SBB reicht Konzessionsgesuch für das Wasserkraftwerk Etzelwerk ein

Die SBB übergab am 16. Juni 2021 ihr Gesuch für die Nutzung des Wassers der Sihl zur Bahnstromproduktion den Konzessionsgebern. Damit startet das offizielle Konzessionsverfahren, welches voraussichtlich bis Anfang 2023 abgeschlossen sein wird. Die Züge in der Grossregion Zürich könnten dann weitere achtzig Jahre lang mit nachhaltigem Bahnstrom versorgt werden.

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur neuen Konzession für das Etzelwerk ist erreicht: Die SBB reichte am 16. Juni 2021 ihr Gesuch für den Betrieb des Wasserkraftwerks Etzelwerk in Altendorf über weitere 80 Jahre bei den Konzessionsgebern ein (Kantone Schwyz, Zürich, Zug, Bezirke Einsiedeln und Höfe). Zuvor waren während mehr als sieben Jahren umfangreiche Abklärungen und intensive Verhandlungen geführt worden. Ende 2019 einigten sich die Konzessionsgeber und die SBB über die wichtigsten Punkte. Nun ist auch der Umweltverträglichkeitsbericht fertiggestellt.

Umweltverträglichkeit des Etzelwerks sicherstellen

Aus Sicht der SBB enthält das Konzessionsdossier eine ausgewogene Mischung an Nutzungsrechten und Gegenleistungen – dies im Interesse der Öffentlichkeit und Umwelt.

«Die Konzessionsgeber erhalten über die nächsten Jahrzehnte zuverlässig Einnahmen und die SBB kann wirtschaftlich nachhaltigen Bahnstrom produzieren»

, erläutert Simon Ryser, SBB Gesamtprojektleiter Konzessionserneuerung Etzelwerk.

Wesentlicher Bestandteil des Konzessionsdossiers ist der Umweltverträglichkeitsbericht. Darin hält die SBB fest, wie sie bei der Modernisierung des Werks und beim Betrieb über die kommenden Jahrzehnte die geltenden Umweltschutzbestimmungen umsetzen will. Als Kompensation des Eingriffs in die Natur werden verschiedene ökologische Massnahmen vorgeschlagen. Beim Sihlhölzli in Zürich ist ein Fischaufstieg geplant, in der Region Sihlsee wird es ökologische Aufwertungen geben, die Sihl bei Sihlwald wird revitalisiert.

Mehr Restwasser in der Sihl

Gemäss aktuellen Gewässerschutzbestimmungen muss die SBB künftig mehr Restwasser in die Sihl abgeben. Mit der im Bericht vorgeschlagenen Variante sind es jährlich rund 16 Millionen Kubikmeter mehr als bisher. Damit ist eine ökologische Verbesserung der Lebensräume auf der gesamten Länge der Sihl von der Staumauer bis zur Mündung in der Limmat möglich. Das Paket an ökologischen Massnahmen und die Restwasservariante hat die SBB zusammen mit dem WWF, Aqua Viva und Pro Natura erarbeitet. Es fliesst als gemeinsamer Antrag ins Konzessionsgesuch ein.

Regeneration Breitried fällt weg

Die Revision des Wasserrechtsgesetzes des Bundes von 2020 hat dazu geführt, dass insgesamt weniger ökologische Massnahmen notwendig sind als ursprünglich geplant. So fällt beispielsweise die Regeneration des Breitrieds in der Region Ybrig weg. Auch die Revitalisierung der Minster ist nicht mehr Bestandteil der ökologischen Massnahmen zur Etzelwerkkonzession. Sie wird jedoch unabhängig vom Konzessionsverfahren weiterverfolgt, gemäss Gewässerschutzgesetz. Insgesamt investiert die SBB rund 24 Millionen Franken in die ökologischen Massnahmen.

Koordiniertes Konzessionsverfahren in drei Kantonen und zwei Bezirken

Die Konzessionsgeber haben das Konzessionsdossier der SBB am 16. Juni 2021 in Einsiedeln entgegengenommen und starten das formelle Konzessionsverfahren. Das Dossier liegt ab dem 9. Juli 2021 für 30 Tage öffentlich auf.

«Das Verfahren zur Vergabe der Konzession ist komplex und aufgrund der kantonalen Gesetzgebungen unterschiedlich. Es muss koordiniert durchgeführt werden, denn am Ende kommt die neue Konzession nur zustande, wenn sie bei allen Konzessionsgebern gleich lautet»

, erklärt der Schwyzer Regierungsrat Sandro Patierno, Verhandlungsführer seitens Konzessionsgeber.

In den drei Kantonen entscheidet der Regierungsrat über die Vergabe der Konzession; im Kanton Schwyz zusätzlich noch die Stimmbevölkerung der Bezirke Einsiedeln und Höfe. Kommt es zu keinen grossen Verzögerungen im Verfahren, finden die Volksabstimmungen bereits Ende 2022 statt. Die offizielle Vergabe der Konzession an die SBB könnte dementsprechend Anfang 2023 erfolgen, sofern alle Entscheide im Verfahren positiv ausfallen. Allfällige Rechtsverfahren können zu Verzögerungen führen.

Umweltfreundliche Bahnstromproduktion im Wasserkraftwerk Etzelwerk

Das Etzelwerk deckt rund 10 Prozent des jährlichen Bahnstrombedarfs mit nachhaltig produzierter Energie ab. Die Erneuerung der Konzession und die Modernisierung des Werks sind wichtige Faktoren zur Umsetzung der Energiestrategie der SBB, denn die Bahn will ab 2025 mit 100 Prozent erneuerbarer Energie fahren (heute: rund 90 Prozent).


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Text-QuelleSBB CFF FFS
Redaktionhttps://www.bahnonline.ch
Aus der Bahnonline.ch-Redaktion. Zugesandte Artikel und Medienmitteilungen, welche von der Redaktion geprüft und/oder redigiert wurden.

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Kommentare

1 Kommentar

  1. Trotzdem ist es bedauerlich, dass kein Ausbau des Etzelwerkes zu einem Pumpspeicherwerk mit Pumpbetrieb zwischen Zürichsee und Sihlsee eingereicht worden ist. Die Anlage mit den zwei Seen würde eine derartige Projekterweiterung mit einer Leistung in der Grössenordnung 500 – 1000 MW angesichts der kritischen Lage der Stromversorgung der Schweiz eigentlich erfordern. Selbstverständlich müsste die Finanzierung mit den Nutzern (Bund, Kantonen und SBB sowie ein „verantwortliches Elektrizitätswerk Pumpspeicher Sihlsee) geregelt werden.

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