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ZVV und S-Bahn Zürich: Sicherheit aus einer Hand
erstellt am 31. August 2010 @ 10:57 Uhr
ZVV / SBB CFF FFS / SEV
Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) schafft ab Januar 2011 eine neue Sicherheitsorganisation. Diese koordiniert alle Aspekte der Sicherheit und der Ticketkontrolle im ganzen Verbundgebiet. Damit trägt der ZVV gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung und sorgt dafür, dass das Zug- und Busfahren für Fahrgäste und Personal insbesondere auch abends und nachts reibungslos verläuft. Grundlage bildet das neue Bundesgesetz über die Sicherheitsorgane der Transportunternehmen.
Unter der Leitung der Transportpolizei arbeiten schrittweise ab 2011 die Transportpolizei, ein neuer, speziell ausgebildeter Sicherheitsdienst, Präventionsassistenten und Kontrollpersonal zusammen. Dieses Personal kann flexibel und sachgerecht auf allen Verkehrsmitteln eingesetzt werden und kümmert sich sowohl um die Sicherheit als auch die Ticketkontrollen. Die bisherige durchgehende Begleitung aller S-Bahnzüge nach 21.00 Uhr wird durch den flexibleren Einsatz des Sicherheitsdienstes abgelöst. Ausgenommen davon sind die Nacht-S-Bahnen von SBB und SZU – sie bleiben durchgehend begleitet. Neu werden auch Bahnhöfe und Busunternehmen in die Touren mit einbezogen. Bis Ende 2012 soll die neue Organisation aufgebaut sein. Ausgenommen von diesem Konzept ist die Stadt Zürich und zum Teil auch die Stadt Winterthur. Dort deckt die Zusammenarbeit mit den beiden Stadtpolizeien die Bedürfnisse der Verkehrsunternehmen bereits ab.
Bessere Effizienz durch präzise Koordination
Der ZVV wendet jährlich rund 42 Mio. Franken für die Sicherheitsorganisation einschliesslich Ticketkontrolle auf – mit Erfolg: das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste auf S-Bahn, Tram und Bus stieg seit 2002 stetig. Allerdings organisieren sich die Verkehrsunternehmen im ZVV punkto Sicherheit heute weitgehend eigenständig. Die Transportpolizei der SBB ist bisher nur auf der S-Bahn und an Bahnhöfen präsent. Auf den übrigen Verkehrsmitteln sind fünf private Sicherheitsfirmen im Einsatz. Um die Ticketkontrolle kümmern sich drei Kontrollpools. Diese heterogene Organisationsform ist wenig flexibel und führt zu Doppelspurigkeiten. Das neue Konzept sieht speziell ausgebildetes Sicherheitspersonal vor, das verkehrsmittelübergreifend einsetzbar ist. Damit können Kräfte gebündelt und Personal und Mittel im ganzen ZVV optimal eingesetzt werden.
Für die Zukunft rüsten
In den letzten Jahren nahmen die Mobilitätsansprüche der Gesellschaft zu – vor allem am Abend und in der Nacht. Das veränderte Ausgehverhalten wirkt sich auch auf das Verhalten der Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Insbesondere Ticketkontrollen bieten Anlass für Konflikte. Kontroll- und Fahrpersonal sehen sich zunehmend mit Aggressionen und Gewaltbereitschaft konfrontiert, für deren Bewältigung bisher die notwendigen Kompetenzen fehlen. Die Nachfrage wird zudem in den kommenden Jahren weiter steigen. Daher sind vor allem bei der Gewährleistung der Sicherheit abends und nachts sowie generell bei der Effizienz der Einnahmensicherung differenziertere Massnahmen angezeigt, damit die Anzahl Schwarzfahrer klein und die Sicherheitslage stabil bleibt.
Stellungnahme SEV:
300 SBB-Zugbegleiter/innen verlieren ihre Stelle: Zürcher Verkehrsverbund will systematische Randstundenbegleitung abschaffen
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV bedauert den überraschenden Entscheid des ZVV, ab 2012 auf die bewährte Doppelbegleitung der S-Bahn-Züge in den Randstunden zu verzichten. Damit werden rund 300 Zugbegleiterinnen stellenlos. Für sie fordert der SEV alternative Stellen. Kündigungen darf es keine geben.
Über das neue Sicherheitskonzept im ZVV ist der SEV erst vor einigen Stunden in den groben Zügen informiert worden. Das neue Konzept bedeutet, dass der ZVV ab 1.1.2012 darauf verzichtet, die S-Bahn-Züge wie bisher in den Randstunden (ab 21 Uhr am Abend und in den Frühzügen an den Wochenenden) systematisch durch je zwei Zugchefs/-innen S-Bahn (ZuS) begleiten zu lassen.
Europaweit beachtetes Vorzeigemodell in Gefahr
Der ZVV nimmt so in Kauf, dass in den Randstunden gewisse Züge unbegleitet verkehren werden, und verabschiedet sich sang- und klanglos von einem Sicherheitskonzept, das bisher europaweit als vorbildlich galt. Damit könnte der ZVV Bahnkund/innen verlieren, die nicht das Risiko eingehen wollen, in den Randstunden in einem unbegleiteten Zug fahren zu müssen.
Den Preis für die Konzeptänderung bezahlt neben der Kundschaft aber vor allem das SBB-Personal, denn durch die Abschaffung der Randstunden-Zugbegleitung verlieren die rund 300 ZuS der SBB spätestens Ende 2011 ihre Stelle.
Darunter sind einige ZuS, die erst diesen September ihre sechsmonatige Ausbildung abschliessen und nun höchstens noch bis Ende 2011 auf ihrem neuen Beruf arbeiten können – eine ziemlich perverse Folge des öV-Bestellungssystems! Offensichtlich hatte also auch ihr Arbeitgeber SBB vor sechs Monaten noch nicht mit der Konzeptänderung des ZVV gerechnet.
SEV fordert berufliche Perspektiven für alle Betroffenen
Für den SEV ist klar, dass es wegen dem neuen Konzept keine Kündigungen geben darf. Die SBB muss den betroffenen ZuS zumutbare alternative Stellen inklusive Aus- und Weiterbildungen anbieten. Der SEV wird in den kommenden Tagen mit den betroffenen Kolleg/-innen Versammlungen durchführen und sie bei Bedarf individuell unterstützen.
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