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Intercity-FLIRT von STADLER für Norwegen – Unfall bei Testahrt in Norwegen

4. Juli 2012 @ 16:29 Uhr | NEU Ihr Kommentar | Seite als PDF | Meldung senden 

erstellt am 04. Oktober 2010 @ 09:16 Uhr
Stadler Rail Group / Erik Schneider / Marcel Manhart / Sandro Hartmeier / SHT
NSB FLIRT BM 74 Stadler 2543_02Tormod Gjermundsen, Vice President der Division Personenbeförderung und Leiter der Division Technik der Norwegischen Staatsbahnen NSB, und Peter Spuhler, Inhaber und Group-CEO von Stadler Rail, haben an der Innotrans in Berlin den ersten Intercity-FLIRT präsentiert. Die NSB hat 50 dieser FLIRT bestellt. Es handelt sich dabei um die grösste Flottenerneuerung in der NSB-Geschichte. Für Stadler ist es der erste Intercity-Zug für Tempo 200 km/h. Innert nur 24 Monaten seit Vertragsunterschrift hat Stadler das neue Fahrzeug konstruiert und gebaut.

NSB setzen auf modernes Rollmaterial von Stadler
Die NSB haben vor zwei Jahren an Stadler den Auftrag für 50 fünfteilige FLIRT sowie eine Option für 100 weitere Züge vergeben. Davon sind 24 Züge als Intercity-Version mit hochwertiger Innenausstattung für den Fernverkehr im gesamten östlichen Norwegen bis nach Bergen konzipiert. Weitere 26 Züge sind als S-Bahn-Version für den Grossraum Oslo bestimmt.

Tom Ingulstad, Senior Vice President und Leiter der Division Personenverkehr der NSB sagt: „Wir sind stolz darauf, dass der erste Zug nun das Werk verlassen hat. Tausende Stunden exakter Konstruktions- und Produktionsarbeit haben einen Zug hervorgebracht, von dem wir überzeugt sind, dass er unseren Kunden hervorragende Dienste leisten wird. Die Zusammenarbeit mit Stadler war exzellent. Die Tatsache, dass Stadler seinen Konstruktionsschwerpunkt auf Sicherheit, Kundenkomfort und Zuverlässigkeit legte, war dabei von grossem Wert.“

Der NSB-FLIRT ist ein weiterer Meilenstein für Stadler in Skandinavien nach den Aufträgen über 32 FLIRT für die S-Bahn Helsinki und 17 Strassenbahnen für die Stadt Bergen. Neben der speziellen Intercity-Ausführung zeichnen sich die 50 NSB-FLIRT durch eine hohe Wintertauglichkeit aus, die Temperaturen bis –40 °C bewältigen kann. Das Konzept basiert auf dem FLIRT für die S-Bahn Helsinki, der bereits seit zwei Jahren erfolgreich im Einsatz steht und mit dem gute Erfahrungen gemacht wurden. Die Freude von Peter Spuhler ist gross: „Wir sind sehr stolz, dass es uns gelungen ist, die hohen Anforderungen des Fahrzeugpflichtenheftes mit dem FLIRT-Konzept zu erfüllen und dieses neue Fahrzeug innerhalb von nur 24 Monaten zu konstruieren und zu bauen.“

„Wir sind zuversichtlich, dass der Zug mit den Wetterbedingungen des norwegischen Winters gut zurechtkommen wird. Denn die Art, wie er gebaut ist, basiert auf der Erfahrung von Stadler bei der Konstruktion von Zügen, die in der Schweiz und in Finnland verkehren. Wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit mit Stadler – so lange, bis die Züge für den Einsatz in Norwegen bereit sind und darüber hinaus“, sagte Tormod Gjermundsen, Vice President Division Personenverkehr und Leiter der Abteilung Technik der NSB.

Der modifizierte FLIRT für die NSB
Die von NSB bestellten Fahrzeuge basieren grundsätzlich auf dem von Stadler bisher 618-mal erfolgreich verkauften FLIRT. In verschiedenen Bereichen wurde der modular aufgebaute FLIRT weiterentwickelt und an die besonderen Bedürfnisse der NSB angepasst. Die NSB-Triebzüge sind fünfteilig und verfügen über drei Antriebseinheiten statt über zwei, wie bei den 4-teiligen FLIRTs üblich. Das im Vergleich zu Kontinentaleuropa breitere norwegische Profil erlaubt eine Wagenkastenbreite von 3’200 mm, so dass die NSB-FLIRT komfortabel mit einer Sitzanordnung 3 + 2 ausgestattet werden können.

NSB betonte, dass der Zug bereits in seiner Grundkonstruktion für alle Kunden – ungeachtet einer möglichen Behinderung – gut zugänglich ist. Der Zug verfügt über diverse Vorzüge, so sind grosse Teile in Niederflurbauweise gehalten, was allen Fahrgästen das Ein- und Aussteigen erleichtert. Geräumige Toiletten sowie eine deutliche Beschilderung erfüllen ebenfalls die Vorgabe, ein Zug für alle Fahrgäste zu sein. Für die neuen Züge hat die NSB strenge Umweltauflagen festgelegt. Diese betreffen sowohl die Herstellung und den Betrieb als auch das Materialrecycling bei der Ausserbetriebsetzung der Züge. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, legt die NSB zudem spezifische Auflagen zur Energieeffizienz beim Betrieb der Züge fest. Darüber hinaus hat die NSB eine Ökobilanz erstellen lassen, in der die Umweltverträglichkeit des Zuges von seiner Herstellung bis zur Entsorgung abgebildet wird.

Testfahrten in Doppeltraktion in der Schweiz
Am 12. April 2011 fanden erstmals Testfahrten in Doppeltraktion mit den STADLER-FLIRT-Zügen für die NSB statt.

Diverse Bilder zeigen die Doppeltraktions-Tesfahrten vom 15. April 2011:

Verschiedenen Test- und Überfuhrfahrten in der Schweiz
NSB FLIRT BM 74 Stadler 2543_03Am 4. Mai 2011 fanden mit den Norgwegen-FLIRT-Garnituren BM 74 103/74 503 [NSB-Zug 74 103 / 74 203 / 74 303 / 74 403 / 74 503 mit den Endwagen 94 76 040 1003-5 (74 503) bzw. 94 76 040 1004-3 (74 103)] von Stadler Rail Testfahrten zwischen Sargans und Landquart statt. Anschliessend war die Komposition als Testzug 97892 von Landquart via Rorschach – Romanshorn nach Winterthur unterwegs.

NSB FLIRT BM 74 Stadler 2543_04Die Test- und Überfuhrfahrten im Bild:

FLIRT-Entgleisung in Norwegen
NSB FLIRT Unfall Testahrt Norwegen 2543_05Stadler Rail ist über die Entgleisung des FLIRT’s Nummer 5 in Norwegen sehr betroffen. Die Ursache der Entgleisung wird von der norwegischen Havariekommission untersucht. Erste Ergebnisse wurden am 17. Februar 2012 veröffentlicht.

Am 15.2.2012 ist um ca. 10.30 Uhr auf der Strecke der Vestfoldbahn (Verbindung Drammen – Skien) nördlich des Bahnhofs Nykirke, im Naturschutzgebiet Tangenbekken, der NSB-FLIRT BM 74 105/74 505 entgleist. Der Zug 12926 befand sich auf einer geplanten Testfahrt, als es auf einem kurvigen Streckenabschnitt zur Entgleisung und anschliessender Kollision mit einem Felsen kam. Ein Wagen der Triebzugeinheit kippte durch den Unfall um, drei Wagen der fünfteiligen Einheit entgleisten und die ganze Komposition wurde stark beschädigt. An Bord des Zuges waren zum Unglückszeitpunkt fünf Personen, darunter drei norwegische NSB-Mitarbeiter, ein polnischer Stadler-Mitarbeiter und ein finnischer Mitarbeiter einer Zulieferfirma. Alle fünf Personen waren wenige Tage nach dem Unfall aus dem Spital entlassen worden. Darüber war Stadler Rail sehr erleichtert und dankte allen Beteiligten, namentlich den norwegischen Behörden, den NSB und der Havariekommission für die rasche und professionelle Hilfe. Auch an der Infrastruktur entstanden beträchtliche Schäden, es mussten 300 Meter Gleis, 350 Schwellen und 2 Fahrleitungsmasten komplett erneuert werden.

Die Havariekommission ist für die Präsentation der Ergebnisse verantwortlich, sie präsentierte am 17.2.2012 erste Ergebnisse der Analyse. Untersucht werden Aspekte zur Strecke, zum Fahrzeug und allfälliges menschliches Versagen: Das Unglück ereignete sich auf einem Streckenabschnitt mit relativ engen Kurven, wo die Höchstgeschwindigkeit 70 km/h beträgt. Die Entgleisung geschah ca. 50 – 60 Meter nachdem die Streckenhöchstgeschwindigkeit von 130 auf 70 km/h reduziert wird. Diese Geschwindigkeitsbeschränkung wird mit einem Schild ca. 1200 Meter vor dem Beginn signalisiert.

Der FLIRT ist mit einem Fahrtenschreiber TELOC ausgerüstet und verfügt über Überwachungskameras. Die Daten dieser beiden Systeme sind der zuständigen Kommission zugänglich gemacht worden und wurden ausgewertet. Diese zeigten, dass der Zug 135 km/h fuhr, als die Bremsung eingeleitet wurde. Die vorläufigen Analysen lassen vermuten, dass vom Beginn des Bremsens bis zum Stillstand des Zuges etwa 11 Sekunden vergingen. Die zurückgelegte Strecke beträgt 340 Meter. Der Havariekommission ist derzeit nicht bekannt, warum der Zug dieses Tempo hatte.

Die Havariekommission setzet ihre Untersuchungen mit dem Ziel fort, die Faktoren und Zusammenhänge, die zum Unglück führten, aufzudecken. Nach einem zweiten Untersuchungsbericht vom März 2012 lagen am Fahrzeug selbst keine Mängel vor. Zum Unglück führte laut aktuellen Ermittlungen, dass der fahrende Lokführer durch einen Telefonanruf abgelenkt war.

Stadler Rail bedauert diesen Unfall ausserordentlich und hofft, dass mit den weiteren Untersuchungen bald Klarheit über die endgültige Unfallursache bestehen wird. Stadler Mitarbeiter sind vor Ort und geben den Behörden und Verantwortlichen technischen Support.

Stadler Rail hat mit der NSB im September 2008 den Vertrag über die Lieferung von 50 FLIRT unterschrieben. Zehn Fahrzeuge wurden ausgeliefert, diese befanden sich zum Unglückszeitpunkt im geplanten Testbetrieb und hatten bis dahin 140’000 km absolviert. Die Kompositionen waren bis zur regulären Betriebsaufnahme noch im Besitz der Stadler Rail Group. Der Einsatz der ersten FLIRT-Züge im regulären Verkehr hätte am 29. Februar 2012 beginnen sollen und wurden nach dem Unglück verschoben. Die Betriebsaufnahme erfolgte schliesslich am 2. Mai 2012 mit einem Zug der S-Bahn-Version „Short Regional“, die Testfahrten wurden bereits am 19. März 2012 wieder aufgenommen. Mit Beginn des planmässigen Einsatzes wurde die NSB auch Besitzerin der Züge.

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