SBB schreibt 116 neue Doppelstockzüge für Zürcher S-Bahn und Westschweiz aus

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 12. Juni 2024 veröffentlicht.

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Die SBB Re 450 107 nach Abschluss des Sanierungsprogramms «LION» am 22. Oktober 2014. / Quelle: Sandro Hartmeier

Die SBB hat am 12. Juni 2024 den Beschaffungsauftrag für 116 neue Doppelstockzüge öffentlich ausgeschrieben. Die Züge sollen in den 2030-er Jahren auf der Zürcher S-Bahn und in der Westschweiz eingesetzt werden. Interessierte Rollmaterialhersteller können bis Anfang 2025 ein Angebot einreichen. Es handelt sich um einen Auftrag in Milliardenhöhe.

Die Züge der ersten Generation der Zürcher S-Bahn müssen nach 40 Jahren ersetzt werden. Dazu gehören die Doppelstockpendelzüge (DPZ) und die doppelstöckigen Zusatzzüge (HVZ-D).

Einsatz in der Zürcher S-Bahn und in der Westschweiz

Die SBB will 116 neue Doppelstockzüge beschaffen. 95 Fahrzeuge werden auf zahlreichen Linien der Zürcher S-Bahn verkehren. 21 Fahrzeuge sind für den Einsatz in der Westschweiz eingeplant, konkret in der RER Vaud und auf der Linie RE33 Martigny–Annemasse. Die für die Zürcher S-Bahn und die Westschweiz beschafften Züge werden sich innen und aussen in der Farbgebung unterscheiden.

Die Beschaffung umfasst zudem die Option auf 84 weitere Fahrzeuge. Diese zusätzlichen Züge sind für Angebotsausbauten im Rahmen des Ausbauschritts 2035 des Bundes nötig.

Flexibler Einsatz im Pendler- und Freizeitverkehr

Die neuen Fahrzeuge werden mit 150 Metern länger sein als die 100 Meter langen DPZ und mehr als 500 Sitzplätze bieten. Mit der maximal möglichen Länge in der Zürcher S-Bahn von 300 Metern stehen somit zu Hauptverkehrszeiten mehr als 1000 Sitzplätze zur Verfügung, wenn zwei Fahrzeuge in Doppeltraktion verkehren.

Die neuen Züge müssen den Anforderungen der Zürcher S-Bahn gerecht werden: Zusätzliche Multifunktionszonen bieten im Berufsverkehr viel Platz für Pendler:innen, welche nur kurze Strecken fahren und im Eingangsbereich stehen bleiben möchten. Im Freizeitverkehr finden in den Multifunktionszonen mehr Velos als heute, viel Gepäck und Kinderwagen Platz. Geplant ist zudem ein Niederflureinstieg bei allen Türen. In jedem Fahrzeug gibt es zwei Toiletten, eine davon rollstuhlgängig. Neu sind Steckdosen in der 1. und der 2. Klasse vorgesehen. In der 1. Klasse bieten verstellbare Sitze und klappbare Tische mehr Komfort. Die Züge werden mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde verkehren.

Neue Züge verkehren ab den 2030-er Jahren

Die SBB hat den Beschaffungsauftrag am 12. Juni 2024 öffentlich ausgeschrieben. Interessierte Rollmaterialhersteller können bis Anfang 2025 ein Angebot einreichen. Der Entscheid, welcher Lieferant den Zuschlag erhält, erfolgt voraussichtlich Ende 2025. Die neuen Züge sollen in den 2030er Jahren im fahrplanmässigen Betrieb eingesetzt werden.

Es handelt es sich um ein grosses Beschaffungsprojekt für die SBB. Aufgrund der grossen Zahl der Fahrzeuge wird es um einen Auftrag in Milliardenhöhe gehen.

Das Beschaffungsprojekt ist abgestimmt mit den betroffenen Kantonen und dem Bundesamt für Verkehr, die im Regionalverkehr als Besteller agieren.


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Die Züge der Zürcher S-Bahn

  • DPZ: 1990 startete die Erfolgsgeschichte der Zürcher S-Bahn mit 115 doppelstöckigen Zügen. Die Doppelstockpendelzüge (DPZ) eines Herstellerkonsortiums werden von einer Lok des Typs Re 450 gezogen. Die SBB setzt 113 Fahrzeuge ein, die Sihltal Zürich Üetlibergbahn (SZU) deren 2. Nach 20 Jahren im Einsatz modernisierte die SBB die Züge und baute pro Fahrzeug einen Niederflurwagen von Siemens/Bombardier ein. In den 2030er-Jahren erreichen die DPZ das Ende ihrer Lebensdauer.
  • HVZ-D: Die bei der Modernisierung des DPZ frei gewordenen Doppelstockwagen stellte die SBB zu Zügen mit je zwei Re-420-Loks zusammen. Diese Züge verkehren nur in der Hauptverkehrszeit. In den 2030er-Jahren erreichen die HVZ-D das Ende ihrer Lebensdauer.
  • DTZ: Ab Mitte der 2000-er Jahre folgte mit den Doppelstocktriebzügen (DTZ / RABe 514) die zweite Generation der Zürcher S-Bahn. Siemens lieferte bis 2009 insgesamt 61 Züge.
  • Regio-Dosto: Ab 2012 ergänzten 50 Regio-Dosto (RABe 511) von Stadler Rail als dritte Zuggeneration die Flotte der Zürcher S-Bahn.

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13 Kommentare

  1. Weiss man wofür die Option für eine Zulassung für das französische Netz liegt?

    S-Bahn Basel oder Léman Express?

    • Es könnte sich um den LEX handeln. Dort beabsichtigt man ca. 2030 neue längere Züge (100m) oder Doppelstöcker zu beschaffen. Ich bin mir aber nicht sicher ob es höhentechnisch passt und man in Frankreich auch mit dem Schweizer Profil fahren kann (CEVA ausgenommen). Im Raum Basel werden neue Flirt Evos zum Einsatz kommen.

      Mitteilung vom Kanton Genf:

      «Concernant la capacité des trains, la période 2024-2028 sera dédiée à la préparation et la conduite d’un appel d’offre, puis à la commande du nouveau matériel roulant. L’hypothèse de travail porte sur l’acquisition de rames plus longues (100m) et plus capacitaires (deux niveaux).

      Ce travail est réalisé en partenariat avec la Région Auvergne-Rhône-Alpes, les CFF et la SNCF. La livraison des premières rames est attendue à l’horizon 2030.»

      • Danke für die Antwort und die Informationen!

        Im Bezug auf den Tunnels, auf der L1 Linie nach Évian gäbe es kein Problem, da dort keine Tunnels vorhanden sind, aber auf den Linien L2 und L3 gibt es welche, die für schweizer Doppelstöcker zu tief sind, da in Frankreich Doppelstöcker max 4.32 m höch sind, während sie in der Schweiz max 4.65 m höch sein können.

        Es wäre jedoch auch nicht sinvoll tiefere Züge in Zürich einzusetzen.

        Mal sehen für welches Zugmodell sich die SBB entscheidet!

  2. In der Simap Publikation: „Züricher S-Bahn“ …. ich bekomme Schübe! Und keine Bietergemeinschaft zugelassen; die SBB möchte sich also den Markt künstlich limitieren. Verstehe das, wer will.

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