Risikovorsorge bei Chlortransporten: Gemeinsames Projekt gestartet

Verwaltung und Wirtschaft wollen die Risiken beim Transport von Chlor auf der Schiene unter Kontrolle behalten. Sie haben unter der Leitung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) ein entsprechendes Projekt gestartet. Bis Ende Jahr sollen geeignete, vorsorgliche Massnahmen untersucht und ausgewertet sein. Danach soll deren Umsetzung festgelegt werden, um auch in Zukunft untragbare Risiken zu vermeiden.

erstellt am 14. Januar 2015 @ 11:09 Uhr
Bundesamt für Umwelt BAFU
Verwaltung und Wirtschaft wollen die Risiken beim Transport von Chlor auf der Schiene unter Kontrolle behalten. Sie haben unter der Leitung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) ein entsprechendes Projekt gestartet. Bis Ende Jahr sollen geeignete, vorsorgliche Massnahmen untersucht und ausgewertet sein. Danach soll deren Umsetzung festgelegt werden, um auch in Zukunft untragbare Risiken zu vermeiden.

Unter der Federführung des BAFU und unter Einbezug der betroffenen Kantone (Genf, Waadt, Wallis und Basel) haben die am Transport von Chlor auf der Schiene beteiligten Organisationen (die Schweizerischen Bundesbahnen SBB Cargo, der Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech (scienceindustries), die Kesselwagenhalter (VAP) und das Bundesamt für Verkehr (BAV)) an einem Informationsaustausch im September 2014 die Situation zu den Chlortransporten am Genferseebogen analysiert. Sie kamen zum Schluss, dass infolge der vorgesehenen Siedlungsentwicklung und -verdichtung in den Agglomerationen Genf und Lausanne-Morges in 10 bis 20 Jahren die heute akzeptablen Risiken untragbar werden könnten; dies selbst dann, wenn man von einem unveränderten Umfang der Transporte ausgeht.

Gemeinsam beschlossen die Vertreter und Vertreterinnen von Wirtschaft und Verwaltung gestern, bis Ende 2015 folgende Optionen vertieft zu untersuchen:

  • Raumplanerische und bauliche Massnahmen zum besseren Schutz betroffener Gebiete oder Bauten;
  • Beschränkung und Steuerung der Chlortransporte sowie weitere Verbesserungen an den Bahnkesselwagen;
  • Produktion des Chlors am Ort des Verbrauchs und Beschaffung über andere Transportwege.

Um die Risiken in den dicht besiedelten Räumen Genf und Lausanne kurzfristig zu reduzieren, wird die SBB in Abstimmung mit ihren Partnern in der Transportkette per Fahrplanwechsel 2015 den Rangierbahnhof Genf La Praille mit Chlorzügen umfahren und die Maximalgeschwindigkeit von Zügen mit Chlor in den Knoten Genf und Renens-Lausanne auf 40 km/h reduzieren.

Grundlage der Zusammenarbeit ist die Störfallverordnung und die gemeinsam entwickelte Methodik für die Abschätzung der Risiken infolge der Gefahrguttransporte (sogenanntes Screening). Mit deren Hilfe erstellt das Bundesamt für Verkehr regelmässig eine Risikoübersicht (letztmals im Screeningbericht 2011). Die Methodik wurde bereits 2002 verwendet, um die Risiken infolge der Chlortransporte abzuschätzen. Mit gezielten Massnahmen wie z.B. verbesserten Bahnkesselwagen und deren Ausrüstung mit Entgleisungsdetektoren wurden die Risiken als Reaktion auf die Ergebnisse des Berichtes auf ein tragbares Mass gesenkt.

Mit dieser Methodik können auch die Folgen von neuen Entwicklungen abgeschätzt werden, was auch für die Bahnlinie entlang des Genfersees gemacht wurde. Die Szenarien zur Siedlungsentwicklung gemäss den kantonalen Agglomerationsprogrammen am Genferseebogen führen zu einem Anstieg der Risiken. Je nachdem wie stark die Verdichtung der Siedlungen mit Arbeitsplätzen und Wohnraum zunimmt, ist damit zu rechnen, dass in 10 bis 20 Jahren einzelne oder mehrere Streckenabschnitte entlang der Transportroute von Frankreich ins Wallis untragbare Risiken ausweisen. Verwaltung und Wirtschaft wollen dem gemeinsam und vorausschauend entgegenwirken und geeignete Massnahmen ergreifen.

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Autor: Redaktion

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