Öffentliche oder private Mobilität? Die Verkehrsmittelwahl der Zürcher Bevölkerung
Jeder Zürcher und jede Zürcherin legt täglich im Durchschnitt 38 Kilometer zurück und alle zusammen etwa 45 Millionen Kilometer, also mehr als den tausendfachen Erdumfang. Rund drei Fünftel dieser Verkehrsleistung werden im Auto zurückgelegt und mehr als ein Viertel bewältigt der öffentliche Verkehr. Dies zeigt eine kürzlich vom Statistischen Amt publizierte Studie zum Verkehrsverhalten der Zürcher Bevölkerung.
Das wichtigste Verkehrsmittel der Zürcher Bevölkerung ist nach wie vor das Auto: 23 der durchschnittlich 38 Kilometer pro Tag, also rund 60 Prozent, werden damit zurückgelegt, sei es als Fahrer oder als Mitfahrer. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs (ÖV) am sogenannten Modalsplit beträgt 29 Prozent, was deutlich über dem schweizerischen Mittel von 20 Prozent liegt. Der Langsamverkehr – zu Fuss gehen, Velofahren – trägt nur wenig, etwa drei Kilometer zu dieser individuellen Tagesverkehrsleistung bei.
Fast die Hälfte der Tagesdistanz (46 Prozent) geht dabei aufs Konto des Freizeitverkehrs. Auf den Arbeitspendelverkehr entfällt dagegen nur rund ein Viertel (26 Prozent). Eineinhalb Stunden pro Tag sind die Zürcher und Zürcherinnen unterwegs, wovon fast die Hälfte mit eigener Muskelkraft. Dies zeigt die massgebende schweizerische Repräsentativbefragung zum Verkehrsverhalten, der Mikrozensus Verkehr 2005.
Diese Durchschnittszahlen bedeuten natürlich nicht, dass die einzelnen Bewohner des Kantons am selben Tag alle Verkehrsmittel verwenden. Ganz im Gegenteil: Etwa zehn Prozent der Bevölkerung bleiben an einem Durchschnittstag zuhause und sind deshalb gar nicht mobil. Nur etwa die Hälfte steigt ins Auto und nur etwa 27 Prozent der Bevölkerung benützen den ÖV im Lauf eines Tages. Interessant ist auch, dass nicht weniger als 22 Prozent der mobilen Personen im Laufe eines Tages ausschliesslich mit dem Auto fahren. Das sind etwa gleich viele wie jene, die nur zu Fuss gehen oder Velo fahren. Und kaum jemand (8 Prozent), kombiniert den ÖV mit dem Auto am gleichen Tag.
Unterschiedlicher Stellenwert des ÖV im Pendel- und im Freizeitverkehr
Die Studie zeigt aber auch, dass der ÖV seinen Schwerpunkt nach wie vor klar im Pendelverkehr hat. Rund ein Drittel der Pendler benützt den ÖV, um zur Arbeit zu fahren – rund 60 Prozent nehmen aber doch das Auto. Wer den ÖV zum Pendeln benützt, besitzt ein ZVV- oder Generalabonnement, und hat es in aller Regel auch zu diesem Zweck gekauft. Einen grossen Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl hat zudem, ob ein Parkplatz am Arbeitsort vorhanden ist: Hat man einen, so benützt man ihn auch und fährt mit dem Auto zur Arbeit.
Viele Erwerbstätige pendeln zur Arbeit nach Zürich, das mit der S-Bahn schnell erreichbar ist und wo die Parkplätze rar sind. Meist wird auch täglich dieselbe Strecke zurückgelegt, so dass es sich lohnt, ein Abonnement zu kaufen. All dies schafft vergleichsweise gute Voraussetzungen für die Benützung des ÖV im Arbeitspendelverkehr. Der Freizeitverkehr ist im Vergleich dazu räumlich und zeitlich weniger strukturiert, und der ÖV hat deshalb auch einen geringeren Stellenwert: nur 17 Prozent der Bevölkerung benützen ihn, wenn sie in der Freizeit unterwegs sind. Anders als beim Pendelverkehr, wo der ÖV bei grossen Tagesdistanzen überdurchschnittlich oft zum Zug kommt, steigt im Freizeitverkehr der Marktanteil des Autos mit zunehmender Distanz.
Mobilitätsausweitung weiterhin ungebrochen
Der langfristige Trend zur Mobilitätsausweitung hat auch zwischen 2000 und 2005 angehalten. Die durchschnittliche Tagesdistanz hat in diesem Zeitraum um zwei Kilometer zugenommen, was rund 8 Prozent entspricht. Die Autokilometer sind ganz geringfügig rückläufig: Ganz erheblich zugenommen, nämlich fast um die Hälfte (42 Prozent bzw. 3,4 Kilometer), hat hingegen die durchschnittliche tägliche Bahndistanz. Etwa die Hälfte der Zunahme der Bahnkilometer geht dabei aufs Konto des Freizeitverkehrs. Der Grund für diese Entwicklung ist im Ausbau der Infrastruktur im Rahmen der Bahn 2000 in der Schweiz und im Raum Zürich des ZVV zu suchen. Sie hat die ÖV-Mobilität erheblich beschleunigt: War der durchschnittliche ÖV-Benützer 2000 mit einer Stundengeschwindigkeit von 37 km unterwegs, sind es 2005 rund 45 km/h. Diese Entwicklung hat den Distanzmodalsplit deutlich zugunsten des ÖV verschoben, was natürlich erfreulich ist. Sie wirft aber auch die Frage auf, ob die Verbesserung der ÖV-Verkehrsinfrastruktur tatsächlich Autofahrer zum Umsteigen bewegt oder ob sie nicht vielmehr vor allem zur Ausweitung der Mobilität beiträgt.
Der Mikrozensus Verkehr – die wichtigste Befragung zum Verkehrsverhalten
Die Studie des Statistischen Amts basiert auf dem sogenannten «Mikrozensus Verkehr 2005». Diese Repräsentativbefragung der Bundesämter für Statistik (BFS) und Raumordnung (ARE) erhebt das individuelle Mobilitätsverhalten der Schweizer Bevölkerung an einem bestimmtem Tag, dem Stichtag, mittels ausführlicher Telefoninterviews und wird seit 1979 periodisch durchgeführt. An der Befragung nahmen im Kanton Zürich 5752 Personen teil. Deren Antworten bilden das Ausgangsmaterial für die Studie des Statistischen Amts. Entsprechend erfasst die Studie nicht das gesamte Verkehrsaufkommen im Kanton Zürich, weil ein beträchtlicher Teil des Verkehrs durch Auswärtige – etwa Berufspendler aus den Nachbarkantonen – verursacht wird. Berücksichtigt sind dagegen alle im Inland zurückgelegten Wege der Zürcher Bevölkerung.
- statistik.info 15/2008 (PDF-File). Öffentliche oder private Mobilität? – die Verkehrsmittelwahl der Zürcher Bevölkerung im Spiegel des Mikrozensus Verkehr 2005. Online verfügbar auf der Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich: www.statistik.zh.ch.
Direktion der Justiz und des Innern Kanton Zürich
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