Fahrplanwechsel: Die Züge fahren nach neuem Fahrplan
erstellt am 13. Dezember 2009 @ 12:41 Uhr
SBB CFF FFS (Text/Fotos) / Pro Bahn Schweiz (Text) / Gotthard-Komitee (Text)
Seit Sonntag früh (13.12.09) verkehrt der öffentliche Verkehr in der Schweiz nach dem neuen Fahrplan 2010. Der Fahrplanwechsel erfolgte ohne Probleme. Mit dem neuen Fahrplan baute die SBB ihr Angebot weiter aus mit einzelnen zusätzlichen Zügen in den Spitzen- und Randzeiten. Die SBB konnte im laufenden Jahr die Pünktlichkeit deutlich steigern.
Seit Sonntag-Nacht (13.12.09) um 3 Uhr gelten europaweit neue Fahrpläne im öffentlichen Verkehr. Dem Fahrplanwechsel vorausgegangen war eine lange und intensive Vorbereitungszeit. So musste die SBB etwa in den letzten Tagen und in der Nacht auf Sonntag diverse Rollmaterialumläufe an den neuen Fahrplan anpassen. Zudem wurden sämtliche elektronischen Systeme etwa für die Billettautomaten oder für die Online-Abfragen auf den neuen Fahrplan umgestellt.
Auf dem ganzen SBB-Netz erfolgte die Fahrplanumstellung ohne nennenswerte Probleme. Der neue Fahrplan rollte gut an. Die grosse Belastungsprobe erfolgt morgen Montag zur morgendlichen Hauptverkehrszeit, wenn hunderttausende mit dem Zug zur Arbeit fahren. Täglich reisen gut 900’000 Menschen mit der SBB.
Gute Pünktlichkeit 2009
An einem Medientermin zum Fahrplanwechsel in Bern gab die SBB auch die erwarteten Pünktlichkeitswerte für 2009 bekannt. Dank intensiver Anstrengungen und der Umsetzung einer Vielzahl von Massnahmen gelang es der SBB, im laufenden Jahr die Pünktlichkeit weiter zu erhöhen. Die Pünktlichkeit verbesserte sich um bis zu zwei Prozentpunkte. 91,4% der Personenverkehrszüge auf dem SBB-Netz verkehrten im laufenden Jahr pünktlich mit einer Maximalverspätung von weniger als drei Minuten. Im Vorjahr waren es 89,7% der Züge. Neu führt die SBB auch eine Kundenpünktlichkeits-Wert, der aus Kundenperspektive die von den Reisenden erfahrene Pünktlichkeit misst: Diese Kundenpünktlichkeit lag im laufenden Jahr bisher bei 87,5%. Im Vorjahr hatte der entsprechende Wert 85,7% betragen.
Gezielter Angebotsausbau im dichten Netz
Die SBB betreibt das weltweit am dichtesten genutzte Schienennetz und stösst zunehmend an die Kapazitätsgrenzen. Vor diesem Hintergrund ist eine grössere Ausweitung des Angebots erst nach der Realisierung grösserer Infrastrukturausbauten möglich. Dazu gehören etwa die Durchmesserlinie Zürich oder die Ausbauten im Rahmen von ZEB (Zukünftige Entwicklung Bahninfrastruktur). Diese Projekte müssen jetzt rasch realisiert werden, da die Nachfrage nach Bahnleistungen seit Jahren stetig steigt. Dies gilt besonders in den Hauptverkehrszeiten und zwischen den grossen Zentren.
Internationaler Verkehr: Schneller nach Paris, gediegen nach Wien
Neu verkehren fünf TGV-Züge täglich zwischen Paris und Zürich, in der Gegenrichtung sind es deren vier. Ab Basel können die Reisenden in beiden Fahrtrichtungen von fünf Verbindungen profitieren. Dank Streckausbauten auf der Juralinie nach Frankreich verkürzt sich die Reisezeit zwischen Lausanne und Paris um 15 Minuten.
Die beiden Railjet-Verbindungen Zürich HB–Salzburg und Zürich HB–Salzburg–Wien Westbahnhof (täglich je ein Zug pro Richtung) setzen neue Massstäbe bezüglich Komfort. Die Railjet der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) verfügen neben Economy und First Class über 16 Plätze in einer Premium Class. Alle Railjet- Kompositionen führen ein Bistro und bieten Essen am Platz in den Bereichen First und Premium Class. Zudem profitieren die Reisenden von verkürzten Reisezeiten.
Wie bereits angekündigt, haben Trenitalia und SBB den Verkehr zwischen der Schweiz und Italien jetzt wieder selber übernommen. Die Verantwortung für die einzelnen Züge wechselt jeweils an der Grenze. Zürich und Mailand werden im Zweistundentakt – täglich sieben Züge pro Richtung – mit den Neigezügen ETR470 verbunden. Auf der Achse Lötschberg–Simplon kommen sechs neue ETR610 zum Einsatz; von Basel nach Mailand sind es drei Züge pro Richtung, von Genf nach Mailand vier, davon fährt einer weiter bis Venedig.
Nationaler Verkehr: Gezielte Verbesserungen
Pendlerinnen und Pendler werden die neue Intercity-Verbindung (IC) von Bern nach Zürich HB schätzen. Der Zug verlässt Bern um 16.14 Uhr und trägt damit weiter zur Entlastung der abendlichen Pendlerspitze bei. Das gleiche Ziel verfolgt die SBB mit dem neuen Interregio (IR) zwischen Bern und Spiez (Bern ab 18.31 Uhr). Der neue Fahrplan bringt zudem eine Schnellverbindung zwischen Basel und Brig (Basel ab 19.28 Uhr, Bern ab 20.35 Uhr). Ab Chur steht morgens von Montag bis Samstag ein neuer IC nach Zürich (Chur ab 05.06 Uhr, Zürich HB an 06.23 Uhr) zur Verfügung. Somit erreichen Bündnerinnen und Bündner die frühen Flüge ab Zürich Flughafen.
Der IR Luzern–Lausanne (Luzern ab 10.00 Uhr) wird bis Genf Flughafen (Genf an 12.50 Uhr) verlängert und schliesst damit die Taktlücke zwischen Bern und Genf. In der Gegenrichtung fährt ein IR nicht erst ab Lausanne, sondern bereits ab Genf Flughafen (15.01 Uhr ab) nach Luzern. Ab Lausanne verkehrt vom Montag bis Freitag ein zusätzlicher Regioexpress nach Genf (18.23 Uhr ab). Der im Zusammenhang mit den Bauarbeiten auf der Autobahn A1 eingeführte Zug wurde in den Fahrplan integriert und verkehrt ab Martigny neu mit klimatisierten Wagen. Die schnelle Regioexpress-Verbindung im Kanton Jura wird neu stündlich auf der ganzen Strecke von Delle über Pruntrut und Delsberg bis Biel angeboten. Damit besteht zwischen Delsberg und Biel ein Halbstundentakt. Ausserdem kommen in den Kantonen Waadt und Neuenburg jetzt auch moderne Flirt- und Dominozüge zum Einsatz. Im Tessin verkehren in der Hauptverkehrszeit mehr Züge auf der Linie Chiasso–Lugano–Bellinzona.
Der am Gotthard ab 1. August 2009 eingeführte Speise- und Getränkeservice in der 1. Klasse wurde von bisher von 15 auf 17 IC-Neigezüge erweitert. Dieser Kundenservice wird zwischen Arth-Goldau und Bellinzona angeboten und läuft als Pilotprojekt bis zum Fahrplanwechsel vom 11.12.2010.
Mehr Verbindungen am späten Abend und in der Nacht
Der Halbstundentakt im Regionalverkehr zwischen Olten und Solothurn wurde um 2 Stunden verlängert und gilt jetzt täglich bis 22 Uhr. Am Freitag und Samstag verkehren die Regionalzüge im Gäu sogar bis Mitternacht halbstündlich. Im Chablais profitieren Kundinnen und Kunden von zwei zusätzlichen Spätzügen zwischen St-Maurice und Lausanne mit Anschlüssen nach Genf, Freiburg und Biel. Auf der Linie Luzern–Zug–Zürich fahren für Nachtschwärmer in den Nächten auf Samstag und auf Sonntag drei neue zuschlagspflichtige Regioexpress-Züge. Die bisherigen Nightbird-Busse Zürich–Bern und Zürich–Basel wurden aufgrund schwacher Nachfrage nicht mehr geführt. Neu fährt ein Nightbird-Bus von Genf Flughafen nach Bern. Von Mitte Mai bis Ende Oktober verlässt der Bus freitag- und samstagnachts Genf Flughafen um 23.30 Uhr und kommt in Bern um 1.20 Uhr an.
Online im Zug: Bessere Verbindungen und Anschlüsse
Zusammen mit Swisscom bietet die SBB in über 70 Fahrzeugen der 1. Klasse mit Businesszonen einen Breitbandzugang ins Internet an. Damit wird der Bahnwagen zum fahrenden Hotspot. Bis jetzt konnte auf der Strecke zwischen Zürich und Bern mit der höchsten Bandbreite gesurft werden. Neu steht auch zwischen Genf und Lausanne sowie Bern und Thun ein Breitbandzugang zur Verfügung stehen.
Laptops, Mobiltelefone und MP3-Player prägen das Bild in den SBB-Zügen mit. Vor diesem Hintergrund steigt auch das Bedürfnis der Kundinnen und Kunden, die mobilen
Geräte direkt im Zug mit dem Stromnetz zu verbinden. Die SBB kommt diesem Bedürfnis nach und hat bereits in über 20 Prozent der 1.- und 2.-Klass-Fahrzeuge Steckdosen installiert. Bis 2013 wird die SBB über 1200 Fahrzeuge mit Steckdosen ausrüsten. Das sind über 35’000 Steckdosen.
Auftragspauschale im internationalen Personenverkehr
Der Verkauf von internationalen Billetten mit persönlicher Beratung ist nicht kostendeckend. Deshalb wird ab heute für Bahnreisen ins Ausland, die an einem SBB-Schalter oder über das SBB-Callcenter gebucht werden, bei Tickets ab 25 Franken eine Auftragspauschale in der Höhe von fünf Franken erhoben. Wer sein internationales Billett online im SBB-Ticketshop im Internet bucht, bezahlt weiterhin keine Auftragspauschale. Ebenfalls davon ausgenommen sind Billette für Kinder bis 16 Jahre und Reisen nach Destinationen im grenznahen Ausland.
Neue Regelung für Rückerstattungen bei Verspätungen
Seit dem 13. Dezember 2009 gelten im internationalen Verkehr neue Regeln für Rückerstattungen bei Verspätungen. Die SBB übernimmt die europäischen Rückerstattungsvorgaben: Reisende im internationalen Verkehr erhalten bei Verspätungen von 60 Minuten neu 25 Prozent des Fahrpreises zurückerstattet. Bei Verspätungen von 120 Minuten gibt es 50 Prozent des Billettpreises zurück.
Die betroffenen Fahrgäste erhalten jeweils einen entsprechenden Reisegutschein. Dieser kann neu an jedem Bahnhof auch in Bargeld umgetauscht werden.
Stellungnahme Pro Bahn Schweiz:
“Probezeit” für SBB und Trenitalia im Reiseverkehr von und nach Italien
Seit der Übernahme der Verkehrsleistungen nach Italien durch die Schweizerischen Bundesbahnen und Trenitalia im Dezember 2009 ist tatsächlich eine Verbesserung der Qualität in Bezug auf Fahrplanstabilität vor allem in Richtung Süden zu verzeichnen.
Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Bahn- Bus- und Trambenützer, anerkennt die unternommenen Anstrengungen, fordert jedoch gleichwohl weitere Verbesserungen: Die Zuverlässigkeit muss weiter ausgebaut werden, die ehemaligen Direktverbindungen nach Rom und die Küstenorte in Ligurien und der Toskana sind wieder herzustellen und drittens soll zwischen dem Tessin und Mailand ein Stundentakt mit Schnellverbindungen eingerichtet werden. Um diese Verbesserungen sicherzustellen, soll das Bundesamt für Verkehr die Konzession für den Verkehr nach Italien auf drei Jahre befristen und von Fortschritten bei der Erfüllung dieser Forderung abhängig gemacht werden.
Das Gotthard- Komitee, in dem 13 Kantone zusammengeschlossen sind, hat eine ähnliche Forderung aufgestellt. Dieser Forderung schliesst sich Pro Bahn an.
Stellungnahme Gotthard-Komitee:
Gotthard-Komitee für befristete Cisalpino-Konzession
Das Gotthard-Komitee begrüsst die geplante Übernahme des Cisalpino-Verkehrs auf der Nord-Süd-Achse durch die SBB. Es gilt nun, diese Chance wahrzunehmen und eine jahrelange Misere im Gotthard-Verkehr zu beenden. Angesichts der schwierigen Situation bei Rollmaterial und Fahrplan spricht sich das Gotthard-Komitee für eine befristete Konzession aus. Während dieser Zeitdauer hat die SBB Gelegenheit, ein neues Angebotskonzept zuhanden von Bund und Kantonen auszuarbeiten.
Seit dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2009 wird der internationale Personenverkehr von Cisalpino zwischen der Schweiz und Italien wieder in eigener Regie durch die SBB bzw. auf italienischer Seite durch Trenitalia geführt. Die operative Tätigkeit von Cisalpino wurde eingestellt. Das Gotthard-Komitee begrüsst diesen Schritt, entspricht doch die Qualität des internationalen Personenverkehrs auf der Nord-Süd-Achse zwischen der Schweiz und Italien schon seit längerer Zeit nicht mehr den Erwartungen. Dies gilt in erster Linie für die Pünktlichkeit und die Verlässlichkeit des Rollmaterials. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen konnten die SBB verschiedene Male ihre mit Cisalpino 2 angekündigten Verbesserungen beim Rollmaterial und beim Fahrplan nicht umsetzen. Das Gotthard-Komitee ist zuversichtlich, dass die angekündigte Fahrplanstabilisierung und der Angebotsausbau nun zügig an die Hand genommen werden. Der Tatbeweis ist nach Auffassung der Gotthard-Kantone im Rahmen einer befristeten Konzession von zwei bis vier Jahren zu erbringen. Vor einer definitiven Konzessionserteilung sind gesicherte Aussagen zum Angebot der nächsten Jahre erforderlich.
Mit der Forderung nach einer befristeten Konzession schliesst sich das Gotthard-Komitee der Haltung der betroffenen Kantone an. Diese sind vom Bundesamt für Verkehr zur Stellungnahme zum Gesuch um Konzessionsübernahme eingeladen worden.
Siehe auch
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