Einweihung Bahnlinie FMV zwischen Mendrisio und Stabio: Neue TILO-Linien S40/S50 seit Dezember 2014

Am Nachmittag des 26. November 2014 weihten Vertreter des Kantons Tessin, des Bundes, der SBB und der TILO den Tessiner Teil der neuen Bahnlinie FMV zwischen Mendrisio und Stabio ein. Die SBB hat die Linie zwischen Mendrisio und Stabio termingerecht und unter Einhaltung der geplanten Kosten fertiggestellt. Bis die FMV auch auf der italienischen Seite Richtung Varese – Malpensa eröffnet wird, steht den Kunden die neue grenzüberschreitende Verbindung zwischen Albate-Camerlata und Stabio, via Mendrisio, zur Verfügung.

erstellt am 26. November 2014 @ 14:51 Uhr
SBB CFF FFS / TILO / BAV / Republica e Cantone Ticino / Jürg D. Lüthard
Einweihung Bahnlinie FMV Mendrisio StabioAm Nachmittag des 26. November 2014 weihten Vertreter des Kantons Tessin, des Bundes, der SBB und der TILO den Tessiner Teil der neuen Bahnlinie FMV zwischen Mendrisio und Stabio ein. Die SBB hat die Linie zwischen Mendrisio und Stabio termingerecht und unter Einhaltung der geplanten Kosten fertiggestellt. Bis die FMV auch auf der italienischen Seite Richtung Varese – Malpensa eröffnet wird, steht den Kunden die neue grenzüberschreitende Verbindung zwischen Albate-Camerlata und Stabio, via Mendrisio, zur Verfügung.

Ab dem 15. Dezember 2014 wird die neue grenzüberschreitende TILO-Linie  S40  Albate-Camerlata via Mendrisio mit dem neuen Bahnhof Stabio verbinden. Die Züge halten ausserdem in Como S. Giovanni, Chiasso und Balerna. «Wir feiern mit einem lachenden und einem weinenden Auge», äusserte sich Claudio Zali, Vorsteher des Tessiner Baudepartements. Die Verbindung wird in der Hauptverkehrszeit morgens und abends angeboten, ausgenommen sonntags. Ausserdem wird es unter der Bezeichnung  S50  zusätzliche Verbindungen zwischen Stabio und Mendrisio geben, mit Anschluss an die TILO-Regionalzüge in Mendrisio. Der Kanton Tessin verstärkt so das öffentliche Verkehrsangebot im Mendrisiotto, einer Region mit hoher Belastung durch den Privatverkehr. Wie Toni Eder, Vizedirektor des Bundesamts für Verkehr, hervorhob, unterstützte der Bund den Bau dieser neuen Linie im Rahmen der Projekte für den Agglomerationsverkehr finanziell.

Erster Schritt zum Ziel der Kompletteröffnung der FMV und Verbindungen nach Como/Albate
Einweihung Bahnlinie FMV Mendrisio Stabio
«Mit der Eröffnung der neuen Linie  S40 / S50  machen wir den ersten grossen Schritt in Richtung der vollständigen Inbetriebnahme der Ferrovia Mendrisio – Varese», betonte Anna Barbara Remund, Leiterin SBB Regionalverkehr. «Der Regionalverkehr fördert die Entwicklung im Inland und über die Landesgrenzen hinaus und begünstigt die Verlagerung des Verkehrs von der Strasse auf die Schiene.» Das künftige Angebot, das unter anderem mit Bundesbeiträgen finanziert wird, wird auch wieder grenzüberschreitende Verbindungen von/nach Como und Albate-Camerlata umfassen: So wird die Region von Como wieder erschlossen, die für die TILO ein wichtiges Einzugsgebiet darstellt.

Innovative Methoden beim Bau der FMV
Einweihung Bahnlinie FMV Mendrisio Stabio
«Die Eröffnung einer neuen Linie ist immer ein historisches Ereignis. Im Tessin muss man bis ins Jahr 1882 zurückdenken, als der Gotthardtunnel eingeweiht wurde», schaute Philippe Gauderon, Leiter von SBB Infrastruktur und Mitglied der Konzernleitung, in die Vergangenheit. Die SBB hat die Linie zwischen Mendrisio und Stabio termingerecht und unter Einhaltung der geplanten Kosten fertiggestellt. Nun steht noch der Abschluss der Arbeiten auf der italienischen Seite aus. «In einigen Fällen nutzten wir innovative Methoden, so wurden zum Beispiel die 500 Fahrleitungsmasten mithilfe von Helikoptern eingebaut. Auf diese Weise konnten wir die Dauer dieser Arbeiten von einem Monat auf eine Woche reduzieren, was eine Einsparung von 700 000 Franken brachte», erklärte Gauderon.

Beim Bau der FMV galt der Umwelt besonderes Augenmerk. «Wir suchten besonders umweltverträgliche Lösungen. Beispielsweise haben wir die neue Linie grösstenteils auf dem bereits bestehenden Trassee gebaut und eine ganze Reihe von Ausgleichsmassnahmen umgesetzt», so der Leiter von SBB Infrastruktur.

Neues Angebot S40/S50 als Übergangslösung bis zur Eröffnung Richtung Varese (–Malpensa)

Einweihung Bahnlinie FMV Mendrisio Stabio
Auf der neuen grenzüberschreitenden TILO-Linie  S40  verkehren ab dem 15. Dezember 2014 die Züge zwischen Albate-Camerlata, Mendrisio und dem neuen Bahnhof Stabio, mit Halt in Como S. Giovanni, Chiasso und Balerna. Die Verbindung wird in der Hauptverkehrszeit morgens und abends angeboten (Montag bis Samstag, ausgenommen Tessiner Feiertage).

Ebenfalls in Betrieb genommen werden die  S50 -Verbindungen, vorerst zwischen Stabio und Mendrisio, mit Anschluss an die  S10 / RE10  in Mendrisio. Auch verfügbar sind Busverbindungen (Linie 523) zwischen Mendrisio und Stabio.

Die Einweihung dieser Linie ist der erste Schritt hin zur vollständigen Inbetriebnahme der Ferrovia Mendrisio – Varese (FMV). Sobald sie auch auf der italienischen Seite fertiggestellt ist, wird sie Varese mit den wichtigsten Tessiner Städten verbinden und eine Direktverbindung zwischen Lugano und dem Flughafen Mailand-Malpensa sowie zwischen Como und Varese schaffen.

Der Aufwärtstrend in der Entwicklung der S-Bahn im Tessin setzt sich fort. Seit die TILO 2005 den Betrieb aufnahm, hat sich die Nachfrage im Tessiner Regionalverkehr praktisch verdoppelt. Gegenwärtig befördert die TILO im Tessin fast 9 Millionen Fahrgäste.

FMV: Ferrovia Mendrisio – Stabio (– Varese)

Die FMV oder Ferrovia Mendrisio – Stabio (– Varese/Malpensa) ist eine internationale Bahnlinie des regionalen Personenverkehrs zwischen Italien und der Schweiz. Die Strecke führt durch ein von 600 000 Menschen besiedeltes Gebiet und ist Teil der gemeinsamen Regionalplanung des Kantons Tessin und der Region Lombardei. Die neue Verbindung weist eine Gesamtlänge von 17,7 Kilometern auf, wovon 6,5 Kilometer auf schweizerischem Gebiet verlaufen. Sie ver-bindet die Agglomerationen von Bellinzona, Lugano, Chiasso, Como und Varese.

Auf Schweizer Seite wurde im Rahmen des Projekts FMV die bestehende Linie Mendrisio – Stabio (4,5 km) verdoppelt und elektrifiziert sowie eine Doppelspurstrecke zwischen Stabio und der Grenze (2 km) gebaut. Der SBB Bahnhof in Mendrisio wurde modernisiert und mit behindertengerechten Zugängen sowie mit überdachten und erhöhten Perrons ausgestattet. In der Gemeinde Stabio wurde – ebenfalls in Übereinstimmung mit dem Behindertengleichstellungsgesetz – die neue SBB Haltestelle errichtet.

Vorteile für die Kundschaft
Die FMV wird nach ihrer Fertigstellung auf italienischer Seite (zwischen Gaggiolo und Varese) Fahrzeiten von etwa 50 Minuten zwischen Lugano und Varese und von etwa 40 Minuten zwischen Como und Varese ermöglichen. Dank der FMV wird auch der internationale Flughafen von Malpensa bequem erreichbar sein, zum Beispiel von Lugano aus in etwas mehr als 90 Minuten.

Entstehungsgeschichte
Die Idee einer über Stabio führenden Bahnlinie zwischen Mendrisio und Varese wird am Ende der Achtzigerjahre geboren. Von 1994 bis 1996 führen der Kanton Tessin und die Region Lombardei Studien zur technischen Machbarkeit, zu Trasseevarianten, zur voraussichtlichen Nachfrage und zur finanziellen Nachhaltigkeit einer solchen Linie durch. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) zeigt ab 1998 Interesse für das Projekt und fordert eine Überprüfung und Aktualisierung der Verkehrsprognosen. Die Ergebnisse bestätigen die ersten Schätzungen bezüglich der Potenziale der neuen Linie.

Zwischen 2001 und 2004 wird das erste Vorprojekt erstellt, an dem sich neben den beiden Initiatoren auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die italienischen Ferrovie dello Stato (FS) als Auftraggebende beteiligen.

2006 fördert der Bund den Bau der FMV, indem er die Bahnlinie als dringendes Projekt anerkennt und entsprechende Mittel aus dem Infrastrukturfonds bereitstellt.

Finanzierung
Die Investitionskosten für die Realisierung der FMV betragen rund 186 Millionen Franken auf der Schweizer Seite (Preisbasis 07/2008) und rund 230 Millionen Euro in Italien. Auf Schweizer Seite tragen der Bund (Infrastrukturfonds) und der Kanton Tessin diese Kosten zu etwa 40 beziehungsweise 60 Prozent.

Technische Daten

  • Streckenlänge: Die grenzüberschreitende Linie misst insgesamt knapp 17,5 Kilometer. Davon verlaufen 6,5 Kilometer auf schweizerischen Gebiet (Doppelspurausbau der bestehenden Linie: 4,5 Kilometer / neue Linie: 2,0 Kilometer) und 11,058 Kilometer auf italienischem Gebiet (Doppelspurausbau der bestehenden Linie: 4,5 Kilometer / neue Linie: 3,5 Kilometer).
  • Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke beträgt 105 km/h (Stabio Palazzetta 80 km/h). Das maximale Gefälle liegt bei 22 Promille.
  • Die Linie ist für den regionalen Personenverkehr vorgesehen und wird mit FLIRT-Regionalzügen bedient. Der Güterverkehr ist streng auf die lokalen Anforderungen begrenzt.
  • Für den Streckenabschnitt an der Grenze zwischen den beiden Staaten ist die dynamische Transition der Fahrleitung (3kV/15kV) und der Sicherungsanlagen vorgesehen. So können die Regionalzüge durchfahren, ohne für das Setup (Neukonfiguration) der Bordsysteme anhalten zu müssen.
  • Bahnhöfe und Haltestellen: Entlang der FMV werden die Haltestellen Stabio (CH), Gaggiolo (I), Arcisate (I) und Induno-Olona (I) neu gebaut. Hinzu kommen die bereits bestehenden Bahnhöfe Mendrisio (CH) und Varese (I).
  • Beginn der Arbeiten: In der Schweiz wurde die FMV-Baustelle offiziell am 1. Dezember 2008 eingeweiht. Die Arbeiten auf italienischer Seite begannen offiziell am 24. Juli 2009.
  • Inbetriebsetzung: Die Linie Mendrisio – Stabio auf schweizerischem Gebiet ist ab dem 15. Dezember 2014 bereit für den kommerziellen Betrieb.

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