Stadler zieht Rekurs gegen die SBB-Vergabe zurück

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Visualisierung des neuen SBB Doppelstockzuges für die S-Bahn Zürich [rechts] und die Westschweiz [links] von Siemens. / Quelle: Siemens Mobility

Stadler hat die SBB-Ausschreibung über den Rahmenvertrag von 200 Doppelstockzügen gegen Siemens verloren. Diesen Entscheid konnte Stadler nur schwer nachvollziehen und hat deshalb Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Die inzwischen vom Bundesverwaltungsgericht ausgehändigten Dokumente sind stark geschwärzt und haben die Transparenz nur teilweise herstellen können. Klar ersichtlich hingegen ist, dass die SBB ihren Ermessensspielraum bei der Bewertung klar zugunsten von Siemens ausgeschöpft hat.

  • Mit dem Rekurs wollte Stadler eine unabhängige Überprüfung durch das Bundesverwaltungsgericht als unabhängige Instanz erreichen. Im Verlauf des Gerichtsverfahrens hat Stadler zwar Einblicke erhalten – jedoch nicht die erhoffte vollständige Transparenz. Zahlreiche Dokumente aus dem Angebot blieben vollständig geschwärzt. Für Stadler sind damit inhaltlich relevante Passagen und entscheidende Nachweise für den Vergabeentscheid unzugänglich geblieben.
  • Deutlich erkennbar ist jedoch, dass die SBB ihren Ermessensspielraum bei der Bewertung der Angebote voll zugunsten des siegreichen Angebots genutzt hat. Dies geht aus den Gerichtsunterlagen hervor. Die SBB hat sich für ein bisher nicht erprobtes und gänzlich neues Zugsmodell entschieden.
  • Stadler hat dagegen einen Doppelstockzug angeboten, von dem sich 153 Züge im täglichen Einsatz bewähren. Dieser Zug zählt zu den zuverlässigsten in der Flotte der SBB.
  • Aufgrund der stark eingeschränkten Informationen hat Stadler keine Anhaltspunkte gefunden, um das Gerichtsverfahren weiterzuführen und zieht daher den Rekurs per 7. April 2026 zurück.

Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler:

«Wir bedauern den Entscheid nach wie vor, müssen diesen aber aufgrund der uns vorliegenden Informationen akzeptieren. Stadler richtet den Fokus auf die Weiterführung der langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit der SBB.»


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6 Kommentare

  1. Gut, dass Stadler den Rekurs zurückzieht, denn er war von Beginn weg chancenlos. Der Wortlaut des Stadler-Communiqués ist jedoch teilweise sehr erstaunlich.
    Zitat: «Die SBB hat sich für ein bisher nicht erprobtes und gänzlich neues Zugsmodell entschieden.» Ob das stimmt, können nur Insider entscheiden.
    Tatsache ist jedoch, dass SBB Cargo bei Stadler Rail 129 sogenannte «Eurodufour»-Lokoomotiven bestellt haben. Diese Lokomotiven existieren bisher nur auf dem Reissbrett, sie wurden noch nie gebaut und noch nie erprobt, sie sind ein gänzlich neues Modell.
    Mit anderen Worten, Stadler kritisiert genau das, was die Firma selbst praktiziert.

    • Ich finde eher die fehlende Transparenz und den Fokus des Ermessungsspielraum seitens SBB höchst fragwürdig. Das ist unser Geld das ausgegeben wird. Es handelt sich dabei um eine unmissverständlichen politischen Entscheid.

      Die Euro DuFour ist eine Eurodual mit zwei Achsen Weniger und einer veränderten Front.

      Die neuen Züge von Siemens sind hingegen komplett neue Entwicklungen von Siemens. Dabei ist der elektrische Teil komplett neu.

      Mit Siemens hatten wir bereits Ärger, nur vergisst man es gerne. Die DTZ kamen zu spät und erfüllten die Vorgaben nicht.

      Sind wir bereit wieder solch ein Debakel hinzunehmen?
      Haben wir nichts vom FV Dosto gelernt?
      Wer wird die Verantwortung übernehmen, wenn diese Züge zu spät geliefert und den Anforderungen nicht entsprechen?

      Mir als ÖV Benutzer und Steuerzahler interessiert es wenig, wenn am Schluss 205 Züge da stehen, dafür im unfertigem Zustand und 10 Jahre zu spät.

      • Ich bin immer wieder schockiert wie man mit Scheuklappen unterwegs sein kann, wenn es um die Schweizer Wirtschaft geht. Entweder will man freie Märkte, dann gelten auch die entsprechenden Regeln für öffentliche Beschaffungen, oder man will blind einfach die eigene Industrie schützen, aber wo das hinführt, muss ich hier wohl nicht erklären. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn die Globalisierung wieder rückgängig gemacht würde, ich könnte auf vieles Verzichten was die Globalisierung uns gebracht hat, sie auch?

        Zum Argument „als Steuerzahler würde ich ein Schweizer Produkt bevorzugen / unser Geld das ausgegeben wird“: der Wohlstand in der Schweiz basiert unter anderem darauf, dass wir uns auf Kosten von anderen bereichern und uns einen Scheiss darum kümmern, wie es z.B. den Kindern auf den Kakaoplantagen oder den Leuten in den afrikanischen Mienen geht (betrifft nicht nur die CH, sondern die gesamte sogenannte westliche Welt). Sich selber an anderen bereichern soll i.O. sein aber keinesfalls einen Franken ins Ausland schicken?

      • Es ist erstaunlich, wie selektiv, oder besser gesagt, wie grob verzerrt Sie die Fakten darstellen. Halten wir fest:

        • Die Euro Dufour ist mitnichten eine Eurodual mit zwei Achsen weniger, das ist ahnungsloser Quatsch. Die Euro Dufour ist vielmehr laut Angaben der SBB eine Neuentwirklung, die zum ersten Mal auf den Markt kommt, und das ohne Prototypen. Das Debakel ist somit programmiert. Diese Lokomotiven werden übrigens in Spanien entwickelt und gebaut, nicht in der Schweiz. Soviel zum Thema «Swissness», das die Firma Stadler versuchte, hochzujazzen, aber das sie bei ihren eigenen Produkten nicht erfüllt.
        • Siemens hat eine lange Erfahrung im Bau von Triebzügen. Logischerweise enthalten die neuen Siemens-Züge Komponenten, die auf dem neusten technischen Stand sind, das ist kein Problem, sondern vielmehr ein grosser Vorteil. Die SBB wollen verständlicherweise nicht veraltete Züge kaufen.
        • Neue Züge bereiten oft technische Schwierigkeiten. Das ist aber keine Exklusivität der Firma Siemens. Auch die Giruno-Züge der Firma Stadler verursachten anfänglich massive Probleme, noch mehr als die Twindexx-Wackelzüge, und sie verursachen heute noch Probleme im Auslandeinsatz, so dass die Deutsche Bahn sich gezwungen sah, den Giruno-Einsatz nach Hamburg zu untersagen.
        • Kurz: Die Stadler-Fans kritisieren bei den Siemens-Zügen genau das, was sie bei der Firma Stadler kommentarlos hinnehmen. Das wirkt, mit Verlaub, sehr unfair und inkonsequent.
      • Man kann nicht nur bewährte Züge kaufen, irgendwann muss auch mal neues kommen, davon lebt unser technischer Fortschritt.

  2. Stadler hat gemerkt, dass die Vergabe korrekt ablief und versucht jetzt einfach gut dazustehen. Nochmals etwas rumheulen anstatt einfach als fairer Verlierer dazustehen. Das mit den geschwärzten Stellen ist Standard in solchen Fällen (z.B. Betriebsgeheimnisse der Mitbewerber, darauf würde auch Stadler im umgekehrten Fall bestehen) und mit Sicherheit nicht der Grund für den Rückzug des Rekurs. Ich freue mich auf alle Fälle auf wieder etwas Abwechslung beim Rollmaterial in der Schweizer Bahnlandschaft.

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