhung der Tarife nach sich ziehen, die vom Preisüberwacher in diesem Umfang akzeptiert wird. Wie und wann sich diese Mehrkosten auf die Billettpreise auswirken, entscheidet die öV-Branche später.

Der Preis von 175 Franken für das einjährige Halbtax bleibt bis zur Einführung des SwissPass (öV-Karte) Mitte 2015 unverändert. Mit Einführung des SwissPass kostet das Halbtax-Abo bei einer nahtlosen Erneuerung sowie im ersten Jahr für Neukunden 165 Franken, danach kostet es für Neukunden 185 Franken. Aufgrund der Prozesse wird das Halbtax-Abo ab Einführung SwissPass nur noch mit einjähriger Laufzeit angeboten. Das Abonnement verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es die Kundin oder der Kunde nicht kündigt. Auf dem SwissPass werden GA und Halbtax-Abo sowie schritt­weise weitere Fahrausweise und nützliche Dienstleistungen entlang der Reisekette integriert.

Die öV-Kundinnen und -Kunden erhalten für die Tariferhöhungen einen guten Gegenwert: Sie profitieren von mehr Verbindungen und einem ständig verbesserten Angebot (aktuell zum Beispiel Durchmesserlinie Zürich, S-Bahn St. Gallen, regionaler Personenverkehr in der Romandie, geplanter Ausbau des PostAuto-Angebots in der Region Avenches und Payerne), komfortablerem Rollmaterial sowie besserer Kundeninformation.


Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
Süss-saures bei den Bahntarifen

Der Preisüberwacher hat das Ausmass der Tariferhöhungen im öffentlichen Verkehr um einen Viertel von 2,9 auf 2,3 % reduziert. Halbtaxabonnemente sowie die 9-Uhr Generalabonnemente sollen weiterhin zum gleichen Preis wie bisher verkauft werden. Alle übrigen Preiskategorien erfahren aber die im Mai verkündete Preiserhöhung. Damit wird die bittere Pille der Tariferhöhung ein wenig versüsst. Für Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs hält sich die Begeisterung in engen Grenzen.

Zuckerguss und Salzstreuer
Stellt die getroffene Vereinbarung im übertragenen Sinne Zuckerguss dar, muss doch die Ankündigung künftiger Preissteigerungen als rezent oder versalzen bezeichnet werden. Der Bezug für Halbtaxabonnemente für Neukunden kostet neu ab 2016 185 anstatt wie heute 175 Franken, bei bestehenden Kundinnen und Kunden hält sich der Aufschlag in moderaterem Rahmen. Die bestehende Rabattierung wird dannzumal aufgehoben und der Einstiegpreis zur Bahn in einem Masse erhöht, das sich als Hindernis herausstellen kann.

Gerade die Ankündigung des guten Gegenwerts für Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs hat einen bitteren Nachgeschmack: SBB-Fernverkehrsstrecken wie Zürich – Chur oder Wil – Chur, Zürich – Schaffhausen oder Palézieux – Genève werden mit  RegioExpress -Zügen mit Nahverkehrskomfort, ohne Zugsbegleitung und Reservationsmöglichkeiten für Schulen und Gruppen und zu wenig Toiletten bedient. Der Preis ist aber gleich hoch wie in einem Fernverkehrszug. Wo da der gute Gegenwert bleiben soll, wird kritisch hinterfragt. Uebrigens: Bei BLS, RhB oder SOB trifft diese Feststellung nicht zu. Ihre  RegioExpress -Züge sind komfortabler und haben Zugsbegleitung.

Versäumnisse nicht Kundinnen und Kunden ausbaden lassen
Gebetsmühlenartig wird Erhalt und Unterhalt der Infrastruktur immer wieder als Begründung für Preiserhöhungen hervorgeholt. Bei dieser Gelegenheit sei in Erinnerung gerufen, dass allfällige Versäumnisse nicht den Bahnunternehmen angelastet werden dürfen. Wenn aber – wie in den letzten 10 – 15 Jahren – praktisch bei jeder Budgetdebatte in den eidgenössischen Räten auch das Departement für Umwelt und Verkehr (UVEK) seinen Beitrag an die Budgetreduktion zu leisten hatte, darf man sich jetzt nicht wundern, wenn damals Erhaltungsarbeiten hinausgeschoben werden mussten und jetzt Nachholbedarf besteht. Die Mehrheit des eidgenössischen Parlaments hat damals gespart – um jeden Preis. Es ist deshalb nicht fair, nur den Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs diesen Preis anzulasten.

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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