Wie im letzten Jahr angekündigt, stärkt die SBB den Einzelwagenladungsverkehr per Dezember 2026 – als nächsten grossen Schritt in der Neuausrichtung des Güterverkehrs. Ein neues Produktionsmodell erhöht die Auslastung, senkt die Kosten und stellt ein nationales Angebot sicher. Für rund 200 Mitarbeitende gibt es Veränderungen, mehrheitlich einen Arbeitsortswechsel. Kündigungen sind die Ausnahme.
Der Schienengüterverkehr ist zentral für die Landesversorgung, Sicherheit und Klimaziele der Schweiz. Ohne Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) gäbe es jährlich bis zu einer Million zusätzliche Lastwagenfahrten auf der Strasse. Die bereits angekündigte Neuausrichtung [siehe Medienmitteilung vom 20. September 2025] des heute stark defizitären EWLV ist ein bedeutender Meilenstein in der laufenden Neuausrichtung des Güterverkehrs der SBB. Ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2026 wird der EWLV wesentlich effizienter. Ziel ist ein Güterverkehr, der ab 2033 eigenwirtschaftlich unterwegs ist – wie es der Bund als Eigentümer der SBB vorgibt.
Neues Produktionsmodell: Konsequente Ausrichtung an Nachfrage
Zur Neuausrichtung leisten alle einen Beitrag – der Bund, die Kunden und die SBB: Der Bund mit einer befristeten Unterstützung für den EWLV über acht Jahre und einem Verladebonus für die Kunden [siehe Medienmitteilung vom 8. Dezember 2025], die Kunden mit kostendeckenden Preisen und langfristigen Verträgen [siehe Medienmitteilung vom 25. November 2025].
Nun liegt der Ball bei der SBB: Ein neues Produktionsmodell im EWLV erhöht die Auslastung, senkt die Kosten und stellt das nationale Angebot sicher. Güter werden dort mit der Bahn transportiert, wo eine Nachfrage seitens Kunden besteht. Konkret bedeutet dies: Rund 50 Bedienpunkte (heute rund 280 Bedienpunkte) mit einer zu geringen Nachfrage werden im EWLV künftig nicht mehr angefahren, jedoch auf Kundenwunsch weiterhin im Ganzzugsverkehr bedient. Dennoch kann die SBB nahezu gleich grosse Transportmengen (98%) transportieren wie bisher – und das deutlich wirtschaftlicher dank besser ausgelasteter Züge.

Mitarbeitende dort einsetzen, wo sie gebraucht werden
Die Neuausrichtung im EWLV führt für rund 200 Mitarbeitende in der ganzen Schweiz zu Veränderungen (rund 130 in der Deutschschweiz, 40 im Tessin und 30 in der Westschweiz). Die SBB bietet allen betroffenen Mitarbeitenden eine Lösung an: Entweder einen Wechsel an einen anderen Arbeitsort bei SBB Cargo Schweiz, innerhalb der SBB, zu einer Tochtergesellschaft, zu einer Partnerbahn oder eine begleitete berufliche Neuorientierung innerhalb der SBB. Dabei hält sich die SBB strikt an den Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Kündigungen sind die Ausnahme.
Bei den bevorstehenden Veränderungen handelt es sich mehrheitlich um Arbeitsortswechsel beim operativen Personal. In gewissen Regionen hat die SBB aktuell zu viele Fachkräfte, in anderen zu wenige. Die SBB muss ihre Mitarbeitenden dort einsetzen, wo es Güter zu transportieren gibt. Deshalb wechselt das Lok- und Rangierpersonal von elf Standorten mit sehr geringem Verkehrsaufkommen oder wenigen Mitarbeitenden den Arbeitsort. Betroffen sind das Lokpersonal in Brig, Buchs SG und Chiasso sowie das Rangierpersonal in Thun, Rothenburg, Yverdon, Payerne, Fribourg, Delémont, Martigny und Wil. Die Standorte Schaffhausen und Frauenfeld bleiben voraussichtlich bis 2028 beziehungsweise 2029 bestehen.

Ziel ist, möglichst viele Mitarbeitende in der SBB zu behalten und dort einzusetzen, wo Bedarf besteht. Nebst den Arbeitsortwechseln rekrutiert die SBB deshalb laufend Mitarbeitende im Güterverkehr, um der Pensionierungswelle zu begegnen. Aufgrund dieser erwartet die SBB, dass sie im Güterverkehr in den nächsten Jahren rund 300 neue Mitarbeitende benötigt.
Langfristige Stärkung des Schienengüterverkehrs
Auch künftig sind Anpassungen an Bedienpunkten und Standorten möglich, denn die SBB orientiert sich konsequent an der Nachfrage der Transportkunden. Gleichzeitig muss die SBB ihre Effizienz weiter steigern. Nur so kann die SBB langfristig ein konkurrenzfähiges Angebot auf der Schiene sicherstellen, auf Schwankungen der Transportmengen reagieren und das erwartete Wachstum im Güterverkehr bewältigen.
- Weitere Informationen zur Zukunft des Güterverkehrs finden Sie im Mediendossier «Zukunft Güterverkehr: SBB sichert Arbeitsplätze und klimafreundliche Versorgung».
| EWLV kurz erklärt |
|---|
| Die SBB transportiert Güter in drei Verkehrsarten auf der Schiene – im Einzelwagenladungsverkehr (EWLV), kombinierten Verkehr (KV) und Ganzzugsverkehr. Im EWLV werden einzelne Güterwagen aus Anschlussgleisen und Rampen von Kunden gesammelt, zu Zügen formiert und in Rangierbahnhöfe gebracht. Dort werden neue Züge nach Zielregion zusammengestellt. Am Bestimmungsbahnhof erfolgt die Feinverteilung. Typische Güter sind Stückgut auf Paletten, Briefsendungen und Konsumgüter. – Im Video – das neue Produktionsmodell im EWLV |
| SEV: «G-enesis» gefährdet Zukunft und Verlagerung – Wird Notbremsung verpasst? |
|---|
| Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist konsterniert. «Allen unseren Warnungen zum Trotz setzt SBB Cargo ihren Totalumbau fort und gefährdet damit ihre Zukunft und eine erfolgreiche Verlagerung», stellt Philipp Hadorn fest, der verantwortliche SEV-Gewerkschaftssekretär für SBB Cargo. Die aktuelle sechste Tranche der Reorganisation «G-enesis» betrifft rund 200 Mitarbeitende. Seit Monaten (!) warnt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, dass mit dem geplanten «G-enesis»-Totalumbau von SBB Cargo die Millioneninvestition des Bundes zur Förderung des Einzelwagenladungsverkehrs (EWLV) in den Jahren 2026 bis 2029 ohne nachhaltigen Erfolg zu verpuffen droht. «Dies widerspricht dem Willen des Parlamentes, das mit dem Leistungspaket für den EWLV von 260 Mio. Franken die Verlagerung sichern wollte», sagt Philipp Hadorn, der bei der Revision des Gütertransportgesetzes 2015 selbst noch Mitglied des Nationalrates war. Der SEV ist verärgert darüber, dass frühere und aktuelle Manager von SBB und SBB Cargo jeweils die geforderte Eigenwirtschaftlichkeit des EWLV als erreichbar deklarierten, was die Politik mit Genugtuung in die Gesetzgebung einfliessen liess. Für den SEV ist klar: Der laufende Totalumbau kann den EWLV ebenso wenig eigenwirtschaftlich machen wie die bisherigen Reorganisationen wie bspw. der «WLV 2017», solange die Rahmenbedingungen den Strassentransporteuren eine kostengünstigere Produktion ermöglichen. «Statt der bisherigen ‘Pflästerli-Politik’, die trotz Lippenbekenntnis zur Eigenwirtschaftlichkeit Hunderte Millionen Franken an Steuergeldern gekostet und den Niedergang des EWLV mit entsprechender Verlagerung auf die Strasse nicht verhindert hat, braucht es endlich den Mut, den Güterverkehr als Service public zu deklarieren und auf dieser Basis neu zu organisieren, wie es beim Personenverkehr und der Infrastruktur schon längstens der Fall ist», fordert Philipp Hadorn. «Mit einer ehrlichen Zusage an SBB Cargo, den EWLV ohne die unerreichbare Eigenwirtschaftlichkeit weiterzuentwickeln, könnte eine Verlagerung erfolgreich aufgegleist werden. Die SBB könnte ihre Fehlentscheidungen korrigieren und für die Mitarbeitenden eine Zukunft in dieser systemrelevanten Branche sichern – systemrelevant für die Versorgung des Landes und das Klima! Es darf nicht sein, dass die engagierte, aber durch die ständigen Reorganisationen verunsicherte Belegschaft erneut einen hohen Preis für Fehlleistungen bezahlen muss, die nicht in ihrem Einflussbereich stehen!» Auf jeden Fall muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass alle Direktbetroffenen gute berufliche Perspektiven behalten. Letzter Moment für die Notbremse Es braucht jetzt eine Neupositionierung und Neubeurteilung zugunsten der Verlagerung! Eine Notbremsung von «G-enesis» könnte immerhin noch einen Teil des bereits provozierten Schadens eindämmen, nämlich eine weitere Verkehrsverlagerung auf die Strasse und den Abbau Dutzender Stellen in der Cargo-Produktion verhindern, verbunden mit beruflicher Neuorientierung und Unsicherheit für die Betroffenen – sowie Know-how-Verlust und absehbaren Fachkräftemangel für das Unternehmen. Denn nach der aktuellen Konjunkturflaute wird die Nachfrage nach Bahntransporten bald wieder wachsen und SBB Cargo dann händeringend Fachkräfte suchen. |
| transfair: Umfassende Jobgarantien gefordert |
|---|
| Die SBB richtet den Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) neu aus. Ab Dezember 2026 tritt ein neues Produktionsmodell in Kraft – es legt fest, wie Güterverkehrsleistungen künftig strukturiert, geplant und erbracht werden. Verbunden damit: Leistungsverschiebungen und dadurch Stellenabbau und grosse Veränderungen für die Belegschaft. transfair begleitet den Umbau kritisch und fordert verbindlich: Jede betroffene Person muss eine zumutbare Stelle im SBB-Konzern erhalten. Der Einzelwagenladungsverkehr der SBB ist stark defizitär. 2025 kündigte die SBB die Neuausrichtung an – heute hat sie die Details präsentiert. Grundlage dafür ist das Reorganisationsprojekt «G-enesis». Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 tritt ein neues Produktionsmodell in Kraft, das die Planung und Erbringung der Güterverkehrsleistungen an den Standorten neu regelt. Ziel ist es, die Auslastung zu verbessern, die Kosten zu senken und das nationale Güterverkehrsangebot langfristig zu sichern. Für das Personal von SBB Cargo bedeutet das Stellenabbau und weitreichende Veränderungen. Umbau nicht voreilig auf Kosten des Personals transfair setzt alles daran, Arbeitsplätze zu sichern, und begleitet die Transformation von SBB Cargo kritisch. Dabei ist eine Forderung zentral: Jede betroffene Person soll eine zumutbare Stelle im SBB-Konzern erhalten – durch interne Verschiebungen oder einen Wechsel in eine andere Division. Auch wer noch keine vier Jahre bei der SBB arbeitet, soll ein konkretes Jobangebot bekommen. transfair befürchtet, dass SBB Cargo zu schnell zu viel Ressourcen aus dem System nimmt. «Eine Transformation darf nicht nur die Finanzen im Blick haben, sondern muss auch konkrete Perspektiven für das Personal schaffen», betont Greta Gysin, Präsidentin von transfair und Nationalrätin. «SBB Cargo trägt soziale Verantwortung – und transfair kämpft dafür, dass diese aktiv wahrgenommen wird.» Über den GAV hinaus: transfair fordert konkrete Massnahmen Im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist geregelt, welche Leistungen das Personal beim Abbau von Stellen erhält. transfair stellt sicher, dass diese Bestimmungen vollumfänglich angewendet werden – und fordert darüber hinaus zusätzliche Unterstützung für alle Betroffenen: – Zuschüsse bei längeren Arbeitswegen – Temporäre Lohnzuschläge beim Wechsel zu Tochterfirmen mit tieferen Löhnen – etwa zu Tilo, dem regionalen Bahnunternehmen im Tessin und der Lombardei – Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen für neue Funktionen – Sprachkurse, wenn neue Stellen andere Sprachkenntnisse erfordern – Einmalige Beiträge für die Pensionskasse bei Wechseln mit finanziellen Nachteilen – Gezielte Frühpensionierungsangebote für ältere Mitarbeitende Hintergrund: Was ist «G-enesis»? «G-enesis» ist das aktuelle Reorganisationsprojekt von SBB Cargo. Bis 2030 soll das Personal um rund einen Fünftel sinken – das entspricht etwa 450 Stellen. Hintergrund: Die Verkehrsleistung von SBB Cargo ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen – 2023 um 7,5 Prozent, 2024 um weitere 8,4 Prozent. «G-enesis» ist die Antwort der SBB auf diesen Rückgang. |
| VSLF: Nach dem Leitfadenverfahren ist vor den Veränderungen |
|---|
| Die angekündigten und nun auch kommunizierten Reorganisationen in der Produktion von SBB Cargo lösen bei vielen Unsicherheit und Fragen aus. Der VSLF diese Sorgen sehr ernst. «Für uns als VSLF ist klar: Hinter jeder Zahl und jedem Umstrukturierungsplan stehen Menschen – eure Arbeit, eure Gesundheit und eure Zukunft. Das Leitfadenverfahren hat aus Sicht VSLF nicht viel bewegen können. Einzig das neue Depot Gossau wird neu als reines Depot betrieben, ohne Einsätze im RBL. SBB Cargo beteuert, dass der GAV eingehalten und die Reorganisation nach diesen Richtlinien umgesetzt wird.» Im Newsletter Nr. 883 vom 15. Mai 2026 hat der VSLF zu Fragen und Interpretationsmöglichkeiten des GAV ausführlich Stellung bezogen. Die darin erläuterten Textpassagen klären über die Rechte und Pflichten bei betrieblichen Umstrukturierungen auf. Im Folgenden bezieht sich der VSLF spezifisch auf die Reorganisation bei SBB Cargo. Die klaren Positionen und Forderungen des VSLF: – Mobilität und Belastung: Rund zwei Drittel von den Betroffenen müssen den Arbeitsort wechseln. Auch wenn für viele die Wege kurz bleiben, trifft es einige von euch hart. Wir fordern SBB Cargo nochmals dazu auf, bei zu stark belastenden Arbeitswegen nochmals nachzubessern. Für einen besseren Gesundheitsschutz und mehr Sicherheit und im Sinne eines guten Arbeitgebers. In Form eines Ausgleichs für längere Arbeitswege sind Zuschläge in Form von Zeit oder Geld angedacht. Zu beachten ist aber der Grundsatz, dass bei heutigem langem Arbeitsweg dieser auch in Zukunft zumutbar sei. – Strukturen im Gleichgewicht: Im Aarepark in Olten werden neue Hierarchiestufen geschaffen. Wir beobachten das kritisch. Wirkliche Rendite entsteht nicht durch mehr Verwaltung, sondern nur, wenn Produktion und Administration in einem gesunden Gleichgewicht stehen. Stellenneutral bedeutet nicht kostenneutral. – Perspektiven schaffen: SBB Cargo übernimmt für nötige Weiterbildungen und/oder Umschulungen die Kosten. Das ist ein minimalistisches Angebot aufgrund ohnehin einzuhaltender gesetzlicher Vorgaben. Wo zumutbare Lösungen fehlen, werden zudem faire Frühpensionierungsangebote unterbreitet. Der VSLF erwartet situationsgerechte und gleichwertige Angebote für alle Angestellten in allen Alterskategorien. – Transparenz und Fairness: Wir verlangen auch zukünftig eine Berichterstattung darüber, wie Einsparungen die Servicequalität und die Sicherheit beeinflussen. Die anstehenden Gespräche mit Betroffenen müssen fair, transparent und auf Augenhöhe verlaufen. Betroffene müssen, falls gewollt, die Unterstützung durch die Verbände und Gewerkschaft in Anspruch nehmen können. Soziale Standards und eine echte Fürsorgepflicht sind dabei jeweils einzeln und differenziert zu betrachten und zu berücksichtigen. Zeitdruck darf nicht zu Lasten der Sorgfalt gehen Die Umstellung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 und die arbeitsvertraglichen Anpassungen per 1. Januar 2027 dürfen nicht zu hastigen Umsetzungen ohne ausreichende Vorbereitung führen. – SBB Cargo: Reorganisation |
| VAP: Transparenz und Planungssicherheit gefordert |
|---|
| SBB Cargo will den Einzelwagenladungsverkehr per Dezember 2026 mit einem neuen Produktionsmodell neu ausrichten. Der VAP begrüsst das Bekenntnis zum EWLV, fordert aber eine transparente und branchenverträgliche Umsetzung. Entscheidend ist, dass betroffene Verlader weiterhin verlässliche und wirtschaftlich tragbare Lösungen auf der Schiene nutzen können. SBB Cargo hat kommuniziert, wie sie den Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) per Dezember 2026 mit einem neuen Produktionsmodell neu ausrichten will. Der Verband der verladenden Wirtschaft (VAP) begrüsst grundsätzlich, dass SBB Cargo den EWLV nicht aufgibt, sondern als wichtigen Bestandteil der Güterversorgung in der Schweiz weiterführen und wirtschaftlich stärken will. Gerade für die verladende Wirtschaft bleibt der EWLV ein zentrales Element eines leistungsfähigen, resilienten und klimafreundlichen Schienengüterverkehrs (SGV). Abbau von Bedienpunkten wirft Fragen auf Die heute kommunizierte Neuausrichtung wirft jedoch zentrale Fragen auf. SBB Cargo kündigt etwa an, künftig rund 50 von heute rund 280 Bedienpunkten im EWLV nicht mehr anzufahren, gleichzeitig aber weiterhin 98 Prozent der bisherigen Transportmengen befördern zu können. Aus Sicht des VAP ist diese Aussage erklärungsbedürftig. Wenn Bedienpunkte wegfallen, stellt sich für die betroffenen Verlader konkret die Frage, wie ihre Verkehre weiterhin praktikabel, planbar und wirtschaftlich auf der Schiene abgewickelt werden können – oder ob faktisch eine Verlagerung auf die Strasse droht. Schienengüterverkehr bereits unter Druck Die Zahlen zeigen, wie anspruchsvoll die Ausgangslage bereits heute ist. Die von INFRAS am Forum Güterverkehr 2026 präsentierte Analyse zeigt: Die Verkehrsleistung im SGV ist zwischen 2000 und 2025 um 11 Prozent gesunken, der Anteil der Schiene am Landverkehr ging von 42 Prozent im Jahr 2000 auf 37 Prozent im Jahr 2024 zurück. Besonders hoch ist der Druck im Wagenladungsverkehr, der seit 2008 um 36 Prozent zurückgegangen ist. Auch die Rückmeldungen aus der Branche sind deutlich. In der INFRAS-Befragung im Auftrag des VAP werden steigende Kosten und Preise als grösste Herausforderung für die Schiene genannt. Die Haftungsverlagerung auf die Kunden und die daraus entstehenden Zusatzkosten werden ebenfalls sehr häufig als Belastung erwähnt. Zudem erwarten viele Unternehmen kurz- bis mittelfristig einen weiteren Rückgang des Transportvolumens auf der Schiene. Widersprüchliche Signale von SBB Cargo Vor diesem Hintergrund ist es widersprüchlich, wenn SBB Cargo einerseits den EWLV stärken will, andererseits aber mit verschiedenen Massnahmen die Rahmenbedingungen für die Verlader und die Wagenhalter verschlechtert. Dazu gehören insbesondere die geplante Haftungsverlagerung auf die Kunden zusammen mit der Reduktion des Angebots an SBB-eigenen Güterwagen sowie die Einschränkung von Bedienpunkten. Wer den SGV stärken will, darf den Verladern nicht gleichzeitig zusätzliche Risiken, höhere Kosten und weniger Handlungsspielraum aufbürden. VAP fordert transparente Umsetzung Der VAP fordert deshalb von SBB Cargo eine transparente, kundenorientierte und branchenverträgliche Umsetzung der angekündigten Neuausrichtung. Entscheidend ist nicht allein, ob statistisch 98 Prozent der bisherigen Mengen erhalten bleiben können, sondern auch, ob die betroffenen Unternehmen ihre konkreten Verkehre auch zukünftig zuverlässig, wirtschaftlich und ohne zusätzliche Hürden auf der Schiene abwickeln können. Aus Sicht des VAP braucht es deshalb: – eine transparente Kommunikation, welche konkreten Alternativen auf der Schiene für die Verlader bestehen, die von Schliessungen der Bedienpunkte betroffen sind; – realistische Lösungen für kleinere und mittlere Verlader, die nicht ohne Weiteres auf Ganzzugsverkehre ausweichen können; – einen sofortigen Verzicht auf zusätzliche Belastungen. Die Schweiz hat sich politisch klar zur Stärkung des SGV bekannt. Damit diese Zielsetzung Wirkung entfaltet, müssen Angebot, Qualität, Preis und Verlässlichkeit zusammenspielen. Die Neuausrichtung des EWLV darf deshalb nicht zu einem so starken Rückgang des SGV führen, dass die betroffenen Verlader keine verlässlichen und wirtschaftlich tragbaren Lösungen auf der Schiene mehr nutzen können. |
Links
Newsletter abonnieren
Abonnieren Sie die Bahnonline.ch-Newsletter und erhalten Sie die neuesten Beiträge direkt per E-Mail. Hier können Sie sich anmelden.

