BLT Tango-Tram: Einsätze des Stadler-Fahrzeuges bei BLT und BVB
erstellt am 03. September 2008 @ 14:28 Uhr
BLT (Text/Fotos) / Sandro Hartmeier (Text) / Basler Verkehrs-Betriebe (Text)
Am 2. September 2008 nahm die BLT in Oberwil ihr erstes Tango-Tram in Empfang. Anschliessend erfolgte die Phase der Inbetriebsetzung, Tests und technischbetrieblichen Sicherheitsprüfung durch das Bundesamt für Verkehr. Gebaut wird die neue Tramgeneration von Stadler Rail in Altenrhein, transportiert wird es auf einem Spezialtieflader ins Baselbiet. Seit Januar 2009 ist das Tango-Tram mit Fahrgästen unterwegs.
Endlich war es soweit. Das erste Tango-Tram einer neuen Tramgeneration traf am 2. September 2008 in Oberwil am BLT Hauptsitz ein. Der Transport erfolgte auf der Strasse mit einem Spezialtieflader, auf dem die Hälfte des ersten Tango-Trams Platz fand. Das Zugfahrzeug inkl. Tram hatte ein Gewicht von 72 Tonnen. Mittels einer Rampe wurden die drei Wagenkastenteile auf die Schienen gefahren und ins Depot rangiert. Wie vor zwei Jahren von Stadler Rail AG angekündigt, wurde damit die erste Teillieferung der vier Vorserienfahrzeuge pünktlich vollzogen.
In der Nacht durchquerte der Spezialtransporter die Schweiz von Ost nach West soweit möglich auf Autobahnen. In Pratteln wurde der Konvoi durch die Baselbieter Polizei empfangen und bis Oberwil begleitet.
Da ein geeigneter SBB Gleisanschluss ans Schienennetz von BLT/BVB fehlt, um ein solch langes Tram abzuladen, musste der Weg über die Strasse gewählt werden.
In der Nacht vom 2. auf den 3. September wurde die zweite Hälfte des Trams in den Raum Basel transportiert und am Mittwochmorgen auf dieselbe Weise abgeladen. Nach dem Zusammenbau der beiden Fahrzeughälften folgten umfangreiche Tests. Insbesondere die komplexen Steuerungssysteme wurden unter realen Bedingungen intensiv geprüft und justiert. Die Tests beinhalteten auch Belastungsfahrten auf dem gesamten Schienennetzes der BLT und BVB.
Nach einer technisch-betrieblichen Sicherheitsprüfung durch das Bundesamt für Verkehr begann die Ausbildung der Wagenführerinnen und Wagenführer der BLT.
Am Samstag, 22. November 2008, wurde das Tango-Tram der Öffentlichkeit vorgestellt. Über 6’000 Personen nahmen an der Themenrundfahrt teil, in der die Entwicklung des Trams – vom Pferdetram bis zur modernen Stadtbahn – in Meilenschritten und mit einem Augenzwinkern vorstellt wurde.
Zwischen Dezember 2008 und März 2009 wurden die drei weiteren Prototypen an die BLT ausgeliefert.
Tango im fahrplanmässigen Einsatz
Seit dem 5. Januar 2009 können die BLT-Fahrgäste das neue Tango-Fahrgefühl erleben – der BLT Be 6/10 151 stand als erstes Fahrzeug im Fahrplaneinsatz.
Da seit dem 8. April 2009 alle Wagenführerinnen und Wagenführer auf dem Tango-Tram ausgebildet sind, können seit dem 9. April ein bis zwei Tangotrams ganztägig mehrheitlich auf den Linien 10 und 17 verkehren. Das dritte Tram ist nach der Inbetriebnahme der BVB abgegeben worden, dieses soll bis Dezember 2009 auf den Linien 1, 3, 6, 8 und 14 eingesetzt werden.
Ab Anfang Juni wird ein Tango auch regelmässig auf der Linie 11 eingesetzt werden.
TANGO auf der BVB-Tramlinie 1 und 14
Seit Montag 11. Mai 2009 ist bei der BVB ein BLT-Tango Tram im Einsatz. Nach dem Einsatz auf der Linie 8 (11. Mai bis 4. Juli) und auf der Linie 6 (6. Juli bis 13. September) wird ab Montag 14. September 09 das Tango- Tram auf der Linie 1 / Linie 14 eingesetzt. Das Fahrzeug mit der Nummer 153 wird bis Ende November 2009 bei der BVB beheimatet sein.
Bei beiden Unternehmungen steht eine grosse Rollmaterialerneuerung an. Um Synergien in der Beschaffung und Erprobung zu nutzen, haben die beiden Betriebe beschlossen, das neue Rollmaterial gemeinsam zu bestellen. Aus der 2006 durchgeführten Ausschreibung ging die Firma Stadler Rail mit ihrem TANGO als Gewinnerin hervor. Das Fahrzeug ist 45 Meter lang und bietet 276 Plätze, wovon 94 Sitzplätze. Alle Türen und 75% des Wagenbodens sind niederflurig.
Bevor die grosse Bestellung bei Stadler Rail definitiv in Auftrag gegeben wird, soll das neue Tram auf dem Netz von BVB und BLT gründlich getestet werden. Nicht nur gilt es Erfahrungen im Betrieb auszuwerten, sondern es sind auch Messungen im technischen Bereich im Gang. Allfällige Kinderkrankheiten und Schwächen können so erkannt und bei den Serienfahrzeugen von vornherein behoben werden.
Update Die Einsätze der TANGO-Prototypen
- BLT Be 6/10 151 ist bei der BLT im Einsatz
- BLT Be 6/10 152Â ist bei der BLT im Einsatz
- BLT Be 6/10 153Â ist bis Ende November 2009 bei der BVB im Einsatz
- BLT Be 6/10 154 ist bei der BLT im Einsatz und war nach der Auslieferung zuerst in Zürich, auf der Linie 7, und vom 11. – 14. November 2009 in Bern im Einsatz
Resultate der Fahrgastumfrage Tango-Tram
Bevor BLT und BVB die Bestellung auslösen, werden die neuen Trams intensiv getestet und Optimierungspotenziale für die Serie identifiziert. Dazu gehören nicht nur die technischen und betrieblichen Aspekte, sondern vor allem auch die Sicht der Kunden. Im Juni und Juli 2009 führten die beiden Verkehrsbetriebe eine grosse Fahrgastumfrage durch. Die Resultate liegen nun vor: Das Tramhat die Fahrgäste überzeugt, wenngleich für einige Punkte Verbesserungen möglich sind.
Die Umfrage
3’202 Personen haben an der Tango-Umfrage im Juni und Juli 2009 per Fragebogen und via Internet teilgenommen. Neben den Bewertungen sind es besonders die Kommentare, die für die BLT und BVB sehr wertvoll sind. Die Ergebnisse geben ein gutes Gesamtbild der Stärken und Verbesserungspotentiale. Drei Themenbereiche standen im Vordergrund: das Tango-Tram von aussen, das Fahrgefühl und der Fahrgastraum.
Tango von aussen
Die Fahrgäste finden den Tango optisch mehrheitlich ansprechend und gelungen. Attribute wie futuristisch und elegant werden häufig genannt. Während das einfache
Ein- und Aussteigen begrüsst wird, wird die Lärmemission beim Anhalten beanstandet. Die Bremsen quietschen in einigen Drehgestellen. Der Hersteller Stadler Rail hat diesbezüglich schon grosse Anstrengungen unternommen. Leider erzielten sieben bis heute getestete Bremsbelagssorten nicht die gewünschte Verbesserung. Vor Kurzem hat Stadler diesbezüglich ein für Akustik spezialisiertes Ingenieurbüro mit der Ursachen- und Lösungssuche beauftragt.
Im Tango unterwegs
Die Laufruhe des Tango-Trams wird allgemein sehr gelobt. Das Tram fährt dank der bewährten Drehgestelltechnik sehr ruhig. Dies kann sich auf die Beanspruchung der Infrastruktur und auf den Verschleiss der Drehgestelle positiv auswirken. Anderseits kann es dafür nicht als durchgängiges Niederflurtram gebaut werden, was sich einige Fahrgäste wünschen würden. Sie bemängeln die Stufen und teilweisen Erhöhungen zwischen den Abteilen. Hier wird untersucht, inwiefern durch konstruktive Optimierungen die Unebenheiten reduziert und der Zugang zu den Sitzplätzen auf dem Laufdrehgestell vereinfacht werden kann. Das Tango-Tram hält für viele Fahrgäste noch zu ruckartig und abrupt an. Durch Änderungen in der Softwaresteuerung und mit zunehmender Routine des Fahrpersonals verbessert sich dies jedoch laufend.
Tango von innen
Zum Fahrgastraum sind am meisten Bemerkungen eingegangen, welche überprüft und wenn möglich in der Serienproduktion berücksichtigt werden. Das Tango-
Tram weist zwar gegenüber herkömmlichen Tramkompositionen 10% mehr Transportkapazitäten auf, verfügt aber über acht Sitzplätze weniger als eine BLT-Doppeltraktion. Dies fällt auf und wird beanstandet. Im Rahmen der Innenraumoptimierung lassen sich voraussichtlich bis zu vier zusätzliche Sitzplätze gewinnen, dies jedoch auf Kosten der Stehfläche. Irritationen lösen bei einigen Befragten die 1½ Sitzplätze aus. Auf diese wird in der Serienproduktion nach Möglichkeit verzichtet. Gewünscht werden ferner mehr Haltestangen und Festhaltemöglichkeiten. Störend empfinden ausserdem zahlreiche Fahrgäste die helle und kalte Beleuchtung. Im ersten Quartal 2010 werden Tests mit zwei unterschiedlichen LED-Beleuchtungselementen durchgeführt, die wärmeres Licht verbreiten sollen. Nicht jeder Eingang verfügt über einen idealen Auffangraum für Kinderwagen. Mit einer klaren Kennzeichnung von vorgesehenen Plätzen für Kinderwagen lässt sich die Nutzung künftig vereinfachen.
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