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Neue STADLER-Züge für die Mariazellerbahn ab März 2013
erstellt am 20. Januar 2011 @ 14:21 Uhr
NÖVOG / Sandro Hartmeier / Stadler Rail Group
Nach der Übernahme der Mariazellerbahn durch die NÖVOG war der Weg frei, die dringend nötige Beschaffung von neuem Rollmaterial in die Wege zu leiten.
Das derzeitige Rollmaterial ist wegen seines hohen Alters und der damit verbunden Faszination weltberühmt, verursacht damit aber hohe Betriebskosten und verhindert damit den erforderlichen wirtschaftlichen Betrieb mit niedrigen Wartungskosten. Vor allem aber bestehen grosse Defizite im Bereich des heute üblichen Komforts, insbesondere der fehlenden Barrierefreiheit. Die Reise in nostalgischen Zügen mit engem Sitzabstand, minimalem Sitzkomfort, auf eine Heizung beschränktes Raumklima und dies bei entsprechender Geräuschkulisse vermag das Herz von Bahnfreunden zu erfreuen und zollt den Respekt vor der damaligen Technik.
Die NÖVOG schrieb in der 2. Jahreshälfte 2010 neue Fahrzeuge aus, wobei das Pflichtenheft der neuen Züge nur funktional vorgegeben wurde. Im Dezember 2010 entschied sich die NÖVOG zur Vergabe an Stadler Rail und bestellte neun dreiteilige Gelenktriebzüge mit je 127 Sitzplätzen und vier Premium-Panorama-Wagen zu je 36 Sitzplätzen in 1. Klasse.
Gelenktriebzug
Die dreiteiligen Gelenktriebwagen sind behindertenfreundlich mit einem hohen Niederfluranteil ausgerüstet. Alle Einstiege befinden sich in den Niederflurabteilen, so dass es künftig „Eintreten statt Einsteigen“ heissen wird. Die Gelenktriebwagen bestehen aus einem vierachsigen Mittelwagen, auf den die beiden Endtriebwagen mit je einem Antriebsdrehgestell aufgesattelt sind und erreichen eine Länge von 50.2m. Diese Konstruktion stützt sich auf die Ausführung der meterspurigen Triebzüge „Diamant“ der Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM) in der Agglomeration von Zürich und „Star“ der Aare-Seeland mobil (ASm) bei Solothurn, wobei die Strecke der BDWM zu einem erheblichen Teil in einer Steigung von 50 ‰ liegt und damit die Mariazellerbahn deutlich übertrifft.
Zur Komfortsteigerung trägt die Wahl der Kastenbreite von 2’650 mm wie sie für Meterspurbahnen – Stichwort „Glacier-Express“ – üblich ist und auch bei den neuen Fahrzeugen der Pinzgaubahn und der Zillertalbahn Anwendung fand, bei. Die Gelenktriebzüge verfügen über komfortabel ausgerüstete Passagierbereiche mit 127 Sitzen bei einem Sitzteiler von 1’750mm und sind klimatisiert. Damit die Landschaft genossen werden kann, entspricht der Fensterteiler dem Sitzteiler. Ein modernes Passagierinformationssystem mit Sitzplatzreservierungssystem, das auch die Bedürfnisse behinderter Passagiere berücksichtigt, rundet den hohen Komfortanspruch dieser Züge ab. Die niederflurigen Einstiegsbereiche sind mit grosszügigen Drängelräumen gestaltet, um auch bei hohem Fahrgastaufkommen mit Traglasten einen raschen Fahrgastwechsel zu ermöglichen. Jeder Gelenktriebzug ist mit zwei geschlossenen Toiletten ausgerüstet, wovon eine ein behindertengängiges WC ist. Breite, geschlossene Übergänge innerhalb des Gelenktriebzuges ermöglichen den freizügigen Durchgang durch die drei Wagen.
Der Umstand, dass Stadler Rail als Hersteller von Zahnradfahrzeugen über eine grosse Erfahrung im Bau von angepassten Fahrwerken verfügt, erlaubt die Konstruktion eines Triebdrehgestells mit Einzelachsantrieb für die Spurweite von 760mm. Jedes Triebdrehgestell ist mit zwei Drehstrommotoren zu je 300kW Leistung ausgerüstet, so dass der gesamte Gelenktriebzug über eine Leistung von 1’200kW verfügt und damit eine neue Leistungsklasse bei der Mariazellerbahn darstellt. Die Anfahrzugkraft beträgt dabei 140kN, die bis zu einer Geschwindigkeit von 31km/h ausgeübt wird. Die Gelenktriebzüge werden für eine betriebliche Höchstgeschwindigkeit von 80km/h gebaut. Die bisherige Vakuumbremse wird durch eine moderne Druckluftbremse mit geräuscharmen Scheibenbremsen abgelöst. Aus diesem Grunde können mit dem neuen Gelenktriebzug keine Anhängewagen der bisherigen Generation befördert werden. Zusätzlich sind die Lauf-Drehgestelle mit einer Magnetschienenbremse ausgerüstet. Sowohl die Triebdrehgestelle wie auch die Laufdrehgestelle sind mit Luftfederung versehen und sichern damit einen hohen Fahrkomfort.
Damit auch in Zukunft der Betrieb von Nostalgiezügen mit den ältesten noch in Betrieb stehenden Elektrolokomotiven der BR 1099 noch möglich sein wird, wurde die Fahrleitungsspannung von 6’500V und 25Hz beibehalten. Die moderne Umrichtertechnik erlaubt die Anwendung dieser Sonderspannung ohne nennenswerten Mehraufwand. Die Antriebsausrüstung basiert auf der Verwendung der energiesparenden, bewährten Umrichterausrüstung in IGBT-Technik wie sie in den Zügen „FLIRT“ eingesetzt ist. Die gesamte Traktionsausrüstung ist redundant aufgebaut. Im Bremsbetrieb wird die Energie mit einem Maximalwert von 1’260 kW für die Speisung der Klimaanlagen, der Heizung und allen weiteren Nebenanlagen verwendet und zusätzlich in das Fahrleitungsnetz zurückgespeist. Bis zu drei Einheiten können in Vielfachsteuerung verkehren. Ein Gelenktriebzug ist in der Lage, eine Anhängelast von vier Panorama-Wagen zu befördern.
Premium – Panorama-Wagen
Die vier Panorama-Wagen bilden die neue Premiumgarnitur der Mariazellerbahn und stellen eine neue Kultur im Reisen auf dieser Bahn dar. Die Wagen mit einer Länge von 16.5m sind auf der Basis der „Glacier-Express“-Wagen in Aluminiumbauweise konzipiert. Diese Wagen sind als reine 1. Klasse-Wagen gebaut und dem hochwertigen Verkehr vorbehalten. Sie verfügen über 36 Sitzplätze in einer 2+1 Anordnung bei einem Sitzteiler von 1’900mm und über eine optionale Cateringmöglichkeit. Die grosszügigen Fenster mit den Panoramascheiben geben den ungehinderten Blick auf die grossartige Landschaft entlang der Strecke frei. Die beiden Drehgestelle sind luftgefedert und verfügen über eine Druckluft-Scheibenbremse. Die übrige technische Ausrüstung entspricht derjenigen der Gelenktriebzüge.
Design und Name
Die Fahrzeuge erhalten einen goldenen Anstrich und den Namen “Die Himmelstreppe” als grosser Schriftzug, ergänzt mit einem Treppen-Logo.
Termine
Der erste Gelenktriebzug wird im Dezember 2012 nach St. Pölten geliefert. Nach Abschluss der Schulungs- und Instruktionsfahrten und der behördlichen Abnahme wird der 1. Zug Ende März 2013 den Betrieb auf der Mariazellerbahn aufnehmen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 soll der Vollbetrieb mit dem neuen Rollmaterial beginnen.
Siehe auch
- STADLER – NÖVOG Niederösterreichische Verkehrsgesellschaft | Niederflur-Gelenktriebzug für die NÖVOG / Mariazellerbahn, Oesterreich (PDF-File)
Weblinks
- Update Rail-Photo-Art – Dem Himmel so nah
- Die Mariazellerbahn
- Schmalspur-Modell-Forum – Die neue Mariazellerbahn Die Himmelstreppe! [Um die Bilder zu sehen, ist eine Anmeldung erforderlich]
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