Anschlussgleis als Wirtschaftsfaktor – Noch mehr Regulation auf Schiene führt zu mehr Güterverkehr auf Strasse

Über 100 Vertreter der verladenden Wirtschaft und der Logistik, der Politik und der Behörden aus der Schweiz und Europa liessen sich am Mittwoch in Zürich von hochkarätigen Referenten am Forum des Verbandes der verladenden Wirtschaft VAP über aktuelle Fragen des Güterverkehrs auf der Schiene informieren und diskutierten Szenarien und Massnahmen zu dessen Entwicklung. Dabei ist klar ersichtlich geworden, dass sich die Unternehmungen der verladenden Wirtschaft und Logistik, die eigentlichen Akteure im Güterverkehr auf Strasse und Schiene, mit Blick auf den noch sicheren Bahngüterverkehr über Anschlussgleise mit ergänzten Prozessen und Dokumentationen organisieren, was unter anderem die Kosten erhöht und den Modal-Split Schiene : Strasse beeinflusst.

VAP Verband der verladenden Wirtschaft
Über 100 Vertreter der verladenden Wirtschaft und der Logistik, der Politik und der Behörden aus der Schweiz und Europa liessen sich am Mittwoch in Zürich von hochkarätigen Referenten am Forum des Verbandes der verladenden Wirtschaft VAP über aktuelle Fragen des Güterverkehrs auf der Schiene informieren und diskutierten Szenarien und Massnahmen zu dessen Entwicklung. Dabei ist klar ersichtlich geworden, dass sich die Unternehmungen der verladenden Wirtschaft und Logistik, die eigentlichen Akteure im Güterverkehr auf Strasse und Schiene, mit Blick auf den noch sicheren Bahngüterverkehr über Anschlussgleise mit ergänzten Prozessen und Dokumentationen organisieren, was unter anderem die Kosten erhöht und den Modal-Split Schiene : Strasse beeinflusst.

Der Gütertransport auf der Schiene wird auch in Zukunft sicherster Verkehrsträger bleiben. Dieses Fazit zieht das Bundesamt für Verkehr BAV am VAP Forum. Jérôme Hunziker, Sektion Zulassung und Regelwerke, informierte die Vertreter der verladenden Wirtschaft und der Logistik, von denen alle nebst Lastwagen auch über Anschlussgleise verfügen, über die konkreten Auswirkungen der Bahnreform 2.2. Auf die eigentliche Sicherheitsüberwachung des Gütertransportes auf der Schiene kam Yves Lambelet von der Sektion Sicherheitsüberwachung im Bundesamt für Verkehr BAV zu sprechen. Mit festgelegten Meldesystemen trage der Gleisanschliesser wesentlich zur Sicherheit der Schienentransporte bei. Mittels Stichproben und Audits kontrolliere das BAV ob die notwendigen Verträge und Betriebsvorschriften gültig und aktuell sind, die Anlagen und Fahrzeuge ordnungsgemäss instand gehalten werden, das mit sicherheitsrelevanten Aufgaben betraute Personal ausgebildet ist und die Vorschriften über den Transport gefährlicher Güter eingehalten werden. Die Kontrolle eines ganzen Güterzuges dauere ca. 30 – 45 Minuten. Im letzten Jahr seien 347 Güterzüge bzw. 5988 Wagen kontrolliert worden. Anhand von Fallbeispielen von Unfällen und Betriebsstörungen diskutierten die Unternehmensvertreter mit der Aufsichtsbehörde allfällige Vorbeugemassnahmen.

Das Anschlussgleis ist ein Wirtschaftsfaktor. Dies ging am VAP Forum aus den Referaten der Betreiber von Anschlussgleisen hervor, wie dem von Hubert Meier, Leiter Bahnlogistik & Terminals, Holcim (Schweiz) AG. Allein bei Holcim stünden 850 vierachsige Bahnwagen im Einsatz. Mitarbeiter, welche Bahnwagen verschieben, besuchten regelmässig Fortbildungen, bestünden Prüfungen und liessen sich medizinisch untersuchen. Die Eisenbahn als Transportmittel von Gütern verliere indessen laufend an Attraktivität, unterstrich Meier deutlich. Noch vor 10 Jahren habe ein Bahnwagen ab 40 Km Distanz rentiert, heute erst ab 60 Km. Langfristige Investitionen hätten kaum eine Chance, realisiert zu werden. Das Bediennetz werde abgebaut, womit die Bedienqualität von 2x pro Tag auf 1x pro Tag und schliesslich auf 1x pro Woche zurückgefahren wurde. Die Regulation nehme laufend zu. Dies alles führe zu mehr Güterverkehr auf der Strasse.

Dass Anschlussgleis ein eigentlicher Wirtschaftsfaktor ist, ging auch aus den Ausführungen von Peter Höcht, CABB AG, Pratteln, hervor. Mitglieder dieses Konsortiums sind Unternehmungen, die im Industriegebiet Schweizerhalle angesiedelt sind und auch Bahnanschluss haben. Auch von Seiten dieses Betreibers von Anschlussgleisen wurde die Zusammenarbeit mit dem BAV als Aufsichtsbehörde gelobt. Es unterstütze den Anschliesser konstruktiv in der Wahrnehmung seiner Sicherheitsverantwortung, sei kooperativ und arbeite zielorientiert. Weitere Referate am VAP Forum galten dem Sicherheitsmanagement und Änderungen bei den Fahrdienstvorschriften (Peter Lüthi, Sektion Bahnbetrieb im BAV) sowie der Signalisierung und Sanierung von Bahnübergangen (Daniel Jenzer, Arbeitsgruppe Sanierung Bahnübergange im BAV).

Über die „Hausordnung für meine Gäste“, welche sich namentlich mit der Frage befasste, weshalb Betriebsvorschriften des Anschlussgleisbetreibers für die ihn bedienenden Eisenbahnunternehmen notwendig sind, sprach am VAP Forum Markus Vaerst, Technik – Regulation im VAP. Die Verbindung zur aktuellen Verkehrspolitik stellte der Generalsekretär des VAP, Frank Furrer, mit seinen Ausführungen zur Revision des Gütertransportgesetzes her. Dieses wird derzeit von der Verkehrskommission des Nationalrates und im Plenum des Nationalrates voraussichtlich in der kommenden Wintersession beraten. Das vom Bundesrat vorgeschlagene revidierte Gütertransportgesetz enthalte positive Elemente wie Eigenwirtschaftlichkeit statt Betriebssubventionen, abstimmte Angebotskonzepte Güter-/Personenverkehr, Verlässlichkeit durch Netznutzungskonzept/-plan sowie Investitionshilfen im Systembruch Strasse/Schiene/Wasser. Allerdings müssten noch einige Verbesserungen in das Gesetz eingebaut werden, damit es den Güterverkehr auf der Schiene wieder zum Erfolg führen könne, hielt Furrer deutlich fest. Dazu gehörten die Sicherung von Logistikstandorten, ein Masterplan multimodale Logistik, die Reduktion des Trassenpreises für den Güterverkehr, die marktorientierte Ausrichtung der Güterbahnen (z.B. mehr unternehmerische unternehmerische Freiheit für SBB Cargo) und die Angleichung der Marktbedingungen für Güterbahnen an die der Logistikbranche.

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Autor: Redaktion

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