RailFit20/30: SBB lanciert Programm zur Kostensenkung und überprüft Angebots- und Betriebskonzepte

Die SBB will bis 2020 mindestens 550 Mio. und bis 2030 rund 1,75 Mrd. Franken an Gesamt-Systemkosten einsparen. Sie überprüft dabei bestehende Angebots und Betriebskonzepte. Hintergrund sind stark steigende Kosten des Eisenbahnsystems; dem gegenüber dürften die Kosten anderer Verkehrsträger markant sinken. Die SBB lanciert dazu ein Programm und erarbeitet bis Sommer 2016 mit Unterstützung des Beratungsunternehmens McKinsey Szenarien und Massnahmen. Bestehende Effizienzprogramme werden ergänzt, hinterfragt und untermauert. Die angestrebten Kostenreduktionen werden auch Auswirkungen auf den Personalbestand haben: Bereits heute ist geplant, bis Ende 2020 rund 900 Stellen abzubauen. Ein zusätzlicher Stellenabbau dürfte notwendig sein, um das angestrebte Kostensenkungsziel bis 2020 zu erreichen. Um wettbewerbsfähiger zu werden, will die SBB nebst Kostensenkungen auch Investitionen in attraktive Angebote erhöhen und die Auslastung steigern.

erstellt am 05. November 2015 @ 11:32 Uhr
SBB CFF FFS / SEV / transfair / Pro Bahn Schweiz
SBB-Hauptsitz-Uhr-GirasoleDie SBB will bis 2020 mindestens 550 Mio. und bis 2030 rund 1,75 Mrd. Franken an Gesamt-Systemkosten einsparen. Sie überprüft dabei bestehende Angebots und Betriebskonzepte. Hintergrund sind stark steigende Kosten des Eisenbahnsystems; dem gegenüber dürften die Kosten anderer Verkehrsträger markant sinken. Die SBB lanciert dazu ein Programm und erarbeitet bis Sommer 2016 mit Unterstützung des Beratungsunternehmens McKinsey Szenarien und Massnahmen. Bestehende Effizienzprogramme werden ergänzt, hinterfragt und untermauert. Die angestrebten Kostenreduktionen werden auch Auswirkungen auf den Personalbestand haben: Bereits heute ist geplant, bis Ende 2020 rund 900 Stellen abzubauen. Ein zusätzlicher Stellenabbau dürfte notwendig sein, um das angestrebte Kostensenkungsziel bis 2020 zu erreichen. Um wettbewerbsfähiger zu werden, will die SBB nebst Kostensenkungen auch Investitionen in attraktive Angebote erhöhen und die Auslastung steigern.

Die Gesamtsystemkosten der Bahn steigen bis 2030 stark an, u.a. wegen neuer Angebote, neuer Infrastrukturanlagen wie Durchmesserlinie, zusätzlichen Unterhalts und regulatorischer Vorgaben. Die Kosten pro Personen- und Tonnenkilometer anderer Verkehrsträger wie Fernbusse oder selbstfahrende Fahrzeuge dürften hingegen mittel- bis langfristig markant sinken. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis wird im Wettbewerb zwischen Bahn und andern Verkehrsträgern künftig noch wichtiger werden. Die SBB muss jetzt die Weichen richtig stellen: Denn die Eisenbahn mit Infrastrukturausbauten und Rollmaterialbeschaffungen hat sehr lange Vorlaufzeiten.

Möglichst moderat oder nicht mehr steigende Preise
Deshalb lanciert die SBB das Programm «RailFit20/30». Sie will damit ihre Kosten in allen Bereichen reduzieren und heutige Angebots- und Betriebskonzepte überprüfen. Mit Unterstützung des Beratungsunternehmens McKinsey erarbeitet die SBB bis Sommer 2016 Szenarien, definiert Massnahmen und legt die Umsetzung für die Folgejahre fest. Bestehende Effizienz- und Kostensenkungsprogramme werden ergänzt, hinterfragt und untermauert. Bei der Umsetzung bleiben höhere Kundenzufriedenheit, Sicherheit und Qualität vorrangig: Hier wird es keine Abstriche geben.

Das Programm «RailFit20/30» zielt auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis: Preise sollen künftig möglichst moderat oder gar nicht steigen. Kurz- und mittelfristig geht es darum, das heutige Bahnsystem kostengünstiger zu betreiben. Die SBB will die Gemeinkosten in der Verwaltung, beim Vertrieb und Material sowie in der Fertigung reduzieren, die Bereiche Bau, Betrieb sowie Unterhalt optimieren und strukturelle Fragen klären. Sie geht bis 2020 von einer notwendigen Kostenreduktion von mindestens 550 Mio. Franken pro Jahr aus. Für 2030 und darüber hinaus wird die SBB das heutige Bahnsystem, d.h. bestehende Angebots- und Betriebskonzepte, hinterfragen. Hier geht es auch darum, neue Technologien und Automatisierungen besser zu nutzen. Für diese Phase nimmt die SBB eine notwendige Kostenreduktion von 1,75 Mia. Franken pro Jahr an.

Personalabbau, aber auch neue Stellen wegen mehr Verkehr und Unterhalt
Die Kostenreduktionen werden auch Auswirkungen auf den Personalbestand haben. Bereits heute ist geplant, bis Ende 2020 rund 900 Stellen abzubauen. Ein zusätzlicher Stellenabbau dürfte notwendig sein, um das Kostensenkungsziel bis 2020 zu erreichen. Dabei werden alle Stellen unter die Lupe genommen. Stellenreduktionen werden gemäss GAV und unter engem Einbezug der Sozialpartner umgesetzt, möglichst über natürliche Fluktuationen und Pensionierungen. Zur Bewältigung der Verkehrszunahme, des zusätzlichen Unterhalts und vieler Ausbauten werden aber auch Stellen aufgebaut, z.B. beim Lokpersonal, bei Ingenieuren oder bei Lernenden.

Auch Investitionen in attraktive Angebote erhöhen und Auslastung steigern
Um langfristig wettbewerbsfähiger zu werden, will die SBB nicht nur Kosten senken. Ebenso wichtig ist es, mehr in attraktive Angebote und Innovationen zu investieren und die durchschnittliche Auslastung der Züge zu steigern. Die SBB tätigt jährlich Investitionen von 3,8 Mia. Franken, z.B. in komfortable Züge, sowie rund 30 Mio. für Innovationsprojekte. Gelingt es, die Kosten zu senken und gleichzeitig die Attraktivität der Bahn zu erhöhen sowie die Auslastung zu steigern, werden weniger teure Ausbauschritte notwendig sein. Kostensenkungen kommen also nebst Kunden auch Bund und Kantonen zugute: Sie wirken gegen weiter steigenden Mittelbedarf für Unterhalt und Betrieb bei der Infrastruktur sowie für den bestellten Regionalverkehr.

SBB CEO Andreas Meyer informiert

Andreas Meyer, CEO SBB

Andreas Meyer CEO SBB AGDie SBB will bis 2020 mindestens 550 Mio. und bis 2030 rund 1,75 Mrd. Franken an Gesamtsystemkosten einsparen. Sie überprüft dabei bestehende Angebots und Betriebskonzepte. Hintergrund sind stark steigende Kosten des Eisenbahnsystems; dem gegenüber dürften die Kosten anderer Verkehrsträger markant sinken. Die SBB lanciert dazu ein Programm und erarbeitet bis Sommer2016 mit Unterstützung des Beratungsunternehmens McKinsey Szenarien und Massnahmen. Bestehende Effizienzprogramme werden ergänzt, hinterfragt und untermauert.Die angestrebten Kostenreduktionen werden auch Auswirkungenauf den Personalbestand haben: Bereits heute ist geplant, bis Ende 2020 rund 900 Stellen abzubauen. Ein zusätzlicher Stellenabbau dürfte notwendig sein, um das angestrebte Kostensenkungsziel bis 2020 zu erreichen. Um wettbewerbsfähigerzu werden, will die SBB nebst Kostensenkungen auch Investitionenin attraktive Angebote erhöhen und die Auslastung steigern. http://info24bahnnews.jimdo.com/2015/11/05/sbb-lanciert-programm-zur-kostensenkung-und-%C3%BCberpr%C3%BCft-angebots-und-betriebskonzepte/

Gepostet von info24 – ÖV Schweiz – Europa am Donnerstag, 5. November 2015

SBB Programmleiter „RailFit20/30“ Markus Geyer informiert

Markus Geyer, Programmleiter «RailFit20/30»

Markus Geyer ist Programmleiter «RailFit20/30»Die Gesamtsystemkosten der Bahn steigen bis 2030 stark an, u.a. wegen neuer Angebote, neuer Infrastrukturanlagen wie Durchmesserlinie, zusätzlichen Unterhalts und regulatorischer Vorgaben. Die Kosten pro Personen- und Tonnenkilometer anderer Verkehrsträger wie Fernbusse oder selbstfahrende Fahrzeuge dürften hingegen mittel- bis langfristig markant sinken. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis wird im Wettbewerb zwischen Bahn und andern Verkehrsträgern künftig noch wichtiger werden. Die SBB muss jetzt die Weichen richtig stellen: Denn die Eisenbahn mit Infrastrukturausbauten und Rollmaterialbeschaffungen hat sehr lange Vorlaufzeiten. http://info24bahnnews.jimdo.com/2015/11/05/sbb-lanciert-programm-zur-kostensenkung-und-%C3%BCberpr%C3%BCft-angebots-und-betriebskonzepte/

Gepostet von info24 – ÖV Schweiz – Europa am Donnerstag, 5. November 2015

Update Fotos von der Pressekonferenz von Marcel Manhart

Gepostet von Bahnonline.ch am Freitag, 6. November 2015


Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
Pro Bahn: Fitnessprogramm mit Gefahren

Die SBB wollen sparen und verpassen sich ein Fitnessprogramm, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei kommt es auf die Gestaltung an, denn – allzu viel ist ungesund und kann gefährlich werden, weil es Verletzungen bewirkt und genau das Gegenteil dessen auslöst, was eigentlich erreicht werden soll. Fitness ja – aber bitte mit Augenmass, so die Ansicht von Pro Bahn Schweiz, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs.

Es braucht in der Schweiz zwar keine Konkurrenz à la Westbahn wie in Oesterreich. Gleichwohl darf aber dieser Vorgang in unserem Nachbarland dazu dienen und als Beispiel herangezogen werden, wie die Leistungen auch bei den SBB verbessert werden können, ohne das Angebot zu schmälern oder die Preise weiter zu erhöhen. Sie ertragen tatsächlich keine weitere Steigerung, was auch von den SBB-Verantwortlichen (endlich) anerkannt worden ist. Ebenso müssen die Dienstleistungen zumindest auf dem bestehenden Niveau weitergeführt werden. Ein Abbau beim Zugs- und Schalterpersonal oder ein Ausbau der Stehplätze sind Schritte in die falsche Richtung. Die Bahnreisenden sind in aller Regel wesentlich länger (bis über das Doppelte hinaus) unterwegs, als die Automobilisten. Diese Haltung zu Gunsten einer besseren Umwelt gilt es zu honorieren und nicht zu bestrafen.

Es besteht Sparpotential. Pro Bahn Schweiz erachtet es als wichtig und richtig, dass es erkannt wird und die daraus zu treffenden Massnahmen getroffen werden. So ist es bekannt, dass es teuer wird, wenn die SBB bauen. Müssen beispielsweise wegen einer Streckensanierung mit einem Doppelspurausbau auf 1,7 km (Zug – Arth Goldau) wirklich mehr als anderthalb Jahre benötigt werden? Oder braucht es an jedem SBB Standort ein ultramodernes Verwaltungsgebäude? Es ist richtig wenn diese Fragen gestellt werden. Noch wichtiger ist es, wenn daraus die notwendigen Konsequenzen gezogen werden – ohne dass ein Konkurrent auf den Plan gerufen werden muss.


Stellungnahme SEV:
SEV kritisiert Auftrag an McKinsey: Die SBB-Pläne sind unrealistisch

Entgegen dem Trend und den Prognosen zur Verkehrsentwicklung will die SBB im grossen Stil Stellen abbauen. Das ist für die Gewerkschaft SEV unverständlich.

Die SBB will sich von McKinsey ein Abbaupaket schnüren lassen, das in den nächsten Jahren einen Stellenabbau im vierstelligen Bereich vorsieht. Dies erachtet die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV als völlig unrealistisch: «Sowohl die aktuellen Mobilitätsprognosen als auch die bereits beschlossenen Ausbauten bei Infrastruktur und Angebot zeigen, dass in Zukunft sicher nicht weniger Personal im öffentlichen Verkehr nötig sein wird», hält SEV-Präsident Giorgio Tuti fest. Es ist zwar verständlich, dass die SBB ihre Strukturen und Abläufe überprüfen will; das ist Teil einer seriösen Unternehmensführung. Die SBB gibt aber bereits einen Stellenabbau vor, statt sich offen mit der Situation auseinanderzusetzen.

«Wir werden diesen Auftrag sehr kritisch beobachten und uns einmischen, sobald wir eine falsche Entwicklung feststellen», ergänzt Tuti. Er betont, dass dank dem Gesamtarbeitsvertrag Kündigungen ausgeschlossen sind, doch damit ist es nicht getan. «Die SBB ist in der Pflicht, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu befähigen, dass sie die technische und strukturelle Entwicklung mitmachen können», streicht Tuti heraus. Mit den bevorstehenden Pensionierungswellen grosser Jahrgänge einerseits und dem anhaltenden Unterbestand in wesentlichen Berufsgruppen andererseits ist die SBB gefordert, qualifiziertes Personal für einen Service public auf hohem Niveau bereit zu halten.

Es ist unvermeidlich, dass die technische Entwicklung auch die Arbeitsplätze beeinflusst. Die Lösung führt aber nicht über Entlassungen und Neueinstellungen, sondern nur über die kontinuierliche Weiterbildung und Laufbahnplanung beim bestehenden Personal.

Die Abbauideen, die die SBB zudem für 2030 aufzeigt, sind erst recht unverständlich: Eben erst hat das Schweizervolk Ja gesagt zu FABI, das eine nachhaltige Weiterentwicklung des Schienenverkehrs vorsieht. « Wenn sich die SBB richtigerweise mit den sich abzeichnenden Veränderungen bei der Mobilität beschäftigt, sollte sie nicht fantastische Einsparideen in die Luft setzen, sondern für alle Entwicklungen offen sein und sich diesen Herausforderungen offensiv stellen», betont Tuti.


Stellungnahme transfair:
Die SBB prüft ihre Gesamtsystemkosten und wird Stellen abbauen

Unter Einbezug der externen Beratungsfirma McKinsey überprüft die SBB ihre Gesamtsystemkosten. Das erklärte Ziel ist, das heutige Bahnsystem effizienter und kostengünstiger zu betreiben. Geplant sind im Programm «Railfit 20/30» bis 2020 nachhaltige wiederkehrende Kosteneinsparungen in Höhe von rund 550 Mio. Franken pro Jahr. Bis 2030 rechnet die Konzernleitung gar mit Einsparungen von rund 1.75 Mia. Franken.

Das Programm wird im 1. Halbjahr 2016 priorisiert und gesteuert. Die SBB will in einem ersten Schritt bis 2020 weiter an strukturellen Gemeinkosten in den Verwaltungen der Divisionen einsparen sowie auch die produktiven Bereiche wie Bau und Unterhalt und den Betrieb in den Fokus nehmen. Bereits initiierte Reorganisationsvorhaben sollen in «Railfit 20/30» einfliessen. Im zweiten Schritt 2030 erhofft sich die SBB Einsparungen durch den Einsatz neuer Technologien und Automatisierungen bei den Bahnanlagen. Angebotskonzepte sollen geprüft und auf die Bewältigung des erwarteten Verkehrswachstums ausgerichtet werden. Die Kundenorientierung sowie die Entlastung der öffentlichen Hand sind grosse Treiber des Programmes.

Stellenabbau
Auf der Basis des Stellenbestandes von rund 29‘000 im Stammhaus SBB fallen bis 2020 rund 900 Stellen dem Programm zum Opfer – ein zusätzlicher Abbau kann durchaus möglich sein. Die SBB versichert transfair zwar, dass die Stellen im Rahmen der GAV-Regelungen abgebaut werden und transfair zu den einzelnen Vorhaben Stellung nehmen kann. CEO Andreas Meyer hat aber bereits darauf hingewiesen, dass es weh tun werde.

Forderungen von transfair
«Wir fordern die SBB auf, mit rechtzeitiger Aus- und Weiterbildung und einer genauen Personalplanung effektive Stellenverluste zu vermeiden», sagt Bruno Zeller, Branchenleiter Öffentlicher Verkehr von transfair. Für das SBB-Personal insgesamt befürchten wir mögliche Arbeitsverdichtungen sowie den Verlust der Abgrenzung zwischen Arbeit und Erholungszeit. Wir werden die Entwicklung darum mit Argusaugen verfolgen.

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Autor: Redaktion

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