Mehr Reisende, hohe Pünktlichkeit und ein deutlich verbessertes Ergebnis: Die SBB schaut auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2026 zurück. Gleichzeitig richtet sie den Blick nach vorne. Verwaltungsratspräsident André Wyss setzt dabei drei Prioritäten: Verlässlichkeit, Innovation und finanzielle Handlungsfähigkeit.
Die SBB steht heute auf einer soliden Basis. Das erste Halbjahr 2026 zeigt die operative Stärke der Bahn mit anhaltend steigender Nachfrage, hoher Pünktlichkeit und einem deutlich verbesserten finanziellen Ergebnis. Auch verläuft die Neuausrichtung des Güterverkehrs planmässig, mit einem erstmals seit vielen Jahren wieder ausgeglichenen Ergebnis. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Mobilität weiter, der Rückstand beim Substanzerhalt wächst und hohe Investitionen in Infrastruktur, Rollmaterial und Digitalisierung stehen an.
Verwaltungsratspräsident André Wyss leitet daraus drei strategische Schwerpunkte für die Weiterentwicklung der SBB ab – mit dem Ziel, auch langfristig das Rückgrat der nachhaltigen Mobilität der Schweiz zu bleiben.
Verlässlichkeit sichern
Die SBB verbindet Menschen, Regionen und Wirtschaft zuverlässig und klimafreundlich. Diese Verlässlichkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Deshalb haben der Erhalt und die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur Vorrang. Ausbau bleibt notwendig; ausgebaut werden soll dort, wo der Nutzen für Kundinnen und Kunden sowie für die Schweiz am grössten ist.
Innovation gezielt vorantreiben
Um die weiter steigende Nachfrage zu bewältigen, wird zusätzliche Infrastruktur allein nicht genügen. Digitalisierung, neue Technologien und neue Mobilitätslösungen sollen helfen, das bestehende System besser zu nutzen, die Zuverlässigkeit weiter zu erhöhen, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und das Reisen für Kundinnen und Kunden einfacher zu machen.
Finanzielle Handlungsfähigkeit stärken
Die SBB braucht ausreichenden finanziellen Handlungsspielraum, um langfristig investieren und ihren Auftrag für die Schweiz erfüllen zu können. Dazu wird sie ihre Effizienz weiter steigern, Investitionen konsequent priorisieren und gemeinsam mit dem Eigner tragfähige Rahmenbedingungen schaffen.
Verwaltungsratspräsident André Wyss sagt:
«Die SBB ist heute stark aufgestellt. Entscheidend ist, dass wir diese Stärke langfristig sichern und die Bahn auch für kommende Generationen verlässlich, innovativ und finanziell handlungsfähig bleibt.»
Positives erstes Halbjahr 2026 mit zufriedenen Reisenden und guter Pünktlichkeit
Das erste Halbjahr 2026 ist für die SBB operativ und finanziell erfreulich ausgefallen. So hat die Nachfrage nach Mobilität im ersten Halbjahr 2026 weiter zugenommen: Täglich waren durchschnittlich 1,45 Millionen Reisende in Zügen der SBB unterwegs, 4,0 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025 (1,39 Millionen).
Die Reisenden waren im ersten Halbjahr 2026 zufriedener als im Vorjahr: Die Kundenzufriedenheit stieg auf 80,1 Punkte (2025: 79,9 Punkte). Dazu trugen unter anderem stabilere Betriebsabläufe, verbesserte Informationen bei Störungen und zusätzliche Sitzplätze auf stark nachgefragten Verbindungen bei.
Die Pünktlichkeit im Personenverkehr blieb auf hohem Niveau. Die Zugspünktlichkeit lag bei 94,1 Prozent und damit nur 0,4 Prozentpunkte unter dem herausragenden Wert des ersten Halbjahres 2025. Gründe für die stabile Pünktlichkeit sind die hohe Zuverlässigkeit der Infrastruktur und des Rollmaterials sowie eine gute Planung der Baustellen. Negativ wirkten sich technische Störungen, witterungsbedingte Einflüsse und Verspätungen im grenzüberschreitenden Verkehr aus.
Das Sicherheitsniveau konnte trotz Herausforderungen durch Aggressionen, Gewalt und Cyberbedrohungen insgesamt gehalten werden. Schwere Unfälle und ein tödlicher Arbeitsunfall führten der SBB aber deutlich vor Augen, dass sie der Sicherheit weiterhin höchste Priorität beimessen muss. Die SBB verstärkt deshalb Präventionsmassnahmen, Schulungen und technische Schutzsysteme, zudem arbeitet sie eng mit Partner-organisationen zusammen.
Finanzielle Lage bleibt trotz Gewinn anspruchsvoll
Das Halbjahresergebnis hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert: Die SBB erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Gewinn von 126 Millionen Franken (erstes Halbjahr 2025: 48 Millionen Franken). Dazu trugen die wachsende Nachfrage im Personenverkehr, ein positives Immobilienergebnis sowie eine deutliche Ergebnisverbesserung im Güterverkehr bei.
Die finanzielle Lage bleibt trotzdem angespannt: Um den steigenden Investitionsbedarf für die Erneuerung grosser Flotten und den sich abzeichnenden Ausbau des Angebots zu decken, benötigt die SBB mittelfristig einen Gewinn von jährlich rund 500 Millionen Franken; langfristig muss dieser noch höher ausfallen. Nur so kann sie ihre Verschuldung stabilisieren und gleichzeitig zielgerichtet in die Zukunft investieren.
Güterverkehr auf Kurs, Nachfrage im internationalen Personenverkehr wächst
Die Neuausrichtung des Schienengüterverkehrs verläuft planmässig. Per Anfang 2026 hat die SBB den kombinierten Verkehr (KV) neu ausgerichtet und den Testbetrieb des KV‑Shuttles auf der Nord-Süd-Achse gestartet. Wie bereits kommuniziert, wird nach dem KV auch der nationale Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) neu ausgerichtet. Das neue Produktionsmodell wird die Wirtschaftlichkeit ab Dezember 2026 verbessern und dazu beitragen, das vom Bund vorgegebene Ziel eines eigenwirtschaftlichen Güterverkehrs bis 2033 zu erreichen. Auch die laufende Erneuerung des Rollmaterials wird zu diesem Ziel beitragen. Ein wichtiger Schritt in der Neuausrichtung erfolgt mit der Wiedereingliederung in den Konzern [siehe Information in der blauen Box unten].
Die Nachfrage nach internationalen Bahnreisen steigt ebenfalls weiter. Im ersten Halbjahr 2026 waren mehr Reisende unterwegs als im Vorjahr (2026: 6,02 Millionen Reisende, +1,3 Prozent gegenüber 2025). Die SBB baut das Angebot gemeinsam mit ihren Partnerbahnen weiter aus.
«Verkehr 45»: Substanzerhalt Grundlage für weiteren Ausbau
Die SBB stellt die Verlässlichkeit des Bahnsystems auch künftig ins Zentrum. Der Ausbau der Bahn bleibt notwendig, um die steigende Nachfrage zu bewältigen und künftige Engpässe zu vermeiden. Die SBB nimmt die Vernehmlassung zum Bahnausbau «Verkehr 45» zur Kenntnis und bringt ihre Expertise in die Planungen des Bundes ein. Dabei gilt: Der Erhalt der bestehenden Infrastruktur hat Vorrang. Eine leistungsfähige bestehende Infrastruktur bildet die Grundlage für jeden weiteren Ausbau. Die SBB setzt sich für Lösungen ein, die einen hohen Kundennutzen bieten, tragbare Folgekosten verursachen und eine langfristige Perspektive haben.
| SBB strebt weiterhin den Einsatz von neuen Hochgeschwindigkeitszügen an |
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| Die Nachfrage nach internationalen Verbindungen im Personenverkehr ist im ersten Halbjahr 2026 auf über 6 Millionen Fahrgäste gestiegen und liegt damit 1,3% über der Vorjahresperiode. Dies teilte CEO Vincent Ducrot an der Medienkonferenz zu den Halbjahreszahlen mit. Die SBB strebt weiterhin den Einsatz von neuen Hochgeschwindigkeitszügen an. Derzeit klärt die SBB die Finanzierung dafür ab und ist im Austausch mit Herstellern und Leasinggebern. Die Ausschreibung ist per Ende 2026/Anfang 2027 geplant. |
| Das erste Halbjahr 2026 in Zahlen |
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| Im Personenverkehr stieg das Ergebnis im Fernverkehr gegenüber Vorjahr um rund 3 Millionen Franken auf 14 Millionen Franken. Dem positiven Effekt aus der höheren Nachfrage im Fernverkehr und im internationalen Personenverkehr standen höhere Wartungskosten und Abschreibungen für die Doppelstockzüge (IR-Dosto) gegenüber. Im Regionalverkehr betrug der Verlust 16 Millionen Franken und verbesserte sich damit um 23 Millionen gegenüber Vorjahr – dank gestiegener Nachfrage und gleichzeitig tieferer Unterhaltskosten. Das Generalabonnement blieb konstant auf 419 000 Stück. Bei den Halbtaxabos waren 3,53 Millionen Stück im Umlauf, 3,2 Prozent mehr als im Juni 2025. Das Halbtax PLUS bleibt weiterhin sehr gefragt: Zum Halbjahr 2026 waren 202 000 Stück (2025: knapp 170 000) im Umlauf. Bei Infrastruktur Energie lag das Ergebnis mit 14 Millionen Franken um 24 Millionen Franken unter dem Vorjahr. Gründe sind höhere Zukäufe am Energiemarkt und gestiegene Netznutzungsgebühren infolge geringerer Eigenproduktion. Infrastruktur Netz verzeichnete zum Halbjahr ein um 5 Millionen Franken tieferes Ergebnis, aufgrund höherer Personalkosten, verursacht durch mehr Unterhaltsarbeiten und Grossprojekte. Das Immobilienergebnis stieg gegenüber 2025 um 29 Millionen Franken auf 176 Millionen Franken, aufgrund von Neuinbetriebnahmen sowie höherer Frequenzen an den Bahnhöfen. Im Güterverkehr stieg das Ergebnis gegenüber Vorjahr um 49 Millionen Franken auf 2 Millionen Franken; der Güterverkehr erwirtschaftete damit erstmalig seit vielen Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis. Dazu beigetragen haben die Fördermittel des Bundes für den nationalen Einzelwagenladungsverkehr, Effizienzsteigerungen innerhalb der SBB, kostendeckende Transportpreise sowie Erträge aus dem Verkauf von Rollmaterial. Positiv entwickelte sich auch der internationale Güterverkehr. Herausfordernd bleiben demgegenüber die rückläufigen Transportmengen im Inland. |
| SBB stärkt Güterverkehr mit Wiedereingliederung in Konzern |
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| Der Schienengüterverkehr ist zentral für die Landesversorgung und den klimafreundlichen Transport von Gütern. Deshalb stärkt die SBB den Schienengüterverkehr als eine ihrer Kernaufgaben und führt die integrierte Bahn künftig unter einem Dach. Die SBB Cargo AG wird bilanziell per 1. Januar 2027 in die SBB AG eingegliedert und gemeinsam mit den Konzerngesellschaften SBB Cargo International AG (Mehrheitsbeteiligung von 75 Prozent der SBB AG) und der ChemOil Logistics AG (100 Prozent Tochtergesellschaft) als Division Güterverkehr geführt. Damit schliesst die SBB den 2023 mit der vollständigen Übernahme der SBB Cargo AG eingeleiteten Prozess ab. Die neue Organisation reduziert Komplexität, macht die Steuerung effizienter und stärkt die Verankerung des Güterverkehrs innerhalb der SBB. Die Mitarbeitenden der SBB Cargo AG wechseln per 1. Juni 2027 zur SBB AG, die organisatorische Anpassung hat keine Auswirkungen auf ihre Anstellungsbedingungen. Die Wiedereingliederung als Division leistet einen wichtigen Beitrag zum Ziel der SBB, den Güterverkehr langfristig eigenwirtschaftlich zu führen – wie vom Bund als Eigner gefordert. |
| Stellungnahme SEV: Entscheid bezüglich Cargo wird begrüsst – Stärkung des Schienengüterverkehrs wird gefordert! |
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| Der SEV begrüsst den Entscheid, SBB Cargo nach mehr als 25 Jahren rechtlicher Verselbständigung wieder stärker in die SBB zu integrieren. Doch eine neue Organisationsstruktur allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass die Wiedereingliederung den Mitarbeitenden Sicherheit, Perspektiven und bessere Entwicklungsmöglichkeiten bringt, und dass sie den Schienengüterverkehr in der Schweiz stärkt. Als grösste Gewerkschaft des Verkehrspersonals erwartet der SEV, dass die Sozialpartner und die betroffenen Mitarbeitenden von Beginn an verbindlich in diesen Prozess einbezogen werden. Der Güterverkehr der SBB wurde per 1. Januar 2001 in eine privatrechtliche Tochtergesellschaft überführt, um im liberalisierten europäischen Güterverkehr flexibler agieren und Kooperationen eingehen zu können. «Der SEV hat die Auslagerung und Verselbstständigung der Gütersparte der SBB über Jahre sehr kritisch beurteilt – und der Reintegrationsbeschluss zeigt, dass auch die Verantwortlichen inzwischen zur Einsicht gelangt sind, dass das Experiment gescheitert ist», sagt SEV-Vizepräsident Patrick Kummer, der für das Dossier SBB zuständig ist. «Die Verselbständigung hat die strukturellen Probleme des Schienengüterverkehrs nicht gelöst. Wiederkehrende Reorganisationen, Kostendruck, Stellenabbau, immer neue strategische Ausrichtungen und eine langfristig rückläufige Verkehrsleistung haben SBB Cargo über Jahre geprägt.» Der SEV hat Auslagerungen im Grundsatz nie als erstrebenswert für einen Staatsbetrieb betrachtet und stets an ihren Auswirkungen auf die Mitarbeitenden gemessen. Die Mitarbeitenden mussten sich bei SBB Cargo immer wieder an neue Strukturen, Prozesse und Anforderungen anpassen und gleichzeitig einen zuverlässigen Schienengüterverkehr sicherstellen. Ihr Fachwissen und ihr täglicher Einsatz sind eine zentrale Grundlage dafür, dass SBB Cargo heute eine Zukunftsperspektive hat. «Die Reintegration von SBB Cargo trägt zur Gleichbehandlung aller Mitarbeitenden des Konzerns SBB bei, die sehr wichtig und auch für die anderen SBB-Töchter anzustreben ist», betont Patrick Kummer. Auch bei der Gründung von SBB Cargo International im Jahr 2010 war die Haltung des SEV klar: Neue Gesellschaftsstrukturen dürfen nicht dazu dienen, Arbeitsbedingungen zu verschlechtern oder sozialpartnerschaftliche Standards zu umgehen. Gleichzeitig forderte der SEV immer wieder eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit zwischen den Cargo-Töchtern der SBB. Auch wenn nun SBB Cargo wieder als Division der SBB geführt werden soll, muss diese Zusammenarbeit mit SBB Cargo International spürbar verbessert werden. Wiedereingliederung als Chance Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen für den SEV deutlich: Nicht die Rechtsform entscheidet über den Erfolg des Schienengüterverkehrs der SBB. Entscheidend sind eine langfristige Strategie, verlässliche politische und unternehmerische Rahmenbedingungen sowie gute Arbeitsbedingungen für qualifizierte Mitarbeitende. Der SEV sieht in der Wiedereingliederung eine echte Chance. Sie kann unnötige Schnittstellen und Doppelspurigkeiten abbauen und echte Synergien schaffen, nicht zuletzt bei der Ausbildung, der beruflichen Entwicklung und dem Erhalt von Fachwissen. Und sie bietet nach vielen Jahren der Unruhe die Chance, den Schienengüterverkehr der SBB langfristig zu stabilisieren und den Beschäftigten wieder mehr Sicherheit und Perspektive zu geben. Wer einen starken Schienengüterverkehr will, braucht auch starke Arbeitsbedingungen und Mitarbeitende, die auf eine verlässliche Zukunft zählen können. «Und es gilt darauf zu achten, dass SBB Cargo bei der konzern-internen Interessenkonkurrenz nicht erneut den Kürzeren zieht, sondern sich innerhalb des Konzerns so entwickeln kann, dass Know-how und Arbeitsplätze gesichert sind und dass SBB Cargo endlich Marktanteile am langfristig wachsenden Gütermarkt gewinnt», sagt der für das Dossier Cargo zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn. «Damit die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene endlich neuen Schub erhält, gilt es die Reorganisation G-enesis mit ihrer Vereinfachung und Reduktion der Angebotspalette zu stoppen.» |
| Stellungnahme transfair: Jetzt muss auch das Personal profitieren |
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| Die SBB hat im ersten Halbjahr 2026 sehr gut gearbeitet und ihr Ergebnis verbessert. Für transfair ist klar: Der finanzielle Druck des Bundes darf nun nicht zulasten der Mitarbeitenden gehen. In den anstehenden Lohnverhandlungen braucht es echte Verbesserungen bei den Anstellungsbedingungen. Mehr Fahrgäste, höhere Immobilienerträge und Bundesbeiträge für den Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) haben die SBB im ersten Halbjahr gestärkt. Davon muss nun auch das Personal etwas spüren – in den Lohnverhandlungen und bei den Anstellungsbedingungen. Kein Sparen auf dem Rücken des Personals Der Bund verlangt weiterhin, dass die SBB ihre Schulden bis 2030 senkt. Das erschwert die Gespräche mit der SBB. Bruno Zeller, Leiter Branche öffentlicher Verkehr, betont: «Die Sparvorgaben sind in jeder SBB-Verhandlung ein zähes Hindernis. Dieses Hindernis muss weg, damit das Personal wichtige und berechtigte Verbesserungen bei den Anstellungsbedingungen erreicht.» transfair schaut bei Sparplänen genau hin – besonders, wenn sie das Personal treffen. Denn die Bahn fährt nur zuverlässig und pünktlich, wenn die Mitarbeitenden täglich gute Arbeit leisten können. Zeller erklärt: «Der öffentliche Verkehr wird oft als selbstverständlich angeschaut. Dabei braucht er verlässliche Investitionen – und das Personal die nötige Wertschätzung.» Auch die Infrastrukturfinanzierung bleibt kritisch. Die SBB musste beim Unterhalt bereits zu viel aufschieben. Eine gut finanzierte Infrastruktur ist die Grundlage für einen zuverlässigen, sicheren und pünktlichen Bahnbetrieb. SBB Cargo zurück zur SBB: Zusammenführung ist der richtige Schritt transfair begrüsst, dass SBB Cargo wieder in die SBB eingegliedert wird. Die eigenständige Tochtergesellschaft führte zu unnötigem Zusatzaufwand. Die Wiedereingliederung vereinfacht die Zusammenarbeit und stärkt den Schienengüterverkehr. Zeller sagt: «SBB Cargo gehört zur SBB. Dieser Schritt ist richtig und längst fällig.» Für das Personal ist die Eingliederung wichtig: Die Mitarbeitenden von SBB Cargo wechseln künftig unter den GAV SBB. Damit gelten für alle einheitliche Rahmenbedingungen – ein starkes Signal für klare Strukturen und eine gemeinsame Zukunft innerhalb der SBB. Die Vorgaben aus dem Gütertransportgesetz gelten auch nach der Eingliederung weiter. Das betrifft vor allem die befristeten Bundesbeiträge für den EWLV. Gleichzeitig baut SBB Cargo das Produktionsmodell weiter um. Für viele Mitarbeitende bedeutet das einen neuen Arbeitsort, eine andere Funktion oder eine frühere Pensionierung. Bruno Zeller fordert: «Bei diesem Umbau braucht das Cargo-Personal verlässliche Perspektiven und stabile Lösungen.» |
| Stellungnahme VAP – Verband der verladenden Wirtschaft: Erfolg misst sich nicht nur am finanziellen Ergebnis |
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| Die SBB hat heute ihre Halbjahreszahlen 2026 publiziert und spricht auch beim Güterverkehr von einer positiven Entwicklung. Der VAP nimmt das verbesserte finanzielle Ergebnis zur Kenntnis. Die operativen Entwicklungen im Markt und die Rückmeldungen der verladenden Wirtschaft zeichnen jedoch ein gegensätzliches Bild. Auffällig ist zudem, dass die SBB für den Güterverkehr – anders als für den Personenverkehr – kaum operative Kennzahlen ausweist. Gerade angesichts der laufenden Neuausrichtung wäre Transparenz über Mengenentwicklung, Verkehrsleistung und Qualität zentral. Die SBB hat heute ihre Halbjahreszahlen 2026 publiziert. Im Güterverkehr stieg das Ergebnis gegenüber Vorjahr um 49 Millionen Franken auf 2 Millionen Franken. Gleichzeitig hält die SBB selbst fest, dass die Transportmengen im Inland rückläufig sind. Operative Entwicklung bleibt weitgehend im Dunkeln Während die SBB beim Personenverkehr detailliert über Reisendenzahlen, Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit informiert, fehlen für den Güterverkehr vergleichbare operative Kennzahlen weitgehend. Dabei sind auch die Verlader Kunden der SBB. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Neuausrichtung ist entscheidend, wie sich Mengen, Angebotsqualität und Kundenzufriedenheit im Güterverkehr tatsächlich entwickeln. So zeichnen die wenigen öffentlich verfügbaren Zahlen ein kritisches Bild. Gemäss dem Quartalsreporting des Bundesamts für Verkehr sank die Zahl der beladenen Wagen im Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal von rund 94’000 auf 87’000. Bereinigt um die Swiss-Split-Verkehre, die 2025 noch nicht dem EWLV zugerechnet wurden, entspricht dies einem Rückgang von 12 Prozent. Rückmeldungen der Verlader zeigen eine andere Realität Dieser vom BAV ausgewiesene Rückgang deckt sich mit den Rückmeldungen aus unserer Mitgliedschaft. Diese stehen in deutlichem Kontrast zur positiven Darstellung der SBB. Der angekündigte Abbau von Bedienpunkten, teils massive Preiserhöhungen, Einschränkungen bei Rangierleistungen und eine zunehmend weniger an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtete Produktion beeinträchtigen die Attraktivität und Verlässlichkeit des Schienengüterverkehrs spürbar. Kunden, die ihre Verkehre bereits heute auf die Strasse verlagern können, tun dies zunehmend. Jene, die aufgrund ihrer starken Abhängigkeit vom marktbeherrschenden Anbieter kurzfristig keine Alternative haben, arbeiten daran, diese Abhängigkeit mittelfristig zu reduzieren und andere Lösungen zu schaffen. Wo Leistungen reduziert oder nicht mehr angeboten werden und die Kundenorientierung insgesamt auf der Strecke bleibt, fehlen den betroffenen Verladern häufig kurzfristig verfügbare Alternativen. Damit werden bestehende Bahnverkehre gefährdet und auf die Strasse verlagert – eine Entwicklung, die den verkehrspolitischen Zielen des Bundes und der Politik entgegenläuft. Mehr Transparenz bei der Neuausrichtung erforderlich Die SBB bezeichnet die Neuausrichtung des EWLV als planmässig. Aus Sicht des Verbands der verladenden Wirtschaft (VAP) fehlt jedoch weitgehend Transparenz darüber, wie zentrale Entscheide zustande gekommen sind. Dies zeigt sich exemplarisch am angekündigten Abbau von Bedienpunkten. Für betroffene Unternehmen ist vielfach nicht nachvollziehbar, anhand welcher Kriterien Standorte aufgegeben werden, ob alternative Lösungen etwa mit anderen EVU geprüft wurden und wie den Auswirkungen auf Kunden, Versorgung, Klima und Verkehrsverlagerung Rechnung getragen wird. Gerade weil der Bund den EWLV seit Anfang 2026 finanziell unterstützt, sind nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen und eine transparente Berichterstattung über Leistung, Qualität und Mittelverwendung absolut unerlässlich. Für den VAP ist deshalb klar: «Die Zukunft des Schienengüterverkehrs bemisst sich nicht allein an der Erfolgsrechnung von SBB Cargo. Entscheidend ist, ob die Bedürfnisse der Kunden erfüllt, Verkehrsvolumen auf der Schiene gehalten und ein verlässliches, wettbewerbsfähiges Angebot sichergestellt werden.» Wiedereingliederung erhöht die Anforderungen an die Governance Der VAP nimmt die angekündigte Wiedereingliederung der SBB Cargo AG in die SBB AG per 1. Januar 2027 zur Kenntnis. Mit der stärkeren Integration steigen die Anforderungen an die Governance und insbesondere die Transparenz. Für den VAP ist zentral, dass weiterhin eine klare und überprüfbare Trennung der Finanzflüsse gewährleistet bleibt – insbesondere zwischen dem staatlich geförderten EWLV und jenen Bereichen, in denen die SBB mit privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Wettbewerb steht. Bundesmittel müssen zweckgebunden beim geförderten Angebot und damit letztlich bei den Kunden wirken. Eine direkte oder indirekte Quersubventionierung wettbewerblicher Tätigkeiten muss zwingend verhindert werden. |
| Stellungnahme Pro Alps: SBB Cargo auf dem Abstellgleis |
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| Die Schweiz will mehr Güter auf der Schiene. SBB Cargo macht derzeit das Gegenteil: Rückzug im kombinierten Verkehr (KV), Abbau beim Einzelwagenladungsverkehr (EWLV). Nun soll die Güterbahn auch noch ihre Eigenständigkeit verlieren. Der Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) ist unverzichtbarer Teil der Güterversorgung in der Schweiz. Rund 60 Prozent der Wagen im inländischen Schienengüterverkehr verkehren im EWLV – angeboten wird er heute von SBB Cargo. Das Parlament hat mit der Revision des Gütertransportgesetzes (GüTG) ein klares Signal gesetzt, dass diese Verlagerungsform eine Zukunft haben soll: bis 2029 erhält SBB Cargo Fördermittel von 260 Millionen Franken mit Aussicht auf Verlängerung. Diese Unterstützung ist wichtig. Denn der EWLV, bei dem einzelne Güterwagen beladen oder befüllt und unterwegs in Rangierbahnhöfen zu neuen Zügen zusammengestellt werden, bringt Güter auch in kleineren Mengen über ein landesweites Netz auf die Schiene. Er stärkt die Versorgungssicherheit, entlastet die Strassen und reduziert Umweltbelastungen. Würde dieses System wegfallen, drohen den Schweizer Strassen jährlich bis zu einer Million zusätzliche Lastwagenfahrten. Doch ein klares Verlagerungsziel fehlt Das Parlament hat den Schienengüterverkehr mit zusätzlichen Fördermitteln gestärkt. Was im GüTG jedoch fehlt, ist ein verbindliches Ziel für mehr Verlagerung auf die Schiene. Ohne eine solche Vorgabe bleibt die Wirtschaftlichkeit das dominante Kriterium. Die aktuelle Entwicklung bei SBB Cargo zeigt die Folgen: Statt Wachstum und Verlagerung stehen Netzabbau, Angebotsreduktionen und Stellenabbau im Vordergrund. Bezeichnend ist, dass auch die SBB in ihrer Kommunikation fast ausschliesslich über finanzielle Ergebnisse spricht. Ob mehr oder weniger Güter auf der Schiene transportiert werden, wird nicht kommuniziert. Damit droht ein Widerspruch im Kern der Schweizer Verkehrspolitik: Einerseits investiert der Bund Millionen in den Schienengüterverkehr, andererseits fehlen die politischen Leitplanken, damit diese Mittel tatsächlich zu mehr Verlagerung führen. Für Pro Alps ist klar: Wer den Alpenschutz ernst nimmt, muss nicht nur die Schiene fördern, sondern auch verbindlich festlegen, dass ihr Anteil am Güterverkehr wachsen soll. Rückbau statt Ausbau Doch ist SBB Cargo überhaupt an der Verlagerung interessiert? Auch beim kombinierten Verkehr (KV) folgt SBB Cargo dieser Rückzugsstrategie, die einzig die Eigenwirtschaftlichkeit im Blick hat. Dies obwohl die SBB im Jahr 2022 «Suisse Cargo Logistics» noch ambitionierte Ausbaupläne präsentierte. Heute bedient sie acht der zehn KV-Terminals nicht mehr, konzentriert sich auf eine einzige Verbindung auf der Nord-Süd-Achse und hat die Ost-West-Achse aufgegeben. Aus Ausbau wurde Rückbau. Rückbau statt Verlagerung Nun zeigt sich dasselbe Muster beim EWLV. Im ersten Quartal 2026 wurden deutlich weniger beladene Wagen transportiert als im Vorjahr (-12 Prozent). Diese Zahlen sind öffentlich. Gleichzeitig streicht SBB Cargo rund 200 Stellen, verkleinert das Netz, baut Wagenvarianten ab und erhöht die Preise um durchschnittlich 20 Prozent. Künftig soll nur noch in zwei statt drei Produktionswellen gearbeitet werden. Silvan Gnos, Leiter Politik bei Pro Alps fasst diese besorgniserregende Entwicklung folgendermassen zusammen: «Das ist ein Abbau im Herzstück des Schweizer Schienengüterverkehrs, der auch für den Alpenschutz problematisch ist.» Denn bereits heute stammen mehr als die Hälfte der alpenquerenden Lastwagenfahrten aus dem Import-, Export- und Binnenverkehr. So führt Gnos weiter aus: «Wird der Schweizer Schienengüterverkehr geschwächt, drohen zehntausende zusätzliche Lastwagenfahrten durch die Alpen.» Auch die Branche ist aufgrund des rigorosen Vorgehens von SBB Cargo aufgebracht. Viele Kundinnen und Kunden können und wollen ihre Logistikprozesse nicht innert Monaten umstellen und schlucken die massiven Verschlechterungen im EWLV vorerst. Doch genau darin liegt das Risiko: Verkehre verschwinden nicht über Nacht, sondern schrittweise. Was heute noch auf der Schiene bleibt, kann morgen auf der Strasse landen. Jetzt kommt die Quittung Ende Juni befasste sich die nationalrätliche Verkehrskommission mit der Rückverlagerung im EWLV. Sie liess sich von Branchenvertreterinnen und -vertretern über die Lage im Schienengüterverkehr informieren, beauftragte die Verwaltung mit zusätzlichen Abklärungen zum EWLV und will die Diskussion im Herbst fortsetzen. Denn die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation und SBB Cargo reicht von links bis rechts des politischen Spektrums. Doch Empörung reicht nicht. Bundesrat und Parlament haben die Rahmenbedingungen so gesetzt: kein Verlagerungsziel im GüTG, keine Vorgaben zum Angebot und den Verkehrsmengen. Jetzt müssen sie verhindern, dass mit öffentlichen Geldern am Ende nicht der Schienengüterverkehr gestärkt, sondern sein geordneter Rückbau finanziert wird. Pro Alps fordert kürzere Leine für SBB Cargo Pro Alps fordert vom Bund, dass er SBB Cargo enger führt. Eignerziele, Leistungsvereinbarung und GüTG müssen auf ein klares Ziel ausgerichtet werden. Namentlich darauf, Rückverlagerung auf die Strasse zu verhindern und mittelfristig den Anteil der Schiene am Gesamtgüterverkehr zu erhöhen. SBB Cargo ist ein Bundesunternehmen und wird mit öffentlichen Mitteln unterstützt. Der Bundesrat darf nicht tatenlos zuschauen, wenn sich dieses Unternehmen aus zentralen Teilen des Güterverkehrs zurückzieht. Nun verliert SBB Cargo ihre Eigenständigkeit Vor diesem Hintergrund erhält die angekündigte Umstrukturierung einen bitteren Nachgeschmack: SBB Cargo soll ihre Eigenständigkeit als Aktiengesellschaft (AG) verlieren und in den SBB-Konzern integriert werden. Die SBB begründet diesen Schritt mit organisatorischen Vorteilen. Diese sind kurzfristig aus gewerkschaftlicher Perspektive nicht von der Hand zu weisen. Kehrt der Verkehr auf die Strasse zurück, wird es auch das Personal mittelfristig treffen. Bei Pro Alps wirft der Entscheid grundlegende Fragen auf. Gerade in einer Phase, in der der Schienengüterverkehr unter Druck steht, wäre eine starke und eigenständige Stimme für die Interessen des Güterverkehrs wichtiger denn je. Silvan Gnos sagt dazu: «Es besteht die Gefahr, dass die spezifischen Bedürfnisse des Güterverkehrs innerhalb des Konzerns künftig noch weniger Gewicht erhalten.» Es darf nicht passieren, dass die Interessen des SBB-Konzerns über den Erhalt oder bestenfalls sogar Ausbau eines starken Schienengüterverkehrs dominieren. Pro Alps wird die Entwicklungen weiterhin eng verfolgen und sich als Stimme der Alpen gezielt in die Debatte einbringen. |
Links
- Blick: SBB: Wird Alexander Muhm der neue CEO?
- SBB CEO Vincent Ducrot wird in der zweiten Hälfte 2027 in Pension gehen: La Liberté: Il avait remplacé Andreas Meyer en 2020. Vincent Ducrot quittera la direction des CFF courant 2027
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