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Nach ETR-470-Panne im Lötschberg – Cisalpino zahlt betroffenen Kunden Geld zurück

12. Januar 2009 @ 15:22 Uhr | Ihr Kommentar | Seite als PDF | Meldung senden 

erstellt am 23. Dezember 2008

Die Cisalpino AG zahlt den Kunden, die am Montag (22.12.08) im Lötschberg-Basistunnel wegen einer Panne auf einen Ersatzzug umsteigen mussten und grosse Verspätung erlitten, den vollen Billettpreis zurück. Die SBB ihrerseits bemüht sich, die unbefriedigende Wartung der Fahrzeuge des Typs ETR 470 in Italien vermehrt in der Schweiz durchzuführen. Vertragliche Hindernisse mit dem italienischen Partner stehen einer raschen Verlagerung des Cisalpino-Unterhalts in die Schweiz indes im Wege.

Die Cisalpino AG ist eine gemeinsame Tochterfirma von SBB und Trenitalia. Die SBB bedauert die neuerliche Panne einer Cisalpino-Komposition von Montag (22.12.08), als ein ETR-470-Neigezug von Cisalpino mitten im Lötschberg-Basistunnel stehen blieb. Die Panne hatte für die rund 200 betroffenen Passagiere grosse Unannehmlichkeiten zur Folge: Sie mussten im Tunnel auf einen Ersatzzug umsteigen und erlitten grosse Verspätungen. Die Cisalpino AG beschloss noch am Montag umgehend, den betroffenen Kunden den vollen Billettpreis zurückzuerstatten. Die betroffenen Kunden senden ihren entwerteten Fahrausweis an den Cisalpino-Kundendienst:

  • Cisalpino AG
    Kundendienst
    Bahnhofplatz 14
    8001 Zürich

Damit geht Cisalpino weit über die internationalen Bestimmungen hinaus, die im vorliegenden Fall eine Rückerstattung von 20 Prozent des Fahrpreises vorsehen.

Aufgrund der immer wieder auftretenden Störungen an den Fahrzeugen des Typs ETR 470 haben SBB und Cisalpino inzwischen eine Vielzahl von Gegenmassnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen des pannenanfälligen Zuges für die Kundinnen und Kunden möglichst zu minimieren. Seit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2008 setzen SBB und Cisalpino im innerschweizerischen Verkehr anstelle der ETR 470 vermehrt konventionelle SBB Züge ein. Dadurch erweitern sich die Wartungsfenster für die ETR-470-Kompositionen. Zudem stehen so mehr Ersatzzüge zur Verfügung für den Fall eines Ausfalls eines Cisalpino-Zuges. Die Cisalpino-Züge 51 und 56 via Domodossola werden während der kommenden Monate mit konventionellem Rollmaterial bedient. Die SBB hat zudem beschlossen, in der Schweiz jeweils konventionelle Züge in der Fahrplanlage der Cisalpino-Züge einzusetzen, sobald ein ETR 470 mehr als zehn Minuten Verspätung aufweist. Damit lässt sich verhindern, dass sich die Verspätungen im internationalen Verkehr mit Italien auf die Bahnkunden im nationalen Verkehr auswirken.

Eine Hauptschwierigkeit auf dem Weg zu einer verbesserten Zuverlässigkeit der bestehenden ETR-470-Züge stellt der Grossunterhalt dieser Züge dar. Der Kooperationsvertrag hält fest, dass dieser schwere Unterhalt in Italien durch den italienischen Partner durchgeführt wird. Die SBB kann aufgrund der bestehenden Verträge diesen Unterhalt nicht einfach aus Italien in die Schweiz verlagern; dazu brauchte es auch die Einwilligung des italienischen Partners. Allerdings ist die SBB derzeit mit dem Partner im Kontakt; die SBB ist der Überzeugung, dass der Partner seinen vertraglich geregelten Unterhaltspflichten nicht in genügendem Masse nachkommt. So wurde etwa mit dem Fahrplanwechsel in Italien der Wartungsstandort der Cisalpino-Züge vom italienischen Partner von Mailand Martesana nach Greco verlagert. Wie sich herausstellte, konnte mit diesem Schritt der Unterhalt und die Reparaturen an den ETR-470-Zügen von Cisalpino nicht mehr gewährleistet werden, was natürlich umgehend zu nochmals vermehrten Zugausfällen und Verspätungen führte. Um der Situation entgegenzuwirken, stellte Cisalpino innert Tagen in Milano Greco ein Team von insgesamt dreissig Personen zusammen, das sich nun im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr um den Unterhalt der ETR 470 kümmert.

Die SBB hofft, beim italienischen Partner Verständnis zu finden für die Notwendigkeit einer raschen und nachhaltigen Verbesserung der Situation. Eine wesentliche Verlagerung des Grossunterhalts in die Schweiz wäre für die SBB eine Option; dafür brauchte es wie erwähnt eine Anpassung der vertraglichen Bestimmungen mit Italien.

Als unrealistisch erachtet die SBB eine komplette Stilllegung der ETR-470-Flotte, da die SBB selber nicht über genügend Rollmaterial verfügt, das zudem auch noch nach Italien verkehren könnte. Mit dem neuen Fahrplan wurde das Angebot für die Bahnkunden in der Schweiz erneut um 5,5 Prozent Zugkilometer ausgeweitet, womit die SBB auch bei der Auslastung des Rollmaterials an die Kapazitätsgrenzen stösst.

Verschärft werden die aktuellen Schwierigkeiten dadurch, dass die neuen Cisalpino-Züge des Typs ETR 610 entgegen der Abmachungen mit der Industrie nach wie vor nicht zur Verfügung stehen. SBB und Cisalpino warten inzwischen seit über zwei Jahren auf diese neuen, leistungsfähigen Züge.

SEV fordert SBB zum Handeln auf – Cisalpino: es reicht!

Die Ausfälle der Cisalpino-Züge haben das tragbare Mass überschritten. Reisende und Personal werden durch Störungen belästigt; sie haben das Vertrauen in Cisalpino verloren. Die Verkehrsgewerkschaft SEV fordert, dass so lange keine Cisalpino-Kompositionen mehr auf dem Schweizer Bahnnetz verkehren, bis deren Unterhaltsqualität den hierzulande üblichen Standard erreicht hat.

«Es ist viel besser, einmal in einem Bahnhof umzusteigen, als auf offener Strecke oder gar in einem Tunnel stecken zu bleiben», bringt es SEV-Interimspräsident Giorgio Tuti auf den Punkt. Die Cisalpino-Neigezüge sind derart unzuverlässig, dass weder die Reisenden noch das Lok- und Zugpersonal mit Vertrauen in diese Kompositionen steigen.

Für den Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV) ist deshalb der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Er fordert, dass die Cisalpino-Neigezüge auf schweizerischem Niveau unterhalten und gewartet werden, damit ihre Zuverlässigkeit jener der andern Schweizer Züge entspricht. «Bis dieses Niveau erreicht ist, sollen auf dem Schweizer Netz Ersatzkompositionen fahren, die die Anforderung erfüllen», erklärt Tuti.

Sollte es im Rahmen der heutigen Gesellschaft nicht möglich sein, die Qualitätsnormen zu erreichen, fordert der SEV die SBB auf, die Mehrheit und damit die Führung an Cisalpino zu übernehmen.

Pro Bahn Schweiz: Cisalpino – wie weiter?

Schnelle, komfortable und zuverlässige Züge in den Süden – das Ganze angereichert mit italienischem Charme – so die eigentliche Aufgabe von Cisalpino. Seit Anbeginn vor zwölf Jahren reisst aber die Pannenserie bei den Fahrzeugen von Cisalpino nicht ab: Defekte Toiletten, klemmende Türen, rinnende Dächer und vor allem technische Störungen, verbunden mit teilweise massiven Verspätungen oder Zugsausfällen. Immer wieder ist Abhilfe versprochen und sogar der Direktor ausgewechselt worden – geändert hat sich nichts oder wenigstens nicht viel. Seit mehr als einem Jahr sollte eine neue Generation von Cisalpino Triebzügen verfügbar sein, über das Stadium von Versuchsfahrten sind sie noch nicht herausgekommen. Das Resultat: Die Verbindungen nach Süden können nur mit Mühe aufrecht erhalten werden, weil die neuen Züge fehlen und die alten wegen Störungen immer wieder ausfallen.

Pro Bahn ist die Vertretung der Bahnkundinnen und -kunden. Diese Kunden sind von den Dienstleistungen der Cisalpino immer wieder betroffen – von ihnen will Pro Bahn gerne wissen, wie sie diese Gesellschaft und ihre Zukunft beurteilen. Dazu werden Fragen gestellt, welche von der sofortigen Aufkündigung der Zusammenarbeit mit den italienischen Staatsbahnen bis hin zu einer weiteren normalen Zusammenarbeit reichen. Weitere Auskünfte und Umfragetext unter www.pro-bahn.ch. Das Resultat wird Anfangs Februar veröffentlicht.


Mehr zum Thema:

SBB CFF FFS / Medienstelle SEV / Pro Bahn Schweiz


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