Güterverkehr in der Schweiz hat 2019 um 2,2% abgenommen [aktualisiert]

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 9. Februar 2021 veröffentlicht.

Die Transportleistungen im Güterverkehr haben 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,2% abgenommen. Auf der Strasse betrug der Rückgang 2,7%, auf der Schiene 1,4%. Rund ein Drittel der Transportmenge der Bahn wurde im kombinierten Verkehr befördert. Dies geht aus der Gütertransportstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervor.

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Quelle: BFS

2019 betrugen die Transportleistungen auf dem schweizerischen Strassen- und Schienennetz insgesamt 27,2 Milliarden Tonnenkilometer, wobei ein Tonnenkilometer der Beförderung einer Tonne über einen Kilometer entspricht. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Abnahme um 2,2%. Der Strassengüterverkehr ging dabei etwas stärker zurück (–2,7%) als der Gütertransport auf der Bahn 
(–1,4%). 

Der Anteil der Schiene an der gesamten Transportleistung lag 2019 unverändert bei rund 37%, jener der Strasse bei 63%. Im internationalen Vergleich ist der Schienenanteil in der Schweiz hoch; im Durchschnitt aller EU-Staaten liegt er bei rund 19%.

Binnentransporte machen fast zwei Drittel des Schwerverkehrs auf der Strasse aus

Im schweren Strassengüterverkehr mit Lastwagen und Sattelschleppern stellen Transporte innerhalb der Schweizer Landesgrenzen das mit Abstand wichtigste Segment dar: 2019 betrug dort der Anteil des Binnenverkehrs an den Transportleistungen 65%. Der Importverkehr kam auf einen Anteil von 16%, der Export auf 10% und der Transitverkehr auf 9%. Verglichen mit dem Jahr 2000 ist dabei bei allen Verkehrsarten eine Steigerung der Transportleistung feststellbar – ausser beim Transit. 

Nachdem der Strassentransitverkehr durch die Schweiz in den Nullerjahren teilweise stark zugelegt hatte, zeigt er seit 2011 eine rückläufige Tendenz und lag 2019 knapp 8% tiefer als im Jahr 2000. Dies dürfte einerseits eine Folge der schweizerischen Verlagerungspolitik sein, welche den alpenquerenden Güterverkehr möglichst auf der Schiene abwickeln will. Andererseits hat sich auch die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Italien seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 bremsend auf den Transitverkehr durch die Schweiz ausgewirkt.

Osteuropäische Transporteure weiter im Aufwind

Knapp ein Drittel der Transportleistungen im Schwerverkehr wurde in der Schweiz 2019 von im Ausland immatrikulierten Fahrzeugen erbracht. Von den Leistungen der ausländischen Lastwagen und Sattelschlepper wiederum entfielen 22% auf deutsche und je 13% auf italienische und auf polnische Fahrzeuge. 2008 hatte der Anteil der deutschen Fahrzeuge noch 29% und jener der italienischen 26% betragen, während die Fahrzeuge mit polnischen Kennzeichen erst 5% zu den Transportleistungen beitrugen. 

Auch die Transportleistungen von den in anderen osteuropäischen Ländern immatrikulierten Güterfahrzeugen haben zwischen 2008 und 2019 deutlich zugenommen. Jene der rumänischen Fahrzeuge beispielsweise haben sich in diesem Zeitraum versechsfacht – wohl auch deshalb, weil Rumänien 2007 der EU beigetreten ist und so von der Marktöffnung profitieren konnte. Fahrzeuge aus Litauen haben vor allem in den letzten fünf Jahren zugelegt und sind mittlerweile auf den vierten Platz vorgestossen. Dass die osteuropäischen Transportunternehmen im westeuropäischen Markt sehr konkurrenzfähig sind, erklärt sich unter anderem aus den tieferen Produktionskosten in den Oststaaten.

Ein Drittel der Transportmengen auf der Schiene entfällt auf den kombinierten Verkehr

An Bedeutung gewonnen hat in den vergangenen Jahren der sogenannte kombinierte Güterverkehr. Dabei werden die Güter auf mindestens zwei Verkehrsträgern (Strasse, Schiene, Wasser) befördert, wobei nicht das eigentliche Transportgut umgeladen wird, sondern die Transportbehälter (z.B. Container).

Im Falle der Schiene wurden 2019 rund 20,7 Millionen Netto-Tonnen im kombinierten Verkehr transportiert, was bezogen auf die gesamte Transportmenge der Bahn einem Anteil von rund 34% entsprach. Im alpenquerenden Schienengüterverkehr machte der kombinierte Verkehr sogar drei Viertel aus. Innerhalb des kombinierten Schienenverkehrs überwog mit 19,3 Millionen Netto-Tonnen ganz klar der unbegleitete kombinierte Verkehr (UKV), das heisst Transporte von Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern. Die Rollende Autobahn (Verlad von Strassengüterfahrzeugen) machte nur 1,4 Millionen Netto-Tonnen aus.

10% mehr Containerumschläge in den Rheinhäfen als 2010  

Mit Rheinschiffen wurden 2019 Waren im Umfang von 732’000 Netto-Tonnen in Containern zu den Schweizerischen Rheinhäfen nach Basel oder von dort weg transportiert. Dies entspricht einem Anteil von 12% an der gesamthaft in den Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagenen Gütermenge. 2019 wurden in den Basler Häfen 73’656 Container wasserseitig umgeschlagen. Das sind 10% mehr als noch 2010 (66’959 Container). Gleichzeitig nahm der Anteil der grossen 40-Fuss-Container zu, nämlich von 48% im Jahr 2010 auf 59% im Jahr 2019. Der Anteil der kleineren 20-Fuss-Container ging entsprechend von 52% auf 41% zurück.

Im Strassengüterverkehr mit schweren inländischen Fahrzeugen hatten kombinierte Transporte mit 5,2 Millionen Netto-Tonnen einen Anteil von 1,7% an der insgesamt beförderten Transportmenge. Bezogen auf die Transportleistung machte der kombinierte Verkehr mit knapp 300 Millionen Netto-Tonnenkilometern 2,7% des gesamten Güterverkehrs mit schweren inländischen Fahrzeugen aus.

Transportleistungen Strasse Schiene 2019_BFS_9 2 21
Quelle: BFS
Transportleistungen Strassen Schienengueterverkehr 2019_BFS_9 2 21
Quelle: BFS
Litra und VöV: Der Kombinierte Verkehr – wichtiges Rückgrat im Schweizer Gütertransport
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat am 9. Februar 2021 die neue Statistik zum Kombinierten Güterverkehr publiziert. Der Kombinierte Güterverkehr gewinnt laufend an Bedeutung – insbesondere in der Schweizer Verkehrspolitik.

Kombinierter Verkehr beschreibt das Transportieren von intermodalen Transporteinheiten (Container, Wechselbehälter, Sattelauflieger und verladene Strassengüterfahrzeuge) auf verschiedenen Verkehrsträgern (Schiene, Wasser, Strasse). Der überwiegende Teil der zurückgelegten Strecke wird mit der Eisenbahn oder dem Schiff bewältigt (Hauptlauf), der Vor- und Nachlauf auf der Strasse wird so kurz wie möglich gehalten. Vor allem mit Blick auf die Schweizer Verlagerungspolitik ist der Kombinierte Verkehr von grosser Bedeutung, da er massgeblich zur Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene und somit zur Umsetzung des Alpenschutzartikels in der Bundesverfassung beiträgt. Im unbegleiteten Kombinierten Verkehr wurden 2019 insgesamt 19’251’000 Netto-Tonnen in den vier Verkehrskategorien Transit, Binnen und Import- und Export transportiert – 84 Prozent davon im Transitverkehr, plus zusätzlich noch 1’446’000 Netto-Tonnen im begleiteten Kombinierten Verkehr (Rola). Rund ein Drittel des gesamten Schienengüterverkehrs wird über den Kombinierten Verkehr abgewickelt.

Die neue Statistik zeigt ausserdem die Warenströme in den vier Verkehrsarten Transit, Binnen-, Import- und Exportverkehr. Im Transit durch die Schweiz werden die grössten Mengen zwischen Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Italien transportiert. Im Binnenverkehr fliessen die Ströme vor allem aus und in die Nordwestschweiz. Interessant ist, dass die Güter zwischen der Schweiz und den Nachbarländern Frankreich und Österreich praktisch kaum im Kombinierten Verkehr transportiert werden.
Das neue Datenangebot des Bundesamtes für Statistik zum kombinierten Güterverkehr orientiert sich an den Empfehlungen des statistischen Dienstes der Europäischen Union (Eurostat) und deckt die Jahre 2016 bis 2019 ab. Es basiert auf der Auswertung vorhandener Daten aus dem System CIS-Infra von SBB Infrastruktur. Ein langfristiges Ziel der KV-Statistik bildet die Darstellung von verkehrsträgerübergreifenden Transportketten vom Versandort des Behälters bis zu seinem endgültigen Zielort.

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