Die Verhandlungsgemeinschaft, bestehend aus SEV, transfair, KVöV und VSLF, hat sich mit SBB Cargo International bei den diesjährigen Lohnverhandlungen auf eine Einigung verständigt.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich SBB Cargo International derzeit befindet, war weder eine Reallohnerhöhung noch ein Teuerungsausgleich durchsetzbar. Der gesamte europäische Güterverkehr leidet unter zahlreichen Bauarbeiten und Streckensperrungen in Deutschland und Italien sowie unter der allgemein schwachen Wirtschaftslage. Auch SBB Cargo International ist stark davon betroffen. Daher einigten sich die Vertragsparteien auf einen zusätzlichen Ferientag. Zudem erhalten alle Mitarbeitenden mit Zeiterfassung einen zusätzlichen Zeitausgleich von 8 Stunden und 18 Minuten, der für einen der fünf definierten Brückentage oder für einen zusätzlichen Ruhetag genutzt werden kann.
Für den VSLF waren diese Massnahmen zum Zeitpunkt der Lohnverhandlungen und der Präsentation der Zahlen nachvollziehbar. Umso überraschter waren der VSLF jedoch, als bei der Präsentation der Jahresarbeitszeiten für den Fahrplan 2026 deutlich höhere Werte als die Sollarbeitszeit gemäss GAV an allen Schweizer Standorten ausgewiesen wurden. Dies wirft die Frage auf, ob der Rückgang der Verkehre geringer ausgefallen ist als angenommen und möglicherweise vorschnell Kündigungen ausgesprochen wurden. Wenn das Lokpersonal die ausgehandelten zusätzlichen Ferien- und Freitage bezieht, steigen die Jahresarbeitszeiten weiter an und zusätzliche Arbeitstage wären erforderlich. Dies entspricht klar nicht den Vorstellungen des VSLF und setzt ein schlechtes Signal an die Mitarbeitenden.
Grundsätzlich ist es positiv, wenn mehr Arbeit anfällt als geplant. Allerdings hätten mit diesem Wissen im Rahmen der Lohnverhandlungen sicherlich auch monetäre statt ausschliesslich zeitlicher Kompensationen verhandelt werden können.
Der VSLF hat daher bei SBB Cargo International interveniert, damit die Arbeitszeiten für die Mitarbeitenden ab dem Unterjahres-Fahrplanwechsel spürbar reduziert werden und die Vorgaben von AZG und GAV eingehalten bleiben.
Der Ausgleich der Teuerung und eine Reallohnentwicklung sind ernst zu nehmende Anliegen. Sobald sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, ist die Verhandlungsgemeinschaft bereit, die dann bestehenden Spielräume für zurückgestellte Anpassungen zu nutzen.
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