Gelebte Baukultur: Vom SBB Bahnwärter- zum Ferienhaus

Die SBB trägt Sorge zur Schweizer Baukultur, historische Gebäude werden erhalten und neu genutzt. Jüngstes Beispiel ist das sorgfältig sanierte Wärterhaus im Eggwald an der Gotthard-Bergstrecke. Das Denkmal blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und erwacht nun zu neuem Leben.

Die Gotthard Bergstrecke wurde 1882 eröffnet. Zur Strecke gehören über vierzig Tunnels – darunter die ersten Kehrtunnels in Europa –, mehr als hundert Brücken sowie unzählige Stützmauern und Lawinenschutzbauten. Um diese zu überwachen, wurden im Abstand von etwa 1,2 Kilometern Wärterhäuser errichtet. 

Die Wärterhäuser am Gotthard 

In den Häusern wohnten Bahnwärter und ihre Familien. Sie hielten das Trassee in Ordnung, beobachteten ihren jeweiligen Streckenabschnitt und meldeten dem Bahnmeister allfällige Schäden und Gefahren. Die meisten Bahnwärter waren bei der SBB als Streckenwärter, Gleis-, Rangier- oder Hilfsarbeiter angestellt.

Später machten das Telefon, Maschinen für den Unterhalt der Gleise und Böschungen sowie die sogenannte Blocksicherung, die eine Strecke automatisch sperrt, wenn ein Zug unterwegs ungeplant halten muss, die ständige Präsenz der Bahnwärter am Gleis überflüssig. Nach und nach verschwanden die Bahnwärter und die Wärterhäuser wurden verkauft oder standen in der Folge leer. Heute sind an der gesamten Gotthardlinie zwischen Arth-Goldau und Bellinzona noch rund 50 Wärterhäuser erhalten. Das Wärterhaus Eggwald ist das letzte am Gotthard im Besitz der SBB.

«Gelebte Baukultur ist, wenn historische Gebäude erhalten und weiter genutzt werden. Wie das Wärterhaus im Eggwald.»

Reto Bieli, Leiter Fachstelle Denkmalpflege SBB

Historisches Bijou in neuem Kleid 

Die SBB Fachstelle für Denkmalpflege begann bald nach ihrer Gründung 2001 die historischen Bahnbauten an der Gotthardstrecke zu dokumentieren. Dabei entstand die Idee, das Wärterhaus Eggwald zu erhalten, als Baudenkmal zu renovieren und künftig als Ferienhaus zu vermieten. Nach einem eingehenden Vergleich mit den Originalplänen wurde das Haus schliesslich in den Jahren 2019 und 2020 sorgfältig renoviert und in den ursprünglichen Farben gestrichen. 

Ab Mai 2021 kann das Wärterhaus Eggwald für Ferien gemietet werden und der Bahnwanderweg Gottardo führt an ihm vorbei. In der Kabelbude, in der früher unter anderem das Streckentelefon stand, erinnert eine kleine Ausstellung an die Geschichte des Hauses und die Menschen, die hier lebten.

Baukultur bei der SBB 

Der Bundesrat erwartet von der SBB, dass sie ihre Immobilien professionell bewirtschaftet. Dazu gehört für die SBB aber nicht nur, ihre Liegenschaften in Schuss zu halten und gezielt zu entwickeln, sondern auch eine verantwortungsvoll gelebte Baukultur. Wie beispielsweise das Wärterhaus Eggwald.

Neben diesem sind auch viele andere kleinere und grössere Bauten der SBB, beispielsweise zahlreiche Bahnhöfe, denkmalgeschützt. Die SBB ist sich deshalb ihrer grossen Verantwortung bezüglich Baukultur bewusst.  

So engagiert sich die SBB in der Stiftung «Baukultur Schweiz». Sie pflegt, schützt und belebt ihre identitätsstiftende historische Bausubstanz. Und sie stellt bei der Entwicklung neuer Quartiere durch Wettbewerbe und Mitwirkungsverfahren sicher, dass ihre Projekte städtebaulich, architektonisch und gesellschaftlich ein Gewinn sind.

«Baukultur bedeutet Verantwortung zu übernehmen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.»

Susanne Zenker, Leiterin Development SBB Immobilien und Stiftungsrätin der Stiftung «Baukultur Schweiz»

Aktuell saniert die SBB beispielsweise den Südtrakt im Zürich HB und den Westflügel im Bahnhof Basel SBB. Dabei werden diese beeindruckenden historischen Gebäudeteile in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wieder in ihren Originalzustand zurückversetzt. Rein kommerz- und zweckorientierte Ein- und Umbauten werden rückgebaut; für lange Zeit «verschwundene» historische Bausubstanz wird wieder freigesetzt und für die Kundinnen und Kunden sicht- und erlebbar gemacht. 

Nebst den Bahnhöfen gehören auch viele sogenannte Betriebsobjekte – beispielsweise Industriewerke und Lokdepots in allen Landesteilen – zur historischen identitätsstiftenden Gebäudesubstanz.

Im Auftrag der SBB hat Ruedi Weidman die Geschichte des Wärterhauses im Eggwald aufgearbeitet.
Die Publikation enthält zahlreiche spannende Hintergründe rund um den Lebensort Eggwald.  

Die Publikation (deutsch) kann kostenlos heruntergeladen werden

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