Die SBB zieht sich aus Reisebürogeschäft zurück

Die SBB zieht sich per Ende 2015 aus dem Reisebürogeschäft zurück und bietet künftig an den Schaltern keine Flugreisen, Badeferien oder Kreuzfahrten mehr an. Alle anderen SBB Dienstleistungen wie nationale und internationale Bahnreisen, Gruppenreisen sowie Change und Western Union sind nicht betroffen. Die SBB Reisebüros werden per Jahresende geschlossen; bediente Verkaufsstandorte sind aber nicht betroffen. Der Rückzug aus dem Reisebürogeschäft erfolgt aufgrund des seit Jahren rückläufigen Volumens und vermehrter Online-Buchungen. Das Reisebürogeschäft konnte nur mit Verlust betrieben werden. Den betroffenen Mitarbeitenden bietet die SBB eine andere Tätigkeit an; es gibt keine Entlassungen.

erstellt am 19. Mai 2015 @ 13:42 Uhr
SBB CFF FFS / Pro Bahn Schweiz / SEV / transfair
SBB ReisebueroDie SBB zieht sich per Ende 2015 aus dem Reisebürogeschäft zurück und bietet künftig an den Schaltern keine Flugreisen, Badeferien oder Kreuzfahrten mehr an. Alle anderen SBB Dienstleistungen wie nationale und internationale Bahnreisen, Gruppenreisen sowie Change und Western Union sind nicht betroffen. Die SBB Reisebüros werden per Jahresende geschlossen; bediente Verkaufsstandorte sind aber nicht betroffen. Der Rückzug aus dem Reisebürogeschäft erfolgt aufgrund des seit Jahren rückläufigen Volumens und vermehrter Online-Buchungen. Das Reisebürogeschäft konnte nur mit Verlust betrieben werden. Den betroffenen Mitarbeitenden bietet die SBB eine andere Tätigkeit an; es gibt keine Entlassungen.

Auch in diesem Jahr wird aus dem Reisebürogeschäft ein Verlust im einstelligen Millionenbereich resultieren, trotz grossen Anstrengungen bei der Vermarktung und der Produktegestaltung. Der Trend zur Onlinebuchung nimmt wie in der ganzen Branche weiter stark zu, die Nachfrage ist auch in den SBB Reisebüros seit längerem rückläufig. Um die Reisebüros weiterhin betreiben zu können sind hohe Investitionen nötig, wobei selbst damit die Chancen auf erfolgreichen Betrieb sehr gering wären. Deshalb hat die SBB entschieden, per Ende 2015 aus dem Reisebürogeschäft auszusteigen. Ab diesem Zeitpunkt wird die SBB als Reisevermittler (Retailgeschäft) keine Flug- bzw. Pauschalreisen oder Kreuzfahrten mehr anbieten.

Nicht betroffen sind die nationalen und internationalen Bahnreisen. Diese können wie bis anhin uneingeschränkt am Schalter oder online gekauft werden. Auch Bahnreisen in Kombination mit Hotelübernachtungen bietet die SBB weiterhin online an. Buchbar am Schalter bleiben auch Bahn-Kombi-Angebote für Tagesausflüge. Dazu zählen beispielsweise Bahnbillette in Kombination mit dem Eintritt in den Zoo oder Tageskarten für Skigebiete.

Vom Ausstieg aus dem Reisebürogeschäft ist der bediente Verkauf der SBB nicht betroffen: Schalter werden dadurch keine abgebaut, lediglich der Verkauf von Reisen wird eingestellt. Auch mittelfristig wird die SBB die Zahl der bedienten Schalter nicht wesentlich reduzieren, selbst wenn der Trend zum selbstbedienten Verkauf anhält und heute bereits drei von vier Billetten über Automaten oder als E-Tickets gelöst werden. Kundenberatung bleibt auch langfristig zentral.
Bereits in SBB Reisebüros gebuchte Reisen mit Rückreisedatum im 2015, die von verschiedenen Reiseveranstaltern organisiert werden, werden wie geplant durchgeführt. Die Kunden werden in den nächsten Tagen persönlich kontaktiert und erhalten Auskunft in ihrem lokalen SBB Reisebüro. Bis Ende Jahr können auch weiterhin die meisten Reisen mit Rückreisedatum bis 31.12.2015 gebucht werden.

Vom Rückzug aus dem Reisebürogeschäft sind rund 80 Vollzeitstellen in den SBB Reisebüros betroffen. Die Mitarbeitenden werden künftig weiterhin im bedienten Verkauf eingesetzt. Entlassungen gibt es keine. Darauf hat sich die SBB mit den Sozialpartnern verständigt.


Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
Zurück zu den Wurzeln

Die SBB ziehen sich per Ende 2015 aus dem Reisebürogeschäft zurück. Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs kann diesen Entscheid nachvollziehen. Tatsächlich wurden in den SBB-Reisebüros vor allem Flugreisen nach verschiedenen Destinationen verkauft. Als Beispiel seien hier die Reisen nach Norddeutschland und auf die Insel Sylt genannt, wo bis Hamburg das Flugzeug vorgesehen war, obwohl ein ICE-Verbindung Zürich und Hamburg täglich mehrmals miteinander verbindet. Mit der Aufgabe der Reisebüros wollen sich die SBB mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, was zu begrüssen ist.

Schalterdienst ausbauen anstatt reduzieren
Erfreulich ist, dass das betroffene Personal nicht entlassen sondern weiterbeschäftigt wird. Auch wenn immer mehr Kunden ihre Fahrkarten über elektronische Kanäle kaufen, braucht es nach wie vor einen gut ausgebauten Schalterdienst. Hier bietet sich eine ideale Einsatzmöglichkeit für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Sie haben gute Branchen- und Geographiekenntnisse und sind prädestiniert dazu, gerade Bahnreisen ins Ausland, verbunden mit Hotelübernachtungen, zu verkaufen. Das entspricht dem Kerngeschäft der Eisenbahn und das soll gefördert werden.


Stellungnahme SEV:
SBB baut erneut Dienstleistungen am Bahnhof ab: Bahnschalter müssen attraktive Verkaufsstellen bleiben

Erneut baut die SBB ihr Angebot am Bahnhof ab. Die Schliessung der Reisebüros ist fragwürdig. Der SEV erwartet, dass die Attraktivität der Bahnschalter entsprechend aufgewertet wird. Positiv beurteilt der SEV die Stellengarantie fürs betroffene Personal.

Eben erst hat Personenverkehrschefin Jeannine Pilloud in Winterthur mit Pauken und Trompeten ein neues Bahnreisezentrum samt Reisebüro eröffnet – und nun beschliesst die SBB, dieses, wie alle andern, zu schliessen. Das zeigt am deutlichsten die Fragwürdigkeit des Entscheids. Zwar ist offenkundig, dass der Reiseverkauf in Reisebüros unter den Internetangeboten leidet, aber der Bahnhof ist einer der Spezialisten, denen grundsätzlich eine Zukunft zugeschrieben wird. Die Strategie der SBB, Kundinnen und Kunden aktiv von den Schaltern weg zu vertreiben, ist absolut untragbar; der persönliche Kontakt zwischen Kunden und Verkaufspersonal ist eine Stärke der Bahn und unentbehrlicher Bestandteil des Service public, heute und in Zukunft.

«Der Bahnhof muss Verkaufszentrum für alle Arten von Bahnreisen bleiben», betont der zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni und ergänzt: «Wer mit der Bahn verreisen will, muss am Bahnhof das entsprechende Produkt kaufen können.» Wenn die Reisebüros geschlossen werden, müssen diese Produkte normal am Schalter angeboten werden. Für den SEV besteht darin eine Chance, die Schalteröffnungen zu verbessern. Mit der Übernahme des Reisebüro-Personals in den bestehenden Verkaufsteams sollte es auch möglich sein, die teilweise unzumutbaren Wartezeiten und die hohe Belastung des Personals an den Schaltern zu reduzieren.

Der SEV beurteilt es positiv, dass alle Betroffenen eine Stellengarantie erhalten. «Wir werden darauf pochen, dass sämtliche bisher im Reisebüro voll oder teilweise tätigen Personen am selben Standort eine vergleichbare Arbeit übernehmen können», stellt Hurni klar.


Stellungnahme transfair:
Beschlossene Sache: SBB steigt aus dem Reisebürogeschäft aus

Aufgrund nicht wettbewerbsfähiger Kostenstrukturen ist das Reisebürogeschäft für die SBB offensichtlich nicht gewinnbringend. Sie steigt daher per Ende 2015 aus. Betroffen von diesem Entscheid sind rund 80 Vollzeitstellen sowie 48 Lernende KV Reisebüro.

Für die betroffenen Mitarbeitenden bedeutet dies, dass sie ein Geschäft aufgeben müssen, das mit viel Herzblut und mit hoher Professionalität betrieben wurde. Immer auch mit dem Fokus auf die Mobilität mit der Bahn, also den Kundinnen und Kunden eine Bahnreise zu verkaufen. Die SBB hat transfair versichert, dass den Betroffenen interne Stellen im bedienten Verkauf angeboten und auch individuelle Wünsche berücksichtigt werden sollen. Die aktuellen Lernenden erhalten Anschlusslösungen in Zusammenarbeit mit login, um auf die Lehre KV öffentlicher Verkehr umzusteigen oder die Lehre KV Reisebüro in anderen Unternehmen beenden zu können.

Für transfair und seine Mitglieder hinterlässt dieser Kostenentscheid ein grosses Unverständnis im Gesamtzusammenhang. Es ist schade, dass die SBB auf diesen bekannten Service an vielen Bahnhöfen künftig verzichtet.

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Autor: Redaktion

Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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