Durchmesserlinie Zürich: Generationenbauwerk feierlich eröffnet – Seit 15. Juni rollt der Zugverkehr durch die Durchmesserlinie

Von Donnerstag, 12. Juni, bis Sonntag, 15. Juni 2014, feierten die SBB und der Zürcher Verkehrsverbund ZVV die Eröffnung der Durchmesserlinie: Seit Sonntag fahren die ersten S-Bahn-Züge durch den neuen Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel. Die Fahrgäste profitieren von kürzeren Reisezeiten, zusätzlichen Verbindungen und mehr Sitzplätzen. Im Dezember 2015 wird der zweite Teil der Durchmesserlinie für den Fernverkehr eröffnet.

erstellt am 12. Juni 2014 @ 15:04 Uhr
SBB CFF FFS / ZVV / UVEK / Stadt Zürich / Sandro Hartmeier
Durchmesserlinie Zuerich Generationenbauwerk feierlich eroeffnetVon Donnerstag, 12. Juni, bis Sonntag, 15. Juni 2014, feierten die SBB und der Zürcher Verkehrsverbund ZVV die Eröffnung der Durchmesserlinie: Seit Sonntag fahren die ersten S-Bahn-Züge durch den neuen Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel. Die Fahrgäste profitieren von kürzeren Reisezeiten, zusätzlichen Verbindungen und mehr Sitzplätzen. Im Dezember 2015 wird der zweite Teil der Durchmesserlinie für den Fernverkehr eröffnet.

Die Durchmesserlinie in Zürich, eines der grössten Bauwerke im Bahnsystem Schweiz, wurde am 15 Juni 2014, nach sieben Jahren Bauzeit, pünktlich und unter Einhaltung der Kostenvorgaben in Betrieb genommen. Zum Start der Eröffnungsfeierlichkeiten waren am 12. Juni 2014 Gäste aus Politik und Wirtschaft im neuen Bahnhof Löwenstrasse anwesend. Bundesrätin Doris Leuthard, der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und SBB CEO Andreas Meyer weihten den neuen Bahnhof Löwenstrasse und den Weinbergtunnel feierlich ein.

Seit Sonntag verkehren die Linien  S2  S8  und  S14  der Zürcher S-Bahn durch das neue Bauwerk zwischen Zürich HB und Zürich Oerlikon. Es ist der Start zum grössten Angebotsausbau in der Geschichte der Zürcher S-Bahn. In den nächsten Jahren erweitern der ZVV und die SBB das S-Bahn-Angebot um rund einen Viertel. Nach und nach strahlt der Nutzen dieses Generationenprojekts auch ins ganze Land aus. Nach der Fertigstellung der Letzigraben- und der Kohlendreieckbrücke rollt auf den Fahrplanwechsel ab Dezember 2015 auch der Fernverkehr über die Durchmesserlinie. Auf der stark ausgelasteten West-Ost-Achse kann die SBB das Angebot weiter ausbauen. Die Kundinnen und Kunden profitieren von mehr Verbindungen und Sitzplätzen sowie kürzeren Fahrtzeiten von rund 6 Minuten. Ab diesem Zeitpunkt verkehren im Bahnhof Löwenstrasse pro Tag insgesamt 460 Züge, davon 140 Fernverkehrszüge und 320 S-Bahnen. Der Hauptbahnhof Zürich hat nun genügend Kapazität, um die prognostizierte Zunahme des öffentlichen Verkehrs auf absehbare Zeit bewältigen zu können.

Kundenorientiertes Dienstleistungszentrum und kürzere Umsteigewege
Der neue Bahnhof Löwenstrasse ist wegweisend für ein kundenorientiertes Dienstleistungszentrum: Insgesamt 45 neue Geschäfte öffneten im Bahnhof Löwenstrasse am Samstag, 14. Juni ihre Türen. Das bedeutet 17 Prozent zusätzliche Verkaufsflächen im Hauptbahnhof Zürich. Die neuen Gleise des Bahnhofs Löwenstrasse haben die Nummern 31 bis 34 erhalten. Durch die zentrale Lage schaffen sie deutlich kürzere Wege für Umsteigepassagiere im Hauptbahnhof Zürich. Gleichzeitig mit der Eröffnung der Durchmesserlinie wurde der provisorische Bahnhof Sihlpost mit den Gleisen 51 bis 54 ausser Betrieb genommen, er wird rückgebaut und danach das Gelände mit Gebäuden der Europaallee überbaut.

Fotos vom Bahnhof Sihlpost am 30. Juni 2014 von André Knoerr, Genève [© flickr, Fototak]
2014-06-30, CFF, Zürich HB
2014-06-30, CFF, Zürich HB

Erste Etappe des Generationenprojekts in Betrieb
An der insgesamt 9,6 Kilometer langen Strecke mitten durch die Stadt Zürich wurde sieben Jahre unter laufendem Bahnbetrieb gebaut. Nebst den Brückenbauwerken dauern auch die Arbeiten am Ausbau des Bahnhofs Oerlikon bis Herbst 2016 an. Der Aufgang zur Europaallee aus der Passage Sihlquai wird bis Mitte 2017 fertiggestellt. Die Durchmesserlinie ist die grösste innerstädtische Baustelle der Schweiz. Allein für den Bahnhof Löwenstrasse wurden 350 000 Kubikmeter Ausbruchmaterial ausgehöhlt und 150 Tausend Kubikmeter Beton verbaut. Insgesamt waren maximal 1000 Personen gleichzeitig am Bau der Durchmesserlinie beteiligt. Die Planungsphase begann vor zwölf Jahren, nachdem die Zürcher Stimmbevölkerung 2001 den kantonalen Kredit mit über 80 Prozent Ja-Stimmen angenommen hatte. Die Kosten für die Durchmesserlinie belaufen sich insgesamt auf 2.031 Milliarden Franken und werden zu rund einem Drittel vom Kanton Zürich und zu rund zwei Dritteln vom Bund getragen.

Zitate der Referierenden
Doris Leuthard, Bundesrätin:

«Was für Zürich gut ist, ist gut für das ganze Land. Die neue Durchmesserlinie ist der Beweis dafür, dass wir in der Schweiz die Bahnzukunft handfest anpacken und Projekte im Verbund Bund-Kanton-Bahnunternehmen erfolgreich sind. Der Tiefbahnhof zeigt, dass man – raumplanerisch sinnvoll – nicht nur Prime-Tower-mässig in die Höhe, sondern auch in die Tiefe bauen kann.»

Ernst Stocker, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zürich

«Die Durchmesserlinie ist ein Meilenstein für den öffentlichen Verkehr in und um Zürich. Zahlreiche Personen, Ämter, Gremien und Gemeinwesen haben über die Jahre einen Beitrag an die Durchmesserlinie geleistet, so dass wir heute einen Grund zum Feiern haben. Sie ist ein vorbildliches Gemeinschaftsprojekt.»

Andreas Meyer, CEO SBB AG

«Die Inbetriebnahme der Durchmesserlinie ist wegweisend für unsere Kundinnen und Kunden, welche von kürzeren Fahrzeiten, mehr Komfort und zusätzlichen Verbindungen profitieren können. Wir sind stolz auf dieses Zweimilliardenprojekt, das als Meisterwerk bezeichnet werden kann. »

Corine Mauch, Stadtpräsidentin Zürich

«Der ausserordentlich leistungsfähige öffentlicher Verkehr in Zürich gehört den absolut wichtigsten Standortvorteilen der ganzen Region. Wenn wir heute einen neuen Bahnhof unter dem Bahnhof eröffnen, dann sichern wir damit den Erfolg des öffentlichen Verkehrs im Grossraum Zürich in der Zukunft.»

Erste fahrplanmässige Züge fahren über die Durchmesserlinie

Am frühen Samstagmorgen wurde der Bahnhof Löwenstrasse dem Verkehr übergeben. Zum Start des S-Bahnverkehrs und der ersten Fahrt eines regulären Zuges durch den Weinbergtunnel erschienen kurz nach 5 Uhr am Morgen Andreas Meier, SBB CEO,  Roland Kobel, Gesamtprojektleiter Durchmesserlinie, Werner Schurter, Leiter SBB Regionalverkehr Zürich und weitere Exponenten, sowie zahlreiche Medienschaffende.

Der erste reguläre Personenzug verkehrte um 5:08 Uhr ab dem Bahnhof Löwenstrasse, es war die  S8  18817 Zürich HB – Pfäffikon SZ, geführt mit dem SBB DTZ RABe 514 058. Die erste fahrplanmässige Fahrt durch den Weinbergtunnel nach Oerlikon erfolgte um 5:21 Uhr mit der  S  18008 Ziegelbrücke – Zürich Flughafen – Bassersdorf, geführt mit dem SBB DPZ mit der Re 450 033 „Thalheim“. Dieser Zug war trotz frühem Morgen doch beachtlich ausgelastet, viele Reisende hatten den Flughafen als Ziel.

Kurz vor Einfahrt des Zuges Richtung Oerlikon hielt Andreas Meier eine kurze Ansprache auf dem Perron und begrüsste mehrere Reisende persönlich. Zudem wurde der erste Zug durch den Weinbergtunnel auch über Lautsprecher angekündigt, mit dem Schlusssatz „Wir wünschen eine angenehme Reise“.

Der Fahrplanwechsel in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni und der Start mit Pendlerverkehr am Morgen des 16. Juni verliefen reibungslos.

Weinbergtunnel in den Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. Der Bahnverkehr durch den neuen Bahnhofteil funktionierte auch zur Hauptverkehrszeit am Montagmorgen reibungslos. Im Hauptbahnhof Zürich war über ein Dutzend Kundenlenker im Einsatz, auch in den kommenden Tagen wird die SBB die Pendler im Hauptbahnhof Zürich informieren und unterstützen.

In der ersten Betriebswoche überprüft die SBB die Verständlichkeit der installierten Beschilderung im Bahnhof Löwenstrasse und im Hauptbahnhof. Mittels speziellen Brillen mit Videoaufzeichnung wird der Blickverlauf der Testpersonen bei der Suche nach einem vorgegebenen Ziel aufgezeichnet. Die Tests sollen allfällige Unsicherheiten der Kunden bei der Wegführung aufzeigen.

Im Verlauf des Sonntagvormittags gab es, wie von der SBB erwartet, einzig Probleme mit aufgewirbeltem Baustaub im Weinbergtunnel. Dieser machte sich im Bahnhof Löwenstrasse und in den mit Lüftungen ausgerüsteten DPZ-Einheiten deutlich bemerkbar. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass mit der Betriebsaufnahme nun eine grosse Anzahl Züge mit 120 km/h durch den Tunnel fahren und nicht wie bei den früheren Fahrten meist mit höchsten 40 km/h. Zur Kontrolle und um den Staub mit Wasser zu binden wurde ein Lösch- und Rettungszug aufgeboten und die Rauchabzuganlage auf Hochtouren laufen gelassen. Weitere Reinigungen finden bei Bedarf statt. Auf den Zugverkehr hatte der Staub keine Auswirkungen. Aufgefallen sind am Sonntagmorgen auch noch einige DPZ, bei welchen die Zugzielanzeigen teilweise keine Liniennummer oder keine Unterwegshalte anzeigten, inzwischen scheint dies aber nicht mehr der Fall zu sein.

Grosses Eröffnungsfest am Samstag

Am Samstag, 14. Juni 2014 konnten bei einem grossen Fest im Hauptbahnhof Zürich alle Interessierten den neuen Bahnhof Löwenstrasse mit seinen 45 neuen Einkaufsgeschäften erkunden. Mit dem so genannten «Tunnelturbo» konnte das Publikum noch vor der offiziellen Eröffnung im 30-Minuten-Takt durch den neuen Weinbergtunnel nach Oerlikon und wieder zurück zum Bahnhof Löwenstrasse fahren.

Zudem waren im neuen Bahnhof alles drei Zuggenerationen des S-Bahn-Kernnetzes ausgestellt – ein Dosto RV, ein DTZ und ein DPZ+. Der erst vor wenigen Tagen vom Hersteller in die Schweiz gelieferte SBB Lösch- und Rettungszug „LRZ 14“ war ebenso ausgestellt und konnte besichtigt werden. Er trägt das Wappen „Uri“ und wird in Erstfeld stationiert und auch für Einsätze im künftigen Gotthard-Basistunnel verwendet werden. Schliesslich war auch noch der Schul- und Erlebniszug vertetten.

In der Haupthalle führten die beiden SRF-Moderatoren Nadja Zimmermann und Nik Hartmann durch den Anlass. Protagonisten des Baus der Durchmesserlinie erzählten spannende Geschichten und das SBB Blasorchester setzte den musikalischen Rahmen. Am Stand des Zürcher Verkehrsverbunds ZVV konnte das Publikum an einer überdimensionalen Kügelibahn die schnellste Verbindung zwischen Oerlikon und Hauptbahnhof suchen. Zudem hatte es für die Kleinen eine Kinderecke.

Die SBB verzeichnete am vergangenen Samstag rund 200 000 Besucherinnen und Besucher am Eröffnungsfest, 10 000 Personen nutzten die Möglichkeit für eine Fahrt mit dem «Tunnelturbo» durch den neuen Weinbergtunnel – die Fahrten waren restlos ausgebucht. Auch der Anwohneranlass am Freitag stiess auf reges Interesse.

//

//

//

//

//

//

//

//

//

//

//

//

Siehe auch

 

Weblinks

Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

10 Gedanken zu „Durchmesserlinie Zürich: Generationenbauwerk feierlich eröffnet – Seit 15. Juni rollt der Zugverkehr durch die Durchmesserlinie“

  1. Völlig unverständlich, warum die 4 bestehenden Gleise im Provisorium aufgehoben, statt vernünftiger Weise voll ausgebaut werden. Bekanntlich nimmt die Einwohnerzahl weiterhin zu. Darum ist wohl anzunehmen dass auch die Zahl der Bahnreisenden weiter anwachsen demzufolge auch die Zugs Frequenzen, weswegen für die SBB früher oder später eine neue Notlage, sprich Geleisemangel entstehen wird.

    1. Gemäss Aussagen von gestern sollen die Gleise, wie sie ab Sonntag zur Verfügung stehen, für die nächsten 30 Jahre reichen.

      Frei zitiert:

      „Weitere Ausbauten müssten dann ohnehin mit einem weiteren Tunnelbauwerk erfolgen.“

      Im Bereich der Gleise 51-54 wird in den nächsten Jahren ein weiteres Gebäude der Europaallee entstehen.

          1. Oftmals bekommt man als Laie eben den Eindruck dass sich die SBB, wegen mangelnder Weitsicht selber in solche Zwangslagen versetzen so wie das, was sich schon seit einiger Zeit im Raum um Effretikon abzeichnet, was im entfernten auch mit der DML in einem Zusammenhang steht. Das Beispiel, die Überwerfung Hürlistein wurde bevorzugt, hinterher musste man aber feststellen, dass der Bau des Brüttener Tunnels unumgänglich ist, wegen der Verschleppung logischer weise auch um einiges Teurer wird.

          2. Alles klar solche und ähnliche Beschlüsse welche von Politikern ausgehen, die oftmals andere Interessen vertreten als die Bahnreisenden welche für die erwähnten Beispiele gleich 2mal und das, als Steuernzahler Bahnreisender zur Kasse gebeten werden. Ergo auch als Politiker kann man nicht ohne Folgen, gleichzeitig, auf zwei Hochzeiten tanzen.

          3. Das unüberlegte Verbauen vorhandener Geleiseflächen scheint mir für die SBB fast schon Typisch zu sein, so wie sie selber Engpässe provoziert. Was im Nachhinein nur noch mit einer massiven Unterstützungen durch Steuergelder aus zu bügeln ist. Es wäre darum der
            Immobilienhändlerin SBB zu raten sich weitsichtiger, wieder ihrem Stammgeschäft zu widmen. Ein Beispiel, die Überwerfung Hürlistein, der Wiedereinbau des dritten Gleises Effretikon – Winterthur; sowie im nachhinein auch noch der zusätzliche Brüttener Tunnel.

          4. Hier ist es noch so, dass das Gelände wo der Flügelbahnhof jetzt darauf steht nach Fertigstellung aller Gebäude der Europaallee in das Eigentum der Stadt Zürich übergehen wird. Bleiben wird im Bereich des Flügelbahnhofes ein überdachter Abgang in die Unterführung Sihlquai.

Schreibe einen Kommentar