Berner Verkehrstag 2015: Die täglichen Verkehrsspitzen brechen

Die Einsicht, dass es zur Brechung der täglichen Verkehrsspitzen Verhaltensänderungen braucht, wächst. Eine Umfrage an drei Gymnasien in der Region Bern zeigt, dass sich mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine moderate Anpassung der Stundenpläne vorstellen könnte. Auch flexible Arbeitsformen stossen vermehrt auf Akzeptanz. Am diesjährigen Berner Verkehrstag in Bern wurden verschiedene Möglichkeiten zur Reduktion der Verkehrsüberlastung diskutiert.

erstellt am 21. August 2015 @ 16:04 Uhr
Kanton Bern, Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
Berner Verkehrstag 2015Die Einsicht, dass es zur Brechung der täglichen Verkehrsspitzen Verhaltensänderungen braucht, wächst. Eine Umfrage an drei Gymnasien in der Region Bern zeigt, dass sich mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine moderate Anpassung der Stundenpläne vorstellen könnte. Auch flexible Arbeitsformen stossen vermehrt auf Akzeptanz. Am diesjährigen Berner Verkehrstag in Bern wurden verschiedene Möglichkeiten zur Reduktion der Verkehrsüberlastung diskutiert.

Gemäss aktuellen Prognosen wird der öffentlicher Verkehr und der Strassenverkehr bis 2030 um 25 bzw. 55 Prozent zunehmen. Damit dieser Verkehr bewältigt werden kann, muss die Infrastruktur laufend ausgebaut werden. Doch das kostet Geld, was der öffentlichen Hand zunehmend fehlt. Weil ein Grossteil dieses Verkehrs in den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten anfällt, soll er besser über den Tagesverlauf verteilt werden. Mit der Glättung der Verkehrsspitzen könnte die teure Infrastruktur besser ausgenützt werden, stellte Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer am Verkehrstag werden.

Ermutigende Ergebnisse einer Umfrage an Gymnasien
Ein Grossteil der Pendlerinnen und Pendler sind Schülerinnen und Schüler. In einer in diesem Frühjahr an drei Gymnasien in der Region Bern durchgeführte Umfrage, haben zwar 80 Prozent der rund 900 antwortenden Schülerinnen und Schüler eine Präferenz für die heutigen Stundenpläne geäussert. Doch immerhin 60 Prozent wären bereit für moderate Anpassungen – wie beispielsweise einen späteren Schulbeginn an zwei Tagen in der Woche. Bei einem späteren Schulbeginn an sämtlichen Wochentagen befürchten jedoch viele, dass sie ihre gewohnten Freizeitaktivitäten am Abend und die Kontakte innerhalb der Familie nicht im gewohnten Masse wahrnehmen könnten.

Gleichzeitig hat die Umfrage gezeigt, dass das Potenzial des Ausbildungsverkehrs, den öffentlichen Verkehr zu entlasten, beträchtlich ist. Immerhin rund 70 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten benützen auf ihrem Schulweg die Bahn, das Tram oder den Bus. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion will deshalb zusammen mit den Gymnasien und der Erziehungsdirektion moderate Anpassungen des Stundenplans und weitere Mobilitätsmassnahmen prüfen.

Flexible Arbeitsformen bringen Entlastung
Deutlich entlastet werden könnte die Verkehrsinfrastruktur auch mit flexiblen Arbeitsformen. Kombiniert mit einem späteren Schulbeginn wären bis zu 24 Prozent Reisende weniger am Morgen und 10 Prozent weniger am Abend möglich. Dies zeigt eine von der SBB, dem Kanton, der Post und der Swisscom in Auftrag gegebene Studie. Dadurch könnten jährlich Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe vermieden werden. Die Reisenden würden zudem komfortabler unterwegs sein als heute und pünktlicher am Ziel ankommen.

Andreas Meyer, CEO der SBB, zeigte am Beispiel der Umsetzung der Work-Smart-Initiative in seinem Betrieb die Möglichkeiten von flexiblen und ortsunabhängigen Arbeitsformen auf. Neben der SBB haben rund vierzig weitere namhafte Schweizer Betriebe diese Charta unterschrieben – darunter auch der Kanton Bern. Mit der Unterschrift verpflichten sie die Arbeitgeber, Rahmenbedingungen anzubieten, damit ihre Mitarbeitenden ihre Arbeit selbständig gestalten können.

Professor Vincent Kaufmann, Direktor des Laboratoire de Sociologie urbaine der ETH Lausanne zeigte die Auswirkungen der neuen Lebensrhythmen und Mobilitätsformen auf die Gesellschaft auf.

Vielfältige Lösungsansätze
Der Leiter der Verkehrsentwicklungsplanung der Stadt Dresden, Matthias Mohaupt, zeigte am Beispiel die Mobilitätsstrategie seiner Stadt vor, dass sich das Brechen der Verkehrsspitzen auf mehrere Pfeiler stützten muss. Höchstes Ziel bleibt die Verlagerung auf öffentlichen, Fuss- und Veloverkehr. Esther Arnet, Direktorin der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich, stellte intelligente Möglichkeiten zur Steuerung des motorisierten Individualverkehrs vor. Der Direktor des Regionalverkehrs Bern-Solothurn, Fabian Schmid, zeigte pragmatische Lösungen zur Bewältigung von Spitzen im öffentlichen Verkehr auf.

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