Waldenburgerbahn nimmt als erste Schweizer Bahn teilautomatisierten Betrieb auf

Als erstes Schweizer Bahnunternehmen nimmt die BLT Baselland Transport AG mit der Waldenburgerbahn den teilautomatisierten GoA2 Betrieb auf. Sie macht damit einen entscheidenden Schritt in Richtung automatisierten Bahnbetrieb. Moderne Signaltechnik von Stadler macht diesen Meilenstein möglich.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat der BLT den teilautomatisierten Zugbetrieb [Details siehe Box unten] für die Waldenburgerbahn freigegeben. Damit feiert diese neue Betriebsform auf der Strecke Liestal – Waldenburg ihre Premiere. Die BLT zeichnet sich dadurch erneut als Vorreiterin in Sachen digitaler, moderner Zugbetrieb aus.

Neuentwicklung macht teilautomatisierten Betrieb möglich

Das Herzstück des teilautomatisierten Betriebs bildet das Zugssicherungssystem NOVA Pro. Stadler hat dieses kommunikationsbasierte System (CBTC) am Standort in Wallisellen vollständig neu entwickelt.Es ermöglicht einen direkten Informationsaustausch zwischen den Fahrzeugen und der streckenseitigen Sicherungsanlage und bildet damit die Grundlage für eine durchgehend digitale Zugsteuerung.

Konsequenter Zukunftskurs

Mit der umfassenden Modernisierung der Waldenburgerbahn setzt die BLT konsequent auf einen zeitgemässen und zukunftsorientierten Bahnbetrieb. Seit Ende 2022 sind zehn neue, in Valencia gefertigte, Stadler-Kompositionen im Einsatz. Zudem hat die BLT die 13 Kilometer lange Infrastruktur der Linie Waldenburg–Liestal vollständig erneuert – von neuen Gleisen über modernisierte Haltestellen bis hin zu einer neuen Generation an Sicherungs- und Steuerungsanlagen.

Ein zentraler Schritt in Richtung digitalisiertem Bahnverkehr ist die Abkehr von der klassischen Streckensignalisierung. Im teilautomatisierten GoA2-Betrieb übernimmt das Stadler CBTC-System den gesamten Fahrtablauf. Nachdem die Türen geschlossen und der Triebfahrzeugführende die Abfahrtserlaubnis erteilt hat, läuft die Fahrt vollautomatisch ab. Das CBTC-System regelt die Geschwindigkeit, stellt die Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten sicher, steuert die Bahnübergänge optimiert an und hält den Zug automatisch präzise an der nächsten Haltestelle an. Dies entlastet das Fahrpersonal von Routineaufgaben und erhöht die Pünktlichkeit. Der Triebfahrzeugführende überwacht die Fahrt und greift bei Bedarf ein.

Parallel dazu plant die BLT, ab Ende 2026 das Manövrieren der Fahrzeuge im neu erbauten Depot in Waldenburg komplett ohne Fahrpersonal umzusetzen. Damit erreicht sie eine Vollautomatisierung innerhalb des Depotbetriebs [Details siehe Box unten]. Damit setzt die Waldenburgerbahn ihren Weg hin zu einem zunehmend automatisierten Betrieb konsequent fort.

Entscheidender Schritt in eine digitalisierte Zukunft

«Mit GoA2 machen wir im automatisierten Bahnbetrieb einen entscheidenden Schritt vorwärts. Der Fahrbetrieb wird gleichmässiger, ressourcenschonender und energieeffizienter. Die WB wird noch pünktlicher unterwegs sein. Mit GoA2 können Verspätungen reduziert und zu frühe Abfahrten an Haltestellen verhindert werden. Das ist ein grosser Mehrwert für unsere Fahrgäste»

, sagt Philipp Glogg, Chief Technical Officer der BLT.

«Wir sind sehr stolz, dieses zukunftsweisende Projekt gemeinsam mit der Waldenburgerbahn umzusetzen. Für Stadler Signalling ist es ein wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung moderner, digitaler Zugsteuerungssysteme – und zugleich ein bedeutender Schritt für den automatisierten Bahnverkehr in der Schweiz»

, sagt Marc Trippel, Executive Vice President Division Stadler Signalling.
GoA im Bahnbetrieb:
Die Grades of Automation (GoA) beschreiben den Automatisierungsgrad eines Zugbetriebes.
Die Skala reicht von GoA0 (vollständig manuell) bis GoA4 (vollautomatisch und fahrerlos). 
 
GoA 0 – Manuelle Zugfahrt 
Der Fahrzeugführer steuert den Zug vollständig selbst. Alle Fahraufgaben, Türen und Sicherheitsfunktionen werden manuell ausgeführt. 
 
GoA1 – Manuelle Fahrt mit unterstützenden Systemen  
Der Fahrzeugführer bleibt verantwortlich, erhält jedoch technische Unterstützung, z.B. durch automatische Zugbeeinflussung (Fahr- und Bremsüberwachung). Entscheidungen und Fahrsteuerungen liegen weiterhin beim Menschen. 
 
GoA2 – Teilautomatisierter Betrieb 
Das System (Stadler NOVA Pro) übernimmt das Fahren und Bremsen. Ein Fahrzeugführer ist weiterhin an Bord, überwacht den Betrieb und kann bei Bedarf eingreifen. 
 
GoA3 – Hochautomatisierter, fahrerloser Betrieb mit Zugbegleiter 
Es befindet sich oftmals kein Fahrzeugführer im Führerstand mehr. Das System fährt selbstständig, ein Mitarbeiter ist jedoch an Bord, um bspw. Notfälle zu betreuen.  
 
GoA4 – Vollautomatisierter, fahrerloser Betrieb (UTO- Unattended Train Operation) 
Der Zug fährt vollständig autonom, ohne Personal an Bord. Überwachung und Steuerung erfolgen aus der Leitstelle. 
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Am 11. Dezember 2022 ging die neue Waldenburgerbahn in Betrieb. Im Bild der neue Bahnhof Waldenburg. / Quelle: BLT

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