«Runder Tisch» zum SBB Cargo-Depot Goldau: VG fordert Konzept mit Zugshalten in der Nacht und einem Produktionspool [aktualisiert]

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 18. Dezember 2020 veröffentlicht.

Die Verhandlungsgemeinschaft (VG) von SEV, VSLF, Transfair und KVöV hat sich am 1. Dezember 2020 von Cargo-Verantwortlichen erklären lassen, warum das Depot Goldau plötzlich so rasch geschlossen werden soll. Cargo konnte nicht alle Vorgänge transparent erklären, insbesondere nicht, warum zwischen 24 und 5 Uhr in Goldau keine Zugshalte mehr möglich sein sollen. Die VG fordert Cargo auf, ein entsprechendes Produktionskonzept transparent durchzurechnen und einen «Lokpersonalpool Zentralschweiz» zusammen mit SBB Cargo International, SBB Personenverkehr und SOB zu prüfen.

Auch nach der Aussprache mit den Cargo-Verantwortlichen sind die VG und die Mitarbeitenden in Goldau weiterhin erstaunt darüber, dass SBB Cargo das Depot Goldau zum jetzigen Zeitpunkt schliessen will. Nach eigenen Aussagen kennt SBB Cargo erst im Februar 2021 die erforderlichen, zahlenbasierten Grundlagen. Es ist also nicht auszuschliessen, dass später dieser voreilige Entscheid SBB Cargo teuer zu stehen kommen könnte und fehlendes Lokpersonal aufwändig kompensiert werden muss. So könnte es durchaus passieren, dass an gewissen Depotstandorten die Lokführer von Goldau dringend gebraucht werden, um die Leistungen fahren zu können. Der Grund für die Auflösung von Goldau ist eigentlich Infrastruktur-technischer Art und nicht, dass es bei Cargo zu viele Lokführer gibt.

Die VG ist auch erstaunt, dass das von der Branche vorgespurte Betriebskonzept Güterverkehr an der Gotthardachse bereits seit 2012 keinen Betriebswechselpunkt mehr in der Zentralschweiz per Fertigstellung der NEAT vorsah. Dies umso mehr, als SBB Cargo noch 2015 Mitarbeitenden in Anstellungsverträgen den Standort Goldau als «gesichert» mitteilte und Anfang 2020 noch mündliche Zusicherungen abgab. Die Verbände bedauern zudem, dass im politischen Prozess zum Ausbau der Bahninfrastruktur keine entsprechenden Anlagenerweiterungen für lange Güterzüge, zum Beispiel in Arth-Goldau für 750m-Züge, Niederschlag fanden. Hat der politische Wille gefehlt?

Drittens hat die VG aber am Runden Tisch bestätigt erhalten, dass aus Sicht der Infrastruktur immerhin zwischen Mitternacht und 05:00 Uhr weiterhin zusätzliche Trassen und geplante Halte für den Lokpersonalwechsel in der Zentralschweiz möglich sind.

Produktion ab Goldau zwischen 24 und 5 Uhr prüfen

Immerhin steht damit einer Produktion ab Goldau in diesem Zeitfenster seitens Infra nichts im Weg. Darum und weil die Produktionsaktivitäten bei Cargo nachts am stärksten sind, fordert die VG, dass ihr die Cargo-Verantwortlichen für eine Produktion ab Goldau in diesem Zeitfenster Zahlen zu den Produktionskosten vorlegen: und zwar mit und ohne Halt in Goldau bzw. der Innerschweiz sowie mit und ohne Weiterführung eines Depots in Goldau bzw. eines Lokpersonal-Produktionspools in der Innerschweiz.

«Lokpersonal-Produktionspool Zentralschweiz» prüfen

Die VG fordert von SBB Cargo die Prüfung weiterer Optionen, die ein Cargo-Depot in Goldau bzw. Schwyz auch künftig ermöglichen würden. Eine Option besteht in einem gemeinsamen Lokpersonalpool zwischen SBB Cargo, SBB Cargo International, SBB Personenverkehr und der SOB – zusätzlich unter Einbezug von möglichen Aushubverkehren der geplanten 2. Gotthard-Strassenröhre.

Fristen für Wechsel weg von Goldau anpassen

Für die vom Leistungswegfall in Goldau betroffenen Lokführer hat SBB Cargo bei SBB Personenverkehr, SBB Cargo International und bei der SOB Anschlusslösungen aufgegleist. Auch Cargo-intern kann sich das Lokpersonal für andere Standorte melden, nämlich dorthin, wo sich die Leistungen mutmasslich verlagern. Leider sind dies nicht gerade Depots, die für die Betroffenen nahe liegen. Die Anmeldefristen bei SBB Personenverkehr für Interessierte sind viel zu knapp. Die VG fordert angemessene Fristen sowie laufend weitere flexible Übertrittsangebote während der nächsten Jahre innerhalb des SBB-Konzerns!

Vor allem aber sind die Fristen für diese Wechsel so zu verlängern, dass für die Abklärung der zwei oben genannten Fragestellungen die nötige Zeit bleibt, und damit nicht schon irreversible Fakten geschaffen werden.

Weiter muss bei allfälligen Übertritten die individuelle Situation berücksichtigt und gewürdigt werden.


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