>> bahnONLINE.ch ist mir was wert: Danke für Ihre Unterstützung mit einem EINKAUF, einer SPENDE via Webseite oder über <<


Güterzuglärm: Kanton Thurgau fordert Prüfung einer Geschwindigkeitsreduktionen

4. Oktober 2011 @ 15:44 Uhr | Ihr Kommentar | Seite als PDF | Meldung senden 

erstellt am 16. Dezember 2010 @ 13:55 Uhr
Kanton Thurgau
Der Regierungsrat des Kantons Thurgau setzt sich dafür ein, dass sinnvolle und ohne Investitionen in Doppelspurausbauten realisierbare Geschwindigkeitsreduktionen der Güterzüge auf der Seelinie bereits auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2011 umgesetzt werden. Dies gab Regierungsrat Kaspar Schläpfer am Montag (13. Dezember 2010) an einem runden Tisch mit Vertretern der Seegemeinden und der IG Seelinie bekannt.

Ende August 2009 war ein vom Regierungsrat in Auftrag gegebenes Gutachten des Rechtswissenschaftlichen Instituts der Universität Zürich zum Schluss gekommen, dass der Handlungsspielraum des Kantons Thurgau gegen den Güterzuglärm auf der Seelinie beschränkt sei. Im Mittelpunkt stand die Rechtslage bezüglich des freien Netzzugangs von Güterzügen zwischen Konstanz, Romanshorn und Rorschach. Trotz der sehr beschränkten Möglichkeiten zeigte sich der Regierungsrat gewillt, den kleinen Spielraum gezielt zu nutzen. Bei einem Frauenfelder Ingenieurbüro gab er deshalb eine Studie in Auftrag, um eine Verminderung des Güterzuglärms mit Hilfe von Geschwindigkeitsreduktionen abzuklären. Über die Resultate dieser Studie wurde an einem weiteren runden Tisch in Frauenfeld am Montag (13. Dezember) informiert.

Gemäss der Studie sind Güterzüge auf der eingleisigen Bodenseelinie zwischen 6 und 24 Uhr mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 bis 95 Kilometern in der Stunde unterwegs. Geprüft wurden in der Studie zwei Varianten, nämlich die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit in lärmempfindlichen Abschnitten auf 50 beziehungsweise 60 Stundenkilometer. Dadurch ergäben sich für einzelne Güterzüge substantielle Lärmreduktionen bis maximal 4,5 Dezibel. Eine Veränderung von 2 bis 3 Dezibel gilt laut Fachleuten als deutlich wahrnehmbar. Auf Basis des Fahrplans 2010 hätten die Geschwindigkeitsreduktionen Fahrzeitverlängerungen der Güterzüge zur Folge, was sich auf der Einspurstrecke mit den beschränkten Kreuzungsmöglichkeiten auf den Fahrplan der Personenzüge auswirkte.

Die beiden Varianten der Studie mit den Zielgeschwindigkeiten 50 und 60 Stundenkilometer wurden in der Folge von den SBB überprüft. Gemäss der Infrastrukturabteilung der SBB ist wenig Spielraum für die Verlangsamung der Güterzüge vorhanden. Durch die veränderten Zeitfenster entstünden Stabilitätskonflikte im Fahrplan mit Auswirkungen auf die Pünktlichkeit des Personenverkehrs. Diese Stabilitätskonflikte können laut SBB nur durch umfangreiche Doppelspurausbauten behoben werden. Bei Tempo 50 wären Doppelspurausbauten auf elf Kilometern notwendig, was Kosten von ca. 220 Mio. Franken verursachen würde. Bei einer Spitzengeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern müssten fünf Kilometer auf Doppelspur ausgebaut werden, was immer noch rund 100 Mio. Franken kosten würde.

Nach Ansicht der Thurgauer Regierung sind diese Kosten im Vergleich zur Wirkung enorm. Zudem würde der Güterzuglärm nicht verschwinden, sondern nur reduziert. «Die Verhältnismassigkeit ist nicht gegeben», betonte Regierungsrat Kaspar Schläpfer vor den Teilnehmern des runden Tisches. Doppelspurausbauten werden auch von der IG-Seeinie abgelehnt. Deren Präsident, Klaus Schaermeli, äusserte die Befürchtung, dass dadurch lediglich mehr Verkehr angezogen werde.

Effizienter, betonte Schläpfer in Übereinstimmung mit der IG Seelinie, seien Massnahmen zur Lärmreduktion am Rollmaterial, die bereits eingeleitet seien und die Züge von Jahr zu Jahr leiser machten. Ebenso werde man an der Forderung nach lärmabhängigen Trassenpreisen festhalten, um die Umrüstung der Güterwagen auf lärmarme Bremssysteme zu beschleunigen. Die Ostschweizer Kantone hätten dies in ihrer Stellungnahme im November zur Änderung der Eisenbahn-Netzzugangsverordnung ein weiteres Mal mit Nachdruck gefordert. Die IG-Seelinie bekräftigte im Weiteren die Forderung nach einem Nachtfahrverbot für nicht lärmsanierte Güterzüge.

Gemäss Angaben der SBB hat die Prüfung des Fahrplanhorizonts für das Jahr 2018 ergeben, dass im aktuellen Planungsstand für die Verlangsamung von Güterzügen auf dem Abschnitt Kreuzlingen – Münsterlingen ein Spielraum von 1,7 Minuten und auf dem Abschnitt Romanshorn – Egnach einer von 1,6 Minuten bestehe. Auf beiden Abschnitten könnte deshalb mit einer durchgehenden Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gefahren werden. Daraus ergäbe sich bei den Güterzügen eine Lärmverminderung bis zu 3,8 Dezibel auf der Strecke von Kreuzlingen (ab Seepark) bis zur Einfahrt in den Bahnhof Münsterlingen-Scherzingen sowie von bis zu 3,5 Dezibel zwischen den Bahnhöfen Romanshorn und Egnach. Allerdings liegen diese Abschnitte nur teilweise in lärmempfindlichen Zonen. Bei dieser Lösungsvariante fallen aber praktisch keine Kosten an. Das Departement für Inneres und Volkswirtschaft des Kantons Thurgau werde deshalb ein entsprechendes Gesuch bei den SBB einreichen, die Reduktion auf 50 Stundenkilometer in diesen Bereichen bereits ab Fahrplanwechsel Dezember 2011 (Fahrplan 2012) ins System aufzunehmen, erklärte Kaspar Schläpfer. Die SBB äusserten sich kritisch gegenüber diesen Geschwindigkeitsreduktionen, sie wollen das Gesuch jedoch entgegennehmen und die Umsetzung prüfen.

In einem weiteren Teil der Veranstaltung informierten SBB-Projektverantwortliche über das Auflageprojekt «Eisenbahnlärmsanierung Romanshorn – Kreuzlingen». Dieses erfolgt schweizweit im Rahmen der entsprechenden Lärmsanierung des Bundes. Ziel der Lärmsanierung ist es, auf dem gesamten Eisenbahnnetz der Schweiz mindestens zwei Drittel der von Immissionsgrenzwertüberschreitungen betroffenen Personen zu schützen. Dies einerseits durch Massnahmen an der Quelle (Sanierung des Rollmaterials), andererseits durch Lärmschutzwände oder den Einbau von Schallschutzfenstern, die ganz oder teilweise durch den Bund finanziert werden. Bauliche Massnahmen sind dort zu prüfen, wo die Lärmimmissionsgrenzwerte gemäss Lärmschutzverordnung von 65 Dezibel am Tag bzw. 55 Dezibel in der Nacht überschritten werden. Aufgrund des durchschnittlichen Lärmniveaus sind auf der Strecke Romanshorn – Kreuzlingen keine Lärmschutzwände geplant.

Gemäss den SBB-Verantwortlichen ist hingegen der Einbau von ca. 26 Schallschutzfenstern vorgesehen. Die Projektdossiers werden in den betroffenen Gemeinden Bottighofen, Kesswil, Münsterlingen und Uttwil ab Freitag, 7. Januar 2011, während 30 Tagen öffentlich aufgelegt. Die Gemeinden und die betroffenen Grundeigentümer können während dieser Zeit Einsprache beim Bundesamt für Verkehr machen. In den Gemeinden Kreuzlingen, Altnau, Güttingen und Romanshorn sind gemäss den Untersuchungen der SBB keine baulichen Lärmsanierungsmassnahmen geplant, da die Lärmimmissionsgrenzwerte eingehalten werden. Von den Vertretern dieser Gemeinden als auch von IG-Seelinie wurde jedoch gefordert, dass auch die Betroffenen in den Gemeinden, in denen keine Lärmsanierungsmassnahmen vorgesehen sind, Einsicht in die Abklärungsergebnisse sowie die Möglichkeit für Einsprachen bekommen sollen.

Weblinks




Ähnliche Artikel

  • VD: La part des transports publics continue à s’accroître
  • Lavori al passaggio a livello di Lugano: Rinnovo binari presso la stazione di Lugano
  • MFO-Gebäude am Bahnhof Oerlikon: Zürichs spektakulärstes Bauprojekt kommt ins Rollen
  • Grossbach: Besserer Hochwasserschutz für Anwohner
  • Bundesrat bestätigt vorläufigen Verzicht auf die Porta Alpina


  • Kategorien

  • Baureihen - Züge, News Vorbild, Politik - Projekte - Verbünde, SBB CFF FFS


  • Tags


  • Anzeige | Ihre Werbung hier

    Ihr Kommentar!

    Sagen Sie uns, was Sie denken ...
    ... und wenn Sie Ihren Kommentar mit einem Avatar versehen wollen, besuchen Sie diese Seite: gravatar!

    Sie muessen angemeldet sein um einen Kommentar zu verfassen. Noch nicht bei MybahnONLINE registriert? Hier anmelden.



    Anzeige | Ihre Werbung hier

    Partnerseiten: DREHSTROMLOKS.DE | EisenbahnLinks | Le Portail Ferroviaire Suisse | Modellbahn-Community | ModellbahnLinks | modellbahn-portal.de | Modelleisenbahn Club Biberist | Nostalgie RHEIN EXPRESS | +Photosrail.ch | RaiLEvent | SBB Historic | SRPC Rollmaterialverzeichnis Schweizer Bahnen | Tram-Bus-Bern | www.jubu-info.com | zermatt rail travel

    Untitled Document
    Modelleisenbahn Top 150

    Bahnen und Busse - Top-List

    TopLinks-Modellbahn Liste auf Online-Modellbahn.de Vote für meine Seite Top Sites Schweizer Blog Verzeichnis Hier gehts zur 9mm Top Liste

    Suchmaschinenmarketing, SEM, Suchmaschinenoptimierung, SEO, Webseiten, Joomla, E-Shop, Magento, osCommerce, xctmodified by scpfactory.ch