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Stadler setzt Wachstumskurs erfolgreich fort [aktualisiert]

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 15. März 2021 veröffentlicht.

Historische Rekordwerte bei Auftragseingang, Auftragsbestand, Umsatz und EBIT • Auftragseingang wächst trotz Verzögerungen bei Vergaben von Grossprojekten um 28 Prozent auf CHF 5.6 Mia. (2020: CHF 4.3 Mia.) • Rekordauftragsbestand von CHF 17.9 Mia. • Trotz angespannter Lieferkettensituation steigt der Umsatz um 18 Prozent auf CHF 3.6 Mia. (2020: CHF 3.1 Mia.) • EBIT mit CHF 223.7 Mio. (2020: CHF 156.1 Mio.) erreicht neues Rekordhoch, EBIT-Marge steigt auf 6.2 Prozent nach 5.1 Prozent in der Vorjahresperiode. • Free Cash Flow erholt sich aufgrund beschleunigter Auslieferungen sowie Anzahlungen aus neuen Aufträgen auf CHF 434.2 Mio. (2020: CHF -450.4 Mio.) • Konzernergebnis von CHF 134.5 Mio. (2020: CHF 138.4 Mio.) negativ beeinflusst von stichtagsbezogenen Kursverlusten in der Höhe von CHF 37.7 Mio. (Vorjahr: CHF 16.0 Mio. Kursgewinne) • Ausblick 2022: Umsatz von CHF 3.7 bis 4.0 Mia. mit einer stabilen EBIT-Marge erwartet

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Testfahrt des FLIRT Akku von Stadler. / Quelle: Stadler

2021 war für Stadler in vielen Belangen ein bewegtes und erfolgreiches Jahr. Es konnten 2021 historische Rekordwerte seit dem Börsengang bei Umsatz, EBIT sowie Auftragseingang und -bestand erzielt werden.

«Trotz einer nach wie vor pandemiebedingten Konjunktur – geprägt von Lieferkettenproblemen – können wir stolz auf das beste Jahr seit dem Börsengang zurückblicken. Das bestätigten eindrucksvoll die strategische Ausrichtung und die Leistungsfähigkeit unserer Gruppe»

, kommentiert Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident und Group CEO a.i., das abgelaufenen Geschäftsjahr.

Noch nie sind innerhalb eines Geschäftsjahres mehr Aufträge eingegangen. Mit CHF 5.6 Mia. übersteigt der Bestellungseingang den Vorjahreswert von CHF 4.3 Mia. deutlich und liegt über dem bisherigen Rekordwert von CHF 5.1 Mia. aus dem Jahr 2019. Dies obwohl die zwei Grossaufträge der SBB und ÖBB zum Jahresende durch Rekurse blockiert waren, sowie der Auftrag des VDV-Konsortiums der erst Anfang 2022 verbucht werden konnte. Anfang 2022 wurde der Zuschlag der ÖBB definitiv erteilt. Dank der in den letzten Jahren vergrösserten Produktionskapazitäten kann Stadler, den Rekord-Auftragsbestand von CHF 17.9 Mia. (31. Dezember 2020: CHF 16.1 Mia) in den kommenden Jahren abwickeln.

Visualisierung der CITYLINK von Stadler für die sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich. / Quelle: Stadler

Trotz der Herausforderungen bei den Lieferketten und der teilweise noch anhaltenden pandemiebedingten Auswirkungen auf die Zulassungs- und Auslieferungsprozesse sowie auf das Servicegeschäft konnten die Verzögerungen bei den Abnahmen neuer Fahrzeuge gegenüber 2020 beinahe aufgeholt werden. Dies führt zu einem deutlichen Anstieg des Umsatzes um 18 Prozent auf ein Rekordniveau von CHF 3.6 Mia. gegenüber CHF 3.1 Mia. in der Vorjahresperiode und gegenüber CHF 3.2 Mia. im Vorkrisenjahr 2019. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte hat sich die aktuelle Lieferkettensituation durch Verzögerungen bei Zulieferteilen bemerkbar gemacht. Dank der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Stadler sowie der starken lokalen Verankerung unserer Lieferketten haben diese Verzögerungen bisher zu keinen wesentlichen Verschiebungen bei den Auslieferungen unserer Fahrzeuge geführt.


Aktuelles zum Caltrain-KISS in den USA:

  • Ein weiteres Video gibt es hier

Testfahrt mit zwei der neuen Be 570 für die SZU (Uetlibergbahn):


Deutliche Verbesserung bei EBIT, EBIT-Marge und Cash Flow

Das operative Ergebnis auf Stufe EBIT steigt um 43 Prozent auf CHF 223.7 Mio. (2020: CHF 156.1 Mio.). Vor dem Hintergrund der aktuellen Lieferkettensituation mussten Produktionsabläufe laufend optimiert werden, um die fristgerechte Auslieferung der neuen Fahrzeuge sicherzustellen. Dies hat sich teilweise negativ auf das operative Ergebnis ausgewirkt. Im zweiten Halbjahr konnte Stadler die Profitabilität gegenüber der ersten Jahreshälfte 2021 von 3.5 auf 7.9 Prozent deutlich steigern, wodurch für das Gesamtjahr eine EBIT-Marge von 6.2 Prozent erreicht wurde (2020: 5.1 Prozent).

Auf Stufe Reingewinn verbuchte Stadler im Geschäftsjahr 2021 einen Gewinn von CHF 134.5 Mio. gegenüber CHF 138.4 Mio. in der Vorjahresperiode. Belastet wurde der Reingewinn insbesondere durch Kursverluste in der Höhe von CHF 37.7 Mio. (Vorjahr: Kursgewinne in der Höhe von CHF 16.0 Mio.). Diese sind vor allem auf stichtagsbezogene Bewertungseffekte aufgrund der Euro-Schwäche zum Jahresende zurückzuführen. Die Absicherung von Fremdwährungsrisiken im Zusammenhang mit dem Euro setzt Stadler soweit möglich in Form von «Natural Hedging» um. Durch zeitliche Verschiebungen von geplanten Zahlungseingängen und -ausgängen kann es dabei am Bilanzstichtag zu entsprechenden Kursgewinnen oder -verlusten kommen, die sich besonders am Jahresende durch hohe Zahlungseingänge und die starke CHF Aufwertung negativ auf das Finanzergebnis ausgewirkt haben.

Sehr erfreulich ist die deutliche Verbesserung des Free Cash Flow auf CHF 434.2 Mio. gegenüber CHF –450.4 Mio. im Geschäftsjahr 2020. Neben Aufholeffekten aus dem Vorjahr resultiert diese Erholung zudem aus beschleunigten Auslieferungen sowie projektbedingten An- und Meilensteinzahlungen. Die Nettoverschuldung konnte deutlich reduziert werden und beträgt per 31. Dezember 2021 CHF 351.1 Mio. gegenüber CHF 608.2 Mio. per 31. Dezember 2020. Diese Verbesserung war möglich, obwohl sich einzelne, ursprünglich vor Jahresende erwartete Vergabeentscheide – und die damit einhergehenden Kundenanzahlungen – verzögert haben.

Segment «Rolling Stock»

Übersicht der FLIRT für SBB, Regionalps und Thurbo [v.l..n.r.]. / Quelle: Stadler

Im Berichtssegment «Rolling Stock» beläuft sich der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2021 auf CHF 4.8 Mia. und liegt damit 68 Prozent über der Vorjahresperiode. Der Auftragsbestand im Berichtssegment wächst im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf CHF 13.5 Mia. (31. Dezember 2020: CHF 12.0 Mia.). Der hohe Auftragseingang konnte erreicht werden, obwohl zwei sehr grosse gewonnene Aufträge per Jahresende 2021 aufgrund von Einsprachen blockiert waren. Hierzu zählen der Rahmenvertrag mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Thurbo und Regionalps für bis zu 510 einstöckige Triebzüge des Typs FLIRT sowie der Rahmenvertrag der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) für bis zu 186 Doppelstockzüge. Zudem erfolgte der Zuschlag für den grössten Auftrag in der Unternehmensgeschichte erst Anfang Januar 2022: Der Rahmenvertrag für ein deutsch-österreichisches Projektkonsortium umfasst bis zu 504 Tram-Trains mit einem Gesamtvolumen von bis zu EUR 4.0 Mia.. Zu den grösseren Bestellungen 2021 gehörten unter anderem der Auftrag der spanischen Staatsbahn Renfe über 59 Hochkapazitäts-Nahverkehrszüge sowie die 60 weiteren Doppelstock-Triebzüge des Typs KISS für die SBB.

Die Visualisierung zeigt einen der zukünftigen 59 Hochkapazitäts-Nahverkehrszügen von Stadler für Renfe (Cercanías) in Spanien. / Quelle: Stadler
Die Visualisierung zeigt den zukünftigen IR-Dosto/RABe 512 der SBB. / Quelle: SBB CFF FFS

Dank zahlreicher Auslieferungen neuer Fahrzeuge erwirtschaftete das Berichtssegment «Rolling Stock» im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von CHF 3.2 Mia.. Damit liegt der Umsatz um 16 Prozent über der Vorjahresperiode (2020: CHF 2.7 Mia.).


Am 20. März 2022 wurde mit der «Marie» der erste, von vier bestellten Zügen, der Tramway du Mont Blanc durch Stadler von Bussnang nach Genève-La-Praille überführt. Dabei setzte Stadler den kurz zuvor von der TPF übernommenen Triebwagen RBDe 567 173 (dazugehörige Mittel- und Steuerwagen sind in Weinfelden abgestellt) ein:


Segment «Service & Components»

Der Auftragseingang im Segment «Service & Components» liegt im Geschäftsjahr 2021 bei CHF 733.5 Mio.. Der Rückgang gegenüber der Vorjahresperiode (2020: CHF 1.5 Mia.) ist im Wesentlichen auf den ausserordentlich hohen Auftragseingang von zwei Grossaufträgen im Geschäftsjahr 2020 zurückzuführen. Der Auftragsbestand steigt im strategisch wichtigen Servicegeschäft um 7 Prozent auf CHF 4.4 Mia. gegenüber dem Bestand per Ende 2020 (31. Dezember 2020: CHF 4.1 Mia.) und trägt damit knapp ein Viertel zum Auftragsbestand des Konzerns bei. Dazu beigetragen haben unter anderem die im Jahr 2021 unterzeichneten acht neuen Full-Service-Aufträge für Kunden unter anderem in Deutschland, Italien und Schweden.

Trotz pandemiebedingt stellenweise weiterhin reduzierter Kapazitäten im Schienenverkehr, setzt das Segment «Service & Components» seinen Wachstumskurs überaus erfolgreich fort. Wie schon im Vorjahr steigt der Umsatz erneut um 33 Prozent auf CHF 455.2 Mio. gegenüber dem Geschäftsjahr 2020 (CHF 343.3 Mio.).

Wegweisender Ausbau des Signalling-Geschäfts

Als einer der führenden Schienenfahrzeughersteller ist es Stadlers Anspruch, die Digitalisierung des Bahnverkehrs mitzugestalten und voranzutreiben. Neben den fahrzeuggebundenen Signalling-Lösungen konnte Stadler seine Signaltechnik-Kompetenzen auch auf der Infrastrukturseite ausbauen. Für eine nachhaltige Digitalisierung der Bahnbranche braucht es nämlich das Zusammenspiel beider Bereiche: Denn intelligente Schienenstrecken entfalten ihr volles Potenzial erst dann, wenn digital ertüchtigte Fahrzeuge sie befahren. Mit der Übernahme der BÄR Bahnsicherung AG (BÄR) konnte im November 2021 der erste Schritt gesetzt werden. Im Dezember folgte mit der Übernahme der BBR Verkehrstechnik GmbH (BBR) ein weiterer Meilenstein. Beide Unternehmen ergänzen Stadler perfekt, denn sie sind führende Anbieter von Bahnsicherungs- und Signaltechnik: BÄR bislang in der Schweiz und BBR seit vielen Jahren auch international. Der Zusammenschluss der drei Unternehmen bildet eine hervorragende Basis, um den Kunden innovative Signalling-Lösungen aus einer Hand anzubieten – sowohl auf den Fahrzeugen als auch auf Seiten der Infrastruktur.

Stadler übernimmt die Bär Bahnsicherung AG mit all seinen Standorten und Mitarbeitern zur Verstärkung und Erweiterung der eigenen Signallingkompetenzen. / Quelle: Bär Bahnsicherung

Die Übernahmen unterstreichen Stadlers Ambitionen im Zukunftsbereich Signalling. Damit steigt die Anzahl Mitarbeitende im Bereich Signalling auf knapp über 500. Um die Digitalisierung der Bahnindustrie aktiv mitgestalten und als Innovationsführer vorantreiben zu können, bündelt Stadler die Signaltechnik-Kompetenzen per 1. Januar 2022 in einer neuen Division Signalling unter der Leitung von Marc Trippel.

Langfristige Finanzierung zu verbesserten Konditionen gesichert

Anfang März 2022 hat Stadler einen per Mitte Jahr auslaufenden Konsortialkreditvertrag mit nationalen und internationalen Banken, frühzeitig zu verbesserten und flexibleren Konditionen um weitere fünf Jahre verlängert. Der Kredit setzt sich im Wesentlichen aus einer Kreditlinie in Höhe von CHF 200 Mio. sowie Garantielinien im Umfang von CHF 2.0 Mia. zusammen. Damit verfügt Stadler heute in Summe über rund CHF 8.0 Mia. Garantielinien, wovon aktuell ca. 50 Prozent frei verfügbar sind, sowie mehr als CHF 400 Mio. kommittierte Geldkreditlinien, welche zurzeit nicht beansprucht sind. Der kürzlich erfolgte Vertragsabschluss bestätigt das Vertrauen der langjährigen Bankpartner in Stadler und dessen Strategie.

Ausblick

Für das Geschäftsjahr 2022 bleibt Stadler für seine Kernmärkte weiterhin positiv gestimmt, wenn auch die politische Situation, insbesondere in der GUS-Region, zunehmend Unsicherheit in der Wirtschaft und am Kapitalmarkt mit sich bringt. Die zunehmende Urbanisierung, die wachsende Bevölkerung in Ballungszentren, der Klimaschutz sowie die Digitalisierung führen weiterhin zu einer wachsenden Nachfrage nach innovativen, zuverlässigen und effizienten Mobilitätslösungen.

Dank seiner strategischen Ausrichtung sieht sich Stadler gut aufgestellt. Auf Basis der sehr erfreulichen Auftragslage sowie der weiterhin anhaltend hohen Nachfrage erwartet Stadler für das laufende Geschäftsjahr einen Auftragseingang zwischen CHF 5.0 Mia und 6.0 Mia.. Unter der Annahme, dass sich die aktuelle Lieferkettensituation, die Inflation und die Währungsentwicklung nicht weiter verschlechtern, erwartet Stadler für das Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz zwischen CHF 3.7 und 4.0 Mia. sowie eine stabile EBIT-Marge. Zur Bereitstellung der benötigten Kapazitäten rechnet Stadler im laufenden Geschäftsjahr mit Investitionen von rund CHF 200 Mio. Für das laufende Jahr wird ein positiver Free Cash Flow angestrebt.

Der Verwaltungsrat beabsichtigt, zuhanden der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2021 eine Dividende von CHF 90.0 Mio. (CHF 0.90 pro Aktie) zu beantragen gegenüber CHF 85 Mio. (CHF 0.85 pro Aktie) im Vorjahr. Aufgrund der Ungewissheit über die Pandemieentwicklung und der mangelnden Planungssicherheit hat der Verwaltungsrat im Februar entschieden, die Generalversammlung 2022 ohne physische Präsenz der Aktionäre und Aktionärinnen durchzuführen.

Stadler hält an seinem kontinuierlichen Wachstumskurs und den mittelfristigen Finanzzielen mit einer EBIT-Marge von 8 bis 9 Prozent weiterhin fest. Angesichts der pandemiebedingten Herausforderungen der letzten zwei Jahre sowie der aktuell angespannten weltpolitischen Lage erwartet Stadler die Erreichung der mittelfristigen Finanzziele mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren gegenüber der ursprünglich erwarteten Zielerreichung für das Geschäftsjahr 2023.

Die finanziellen Auswirkungen des Ukraine-Russland-Konfliktes auf Stadler sind zum Zeitpunkt der Genehmigung der konsolidierten Jahresrechnung nicht abschliessend beurteilbar und stark abhängig von der weiteren Entwicklung der Geschehnisse. Stadler beobachtet die Lage laufend und trifft alle möglichen Massnahmen, um negative Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.


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1 Kommentar

  1. Ja, die Bemerkung zur Sicherheit durch die starke lokale Verankerung der Lieferketten im Geschäftsbericht von StadlerRail müsste eigentlich allen kurzsichtigen Pro-Globalisierungs-Schwurblern zu denken geben. Die nächsten Lieferkettenprobleme kündigt sich durch das aggressive Säbelrasseln und Kläffen des chinesischen «Schiessi-Pintschers» gegenüber Taiwan bereits an. Nächstens werden uns noch die Velobestandteile ausgehen. Immerhin bauen Rohloff und Pinion ihre Veloschaltungen noch in Deutschland und auch Aarios fertigt seine hochwertigen Velorahmen noch selbst im solothurnischen Gretzenbach, aber die billige Massenware kommt zum grössten Teil aus Taiwan.

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