SBB übernimmt Instandhaltung der Giruno Züge

Die SBB hat sich entschieden, die Instandhaltung der ab Ende 2019 im Einsatz stehenden neuen 29 Gotthard-Züge Giruno in den eigenen Werken und Serviceanlagen zu machen. Dort besteht langjähriges, fundiertes Know-how für diese Arbeiten, zudem können so mehrere Standorte und Synergien zwischen den Fahrzeugflotten für die Einsatzplanung genutzt werden. Eine Option für eine externe Instandhaltung wurde nach eingehender Prüfung verworfen.

erstellt am 30. Oktober 2015 @ 11:20 Uhr
SBB CFF FFS / Sandro Hartmeier / SEV
Stadler SBB GirunoDie SBB hat sich entschieden, die Instandhaltung der ab Ende 2019 im Einsatz stehenden neuen 29 Gotthard-Züge Giruno in den eigenen Werken und Serviceanlagen zu machen. Dort besteht langjähriges, fundiertes Know-how für diese Arbeiten, zudem können so mehrere Standorte und Synergien zwischen den Fahrzeugflotten für die Einsatzplanung genutzt werden. Eine Option für eine externe Instandhaltung wurde nach eingehender Prüfung verworfen.

Die SBB muss bei der Instandhaltung der Züge wettbewerbsfähig sein und bleiben. In einigen Ländern – wie beispielsweise in England, Russland, Deutschland, Spanien und Österreich – gibt es Hersteller, die Instandhaltungsleistungen an Fahrzeugen im Auftrag von Eisenbahngesellschaften ausführen. Vor diesem Hintergrund hat die SBB bei der Ausschreibung für die zukünftigen Gotthardzüge Giruno diese Möglichkeit ebenfalls in Betracht gezogen. Nach eingehender Prüfung hat sich die SBB nun aber für die Instandhaltung in den eigenen Werken und Serviceanlagen entschieden. Die SBB kann somit Synergien zwischen den verschiedenen Fahrzeugflotten für die Einsatzplanung nutzen und auf ihr langjähriges, fundiertes Know-how zurückgreifen. Sie verfügt über mehrere Instandhaltungs-Standorte, was die Flexibilität für die künftige Angebotsplanung erhöht. Wo die Giruno-Züge künftig instand gehalten werden, ist noch nicht entschieden.

Mit dem Giruno in unter drei Stunden nach Mailand
Anfang 2016 läuft bei Stadler Rail die Produktion des neuen Triebzuges Giruno an. Der Giruno bietet den Passagieren mit bis zu 400 Metern Länge in Doppeltraktion insgesamt 806 Sitzplätze – das sind rund 40 Prozent mehr als bisher. Die Züge verfügen über spezifische Wagen mit Tiefeinstiegen für Rollstuhlfahrer und auch die restlichen Zugbereiche sind bequem über eine kleine Stufe vom Perron aus zu erreichen. Dies entspricht einem Bedürfnis, zum Beispiel auch von älteren Personen und Personen mit Gepäck oder Kinderwagen. Und auch sonst bieten die insgesamt 29 Züge viel Komfort: Sie haben 3G/4G- Mobilfunkverstärker für guten Empfang unterwegs, Steckdosen an allen Sitzplätzen, grosse Gepäckablagen, geschlechtergetrennte Toiletten und ein modernes, zonenspezifisches Beleuchtungskonzept. Der gesamte Innenraum ist grosszügig ausgelegt und hell. Die neuen Züge sollen ab Ende 2019 auf der Gotthard-Linie bis nach Mailand rollen. Künftig wird es unter anderem möglich sein, mit den neuen Zügen in unter zwei Stunden von Zürich nach Lugano und in unter drei Stunden von Zürich nach Mailand zu reisen.


Update Stellungnahme SEV:
Der einzig richtige Entscheid: SEV begrüsst Wartung der Gotthardzüge durch SBB

Was eine Selbstverständlichkeit hätte sein sollen, wurde nun doch richtig entschieden: Die SBB macht den Unterhalt an den neuen Gotthard-Zügen in den eigenen Werken.

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist erleichtert, dass die SBB nun doch entschieden hat, ihr eigenes Fachwissen im Fahrzeug-Unterhalt anzuwenden und auszubauen. Seit langem fordert der SEV, dass sich die SBB vorbehaltlos zu ihren Unterhaltswerken bekennt. Nun ist dies erfolgt; die Fremdvergabe bei den ETR-610-Kompositionen bleibt damit ein einmaliger Ausrutscher.

Unterhalt muss eine Kernkompetenz der Bahnunternehmen bleiben. «Wenn die Hersteller den Unterhalt übernehmen – wie dies europäisch als Trend auszumachen ist und im Rahmen des 4. Eisenbahnpakets politisch teilweise gar gefordert wird –, begeben sich die Bahnen in Abhängigkeiten, deren Folgen nicht abzusehen sind», betont SEV-Präsident Giorgio Tuti. Neben dem Verlust an Fachwissen ist vor allem das grosse Risiko zu berücksichtigen, dass in der rund 40-jährigen Lebensdauer der Fahrzeuge Hersteller verkauft oder verlagert werden oder gar ganz verschwinden. Im Interesse der integrierten Bahn kann eine solche Entwicklung nicht in Frage kommen.

Vom Unterhalt der «Giruno»-Kompositionen muss auch das IW Bellinzona in geeigneter Form profitieren. «Das einzige Industriewerk der SBB an der Gotthardstrecke muss in diese Aufgaben einbezogen werden», hält SEV-Vizepräsident Manuel Avallone fest.

Auch hier erwartet der SEV und mit ihm die Belegschaft im Werk und das Tessin als Ganzes ein klares Bekenntnis der SBB. Neben den Werken in Olten, Biel und Yverdon muss Bellinzona als regionales Zentrum ebenfalls in eine sichere Zukunft geführt werden.

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Autor: Redaktion

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