Zunehmende Engpässe auch im Aaretal und Raum Basel: Ausbau der Lötschbergachse nötig und machbar
erstellt am 16. März 2010 @ 08:32 Uhr
Unternehmenskommunikation BLS
Ein Ausbau des heute zu zwei Dritteln einspurigen Lötschberg-Basistunnels unter laufendem Bahnbetrieb ist technisch machbar. Dabei ist mit einer Bauzeit von rund 12 Jahren und Kosten von 1330 Mio. (Vollausbau), respektive CHF 790 Mio. (reduzierter Ausbau Ferden-Mitholz) zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der BLS AG. Um die rasch wachsende Nachfrage im Personen- und Güterverkehr bewältigen zu können, müssen auf der Nord-Südachse neben dem Ausbau des Lötschberg-Basistunnels weitere Engpässe zwischen Bern und Thun, auf den Zufahrten zum Knoten Bern sowie zwischen Olten und Basel (Wisenberg) behoben werden.
Ein Ausbau des Lötschberg-Basistunnels würde einen Halbstundentakt von Bern ins Wallis ermöglichen und die heutige Güterverkehrskapazität mindestens verdoppeln. Dies ist nötig, weil sich die Nachfrage sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr anhaltend stark entwickelt und die Lötschberg-Basisstrecke bereits heute schweizweit zu den Abschnitten mit der höchsten Kapazitätsauslastung gehört. Ein ausgebauter Basistunnel würde die Verlagerungspolitik des Bundes zusätzlich stützen, weil dann keine Güterzüge mehr über die Bergstrecke verkehren müssten und sich so beträchtliche Produktivitätsgewinne für die Schiene realisieren liessen.
Die BLS beauftragte deshalb eine Gemeinschaft von Ingenieurbüros damit, die technische Machbarkeit eines künftigen Vollausbaus der heute zu zwei Dritteln einspurigen Strecke abzuklären. Damit wollte sie das während der Bauzeit der Anlagen entstandene projektspezifische Know-How für künftige Generationen sichern und zu Handen der Politik Entscheidungsgrundlagen über die künftige Bahninfrastrukturentwicklung zur Verfügung stellen.
Zwei Ausbauvarianten untersucht
Die Autoren der Studie untersuchten sowohl den Vollausbau des Basistunnels auf zwei Spuren als auch einen reduzierten Ausbau, der sich auf den bereits heute ausgebrochenen, aber noch nicht bahntechnisch ausgerüsteten Tunnelabschnitt Mitholz–Ferden beschränkt. Sie kommen zum Schluss, dass beide Varianten unter Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes technisch machbar sind. Dabei ist für einen Vollausbau mit Kosten von CHF 1’330 Mio., für die Ausrüstung Ferden-Mitholz von CHF 790 Mio. zu rechnen. Die Bauzeit inkl. Vorbereitung beliefe sich bei beiden Varianten auf rund 12 Jahre. Bei beiden Varianten wäre das Risiko einer Beeinträchtigung des Bahnbetriebs gering und zeitlich begrenzt.
Grosse Engpässe auf den Zuläufen im Raum Bern und südlich von Basel
Das rasche Nachfragewachstum im Schienenverkehr führt nicht nur im Lötschberg-Basistunnel, sondern insbesondere auf dessen Zulaufstrecken zu markanten Schienenengpässen. Der grösste Engpass liegt dabei im Aaretal zwischen Bern und Thun. Hier braucht es eine dritte Gleisachse auf der 8 Kilometer langen Strecke Gümligen-Münsingen sowie zusätzliche Entflechtungsbauten auf den Zuläufen zum Knoten Bern. Auf diesen Abschnitten müssen sich heute die Gütertransit- und Personenfernverkehrszüge die bestehenden Gleise mit der dichtvertakteten S-Bahn teilen. Diese stösst bereits an ihre Kapazitätsgrenzen und wird gemäss Prognosen in den nächsten 15 Jahren um weitere 60% wachsen. Auf den bestehenden Gleisanlagen lässt sich das heutige Verkehrsangebot jedoch kaum mehr erweitern. Eine nachfragegerechte Entwicklung des Personenverkehrs ohne Beeinträchtigung des Güterverkehrs und damit des Verlagerungsziels ist deshalb im jetzigen System nur mit zusätzlichen Infrastrukturausbauten möglich.
Ein weiterer Entwicklungsengpass zeichnet sich zudem zwischen Basel und Olten ab. Eine zusätzliche Juraquerung (Wisenbergtunnel) würde hier die nötigen Kapazitäten schaffen, um den Güterverkehr ohne Beeinträchtigung durch den Personenverkehr von Norden her an die Lötschberg-Simplonlinie heranzuführen.
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